Evangelische Stadtkirche Westerkappeln

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Ev. Stadtkirche Westerkappeln
Blick zum Chor
Blick zur Orgel

Die Evangelische Stadtkirche ist ein protestantisches Kirchengebäude in Westerkappeln im Tecklenburger Land.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kirche in Westerkappeln wurde erstmals im Jahre 1188 urkundlich erwähnt. Es handelte sich dabei vermutlich um eine Eigenkirche auf Corveyer Besitz, die unter dem Einfluss des Klosters Corvey unter das Patrozinium des Hl. Stephanus gestellt wurde. Ab dem Jahre 1252 lag das Patronatsrecht beim Bistum Münster, und ab dem Jahre 1278 beim Kloster Gravenhorst (Hörstel). Seit den Jahren 1587/1588 hat für die Kirche das lutherisch-reformierte Bekenntnis Geltung.[1]

Die im 12. Jahrhundert errichtete Kirche war ein flacher Saalbau mit dem (bis heute erhaltenen) Turm. Im 13. Jahrhundert wurden die Mauern des Kirchenschiffs erhöht und die Kirche durch Errichtung eines Querhauses und eines neuen Chorraumes kreuzförmig angelegt. Von dieser Anlage sind das Nordportal sowie das südliche Querhaus erhalten.[1]

Das Kirchenschiff basiert auf einer romanischen Basilika (dunkles Mauerwerk bis in eine Höhe von 5 m). Die späteren Teile wie das obere Mauerwerk, das Gewölbe, das Querschiff sowie der Chorabschluss entstammen der Spätgotik (mehrfache Umbauten).[1]

1527 führte Graf Otto VII. in der Grafschaft Tecklenburg die Reformation ein. Treibende Kraft war Ottos Sohn Konrad. Zu dieser Zeit breiteten sich mit der Reformation auch die Bilderstürmer aus (erste Bilderstürmer in der Grafschaft bereits 1525). Eine zweite Welle des Bildersturms erfolgte im Zusammenhang mit den Täufern, die 1534/35 in Münster die Macht übernahmen. In diese Zeit fallen auch Zerstörungen in und an der Westerkappelner Stadtkirche. So büßten die Figuren am Südportal, „Ecclesia“ und „Synagoge“, ihre Köpfe ein. Im Innern wurde das Relief an der Südwand des Kirchenschiffs schwer beschädigt.[1]

Bei Renovierungsarbeiten 1896 und 1923 wurden Fresken entdeckt, so die Kreuztragung Christi und eine Darstellung des Christopherus.[1]

Bemerkenswert ist, dass das Südportal nach Westen versetzt zur darüberliegenden Fensterrose steht.[1]

Turm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turm hat ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 7,80 m als Grundriss mit einer Wandstärke von 1,60 m bis 1,80 m. Ursprünglich war der Turm als Zufluchtstätte konzipiert und verfügte daher nur über einen Eingang in 4,5 m Höhe. Später wurde ein spitzbogiger Eingang an der Westseite des Turmes hinzugefügt. Anhand eines umlaufenden Absatzes im Mauerwerk lässt sich vermuten, dass der Turm eine ursprüngliche Höhe von 17 m hatte. Später, vermutlich im 13. Jahrhundert, wurde das Mauerwerk auf mehr als 29 m erhöht. Mit der spätgotischen Dachhaube (15. Jh.) und dem Hahn misst der Turm heute exakt 43,09 m.[1]

Der Bau des ältesten Teiles des Turmes wird allgemein auf das 12. Jh. datiert, da das Kirchspiel Westerkappeln erstmals 1188 im Osnabrücker Urkundenbuch erwähnt wird. Hierbei wird aber nicht berücksichtigt, dass die Architektur des Baus vor allem durch den Osnabrücker Bischof Benno II. (1067–1088) beeinflusst wurde (u. a. Bau der Klosterkirche Iburg, Gertrudenkloster Osnabrück). So lässt sich vermuten, dass der Turm bereits im späten 11. Jahrhundert errichtet wurde.[1]

Der Turm steht nicht mittig zur Längsachse des Kirchenschiffes, sondern seitlich versetzt (das Kirchenschiff wurde leicht nach Nord versetzt zum Turm errichtet).[1]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geläut besteht aus zwei Bronzeglocken. Die ostwärtige Glocke, „Anna“ genannt, 1519 durch Herbert Bippen gegossen, hat einen Durchmesser von 1,43 m; die westliche Glocke wurde 1641 durch Peter Hemoni gegossen und misst 1,26 m im Durchmesser. Im Zweiten Weltkrieg wurde die „Anna“ als kriegswichtiges Gut beschlagnahmt und sollte eingeschmolzen werden. Dazu kam es aber nicht. 1947 wurde die Glocke auf einem Lagerplatz in Geseke wiederentdeckt und nach Westerkappeln zurückgeführt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde zwischen 1821 und 1822 von Jan Adolf Hillebrand (Leuwarden) errichtet.[2] Die Orgelbauwerkstatt Rohlfing ersetzte 1912 das Pfeifenwerk und erweiterte die Orgel auf 32 Register. Im Jahre 1962 wurde von der Werkstatt Emil Hammer Orgelbau ein neues Orgelwerk hinter das historische Gehäuse gebaut, in dem die Pedalregister Subbass 16′, Gedackt 8′ und Oktav 4′ von 1912 erhalten geblieben sind. Die Trakturen sind mechanisch, die Windlade als Schleiflade ausgeführt. Die Orgel hat 24 Register auf zwei Manualen und Pedal.[3]

I Manual C–g3
1. Prinzipal 8′
2. Rohrflöte 8′
3. Octave 4′
4. Gemshorn 4′
5. Nasat 223
6. Waldflöte 2′
7. Mixtur IV–VI 113
8. Dulzian 16′
9. Trompete 8′
II Manual C–g3
10. Holzgedackt 8′
11. Violflöte 8′
12. Blockflöte 4′
13. Prinzipal 2′
14. Quinte 113
15. Oktave 1′
16. Zimbel II
17. Regal 8′
Tremulant
Pedal C–g1
18. Subbass 16′
19. Prinzipal 8′
20. Gedackt 8′
21. Oktave 4′
22. Nachthorn 2′
23. Pedalmixtur IV
24. Posaune 16′

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Evangelische Stadtkirche (Westerkappeln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Heinz Weyer: Die evangelische Stadtkirche in Westerkappeln. Kultur- und Heimatverein Westerkappeln e. V., Kroog, Westerkappeln 1991
  2. Evangelische Stadtkirche Westerkappeln. In: Kirchwege - Kirchräume. Evangelischer Kirchenkreis Tecklenburg, abgerufen am 26. Mai 2019.
  3. Westerkappeln, Deutschland (Nordrhein-Westfalen) - Evangelische Pfarrkirche. Orgeldatabase Nl. Abgerufen am 8. Oktober 2014.

Koordinaten: 52° 18′ 52,2″ N, 7° 52′ 35,6″ O