Eustathios von Antiochia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eustathios von Antiochia (lateinisch Eustathius; * in Side, Pamphylien) war ein antiker Bischof. Zunächst Bischof von Beroea, wurde Eustathios Mitte der 320er Jahre zum Patriarchen von Antiochien gewählt. Er kämpfte verbissen gegen die Arianer, denen es schließlich gelang, ihn absetzen und verbannen zu lassen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eustathios stammte aus Side im kleinasiatischen Pamphylien.[1] Er wurde zunächst Bischof von Beroea in Syrien (heute Aleppo). In dieser Zeit lernte er Alexander kennen, den einflussreichen Bischof von Alexandria, der zu dieser Zeit in einen Streit mit dem Presbyter Arius geriet (arianischer Streit). Alexander verfasste ein Rundschreiben gegen die Lehre des Arius, zu dessen Empfängern auch Eustathios gehörte.[2] Schon jetzt war er also als Gegner des Arianismus etabliert. Als Philogenius starb, der Patriarch von Antiochia, wurde Eustathios auf einer Synode, die unter der Leitung des antiarianischen Bischofs Ossius von Córdoba stand, Anfang 325 zu seinem Nachfolger gewählt. In diesem Zusammenhang befreundete er sich mit Ossius.[3]

Auf dem Ersten Konzil von Nicaea 325, das den arianischen Streit schlichten sollte, trat er als einflussreicher Patriarch[4] entschieden gegen den Arianismus ein. Seine Partei konnte schließlich ein Bekenntnis durchsetzen (Nicaenum), das die Wesensgleichheit Gottes mit seinem Sohn Jesus Christus feststellte und damit den arianischen Vorstellungen einer Wesensähnlichkeit widersprach. Auch nach dem Sieg setzte er sich gegen den Arianismus ein, so verwehrte er verschiedentlich Arianern die Aufnahme in den Klerus. Von dieser Maßnahme waren auch etwa die späteren Bischöfe Eustathius von Sebaste, Stephanos von Antiochia, Leontios von Antiochia, Georgios von Laodikeia, Theodosius von Tripolis und Eudoxius von Germanicia betroffen.[5] Noch unbeliebter machte sich Eustathios aber im arianischen Lager, als er dem einflussreichen Bischof Eusebius von Caesarea Abweichungen vom Nicaenum vorwarf, das dieser ebenfalls unterschrieben hatte.[6]

326 wurde der Nicht-Arianer Ossius von Córdoba, bis dahin Hofbischof Konstantins des Großen, entlassen. In der Folge übernahmen arianische Bischöfe, vor allem Eusebius von Nikomedia, die kirchenpolitische Macht am Hof. Der neuerstarkte Arianismus setzte sich nun gegen seine Feinde zur Wehr. Auf einer Synode, die zwischen 327 und 330/331 in Antiochia stattfand, warf ihm Kyros, sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Beroea, Sabellianismus vor, woraufhin er abgesetzt wurde.[7] Eine andere Variante der Absetzung überliefert der Kirchenhistoriker Theodoret: Eusebius von Nikomedia habe mit einigen anderen arianischen Bischöfen eine Prostituierte bestochen, die daraufhin aussagte, ein Kind von Eustathios empfangen zu haben. Diese Erzählung scheint jedoch spätere Erfindung zu sein.[8]

In der Stadt kam es daraufhin zu heftigen Unruhen, sodass der Kaiser in den Streit eingreifen musste. Er verhörte Eustathios,[9] dem nun noch zusätzlich vorgeworfen wurde, Helena beschimpft zu haben, die Mutter Konstantins.[5] Der Kaiser bestätigte den Beschluss der Synode, den Patriarchen abzusetzen, und verbannte ihn und viele seiner Gefolgsleute nach Trajanopolis in Thrakien. In Antiochia bildeten die verbliebenen Anhänger des Eustathios eine eigene Gemeinde und es kam zu einem Schisma. Eustathios selbst scheint in der Verbannung noch länger gelebt zu haben, da er eine Schrift gegen Photinus von Sirmium verfasste. Das genaue Todesdatum ist jedoch unsicher. 482 wurden seine Gebeine als Reliquien nach Antiochia überführt.[10]

Eustathios galt schon früh als einer der wichtigsten orthodoxen Kirchenlehrer. Der Kirchenvater Hieronymus rühmt ihn nicht nur für seine exzellente Bibelkenntnis, sondern auch für seine Vertrautheit mit den weltlichen Schriften der Philosophen.[11] Athanasius der Große, mit dem er gemeinsam gegen die Arianer gestritten hatte, nannte ihn schon zu Lebzeiten „den Großen“. Einfluss übte er etwa auf Theodoret und Eustratios, Gelasius von Rom und Facundus von Hermiane aus, die seine Schriften studierten.

Das einzige vollständig erhaltene Werk des Eustathios ist die theologische Abhandlung De Engastrimytho contra Origenem. Hier kritisiert er die allegorische Methode des Origenes bei der Bibelexegese am Beispiel von dessen Interpretation der Geschichte um die Hexe von Endor (1. Buch Samuel 28). Er schrieb außerdem eine Abhandlung de anima („Über die Seele“) und ein in acht Bücher eingeteiltes Werk gegen die Arianer. Diese und seine übrigen Schriften sind jedoch nur fragmentarisch erhalten. Die erhaltenen Fragmente seiner Schriften lassen, was seine dogmatisch-theologische Position angeht, viele Fragen offen. Klar ist, dass er strikt anti-arianisch dachte und in Bezug auf den Logos von einer „wahren göttlichen Zeugung“ sprach, wobei er anders als die Arianer zwischen „gezeugt“ und „erschaffen“ klar unterschied.

Sein Festtag ist der 21. Februar.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eustathius Antiochenus, Opera omnia. J.H. Declerck (ed.), Turnhout: Brepols, 2002 (Corpus Christianorum Series Graeca, 51), CDLXII+288 S., 155 x 245 mm, ISBN 978-2-503-40511-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hieronymus, de viris illustribus 85.
  2. Theodoret, Kirchengeschichte 1,4,62.
  3. Hilarius von Poitiers, in: Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum 65,66,16–28; Sozomenos 3,11,16.
  4. Theodoret berichtet, dass Eustathios sogar Vorsitzender des Konzils gewesen sei und die Begrüßungsrede gehalten habe (Kirchengeschichte 1,7,10; Brief 151). Dies wird jedoch von keinem anderen Autor berichtet und scheint eher unwahrscheinlich; Lorenz, in: TRE, Bd. 10, S. 544, vermutet dahinter eine „antiochenische Lokaltradition“.
  5. a b Athanasius, historia Arianorum 1,4.
  6. Sokrates Scholastikos 1,23,8; Sozomenos 2,18,3f.
  7. Sokrates Scholastikos 1,24,2.
  8. Theodoret 1,21. Dazu Lorenz, in: TRE, Bd. 10, S. 544: „hagiographische Legende“.
  9. Zu den Unruhen in Antiochia Eusebius von Caesarea, Vita Constantini 3,59, der auch das Verhör erwähnt.
  10. Theodorus Lector, epitome 435.
  11. Hieronymus, Brief 70,4 (an Magnus).
Vorgänger Amt Nachfolger
Paulinos I. Bischof von Antiochia
325–332
?