Eva Haule

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Eva Sybille Haule (* 16. Juli 1954 in Tübingen; zeitweise Eva Sybille Haule-Frimpong) ist ein ehemaliges Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF) und war an mehreren Terroranschlägen beteiligt. 1986 wurde sie verhaftet und in zwei Prozessen unter anderem wegen dreifachen Mordes und 23-fachen versuchten Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. 2007 wurde sie auf Bewährung entlassen. Seit ihrer Haft betätigt sie sich als künstlerische Fotografin.[1][2]

Leben[Bearbeiten]

Mitgliedschaft in der RAF[Bearbeiten]

Sie stieß etwa 1984 zur Rote Armee Fraktion und gehörte zu deren „dritter Generation“.

Verhaftung und Prozesse[Bearbeiten]

Eva Haule wurde nach einem Tipp eines Gastes am 2. August 1986 in einem Eiscafé in Rüsselsheim zusammen mit der damals 23-jährigen Luitgard Hornstein und dem 26-jährigen Christian Kluth festgenommen. Die zwei wohnten in der Düsseldorfer Kiefernstraße. Auf die Ergreifung von Haule-Frimpong waren 50.000 Mark ausgesetzt. Dies war bis 1993 die letzte Verhaftung von Angehörigen der Kommandoebene der RAF.

Die beiden Begleiter wurden von den Behörden zum „illegalen militanten Bereich“ der RAF gezählt. Sie agierten den Ermittlungen zufolge von Düsseldorf aus vor allem in Nordrhein-Westfalen.

Am 1. September 1987 wurde vor dem Oberlandesgericht Stuttgart die Hauptverhandlung gegen Haule-Frimpong und ihre beiden Begleiter eröffnet. Wegen ihrer Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Urkundenfälschung, Hehlerei und Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie des Überfalles auf das Waffengeschäft in Maxdorf und des versuchten Bombenanschlages in Oberammergau wurde sie am 28. Juni 1988 zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Diese Haftstrafe wäre 2001 abgelaufen, jedoch war aufgrund neuer Beweise ein erneuter Prozess gegen Haule-Frimpong am Oberlandesgericht in Frankfurt angestrengt worden. Vom 7. Januar 1993 an ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen die RAF-Mitglieder wegen dreifachen Mordes und 23-fachen versuchten Mordes, da sie 1985 an der Ermordung des US-Soldaten Edward Pimental und am Bombenanschlag auf die US-Air-Base in Frankfurt beteiligt war.

In der Haftzelle einer anderen Angehörigen der RAF waren zwei Briefe gefunden worden, in denen sie ihre Beteiligung einräumte.[3] Indiz war ein Zettel, auf dem Haule von der RAF als „Wir“ schrieb und eine politische Einschätzung des Anschlags abgab. Wegen des Mordes an dem US-Soldaten sowie wegen des am 8. August 1985 verübten Sprengstoffanschlags auf die US-Airbase Frankfurt wurde Haule durch Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt vom 28. April 1994 rechtskräftig zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Sie war zunächst im Frauengefängnis Frankfurt-Preungesheim inhaftiert und saß bis zu ihrer Freilassung in der Frauenvollzugsanstalt Berlin-Neukölln ein.

Arbeit als Künstlerin[Bearbeiten]

Haule-Frimpong stellte im März 2005 im Rahmen der Ausstellung „Kunst von Außenseitern“ im Abgeordnetenhaus von Berlin Porträt-Fotos aus, die sie von inhaftierten Frauen gemacht hatte. Ihre Beteiligung löste heftige Proteste unter den Abgeordneten und in der Öffentlichkeit aus. Eine zweite Ausstellung (Abschlussarbeit Schule für Fotografie) fand im März 2007 in der Galerie VolkArt Berlin statt.[4]

Freilassung[Bearbeiten]

Einem von Eva Haule gestellten Antrag auf Entlassung zur Bewährung wurde am 16. August 2007 stattgegeben.[5] Das Oberlandesgericht Frankfurt setzte den Rest ihrer lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Die Bewährungszeit wurde auf fünf Jahre festgesetzt. Haule erhielt einen Bewährungshelfer.

Der zuständige Senat hatte die Verurteilte zweimal persönlich angehört. Er war zu der Überzeugung gelangt, dass von Haule derzeit keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr ausgehe. Haule habe überzeugend klargemacht, Gewalt in Form des „bewaffneten Kampfes“ nicht mehr als geeignetes Mittel zur Erreichung politischer Ziele anzusehen.[6]

Haule wurde am 17. August 2007 aus dem Frauengefängnis Berlin-Neukölln entlassen. Von der RAF hat sich Haule nicht distanziert.[7]

Bücher[Bearbeiten]

  • Eva Haule: Porträts gefangener Frauen. AG SPAK Bücher, 2005, ISBN 3-930830-65-5, 98 Seiten
  • Eva Haule: La revolución somos todos - Die Revolution sind wir alle - Gespräche mit BasisaktivistInnen und Fotos aus Venezuela. AG SPAK Bücher, 2009, ISBN 978-3-930830-04-6, 143 Seiten

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.stern.de/politik/deutschland/raf-eva-haule-kommt-frei-595486.html
  2. http://www.welt.de/politik/article1114300/Eva-Haule-Das-unbekannte-Gesicht-der-RAF.html
  3. http://www.welt.de/politik/article1114300/Eva-Haule-Das-unbekannte-Gesicht-der-RAF.html
  4. steffen: Knast – Tag der offenen Tür im Babylon Mitte. Darin: Portraits gefangener Frauen, Eva Haule, und steffen: Solaris – Bilder einer Theaterproduktion. K&K VolkArt, 30. März 2007. Abgerufen 2. September 2010.
  5. http://www.focus.de/politik/deutschland/raf/eva-haule_aid_70072.html
  6. Presseinformation OLG Frankfurt am Main: Strafaussetzung zur Bewährung für Eva Haule. 17. August 2007. Abgerufen 2. September 2010.
  7. http://www.welt.de/politik/article1114300/Eva-Haule-Das-unbekannte-Gesicht-der-RAF.html