Eurostecker

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Eurostecker EN 50075

Der Eurostecker (EN 50075, auch benannt als Typ C „CEE 7/16“, 250V/2.5A)[1] ist symmetrisch zweipolig und schließt schutzisolierte Geräte der Klasse II mit geringer Leistung bis zu einem Strom von maximal 2,5 Ampere bei einer Wechselspannung von maximal 250 Volt ans Niederspannungsnetz an.[2] Er passt in die meisten Steckdosen Europas außer in Irland, Malta, Zypern und im Vereinigten Königreich und gehört zu den Typ-C-Steckern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inkompatibilität und Normungsversuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Normvielfalt hat historische Gründe. Strom gab es zuerst um 1880 für Licht und viele Jahrzehnte lang waren elektrische Großgeräte fest im Haus verkabelt. Erst mit der zunehmender Verbreitung mobiler Geräte im frühen 20. Jahrhundert mussten die Hersteller Alternativen finden: Jedes Land entwickelte eigene mobile Steckverbindungen. Nur wenige Menschen reisten mit elektrischen Geräten im Gepäck und die Kompatibilität war lange Zeit bis auf die Spannung und die Frequenz unwichtig.

Eine frühe Standardisierung scheiterte am Zweiten Weltkrieg, der die Normung bis in die 1950er Jahre stoppte.

Die International Electrotechnical Commission (IEC) entwickelte mit IEC 60906-1 einen internationalen Standard, der nur von Brasilien und Südafrika übernommen wurde.

Einführung in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Eurostecker kam 1963 als Alternative II des Standardblatts XVI in der zweiten Ausgabe der CEE-Veröffentlichung 7 zur Verwendung in Steckdosen anderer Standards. Ungewöhnlich ist, dass in dieser Norm nur ein Stecker beschrieben wird, bekannt als „CEE 7/16 Alternative II-Stecker“, später nur als „CEE 7/16-Stecker“ bezeichnet.

1975 wurde er auch als Stecker C5 im IEC Technical Report 83 benannt und 1990 in der Cenelec-Norm EN 50075 erwähnt, die in den meisten europäischen Ländern in eine nationale Norm umgesetzt wurde.

Andere Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine detaillierte Länderliste findet sich im Artikel Länderübersicht Steckertypen, Netzspannungen und -frequenzen. Der Eurostecker passt in die Steckdosen der Typen C, D, E, F, H, J, K, L (10A) N und O, hingegen nicht in die Steckdosen der Typen A, B, G, I, L (16A) und M.

Einsatzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwendbarkeit der Eurostecker
Vierfach- und Dreifachverteiler für Eurostecker, auf der Rückseite Konturenstecker (in der Schweiz verboten, dort werden versenkte SEV 1011 Typ 13-Steckdosen verwendet)

Die Rundstifte haben 4 mm Durchmesser und einen Abstand von 19 mm Mitte zu Mitte und passen in jede Steckdose, die runde Kontakte von 4,0 bis 4,8 mm Durchmesser im 19-mm-Abstand akzeptiert.

Steckdosen mit passenden Vertiefungen gibt es in Badezimmern von Hotels als galvanisch getrennte Rasiersteckdosen nach EN 61558-2-5,[3] ferner bei Steckadaptern und Verlängerungsleitungen.

Normung und Ausführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norm

Die Europäische Norm EN 50075 wurde in Deutschland mit der DIN VDE 0620-101 und DIN 49464:2001-06[4] umgesetzt. Beschrieben wird ein „flacher, nichtwiederanschließbarer zweipoliger Stecker, 2,5 A 250 V, mit Leitung, für die Verbindung von Klasse-II-Geräten für Haushalt und ähnliche Zwecke“.

Die Schweizer Norm SN 441011 verweist auf SN EN 50075 und legt fest, dass die Steckdosen auch Eurostecker aufnehmen müssen.[5] Daher können alle gegenwärtigen Einphasen- und Drehstromsteckdosen für den Haushalt den Eurostecker aufnehmen.

Der Eurostecker entsteht im Spritzgussverfahren durch die Umhüllung der Anschlussleitung und der Kontaktstifte mit einer Kunststoffmasse, die auch den Kabelknickschutz bildet. Der Eurostecker wird an eine Leitung H03VV-F oder H05VV-F mit 2 × 0,75 mm² oder 2 × 0,5 mm² (nur bis zu einer Länge von 2 m zulässig) angespritzt[6]. Eine zerstörungsfreie Reparatur ist nicht möglich.[7]

Die Kontakte haben eine 9 mm lange metallische abgerundete Spitze. Sie sitzen auf 10 mm langen Kunststoffhülsen, die einen geringeren Durchmesser haben, um einen mechanischen Einfluss auf die Kontaktgabe der Kontaktspitzen zu vermeiden. Durch die schrägstehenden und teilisolierten Stifte wird ein ausreichender Kontakt auch bei unterschiedlichen Steckdosen gegeben.[8] Das in der nebenstehender Skizze angegebene Profil des Steckers muss bis zu einem Abstand von 18 mm von der Frontplatte eingehalten werden.

Im Handel gibt es zur Reparatur und zur Selbstkonfektion auch nichtnormkonforme formgleiche Einzelstecker und Kupplungen mit Schraub-, Löt- oder Crimpanschluss. Die Gehäuse sind einteilig zuklappbar oder zweiteilig, wobei eine Hülle über einen Innenteil geschoben wird und einrastet. Es gibt auch nichtnormkonforme zweiteilige Stecker aus Hartplastik oder Bakelit mit Schraubbefestigung.

Schuko-Steckdose, die zwei Eurostecker aufnehmen kann

Die spitzwinkeligen Seiten des Eurosteckers und seine etwas geringere Breite im Vergleich zu Schuko-Steckern erlauben darüber hinaus die Konstruktion von Schuko-Steckdosen, in die zwei Eurostecker eingesteckt werden können.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Russland nennt man den Schukostecker „Eurostecker“ und den Eurostecker „flacher Stecker“ oder „gewöhnlicher Stecker“.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Eurostecker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. EN 50 5075/1990: Flache, nichtwiederanschließbare, zweipolige Stecker, 2,5 A 250 V, mit Leitung, für die Verbindung von Klasse II-Geräten für Haushalt und ähnliche Zwecke. (PDF) Europäisches Komitee für Elektronische Normung, CENELEC, Brüssel, Juli 1990, archiviert vom Original am 17. August 2016; abgerufen am 28. September 2014.
  2. EN 50075:1990 Abschnitt 1
  3. Schutzmaßnahme: Schutztrennung mit nur einem Verbrauchsmittel – DIN VDE 0100-410 Abschnitt 413. (PDF) VDE Verlag, abgerufen am 25. Februar 2014.
  4. Zweipolige Rundstecker AC 2,5 A 250 V
  5. Informationsblatt SEV 1011 – Steckdose/Stecker/Kupplung. (PDF) Eidgenössisches Starkstrominspektorat ESTI, Schweizerische Bundesverwaltung, 1. August 2011, abgerufen am 8. Februar 2021.
  6. EN 50075:1990 Abschnitt 12.1
  7. EN 50075:1990 Abschnitt 1; 2.2; 2.3 und 9.1
  8. Alfred Hösl, Roland Ayx, Hans Werner Busch: Die vorschriftsmäßige Elektroinstallation, Wohnungsbau – Gewerbe – Industrie. 20. Auflage. VDE Verlag, Berlin und Offenbach 2012, ISBN 978-3-8007-3237-1, S. 506.