Evangelische Superintendentur A. B. Ostböhmen

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Evangelische Superintendentur A. B. Ostböhmen
Diözesangebiet Ostböhmen
Pfarrgemeinden 15 (Stand: 1913)
Filialgemeinden 9 (Stand: 1913)
Predigtstationen 14 (Stand: 1913)

Die Evangelische Superintendentur A. B. Ostböhmen war eine Diözese der Evangelischen Kirche A. B. in Österreich, die von 1900 bis 1918 bestand.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Superintendentur umfasste 15 (Stand: 1913)[1] tschechischsprachige Pfarrgemeinden in Böhmen mit im Jahr 1913 insgesamt knapp 14.000 Mitgliedern.[2] Sie war in keine Seniorate gegliedert und wurde von einem Superintendenten geleitet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Evangelische Superintendentur A. B. Ostböhmen ging im Jahr 1900 aus dem Östlichen Seniorat der Evangelischen Superintendentur A. B. Böhmen hervor. Die Superintendentur Böhmen war in zwei Seniorate gegliedert gewesen, ein östliches mit tschechischsprachigen Gemeinden und ein westliches mit deutschsprachigen Gemeinden, das nunmehr zur Evangelischen Superintendentur A. B. Westböhmen erhoben wurde.[3] 1902 wurde Karel Eduard von Lány, der bereits seit 1875 als Senior das Östliche Seniorat geleitet hatte, zum ersten Superintendenten von Ostböhmen gewählt. Lany starb 1903.[4] Sein Nachfolger wurde Jan Jakub Kučera im selben Jahr. Die Versammlung der Superintendentur beschloss 1903 die Confessio Bohemica als Bekenntnisschrift gleichwertig neben die Confessio Augustana zu stellen. Nach Kučeras Tod 1905[5] erfolgte die Wahl von František Trnka zum Superintendenten.[6] Im selben Jahr fanden zahlreiche Feierlichkeiten anlässlich des 500. Todestages von Jan Hus statt. Sie bildeten einen Höhepunkt der neo-hussitischen Bewegung, die letztlich auf eine Loslösung von der Kirchenleitung in Wien und auf eine Union aller evangelischen tschechischsprachigen Gemeinden zielte. Dies bezog die Gemeinden der Evangelischen Kirche H. B. in Böhmen und Mähren mit ein.[2] Auf Superintendent František Trnka folgte 1917 Superintendent Ferdinand Hrejsa.[7] Nach dem Untergang Österreich-Ungarns beschloss eine Generalsynode in Prag am 17. Dezember 1918 die Sezession von den österreichischen Kirchen. Die Gemeinden der Evangelischen Superintendentur A. B. Ostböhmen wurden Teil der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder.[2]

Gemeinden (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrgemeinde Gründungsjahr Kirchengebäude Bild
Černilow 1785 Evangelisch-lutherische Kirche in Černilow; Toleranzbethaus in Bohuslawitz (Filialgemeinde), Friedhofskapelle in Schonow (Filialgemeinde)
Humpoletz 1782 Evangelische Kirche in Humpoletz, Toleranzbethaus in Humpoletz Toleranzbethaus in Humpoletz
Kowanetz um 1781 Evangelische Kirche in Kowanetz Evangelische Kirche in Kowanetz
Kreuzberg 1782 Evangelische Kirche in Kreuzberg
Krschischlitz 1782 Toleranzbethaus in Krschischlitz Toleranzbethaus in Krschischlitz
Liebstadtl 1867 (zuvor Filialgemeinde von Krschischlitz) Lutherisches Toleranzbethaus in Liebstadtl
Lipkowitz 1782 Evangelische Kirche in Lipkowitz Evangelische Kirche in Lipkowitz
Opatowitz 1793 Toleranzbethaus in Opatovice; Friedhofskapelle in Zwiestowitz (Filialgemeinde; Gebäudenutzung gemeinsam mit der Gemeinde H. B. in Čáslau)
Prag (böhmisch) 1782 Salvatorkirche in Prag Salvatorkirche in Prag
Rybnik 1854 (1782 als Filialgemeinde von Prag) Toleranzbethaus in Rybnik Toleranzbethaus in Rybnik
Ternawka 1782 Evangelische Kirche in Ternawka Evangelische Kirche in Ternawka

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius A. Kolatschek: Die evangelische Kirche Oesterreichs in den deutsch-slavischen Ländern. Eine Darstellung des Arbeitsfeldes des evangelischen Vereins der Gustaf Adolf-Stiftung in den genannten Ländern und zugleich ein Beitrag zur Geschichte des österreichischen Protestantismus. Selbstverlag des Wiener Hauptvereins der Gustaf Adolf-Stiftung, Wien 1869, Kap. IX. Böhmen, S. 50–92.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Evangelische Kirche A. u. H. B. in Österreich im Jahr 1913. Johannes-Mathesius-Gesellschaft – Evangelische Sudetendeutsche e. V., 27. Mai 2011, abgerufen am 19. Oktober 2013.
  2. a b c Karl W. Schwarz: „Entösterreichern!“ Der Protestantismus in Tschechien nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie. Vortrag auf der Jahrestagung der Johannes-Mathesius-Gesellschaft vom 1. bis zum 3. Mai 2009 in Herrnhut. Johannes-Mathesius-Gesellschaft – Evangelische Sudetendeutsche e. V., 27. Mai 2011, abgerufen am 16. Oktober 2013.
  3. Barbara Schmid-Egger: Klerus und Politik in Böhmen um 1900 (= Wissenschaftliche Materialien und Beiträge zur Geschichte und Landeskunde der böhmischen Länder. Heft 21). Lerche, München 1974, S. 20.
  4. Ričan: Lány, Karel Eduard von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1972, S. 19 f. (Direktlinks auf S. 19, S. 20).
  5. Ričan: Kučera, Jan Jakub. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 316 f. (Direktlinks auf S. 316, S. 317).
  6. Otto Eißfeldt (Hrsg.): ...und fragten nach Jesus. Beiträge aus Theologie, Kirche und Geschichte. Festschrift für Ernst Barnikol zum 70. Geburtstag. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1964, S. 313.
  7. Otakar A. Funda: Ferdinand Hrejsa. In: Slovník českých filosofů. Filozofická fakulta Masarykovy univerzity, abgerufen am 16. Oktober 2013 (tschechisch).