Evan Bayh

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Evan Bayh Signatur

Birch Evans „Evan“ Bayh III (* 26. Dezember 1955 in Shirkieville, Vigo County, Indiana) ist ein amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Er war Gouverneur des Bundesstaates Indiana und von 1999 bis 2011 US-Senator für diesen Bundesstaat. Seitdem ist er als politischer Lobbyist und Kommentator tätig und immer wieder für politische Führungsaufgaben im Gespräch.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Bayh wurde in Shirkieville, einem kleinen Ort im Westen Indianas, geboren. Sein Vater Birch Bayh war von 1963 bis 1981 ebenfalls US-Senator und bewarb sich 1976 um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten. In der Primary unterlag er dem späteren Präsidenten Jimmy Carter. Birch Bayh galt als liberale Stimme im US-Senat und bezog deutlich linkere Positionen als später sein Sohn.[1] Evan Bayh studierte an der Indiana University Betriebswirtschaft und Politikwissenschaften (er schloss sein Studium dort 1978 mit Auszeichnung ab) sowie Jura an der University of Virginia bis 1981. Er begann als Assistent eines Richters zu arbeiten und wurde Rechtsanwalt. 1997/98 arbeitete er wieder als Rechtsanwalt in der Großkanzlei Baker & Daniels.[2]

Evan Bayh ist verheiratet mit Susan Bayh, mit der er zwei Söhne (Zwillinge) hat.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Als Secretary of State wurde Bayh 1986 erstmals in ein öffentliches Amt gewählt. Als solcher gehörte er bis 1989 der Staatsregierung von Indiana an.

Acht Jahre als Gouverneur[Bearbeiten]

Bayh wurde 1988 zum Gouverneur von Indiana gewählt. Nachdem er sich in der Primary gegen Steve Daily und Frank O’Bannon, der später sein Vizegouverneur wurde, durchgesetzt hatte, gewann er die eigentliche Wahl gegen den Republikaner John Mutz. Im Jahr 1992 wurde er mit dem höchsten Stimmenanteil, der jemals in Indiana erreicht wurde, für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Die Arbeit seiner Regierung wurde selbst von Republikanern als besonnen und erfolgreich bewertet. Das Wall Street Journal schrieb 1992, Bayhs Bilanz sei die eines „wahrhaft fiskalpolitisch konservativen Demokraten“. Er senkte im Sinne eines „schlanken Staats“ die Steuern, steigerte die Ausgabeneffizienz und schuf ein Umfeld, in dem Arbeitsplätze entstehen. Er erzielte damit den höchsten Budgetüberschuss in der Geschichte des Bundesstaates. Führend bei der Wiedereingliederung von Menschen in den Arbeitsmarkt, wurden während Bayhs Amtszeit jährlich die Ausgaben für die Bildung erhöht sowie das Leistungsniveau der Bildungseinrichtungen gesteigert. Zum Ende seiner zweiten Amtszeit standen laut einer Umfrage 79 Prozent der Menschen in Indiana positiv zu Bayh.[3]

Nach Ablauf seiner zweiten Amtsperiode nahm er zeitweise eine Stelle als Dozent an der Indiana University School of Business in Bloomington an.

Im Senat[Bearbeiten]

Bayh wurde 1998 in den US-Senat gewählt. Er bezwang seinen republikanischen Gegenkandidaten Paul Helmke mit 64 Prozent der Stimmen, dem besten Resultat, dass je ein Demokrat in einer Wahl zum Senat in Indiana erzielte, woraufhin er am 3. Januar 1999 den nicht mehr angetretenen Republikaner Dan Coats ablöste. Bei der Wahl 2004 wurde er wiedergewählt. Evan Bayh war Mitglied in sechs Ausschüssen des Senates: Banken, Immobilien und Städtebau; Ausschuss für Streitkräfte; Geheimdienste; Energie und natürliche Ressourcen; Sonderkomitee Alterung der Bevölkerung sowie im Ausschuss für kleinere Unternehmen.

Im Gespräch für höhere Aufgaben[Bearbeiten]

Evan Bayh ist immer wieder für politische Führungsaufgaben ins Gespräch gebracht worden; so nannte ihn der frühere US-Präsident Bill Clinton in seiner Autobiographie „eine begabte Führungspersönlichkeit, die eines Tages Präsident sein könnte“.[4] Welches Potential die demokratische Parteiführung in ihm sah, zeigte sich, als er vor der Präsidentschaftswahl 1996 bei der Democratic National Convention zur Nominierung Bill Clintons als Grundsatzredner auftreten durfte; Bayh blieb der Familie Clinton politisch eng verbunden. 2000 und 2004 wurde er als Running Mate und möglicher Vize der US-Präsidentschaftskandidaten Al Gore bzw. John Kerry gehandelt und spielte vor der Wahl 2004 kurz mit dem Gedanken, sich selbst als US-Präsident zu bewerben.[1]

Kurz nach der Wahl 2004 bereitete Bayh abseits der Öffentlichkeit eine mögliche Präsidentschaftsbewerbung 2008 vor, was 2006 immer mehr politische Beobachter vermuteten. Als sein Vorzug galt der breite Anklang, den er in der gesamten Wählerschaft, insbesondere aber auch bei Anhängern der Republikaner fand, während eher linksgerichtete potentielle Kandidaten wie Hillary Clinton oder John Edwards stärker polarisierten. Bei der Wahl 2004 hatte er im strukturell konservativen Indiana mehr Stimmen als Präsident George W. Bush. In den letzten Monaten des Jahres 2006 ließen Bayhs Aktivitäten immer mehr auf eine Kandidatur hindeuteten, darunter Fundraising-Veranstaltungen und Reden in den sogenannten Swing States, aber auch Reisen in die am Anfang der Primary wählenden Bundesstaaten New Hampshire und Iowa. Nachdem Bayh am 3. Dezember 2006 ein Exploratory Committee gegründet, also einen ersten formalen Schritt hin zur „Erkundung“ der Möglichkeit einer Präsidentschaftsbewerbung, gemacht hatte,[5] gab er am 15. Dezember 2006 unerwartet seinen Rückzug bekannt; seine Chancen hätten sich als nicht groß genug herausgestellt.[3] Bayh wurde aber vom demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama im Lauf des Sommers 2008 als möglicher Running Mate erwogen; Obamas Berater David Axelrod und David Plouffe schilderten später, dass Bayhs Aussichten bis zuletzt hervorragend waren und dass es auf einen „Münzwurf“ zwischen ihm und dem späteren Vizepräsidenten Joe Biden hinausgelaufen sei.[6]

Ausscheiden aus dem US-Senat[Bearbeiten]

Am 15. Februar 2010 gab Bayh, dessen Wiederwahl im gleichen Jahr anstand, bekannt, nicht zur Wahl antreten zu wollen. In seiner Rücktrittserklärung gab er an, frustriert über die zunehmend parteitaktischen Erwägungen auf beiden Seiten bei wichtigen Gesetzesvorhaben zu sein. Sein Bedürfnis, seinen Mitbürgern zu dienen, sei zwar ungebrochen, sein Verlangen dies im Kongress zu tun, sei jedoch geschwunden.[7] Bayh führte seine Kritik am Washingtoner Politiksystem ins Grundsätzliche fort.[8] Es wurde vermutet, dass Bayh, der bis dahin die meisten seiner Wahlkämpfe mit über 60 Prozent der Stimmen gewonnen hatte, in diesem Jahr des Aufstiegs der Tea-Party-Bewegung und der Schwierigkeiten für die bundesweit regierenden Demokraten schlechte Chancen für seine Wiederwahl sah. Er wurde dafür kritisiert, in dieser schwierigen Zeit seine Partei im Stich gelassen zu haben, da Bayhs Ankündigung für Schwierigkeiten auch bei anderen politischen Kandidaten im Bundesstaat sorgte (Dominoeffekt) und somit kurz vor der anstehenden Neueinteilung der Wahlkreisgrenzen („Redistricting“) eine dauerhafte republikanische Dominanz in Indiana ermöglicht habe.[9]

Politischer Lobbyist und Kommentator[Bearbeiten]

Nach seinem Ausscheiden aus dem Senat am 3. Januar 2011 trat Bayh als Partner und strategischer Berater in die Dienste der politikberatenden Großkanzlei McGuire Woods in Washington, D.C.[10] Zudem arbeitet Bayh seitdem als Lobbyist für die Investment-Firma Apollo Global Management.[2] Kurz darauf begann Bayh als Kommentator für den konservativ ausgerichteten Fernsehsender Fox News zu arbeiten.[11] Diese Karriereentscheidungen wurden vor dem Hintergrund seiner lautstark vorgetragenen Kritik am Politikbetrieb als scheinheilig kritisiert.[12]

Bayh gilt nach wie vor als größter politischer Star seiner Partei im konservativ dominierten Bundesstaat Indiana, weshalb immer wieder über seine Rückkehr in die Politik spekuliert worden ist. Im September 2014 erklärte er, dass er für eine erneute Kandidatur als Gouverneur im Jahr 2016 nicht zur Verfügung stehen werde.[13] Auch sein mögliches Antreten für den US-Senat 2016 wurde öffentlich diskutiert,[14] gab aber schließlich im Juni 2015 an, nicht interessiert zu sein,[15] obwohl Bayh aus seiner Zeit als Senator noch über 10 Millionen US-Dollar an Wahlkampf-Finanzmitteln verfügt.[9] Im April 2015 erklärte er seine Unterstützung für die US-Präsidentschaftskandidatur Hillary Clintons[16] und gilt als möglicher Running Mate Clintons 2016.[17]

Politische Positionen[Bearbeiten]

Evan Bayh vertritt zentristische Positionen, die konservativer sind als der Mainstream der demokratischen Partei, insbesondere in fiskal- und außenpolitischen Fragen. So war Bayh einer der wichtigsten Unterstützer des Kabinett George W. Bush, um den Kongress zur Zustimmung zum Irakkrieg zu bringen.[1] Nach einem Bericht der New York Times über die angebliche Fähigkeit des Iran zum Bau einer Atombombe sagte Bayh 2009: „Wir brauchen harte Sanktionen, und wir brauchen sie jetzt.“[18] Nach dem Abschluss der internationalen Verhandlungen, die zu einem Kompromiss über das iranische Atomprogramm geführt hatten, gründete Bayh im Juli 2015 gemeinsam mit weiteren früheren demokratische Mandatsträgern die Lobbying-Gruppe Citizens for a Nuclear Free Iran des American Israel Public Affairs Committee, die vor allem innerhalb der demokratischen Partei gegen Präsident Obamas Verhandlungsergebnis arbeiten soll.[19]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Evan Bayh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Steve Kornacki: Not His Father’s Son . In: Salon.com, 15. Februar 2010 (englisch).
  2. a b Bayh, Evan. In: OpenSecrets.org (englisch).
  3. a b Indiana Sen. Evan Bayh Compares '08 Presidential Prospects to ‘David and Goliath’. In: FoxNews.com, 16. Dezember 2006 (englisch, AP-Meldung).
  4. Bill Clinton: My Life. Random House, New York 2004, S. 96 (englisch).
  5. Chris Cilliza: Bayh Considers Presidential Bid. Indiana Senator Forms Exploratory Committee for 2008 Run. In: The Washington Post, 4. Dezember 2006 (englisch).
  6. Maureen Groppe: Book Explains Why Obama Picked Biden over Bayh for VP. In: USA Today, 10. Februar 2015 (englisch).
  7. Evan Bayh Will Not Seek Reelection. In: Indianapolis Star, 15. Februar 2010 (englisch).
  8. Evan Bayh: Why I’m Leaving the Senate. In: The New York Times, 20. Februar 2010 (englisch).
  9. a b Brian Howey: Howey: Evan Bayh, Our $10M Man. In: Lafayette Journal & Courier, 7. Mai 2015 (englisch).
  10. Evan Bayh. Partner. In: McGuireWoods.com (englisch).
  11. FOX News Signs Former Senator Evan Bayh to Contributor Role. In: Finanzen.net, 14. März 2011 (englisch); On Air Personalities. Evan Bayh. In: FoxNews.com (englisch).
  12. Ezra Klein: The Sad, Hypocritical Retirement of Evan Bayh. In: The Washington Post, 15. März 2011 (englisch).
  13. Evan Bayh Won’t Seek Third Term for Indiana Governor. In: Politico.com, 12. September 2014 (englisch).
  14. Evan Bayh: Democrats Could Put Indiana Senate Seat In Play In 2016 — Especially If Evan Bayh Runs. In: FiveThirtyEight, 24. März 2015 (englisch).
  15. Jonathan Easley: Bayh Won’t Seek Indiana Senate Seat. In: The Hill, 11. Juni 2015 (englisch).
  16. Dan Carden: Bayh Endorses Clinton for President. In: NWI Times, 23. April 2015 (englisch).
  17. Howard Koplowitz: Who Will Be Hillary Clinton’s Running Mate? 10 Possible Vice Presidential Nominees. In: International Business Times, 11. Mai 2015 (englisch); Clinton ‘Prepared’ to Deal with Email Controversy on Campaign Trail, Bayh Says. In: The Hill, 2. Juni 2015 (englisch).
  18. US-Senatoren fordern neue Sanktionen gegen den Iran. In: Die Welt, 6. Oktober 2009.
  19. Julie Hirschfeld Davis: Pro-Israel Aipac Creates Group to Lobby Against the Iran Deal. In: The New York Times, 18. Juli 2015 (englisch).