Eva Haule

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Eva Sybille Haule (* 16. Juli 1954 in Tübingen; zeitweise Eva Sybille Haule-Frimpong) ist ein ehemaliges Mitglied der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) und war an mehreren Anschlägen beteiligt. 1986 wurde sie verhaftet und in zwei Prozessen unter anderem wegen dreifachen Mordes und 23-fachen versuchten Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. 2007 wurde sie auf Bewährung entlassen. Seit ihrer Haft betätigt sie sich als künstlerische Fotografin.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haule studierte zunächst in Reutlingen Sozialwesen und später in Berlin Sozialpädagogik.

Von 1980 bis zur Scheidung 1988 war Haule mit dem aus Ghana stammenden Emmanuel Kwame Frimpong verheiratet und führte bis 1993 den Doppelnamen Haule-Frimpong. Ab 1983 bis zu ihrem Untertauchen bezog sie Sozialhilfe, nachdem sie von Frimpong getrennt war und von diesem keinen Unterhalt erhielt.[3]

Mitgliedschaft in der RAF[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Berliner Hausbesetzer-Szene kam Haule in Kontakt mit militanten Linksradikalen.[2] Zu Haules Berliner Bekannten gehörte seit Ende der 1970er Jahre die später ebenfalls als RAF-Mitglied verurteilte Manuela Happe.[3][4] Seit 1979 betreute sie RAF-Mitglieder in Gefängnissen, darunter den seit November 1982 inhaftierten Christian Klar.[4] 1982 kam Haule unter Verdacht auf Begehung von Brandanschlägen auf deutsche und amerikanische Militäreinrichtungen in Untersuchungshaft, das Ermittlungsverfahren wurde jedoch eingestellt. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt eine gemeinsame Wohnung mit Wolfgang Grams, Christoph Seidler, Thomas Simon sowie Barbara und Horst Ludwig Meyer, die alle zum RAF-Mitgliederkreis gezählt werden.[3]

Im Februar 1984 tauchte die bisherige Sympathisantin in die Illegalität ab und schloss sich als aktives Mitglied der sogenannten „dritten Generation“ der RAF an.[3] Im Juli 1984 entging sie einer Festnahme mehrerer RAF-Mitglieder in einer auch von ihr bewohnten Wohnung in Frankfurt, als sie zufällig nicht anwesend war. Die Polizei stellte damals neben zahlreichen Waffen auch mehrere belastende Dokumente mit Haules Fingerabdrücken sicher. Noch im selben Monat wurde ein internationaler Haftbefehl gegen sie ausgestellt.[5]

Neben Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld gilt Haule als Mitglied des engsten Führungskreises der dritten Generation der RAF.[6] In den Jahren ihrer aktiven Mitgliedschaft verübte die RAF zahlreiche Aktionen und Anschläge, durch die insgesamt sechs Menschen ermordet wurden, darunter die Manager Ernst Zimmermann und Karl Heinz Beckurts sowie die nicht persönlich als Ziele ausgewählten Opfer Eckhard Groppler (Beckurts’ Fahrer) und Becky Jo Bristol (zivile Angestellte des US-Luftwaffenstützpunkts Frankfurt). Wegen ihrer vermuteten Beteiligung an mehreren dieser Anschläge kam es in der Folge zu Ermittlungen und in zwei Fällen zu Strafprozessen gegen Haule.

Verhaftung, Prozesse und Haft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eva Haule wurde nach einem Tipp eines Gastes am 2. August 1986 in einem Eiscafé in Rüsselsheim zusammen mit der damals 23-jährigen Luitgard Hornstein und dem 26-jährigen Christian Kluth festgenommen. Die zwei wohnten in der Düsseldorfer Kiefernstraße. Auf die Ergreifung von Haule-Frimpong waren 50.000 Mark ausgesetzt. Dies war bis 1993 die letzte Verhaftung von Angehörigen der Kommandoebene der RAF.

Die beiden Begleiter wurden von den Behörden zum „illegalen militanten Bereich“ der RAF gezählt. Sie agierten den Ermittlungen zufolge von Düsseldorf aus vor allem in Nordrhein-Westfalen.

Am 1. September 1987 wurde vor dem Oberlandesgericht Stuttgart die Hauptverhandlung gegen Haule-Frimpong und ihre beiden Begleiter eröffnet. Wegen ihrer Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Urkundenfälschung, Hehlerei und Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie eines Überfalls auf ein Waffengeschäft in Maxdorf 1984 und eines versuchten Bombenanschlages auf die NATO-Schule in Oberammergau im Dezember 1984 wurde sie am 28. Juni 1988 zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Diese Haftstrafe wäre 2001 abgelaufen, jedoch wurde aufgrund neuer Beweise ein neues Ermittlungsverfahren gegen Haule-Frimpong eingeleitet.

Vom 7. Januar 1993 an ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen sie wegen vermuteter Beteiligung am dreifachen Mord und 23-fachen versuchten Mord (Ermordung des US-Soldaten Edward Pimental und Sprengstoffanschlag auf die Rhein-Main Air Base 1985). In der Haftzelle der RAF-Angehörigen Manuela Happe waren im März 1990 zwei Kassiber gefunden worden, die Haule zugeordnet werden konnten. Darin beschrieb Haule genau, welche konkreten Ziele die RAF mit der Ermordung Pimentals verfolgte und wie die Situation innerhalb der RAF nach dem Anschlag war, wobei sie immer wieder von „wir“ sprach. Das war laut dem zuständigen Sachbearbeiter Klaus Pflieger bei der Bundesanwaltschaft nicht als allgemeiner Hinweis auf die RAF, sondern auf die konkreten Urheber der Taten zu verstehen, zumal die Verfasserin sich für die Ermordung von „pim“ (Pimental) verantwortlich zu fühlen schien. Daher wurde Haule im März 1993 angeklagt und die Sache ab November 1993 vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main verhandelt. Der Senat folgte der Argumentation der Anklage. Wegen des Mordes an dem US-Soldaten sowie wegen Sprengstoffanschlags wurde Haule durch Urteil vom 28. April 1994 – im Wege einer Gesamtstrafenbildung unter Einbeziehung des Urteils von 1988 – rechtskräftig zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Verschiedene Medien hatten den Prozess so kommentiert, dass die Anklage „auf tönernen Füßen“ gestanden habe und man auf sie hätte verzichten können, da Haule sich sowieso schon in Haft befand.[7]

Haule war zunächst in der JVA Stuttgart-Stammheim inhaftiert und wurde 1989 ins Frauengefängnis Frankfurt-Preungesheim verlegt. Später saß sie bis zu ihrer Freilassung in der Frauenvollzugsanstalt Berlin-Neukölln ein. Ab 2004 war sie im offenen Vollzug.

Entlassung zur Bewährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einem von Haule gestellten Antrag auf Entlassung zur Bewährung wurde am 16. August 2007 stattgegeben.[8] Das Oberlandesgericht Frankfurt setzte den Rest ihrer lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Die Bewährungszeit wurde auf fünf Jahre festgesetzt.

Der zuständige Senat hatte die Verurteilte zweimal persönlich angehört. Er war zu der Überzeugung gelangt, dass von Haule derzeit keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr ausgehe. Haule habe überzeugend klargemacht, Gewalt in Form des „bewaffneten Kampfes“ nicht mehr als geeignetes Mittel zur Erreichung politischer Ziele anzusehen.[9]

Haule wurde am 17. August 2007 aus dem Frauengefängnis Berlin-Neukölln entlassen. Von der RAF hatte sich Haule nicht distanziert.[2]

Arbeit als Künstlerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haule nahm zunächst im Frankfurter Gefängnis an einem Fotografiekurs teil und absolvierte später als Freigängerin in Berlin eine Ausbildung zur Fotografin. Sie stellte erstmals im März 2005 im Rahmen der Ausstellung „Kunst von Außenseitern“ im Abgeordnetenhaus von Berlin Porträtfotos aus, die sie von inhaftierten Frauen gemacht hatte. Ihre Beteiligung löste heftige Proteste unter den Abgeordneten und in der Öffentlichkeit aus. Eine zweite Ausstellung (Abschlussarbeit Schule für Fotografie) fand im März 2007 in der Galerie VolkArt Berlin statt.[10]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Porträts gefangener Frauen. AG SPAK Bücher, 2005, ISBN 3-930830-65-5, 98 Seiten
  • La revolución somos todos - Die Revolution sind wir alle - Gespräche mit BasisaktivistInnen und Fotos aus Venezuela. AG SPAK Bücher, 2009, ISBN 978-3-930830-04-6, 143 Seiten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Straßner: Die dritte Generation der „Roten Armee Fraktion“: Entstehung, Struktur, Funktionslogik und Zerfall einer terroristischen Organisation. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 978-3-531-14114-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.stern.de/politik/deutschland/raf-eva-haule-kommt-frei-595486.html
  2. a b c Sven Felix Kellerhoff: Eva Haule – Das unbekannte Gesicht der RAF. In: Welt Online vom 17. August 2007, abgerufen am 20. Juli 2015
  3. a b c d Straßner: Die dritte Generation der „Roten Armee Fraktion“. S. 101 f.
  4. a b Frank Bachner: Die Mörder von Alfred Herrhausen wurden nie gefasst. In: Tagesspiegel.de vom 23. November 2014, abgerufen am 20. Juli 2015
  5. Festnahme im Eiscafe. In: Stern.de vom 24. Februar 2007, abgerufen am 20. Juli 2015
  6. Eva Haule kommt frei. In: Stern.de vom 17. August 2007, abgerufen am 20. Juli 2015
  7. Ausführlich wird dieser Komplex geschildert in den Memoiren von Klaus Pflieger: Gegen den Terror. Erinnerungen eines Staatsanwalts. Verrai, Stuttgart 2016, S. 272–280.
  8. http://www.focus.de/politik/deutschland/raf/eva-haule_aid_70072.html
  9. Presseinformation OLG Frankfurt am Main: Strafaussetzung zur Bewährung für Eva Haule. 17. August 2007. Abgerufen 2. September 2010.
  10. steffen: Knast – Tag der offenen Tür im Babylon Mitte. Darin: Portraits gefangener Frauen, Eva Haule, und steffen: Solaris – Bilder einer Theaterproduktion. K&K VolkArt, 30. März 2007. Abgerufen 2. September 2010.