Eva Herman

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Dieser Artikel behandelt die Fernsehmoderatorin und Autorin Eva Herman, zur Gerechten unter den Völkern siehe Eva Hermann und zur Malerin siehe Eva Herrmann
Eva Herman, 2009

Eva Herman (bürgerlicher Name: Eva Bischoff; * 9. November 1958 in Emden als Eva Feldker) ist eine deutsche Autorin und ehemalige Fernsehmoderatorin. Sie war von 1989 bis 2006 Nachrichtensprecherin der Tagesschau und moderierte bis September 2007 verschiedene Fernsehsendungen für den Norddeutschen Rundfunk (NDR). Einige ihrer Aussagen in Büchern und Medien zum Selbstverständnis von Frauen, über Geschlechterrollen und Familienpolitik führten ab 2006 zu öffentlichen Kontroversen und 2007 zur Beendigung der Zusammenarbeit seitens der ARD-Anstalt NDR.

Herkunft und Privatleben[Bearbeiten]

Herman wurde als Eva Feldker und Tochter eines Hotelier-Ehepaars geboren. Sie wuchs mit einem Bruder und einer Schwester in Herzberg am Harz auf.[1] In ihrer Jugend jobbte sie u. a. im Restaurant „Pappschachtel“ an der Bundesstraße 27.[2] Ihr Vater starb, als sie sechs Jahre alt war. Nach der mittleren Reife absolvierte sie in Braunlage, Timmendorf und in der Schweiz eine Berufsausbildung zur Hotelkauffrau.

1981 heiratete sie den Autohändler Werner Herrmann, zog zu ihm nach München und nahm den Künstlernamen Eva Herman an.[3] Nach der Scheidung 1988 behielt sie diesen Namen. 1989 heiratete sie den Fernsehjournalisten Horst-Wolfgang Bremke, der wie sie beim NDR arbeitete. Die Ehe wurde 1992 geschieden.

Von 1991 bis 1994 war Herman mit dem Moderator Uwe Bahn liiert. 1995 heiratete sie den Produzenten und Regisseur Tom Ockers. 1997 wurde ihr gemeinsamer Sohn geboren. 2002 erfolgte die Scheidung. 2005 heiratete sie den Hotelier Michael Bischoff.[4]

Tätigkeiten für Hörfunk und Fernsehen[Bearbeiten]

Von 1983 bis 1986 absolvierte Herman eine journalistische Ausbildung im Bayerischen Rundfunk in München. Bis 1988 ließ sie sich dort zur Fernsehsprecherin ausbilden. Währenddessen moderierte sie für den Hörfunksender Bayern 3 unter anderem die Sendungen Radiokantine, Hitkiste, Vormittagsprogramm, ARD-Nachtprogramm und Rushhour mit ihrem damaligen Chef Thomas Gottschalk. Gleichzeitig übernahm sie im Bayerischen Fernsehen die Moderation von Nachrichten- und Unterhaltungssendungen, zum Beispiel BR-unterwegs und Der heiße Draht. 1988 wechselte sie zum NDR nach Hamburg, wo sie zunächst die Hörfunkprogramme NDR 2 am Vormittag, die Plattenkiste (NDR 1 Niedersachsen) und NDR 2 Traumhaft moderierte. Nach einem Casting durch Werner Veigel wurde sie ins Team der Tagesschau aufgenommen und sprach ihre erste Sendung im August 1988.

Daneben war Herman regelmäßig in Unterhaltungs- und Talkshows zu sehen. Von 1991 bis 1995 führte sie durch die monatliche Schlagerparade der Volksmusik und präsentierte die ARD-Sendungen Chorgala (1994–1995), Stars (1995–1998) und die Spenden-Gala Ein Herz für Kinder (1996–1997). Weiter führte sie durch die ARD-Berichterstattung über die Internationale Funkausstellung Berlin (1993, 1995, 1997) und über die Kieler Woche (1995–2004). Von 1995 bis 1999 moderierte sie regelmäßig im NDR-Fernsehen das norddeutsche Regionalmagazin DAS!. Am 17. Januar 1997 war sie erstmals zusammen mit ihrer Kollegin Bettina Tietjen Gastgeberin bei der „Talk-Illustrierten“ Stargeflüster. Daraus entwickelte sich im Mai 1999 die Talkshow Herman und Tietjen.[5] Ab Dezember 2000 moderierte sie die NDR-Quizsendung Wer hat's gesehen? und ab Februar 2003 die Talentshow der ARD-Fernsehlotterie Deutschlands Talente.[6] Nebenbei arbeitete Herman auch für den Pharmakonzern Hoffmann-La Roche und dessen bundesweite Kampagne Durch die Brust ins Herz.

2003 galt Herman nach einer Emnid-Umfrage als „beliebteste Moderatorin Deutschlands“.[7]

Im August 2006 zog sich Herman aus der Tagesschau-Mitarbeit zurück. Sie teilte dem NDR mit, sie wolle ihre Arbeit als Nachrichtensprecherin wegen ihrer Tätigkeit als Buchautorin und der erwarteten Kontroverse um ihre neue Veröffentlichung für zwei Jahre ruhen lassen.[8] Im weiteren Verlauf kam es zu einer Vertragsbeendigung, gegen die Herman vergeblich vor Gericht klagte.

Kontroversen[Bearbeiten]

Eva Herman während einer Lesung in Timmendorfer Strand 2007

„Das Eva-Prinzip“ und Nachfolgebücher[Bearbeiten]

In ihrem Buch Das Eva-Prinzip (2006) machte Herman den Feminismus für aus ihrer Sicht unvereinbare Rollenanforderungen an Frauen verantwortlich. Dies habe niedrige deutsche Geburtenraten bewirkt, so dass ein Aussterben der Deutschen drohe. Ihre Kernthesen veröffentlichte sie zuvor im Politikmagazin Cicero. Sie wurden unter anderen von Alice Schwarzer, Thea Dorn, der früheren Familienministerin Renate Schmidt und der Entertainerin Désirée Nick[9] kritisiert. Thomas Steinfeld kritisierte die These des Buchs, die Frauenemanzipation habe die Frauen nicht glücklich gemacht, als Banalität und den Lösungsvorschlag als irreales, überholtes und unwiederbringliches Bild des „bürgerlichen Haushalts während der fünfziger und sechziger Jahre“.[10] Eberhard Rathgeb (FAZ) kritisierte, dass Herman die Änderung von Geschlechterrollen biologisch statt ökonomisch erkläre und die Frauen in eine herkömmliche Mutter- und Heim-Rolle zurückdrängen wolle, die sie selbst nicht gelebt habe.[11]

Herman brachte noch 2006 einen Nachfolgeband Liebe Eva Herman: Briefe an die Autorin des Eva-Prinzips heraus. Dessen Erlöse sollen dem Familiennetzwerk zugutekommen, in dem sie Mitglied ist. Mit ihrem Buch Das Prinzip Arche Noah (2007) beklagte sie einen „Zersetzungsprozess“ von Familien in Deutschland und warb erneut für ein traditionelles Rollenverständnis von Mann und Frau.[12]

Aussage zur NS-Zeit und deren Folgen[Bearbeiten]

Am 6. September 2007 stellte Herman vor etwa 30 Journalisten ihr damals neues Buch Das Prinzip Arche Noah vor und sagte dabei:[13]

„Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ’ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das – alles, was wir an Werten hatten – …; es war ’ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle. Aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben…“

Eine Kommentartorin behauptete am 7. September 2007 im Hamburger Abendblatt, Herman habe die NS-Familienpolitik positiv bewertet:[14]

„In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich, da sei vieles sehr schlecht gewesen, z. B. Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut, z. B. die Wertschätzung der Mutter, die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat.“

Dieser Deutung folgten weitere Medien. Die Bild am Sonntag verkürzte Hermans Aussage am 9. September 2007 unter dem Titel „Eva Herman lobt Hitlers Familienpolitik“ so:[15]

„Es war eine grausame Zeit, er war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle. Aber es ist eben das, was gut war, das sind Werte, Kinder, Mütter, Familie, Zusammenhalt – das wurde abgeschafft, es durfte nichts mehr stehen bleiben.“

Ein Kommentar in der FAZ zitierte eine Erläuterung Hermans dazu:[16]

„Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden.“

In derselben Ausgabe kritisierte die NDR-Rundfunkrätin Sara-Ruth Schumann Herman: Sie erwarte von einer „intelligenten Moderatorin“, „dass sie sauber formuliert.“ Michael Fürst, Mitglied im NDR-Verwaltungsrat, erklärte: „Wenn sie diesen verquasten Unsinn so gesagt hat, spricht das für ein sehr schlichtes Gemüt und ist historisch unverantwortlich.“[17]

Nach Angaben des NDR bestätigte Herman am 9. September 2007 telefonisch ihre Erläuterung in der Bild am Sonntag gegenüber NDR-Programmdirektor Volker Herres.[18] Herres beendete daraufhin die Zusammenarbeit des NDR mit ihr und begründete dies öffentlich so: Hermans schriftstellerische Tätigkeit sei nicht länger mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin vereinbar. Sie führe einen „Mutterkreuzzug“, dessen polarisierende Wirkung die von ihr moderierten Sendungen negativ beeinflusse. Nach einem geplanten Auftritt Hermans bei einer Unterorganisation der FPÖ im März 2007 habe der NDR sie ermahnt, alles zu unterlassen, was „ihr öffentliches Bild als Talk-Moderatorin und damit auch das des NDR“ beschädigen könne.[19] Doch Herman habe am 5. September 2007 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin die Kirchen dazu aufgefordert, öfter in Talkshows zum „Auftrag von Mann und Frau“ Stellung zu nehmen.[20]

Am 10. September 2007 sendete der WDR einen Audiomitschnitt der Originalaussage Hermans. Der Verleger Christian Strasser vom damaligen Pendo Verlag, Herausgeber des damaligen Hermanbuchs, bedauerte „Missverständnisse“ und „Vorverurteilungen“ von Hermans Aussagen. Sie habe die NS-Ideologie in keiner Weise verharmlosen oder gar gutheißen wollen, sondern lehne Rassismus, Rechtsradikalismus und jede Art der Diskriminierung ab.[21]

Am 11. September 2007 erklärte Herman in der Bildzeitung, sie entschuldige sich für ihre Aussagen zur NS-Zeit, wenn sie damit die Gefühle von Menschen, besonders von NS-Opfern und deren Angehörigen, verletzt habe. Zugleich bekräftigte sie, dass sie die NS-Familienpolitik nicht gelobt habe und dies falsch dargestellt worden sei.[22]

In einer Presseerklärung vom 14. September 2007 konkretisierte Herman diesen Vorwurf: Sie habe das NS-Regime bei der Buchvorstellung abgelehnt, in früheren ihrer Bücher vor ideologischem Missbrauch familiärer Werte gewarnt und 2005 bei der Aktion „Laut gegen Nazis“ mitgewirkt. Ihre Aussageabsicht sei gewesen, dass die 68er die in der NS-Zeit missbrauchten Familienwerte bei der „notwendigen Entnazifizierung“ weitgehend geopfert hätten.[23] Drei Tage zuvor hatte der Leiter von „Laut gegen Nazis“, Jörn Menge, sich von Hermans Ansichten distanziert, ihr vorgeworfen, damit „neues rechtsextremes Gedankengut“ zu legitimieren, und sie aufgefordert, den Link auf die Aktion von ihrer Homepage zu entfernen.[24]

Neben einem angekündigten fristgerechten Auslaufen ihres Vertrages erklärte der NDR am 18. September eine außerordentliche Kündigung mit sofortiger Wirkung. Am 25. September kündigte der NDR zudem ein etwaiges Arbeitsverhältnis mit Herman zum 31. Dezember 2007.[25]

Herman hatte am 9. September gegenüber der Bild am Sonntag erklärt:[26]

„Es geht nicht um Hitlers Werte, sondern um menschliche Grundwerte, die im ,Dritten Reich' missbraucht und später abgeschafft wurden.“

Am 27. September 2007 erklärte sie, die Bild am Sonntag habe ihre Erläuterung ohne ihre Distanzierung vom NS-Missbrauch der Familienwerte zitiert.[27] Zugleich gab sie den Text ihrer Originalaussage auf ihrer Homepage bekannt und erklärte deren verbreitete Deutung damit, dass man einen Satzteil absichtlich weggelassen habe: „Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten (abgeschafft).“ So sei die Fortsetzung „aber es ist damals eben auch das, was gut war …“ auf die NS-Zeit bezogen und die Gesamtaussage in ihr Gegenteil verkehrt worden. Damit wies sie zurück, dass sie ihre Aussage missverständlich formuliert hätte.[28] Zudem wies sie zurück, dass sie das angebliche Zitat des Hamburger Abendblatts gegenüber dem NDR bestätigt habe.[29] Dieser hatte seine Kündigung jedoch mit ihrer Erläuterung in der Bild am Sonntag begründet.[30]

Am 28. September 2007 erklärte Herman, sie sei lebenslang Nazigegnerin gewesen, und bezeichnete Medienberichte über ihre Aussagen als „Rufmordkampagne“ und als „vorsätzliches Liquidieren durch eine zum Teil gleichgeschaltete Presse.“[31] Diese Wortwahl kritisierte die Zeitschrift Der Spiegel als Rückgriff auf NS-Vokabular.[32]

Beim Forum Deutscher Katholiken in Fulda am 6. Oktober 2007 hielt Herman, die sich wiederholt öffentlich zu ihrem christlichen Glauben äußerte[33], einen Vortrag.[34] Sie fand Zustimmung für ihre Aussagen zu Geschlechterrollen in Ehe und Familie. Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) hatte Hermans Auftritt im Vorfeld abgelehnt und trat aus Protest gegen Hermans Rede als Schirmherr des Forums zurück.[35] Der Zentralrat der Juden in Deutschland protestierte ebenfalls gegen Hermans Auftritt.[36]

Am 9. Oktober 2007 war Herman neben Senta Berger, Margarethe Schreinemakers und Mario Barth Gast in der Talkshow Johannes B. Kerners zum Thema Geschlechterrollen. Kerner und der als Experte eingeladene Historiker Wolfgang Wippermann thematisierten vor allem Hermans umstrittene Äußerungen. Nach 53 Minuten verließ Herman auf Kerners Aufforderung hin vorzeitig die Sendung.[37] Diese sahen 2,65 Millionen (18,1 Prozent) Zuschauer; sie hatte damit die bis dahin höchste Einschaltquote des Jahres 2007.[38] Sie löste eine breite öffentliche Diskussion aus, die sich in hunderttausenden Abrufen des Sendemitschnitts[39], zehntausenden Zuschriften an das ZDF und an viele Tageszeitungen sowie vielen neuen, zum Thema eingerichteten Foren und Blogs im World Wide Web zeigte.[40]

Nach Hermans Entlassung durch den NDR erklärte der Ring Nationaler Frauen, die Frauenorganisation der rechtsextremen NPD, man sehe eine „nahezu hundertprozentige Übereinstimmung“ zwischen den eigenen Thesen zu den Geschlechterrollen und denen Hermans.[41] Nach der Kerner-Talkshow erklärte die Hamburger Zentrumspartei Herman zur „Traumkandidatin für die Bürgerschaft“. Die DVU plante für den 11. Oktober 2007 in Hamburg eine Demonstration für „Meinungsfreiheit für Eva Herman“. Herman forderte über ihre Anwälte eine Unterlassungserklärung von der DVU.[42] Hamburger Ratsvertreter verhinderten die Demonstration.[43]

Gerichtsurteile[Bearbeiten]

Herman klagte ab 4. Oktober 2007 gegen ihre Kündigung bzw. die Vertragsbeendigung durch den NDR und verlangte Schadenersatz. Sie beanspruchte den für Arbeitnehmer geltenden Kündigungsschutz. Das Arbeitsgericht Hamburg stufte Herman aber rechtlich nicht als Arbeitnehmerin ein und wies ihre Klage insgesamt ab. Auch in der Berufung vor dem Landesarbeitsgericht Hamburg, bei der Herman nur noch gegen die Kündigung, aber nicht mehr auf Schadenersatz klagte, unterlag sie.[25] Die Revision wurde nicht zugelassen. Hermans Beschwerde dagegen wies das Bundesarbeitsgericht zurück.[44]

Nach einem von Herman erwirkten Gerichtsurteil darf die Deutsche Presse-Agentur nicht mehr behaupten, sie habe gesagt, „wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden“.[45] Das ZDF hat sich nach einer Abmahnung durch Hermans Anwälte durch eine strafbewehrte Unterlassungserklärung gegenüber Herman verpflichtet, einen Teil des Jahresrückblicks 2007, in dem Herman ebenfalls verkürzte und den Sinn verändernde Aussagen zugeschrieben worden seien, nicht mehr zu verbreiten oder verbreiten zu lassen.[46]

Im Januar 2009 gewann Herman in erster Instanz vor dem Landgericht Köln zwei Prozesse gegen den Axel-Springer-Verlag, dessen Medien im September 2007 über ihre Aussagen berichtet hatten. Im ersten Verfahren verurteilte das Gericht die Bild-Zeitung für Franz Josef Wagners Titulierung Hermans als „dumme Kuh“ zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro. Die Überschrift „Ist Eva Herman braun oder nur doof?“ eines anderen Bild-Artikels wurde dagegen als zulässige Meinungsäußerung bewertet.[47] Im zweiten Fall urteilte das Gericht, dass das Hamburger Abendblatt Herman am 7. September 2007 falsch zitiert habe, und verurteilte den Verlag daher zur Unterlassung der strittigen Formulierungen, zum Abdruck einer Richtigstellung, dass es sich bei dem angeblichen Zitat nicht um Hermans Aussage gehandelt habe, und zu 10.000 Euro Schmerzensgeld für Herman.[48]

Nach einer Berufungsverhandlung zum ersten Fall erhöhte das Oberlandesgericht Köln das Schmerzensgeld, auf das der Axel-Springer-Verlag verklagt worden war, auf 25.000 Euro. Laut Urteilsbegründung handelte es sich um eine auch, aber nicht einzig mögliche Interpretation der „mehrdeutigen Äußerung“ Hermans, die aber als Zitat dargestellt worden sei. Das habe den Eindruck erweckt, Herman habe Positives am Nationalsozialismus hervorgehoben. Diese Tatsachenbehauptung habe ihr Persönlichkeitsrecht erheblich beeinträchtigt. Für weitere berufliche und private Auswirkungen dieser Interpretation könne Herman aber nicht allein den Springer-Verlag verantwortlich machen.[49]

Im Juni 2011 gab der für das allgemeine Persönlichkeitsrecht zuständige VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) der Revisionsklage des Axel-Springer-Verlags statt und widersprach dem Urteil des Oberlandesgerichts. Das Persönlichkeitsrecht schütze zwar vor „unrichtigen, verfälschten oder entstellten Wiedergaben einer Äußerung“. Diese lägen hier jedoch nicht vor, da Hermans Äußerung „im Gesamtzusammenhang betrachtet gemessen an Wortwahl, Kontext der Gedankenführung und Stoßrichtung“ nur die Deutung zulasse, „die die Beklagte ihr beigemessen hat.“[50][51]

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) lehnte Hermans Beschwerde gegen dieses BGH-Urteil am 25. November 2012 ab: Die Entscheidung des BGH habe Herman nicht in ihren Grundrechten verletzt. Die vom Hamburger Abendblatt zitierten Äußerungen seien im Gesamtzusammenhang zu betrachten und stellten eine Meinungsäußerung dar. „Die Beschwerdeführerin, der es nicht gelungen war, sich unmissverständlich auszudrücken, muss die streitgegenständliche Passage als zum ‚Meinungskampf‘ gehörig hinnehmen.“[52]

Aktivitäten seit 2009[Bearbeiten]

Herman setzt sich weiter für konservative Familienpolitik ein. So trat sie beispielsweise am 16. Mai 2009 bei der Auftaktveranstaltung zur Europawahlkampagne der AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie auf.[53] Seit Juni 2009 moderiert sie für das Web-TV des Internetportals familyfair und für K-TV.[54] Am 17. Juli 2009 referierte sie in der Alten Oper in Erfurt beim Symposium Familie unter Druck über die Liebe und Bindung als Fundament mütterlicher Beziehung.

Seit 2009 schreibt Herman Artikel für die Webseite des Kopp Verlags, der auch Bücher von ihr herausgibt. Ab 2010 arbeitete sie als Sprecherin und Kommentatorin für dessen Internetnachrichten.[55] Ende 2011 wurde die Sendung eingestellt.

Am 25. Juli 2010 kommentierte Herman für den Kopp Verlag das Unglück bei der Loveparade 2010, bei dem am Vortag 21 Personen gestorben waren. Sie kritisierte die Loveparade als „Sodom und Gomorra mit katastrophalen Folgen“ und als „riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie“, die den „kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft“ symbolisiere. Dafür machte sie die 68er-Bewegung verantwortlich und vermutete:

„Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.“[56]

Diese Aussage interpretierten und kritisierten einige Kommentatoren als Andeutung einer Strafe Gottes, also einer Schuldzuweisung an Opfer und Besucher.[57]

Im Frühjahr 2014 kommentierte Herman die Haltung öffentlich-rechtlicher deutscher Medien zur Ukraine-Krise für die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti.[58][59] Seit Februar 2014 schreibt sie für das staatliche Presseorgan „Stimme Russlands“.[60]

Publikationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Wippermann: Autobahn zum Mutterkreuz: Historikerstreit der schweigenden Mehrheit. Rotbuch, Berlin 2008, ISBN 3-86789-032-3.
  • Marko Pfingsttag: Wer zuerst „Autobahn“ sagt, hat verloren. Der Fall Eva Herman – Eine rhetorische Argumentationsanalyse. Tectum, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2335-8.
  • Christina Mundlos: Die traditionelle Mutterrolle als Heilsversprechen: Argumentationsanalyse am Beispiel von Eva Herman und Christa Meves Tectum, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2251-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eva Herman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Eva Herman – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Miklós Pataky: Wie aus Fräulein Feldker „Miss Tagesschau“ wurde, Hamburger Morgenpost, 30. August 1999.
  2. „Pappschachtel“ verkommt zur Müllkippe, Eichsfelder Tageblatt, 14. Mai 2010.
  3. Biographie Hermans im Who's who
  4. bz-berlin.de, 17. Dezember 2005: Eva Herman hat heimlich geheiratet
  5. NDR, Pressemeldung, 18. August 2005: „Herman und Tietjen“ feiert die 111. Sendung – eine Erfolgsgeschichte in guten Gesprächen
  6. Netzeitung, 29. Januar 2003: Auch ARD sucht jetzt Superstars (Memento vom 3. September 2003 im Internet Archive)
  7. Sigrid Liebig: Man muss nicht mit jedem über alles reden, Die Welt, 28. August 2003
  8. David Böcking: Schreiben statt sprechen: Eva Herman verlässt „Tagesschau”, im: Spiegel, 12. August 2006, abgerufen am 20. September 2012
  9. Désirée Nick: Eva go home. Eine Streitschrift. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-596-17669-4.
  10. Thomas Steinfeld (Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2010): Eva Hermans „Eva-Prinzip“: Vorlautes Kind, dummes Kind
  11. Eberhard Rathgeb (FAZ, 11. September 2006): Der Eva-Knall: Warum Eva Hermans Hausfrauen-Buch doch auch sein Gutes hat
  12. Rezension von Reinhard Mohr (Der Spiegel, 5. September 2007), 1. Teil: Eva Hermans neues Buch: Rette sich, wer kann!, 2. Teil: Denken in Schwarzweiß
  13. Audiomitschnitt der Rede (MP3; 1,4 MB)
  14. zitiert nach Die Welt, 10. Oktober 2007: Dokumentation: Eva Hermans Auftritt bei Kerner im Wortlaut (1)
  15. Bild am Sonntag, 9. September 2007 (abgeschaltet); kewil.myblog.de (9. September 2007): Fakten Fiktionen: Eva Herman vom Sender – das Zitat
  16. Jörg Thomann (Kommentar): Rausschmiss bei Kerner: Wie Eva Herman den Fernsehtod starb, in: FAZ vom 10. Oktober 2007, abgerufen am 20. September 2012
  17. Der Spiegel, 9. September 2007: Aussagen zur Nazi-Politik: Frauenrechtlerinnen begrüßen Hermans NDR-Rauswurf
  18. Focus, 9. September 2007: Eva Herman: Das Prinzip Provokation
  19. Netzeitung, 9. September 2007: NDR wirft Moderatorin Eva Herman raus (Memento vom 12. Dezember 2013 im Internet Archive); Der Spiegel, 9. September 2007: Aussagen zur Nazi-Zeit: NDR feuert Eva Herman
  20. Pressemappe NDR, 9. September 2007: NDR beendet Zusammenarbeit mit Eva Herman
  21. Focus, 10. September 2007: Buchvorstellung: Verlag nimmt Herman in Schutz
  22. FAZ, 11. September 2007: „Es tut mir leid“: Eva Herman entschuldigt sich
  23. Presseerklärung Eva Hermans am 14. September 2007
  24. Rheinzeitung, 11. September 2007: Herman bedauert Missverständnisse – „Es tut mir leid”
  25. a b Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 1. April 2009, 3 Sa 58/08 (anonymisiert)
  26. pro, Christliches Medienmagazin (28. Juli 2009): Vor Gericht: Herman schlägt Springer
  27. Als hätte man ihr ein Hitlerbärtchen angeklebt: Kommentar von Marcus Mockler in idea.de Nr. 42/2007 (Nachdruck auf Bibelwissen, PDF; 441 kB)
  28. Eva-Herman.de: Analyse einer Fälschung
  29. Eva-Herman.de: Das umstrittene Zitat – und das, was ich wirklich sagte
  30. Jörg Thomann (FAZ, 10. Mai 2010): Eva Herman über ihr neues Buch: „Eigentlich kann ich dankbar sein“
  31. Herman kritisiert „gleichgeschaltete Presse“, stern.de, 28. September 2007
  32. Der Spiegel, 28. September 2007: Streit um Mutterbegriff: Herman wehrt sich gegen Medien – mit NS-Begriffen
  33. Kath.net, 28. September 2007: Eva Herman: „Der Glaube ist für mich das A und O“
  34. Eva Herman: Werde, was Du bist (Vortrag beim Katholikenforum vom 6. Oktober 2007; mp3-Datei)
  35. Der Spiegel, 9. Oktober 2007: Entlassene NDR-Moderatorin: Katholiken feiern Eva Herman
  36. Der Spiegel, 9. Oktober 2007: Zentralrat empört über Herman und Katholiken
  37. Focus Online: TV-Eklat: Kerner wirft Herman raus (9. Oktober 2007); Die Welt, 10. Oktober 2007: Dokumentation: Eva Hermans Auftritt bei Kerner im Wortlaut
  38. Markus Ehrenberg, Sonja Pohlmann (Tagesspiegel, 11. Oktober 2007): Einstürzende Elbbrücken
  39. Jurablogs, nach Handelsblatt vom 22. Oktober 2007
  40. Wolfgang Wippermann: Autobahn zum Mutterkreuz, Berlin 2008, S. 48 und Anmerkung 54, S. 59
  41. Redok, 10. September 2007: „Bravo, Eva!“ - „Mutterkreuzzug“ begeistert Rechte; Focus, 11. Oktober 2007: Eva Herman: Applaus aus der rechten Ecke
  42. Hamburger Abendblatt, 2. Oktober 2007: Eva Herman wehrt sich gegen DVU: Die frühere NDR-Moderatorin Eva Herman setzt sich juristisch dagegen zur Wehr, dass die rechtsextreme DVU sie für ihre Zwecke einspannen will
  43. Björn Hengst (Der Spiegel, 11. Oktober 2007): Eva Herman: Rechtsparteien buhlen um ihre Traumfrau
  44. Focus, 31. Oktober 2009: Schlappe vor dem Bundesarbeitsgericht
  45. Landgericht Köln, Az.: 28 O 10/08
  46. Eva Herman (Presseerklärung, 8. Februar 2008): Juristischer Erfolg auch gegenüber dem ZDF!; Stefan Niggemeier: Falschparker auf Eva Hermans Autobahn (vorläufiger Beleg)
  47. Bildblog, Januar 2009 (vorläufiger Beleg)
  48. Eva Herman gewinnt Prozesse gegen Springer-Verlag, in: Junge Freiheit vom 24. Januar 2009
  49. Hubertus Nolte (Dezernent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit): Eva Herman gewinnt im Berufungsprozess gegen Axel-Springer-Verlag, Oberlandesgericht Köln, Pressemitteilung vom 28. Juli 2009 (PDF); OLG Köln, Urteil vom 28. Juli 2009, Az.: 15 U 37/09
  50. Urteil des Bundesgerichtshofes vom 21. Juni 2011 (PDF; 127 kB)
  51. Eva Herman verliert Streit um ihre Äußerungen zur NS-Zeit Zeit Online vom 21. Juni 2011
  52. Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen ein angebliches Falschzitat, Pressemitteilung Bundesverfassungsgericht Nr. 79/2012 vom 27. November 2012; Kress Report vom 27. November 2012
  53. Eva Herman und Declan Ganley bei der AUF-Partei für Arbeit, Umwelt und Familie. In: Auf-partei.de. AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie, Christen für Deutschland, abgerufen am 1. April 2015.
  54. FamilyFair Familien-Portal
  55. Nadine Faßhauer: Die Verschwörung der Eva Herman, auf: News.de vom 9. Juni 2010
  56. Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg. In: Kopp Online. 25. Juli 2010, abgerufen am 1. April 2015.
  57. Daniel Schulz: Eva Herman über das Loveparade-Unglück: Gott straft die Sünder, in: taz vom 26. Juli 2010; Martin Wittmann: „Sex- und Drogenorgie Loveparade“: Eva Herman und die Strafe Gottes, in: Focus-Online vom 26. Juli 2010; Anette Hildebrandt: Eva Herman und die „Wolken der Entfesselung“, in: Welt-Online vom 27. Juli 2010
  58. Eva Herman: Ukraine-Berichte bei ARD und ZDF: Fehlende Neutralität durch Staatsvertrag? In: de.sputniknews.com – Sputnik Deutschland. 9. April 2014, abgerufen am 2. April 2015.
  59. Eva Herman: Kriegsgründe gesucht? Deutsche Medien und der Anti-Putin-Pakt. 5. Mai 2014, abgerufen am 2. April 2015.
  60. Eva Herman. In: „de.sputniknews.com – Stimme Russlands“. Abgerufen am 2. April 2015 (Auflistung der Artikel von Eva Herman).