Evangelische Marienschwesternschaft Darmstadt

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Eingang 2006

Die Evangelische Marienschwesternschaft e.V. ist eine evangelische Schwesternkommunität in Darmstadt-Eberstadt. Die Kommunität ist auch unter dem Begriff Darmstädter Marienschwesternschaft bekannt.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienschwesternschaft wurde in der Nachkriegszeit 1947 im Zuge einer „Erweckung“ von Mutter Basilea Schlink (Klara Schlink), der Schwester des Theologieprofessors Edmund Schlink, zusammen mit Mutter Martyria Madauss (Erika Madauss) und dem Superintendenten der Methodistenkirche Riedinger gegründet. „Aus Trümmern neues Leben“ – nach der völligen Zerstörung Darmstadts entstanden und aufgebaut.

Franziskusbrüder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1967 ist der Marienschwesternschaft eine kleine Bruderschaft angeschlossen und korporativ eingebunden, die „Evangelische Kanaan-Franziskus-Bruderschaft“.[1]

Theologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh engagierten sich die Schwestern in Ökumene und christlich-jüdischem Dialog. In Bezug auf die Juden spielte von Anfang an der Sühnegedanke eine Rolle: Stellvertretend für das deutsche Volk wollten die Schwestern ein Zeichen der Versöhnung zwischen Christen und Juden setzen. Anlässlich einer Israelreise der Marienschwestern im Jahr 1958 war davon die Rede, dass diese „jede Nacht eine Stunde für den Staat Israel und seine Bewohner“ beten würden.[2] Galten die Marienschwestern in den 1950er Jahren als progressiv, werden sie heute eher als konservativ-evangelikal wahrgenommen, obwohl sie sich in ihrer Lehre und in ihrem Erscheinungsbild kaum geändert haben. So sind sie inzwischen ein Bestandteil des so genannten christlichen Zionismus und tauchen bei proisraelischen Demonstrationen und Kundgebungen im Rhein-Main-Gebiet immer wieder auf.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh kamen die Marienschwestern in die Kritik. So wurde ihnen von liberal-protestantischer oder evangelikaler Seite Gesetzlichkeit, Rekatholisierung oder Irrlehre vorgeworfen, andere verurteilten sie wegen charismatischer Gaben. Zwei ehemalige Schwestern veröffentlichten Ende der 90er Jahre einen „Aussteigerbericht“, der lebhaft diskutiert wurde. Eine der beiden früheren Schwestern, Marianne Jansson, schrieb auch eine an der Universität Helsinki eingereichte theologische Magisterarbeit über die Marienschwestern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Basilea Schlink: Vater der Liebe. Evang. Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1957.
  • Basilea Schlink: Realitäten – Gottes Wirken heute erlebt. Zeugnishafte Erlebnisberichte aus dem Leben der Schwestern. Evang. Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1965.
  • Basilea Schlink: Wie ich Gott erlebte ... sein Weg mit mir durch sieben Jahrzehnte. Evang. Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1965.
  • Basilea Schlink: Der niemand traurig sehen kann. Ein beliebter täglicher Begleiter durch das ganze Jahr.
  • Joela Krüger: Die Revolution der Versöhner. Evangelische Marienschwesternschaft Darmstadt. In: Anna-Maria aus der Wiesche, Frank Lilie (Hg.): Kloster auf Evangelisch. Berichte aus dem gemeinsamen Leben. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2016, ISBN 978-3-89680-904-9, S. 122–124.
  • Lexikon für Theologie und Kirche, Band 3, Sp. 1047f.
  • Theologische Realenzyklopädie, Band 7, S. 207–212.
  • Marianne Jansson, Riitta Lemmetyinen: Christliche Existenz zwischen Evangelium und Gesetzlichkeit. Darstellung und Beurteilung von Lehre und Leben der „Evangelischen Marienschwesternschaft“ in Darmstadt. Verlag Peter Lang, Frankfurt/Berlin/Bern 1997; ISBN 3-631-31561-9.
  • Marianne Jansson, Riitta Lemmetyinen: Wenn Mauern fallen. CLV, Bielefeld; ISBN 978-3-89397-259-3 (pdf; 5,33 MB).
  • Roland Dotzert et al.: Stadtlexikon Darmstadt, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1930-3 und ISBN 978-3-8062-1930-2, S. 604.
  • Hinrich E. Bues: Christwerden im Geiste Marias. Charisma und Geschichte der Darmstädter und Schönstätter Marienschwestern, eine Studie zur missionarischer Spiritualität neuer geistlicher Gemeinschaften. Patris Verlag, Vallendar 2006, ISBN 3-87620-292-2 (Dissertation, Phil.-Theol. Hochschule Vallendar).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage der Kanaan-Franziskusbrüder
  2. Zitiert bei Gerhard Gronauer: Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus. Wahrnehmungen in Kirche und Publizistik von 1948 bis 1972 (= AKIZ.B57). Göttingen 2013, S. 129.

Koordinaten: 49° 49′ 48,6″ N, 8° 38′ 36,8″ O