Evangelische Kirche Dalwigksthal
Die Evangelische Kirche Dalwigksthal ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Dalwigksthal, einem Ortsteil der Gemeinde Lichtenfels im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Sie befindet sich etwa 1 km westlich unterhalb der Burg Lichtenfels am Fuß ihres Burgbergs, einem Nordostausläufer des Eisenbergs, in der Straße „Am Stadtberg“, unmittelbar südlich von deren Abzweigung von der „Orketalstraße“. Sie gehört seit dem 1. Januar 2026, gemeinsam mit den ehemaligen Kirchengemeinden Sachsenberg, Neukirchen und Münden, zu der mit Wirkung an diesem Tage neu gebildeten Kirchengemeinde Süd-Lichtenfels im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg im Sprengel Marburg der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.


Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kirche entstand anstelle einer Kapelle, die einst die Grablege der Familie von Dalwigk zu Lichtenfels-Sand und zu Lichtenfels-Kampf war. Von der mittelalterlichen Kapelle ist nur noch der gotische Chor erhalten, der vermutlich zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstand. Das heutige Schiff wurde 1620 neu errichtet. Die kleine Kirche war bis 2018 Filial der Kirche im nahen Münden, danach der von Sachsenberg. Das Kirchenpatronat gehörte der Familie von Dalwigk.
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Bau ist aus behauenen Bruchsteinen gemauert, die Giebelseite des Dachgeschosses ist aus Fachwerk. Ältester Teil ist der aus dem frühen 14. Jahrhundert stammende, nach Süden gerichtete und als Fünfachtelschluss gebildete Chor mit seinem hohen, das Dach des Schiffs überragenden Steildach. Der Steinfußboden im Fischgrätverband stammt teilweise noch aus der ursprünglichen Bauzeit. Das heutige Schiff mit dem Dachreiter über dem Portal wurde erst 1620 angebaut, wie das über dem Eingangsportal eingravierte Datum anzeigt. Der Dachreiter hat quadratischen Grundriss und wird von einem hohen, achtseitigen Spitzhelm mit aufgepflanzter Kugel bekrönt.
Der Innenraum ist von einer auf zwei Paar schmucklosen schlanken Holzsäulen ruhenden Flachdecke überspannt; nur im Chorraum sind die ehemaligen Gewölbeansätze noch zu erkennen. Beiderseits des Chors befinden sich zwei ehemalige Grüfte: die an der Ostseite für die katholische Linie Dalwigk zu Lichtenfels-Sand ist möglicherweise noch mittelalterlich oder wurde erst 1683 angelegt, die an der westlichen Seite für die lutherische Linie Dalwigk zu Lichtenfels-Kampf stammt von 1719. Die Brüstung der Empore im Norden ist mit 38 im 17. Jahrhundert aufgemalten Wappen verziert. Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1630. Zahlreiche mit Ahnenwappen versehene Grabplatten, aus Eisen oder Sandstein, befinden sich im Schiff, mehrheitlich aus den Jahren 1625–1713. Die Glocke im Dachreiter wurde 1680 von dem Marburger Glockengießer Johannes Schirnbein gegossen.
An der Ostwand im Chor hängen vier Teile der ehemaligen Seitenflügel eines ursprünglich in der Kirche von Münden befindlichen Altarretabels, mit Tempera bemaltes Holz, geschaffen um 1520 in der Werkstatt des Klosters Meitersdorf.[1] Die Tafeln wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Dachboden der Dorfkirche von Münden gefunden und an den Freiherrn Reinhard von Dalwigk übergeben, der sie aufsägen, als Einzelbilder rahmen und in seiner Patronatskirche in Dalwigksthal aufhängen ließ. Dabei wurden die oberen Ränder der Tafeln abgesägt, weil sie stark angekohlt waren. Die Tafeln zeigen Szenen aus der Passion Jesu sowie verschiedene Heilige.[2]
Fußnoten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Der Verbleib des Mittelstücks ist unbekannt.
- ↑ Dalwigksthaler Flügeltafeln, bei Bildindex der Kunst & Architektur
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Folkhard Cremer, Tobias Michael Wolf (Bearb.): Dalwigksthal / Ev. Kirche In: Georg Dehio. Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I: Die Regierungsbezirke Gießen und Kassel, München/Berlin: Deutscher Kunstverlag 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 418.
- Dalwigksthaler Flügeltafeln, bei Bildindex der Kunst & Architektur
- Julia Liebrich (Bearb.): Münden (Lichtenfels), ev. Kirche. Dalwigksthaler Flügeltafeln, um 1520 In: Mittelalterliche Retabel in Hessen. Ein Forschungsprojekt der Philipps-Universität Marburg, der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Osnabrück, Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG; 2012–2015.
- Reinhard Freiherr von Dalwigk: Die Kirche in Dalwigksthal, Selbstverlag, 2012
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Koordinaten: 51° 8′ 49″ N, 8° 47′ 25″ O