Evelyn Hecht-Galinski

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Evelyn Hecht-Galinski (* 1949 in Berlin) ist eine deutsche Publizistin und Gründerin der deutschen Abteilung der Organisation „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“.[1] Sie ist die Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Ihre Auseinandersetzungen mit der Zentralratsspitze und ein Rechtsstreit über Antisemitismusvorwürfe gegen sie fanden vor allem in Deutschland Beachtung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hecht-Galinski wurde 1949 in Berlin geboren und besuchte dort die Emil-Molt-Schule. 1972 heiratete sie Benjamin Hecht. Mit ihrem Ehemann führt sie einen Textilvertrieb namens Hecht-Design.[2] Das Paar lebt in Malsburg-Marzell.

Kritik an Israel und Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hecht-Galinski verfasst regelmäßig Gastkommentare für die NRhZ-Online – Neue Rheinische Zeitung, eine 2005 gegründete Online-Zeitung, und übt darin harsche Israelkritik. Im Juli 2012 bezeichnete sie unter der Überschrift „Wenn der Davidstern in die Unterhose rutscht“ die gegenwärtige Regierung unter Netanjahu als „faschistisch-rassistische Regierung“ eines „zionistischen Apartheid-Regimes Israel“.[3] Im August 2014 veröffentlichte Hecht-Galinski einen Artikel, in dem sie Benjamin Netanjahu als "genauso schlimm wie die IS Kommandeure, die morden und zerstören", bezeichnete.[4] Im Jahr 2007 hatte Hecht-Galinski Vergleiche zwischen den israelisch besetzten Gebieten und dem Warschauer Ghetto, angestellt von den deutschen Bischöfen Gregor Maria Hanke und Walter Mixa,[5] „sehr moderat“ genannt: Ghetto sei heute ein gebräuchlicher Begriff. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf das Lebensmotto ihres Vaters „Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen“.[6] Kritiker warfen Hecht-Galinski wiederholt „jüdischen Selbsthass“ vor.[6] Monika Schwarz-Friesel führte 2010 Hecht-Galinskis Argumentation und ihre Gleichsetzungen der israelischen Politik mit dem NS-Regime als Beispiel für die häufigste Form des aktuellen Antisemitismus an.[7]

Während der Beschneidungsdebatte in Deutschland 2012 wandte sie sich gegen die Beschneidung von Säuglingen nach jüdischer Tradition (Brit Mila), eine Auffassung, die sie 2014 bekräftigte.[8]

Auseinandersetzungen mit dem Präsidium des Zentralrats der Juden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hecht-Galinski hatte eine Berliner Waldorfschule besucht. Vorwürfen, in diesen würden negative Einstellungen zum Judentum geschürt, trat sie später öffentlich entgegen und äußerte „Verwunderung“ über entsprechende „pauschale und unbewiesene“ Äußerungen von Paul Spiegel. Sie habe wenig Beziehung zur Anthroposophie und bezeichnet sich als „erziehungsmäßig und traditionell mit dem Judentum verbunden, aber nicht im religiösen Sinne“.[9]

In der Debatte um den Rücktritt von Michel Friedman im Jahr 2003 übte Hecht-Galinski Kritik am Führungspersonal des Zentralrats der Juden. Sie nannte es „unerträglich“, dass Zentralrats-Präsident Paul Spiegel kurz nach dem Strafbefehl gegen Friedman dessen Rückkehr in seine öffentlichen Ämter vorgeschlagen habe, und machte geltend, weder Paul Spiegel als Präsident noch Charlotte Knobloch als dessen Stellvertreterin seien geeignet, die Interessen der Juden in Deutschland zu vertreten.[10]

Im Zusammenhang mit der Operation Sommerregen und dem offenen Brief von Rolf Verleger warf Hecht-Galinski 2006 der Spitze des Zentralrats der Juden vor, sie vertrete nur unzureichend die sozialen Belange der Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Stattdessen agiere sie als „Sprachrohr der israelischen Regierung und Propagandamaschinerie“ und versuche, jegliche Kritik als Antisemitismus zu deklarieren. Die Politik Israels im Gaza-Streifen sei „durch nichts mehr zu rechtfertigen“.[11][12]

Rechtsstreite mit Henryk M. Broder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 erklärte Hecht-Galinski in einer Folge der Radiosendung Hallo Ü-Wagen des WDR:

„Ich weiß es auch aus eigener Erfahrung, wenn ich Interviews im Deutschlandfunk hatte, wie dann sofort der Zentralrat oder israelische Botschafter anruft und sich protestiert. Ich weiß, wie, wie verfahren wird von der israelisch-jüdischen Lobby, die es gibt, und da ist gar nichts gegen zu sagen, sie bezeichnet sich inzwischen selbst so. Und was Sie hier gebracht haben, das hört sich son bisschen nach der ‚Broder-Connection‘ an, aber die ist so uninteressant, die ist so unter dem Niveau, aber ansonsten ist ein massiver Druck, und der Druck, der ist auch sehr erfolgreich, und das muss ich sagen.“

Hecht-Galinski: Sendung „Hallo Ü-Wagen“[13]

Daraufhin schrieb der Publizist Henryk M. Broder im Mai 2008 an WDR-Intendantin Monika Piel über Hecht-Galinski, den er wie auch die Antwort darauf in seinem Blog auf der Internetplattform Die Achse des Guten unter der Überschrift „Tolle Tage mit jüdischen Experten“ veröffentlichte:

„Jeder kölsche Jeck mit zwei Promille im Blut würde sogar an Weiberfastnacht erkennen, dass Frau EHG eine hysterische, geltungsbedürftige Hausfrau ist, die für niemanden spricht außer für sich selbst und dabei auch nur Unsinn von sich gibt. Ihre Spezialität sind antisemitisch-antizionistische Gedankenlosigkeiten …“

Broder[14]

Als Antwort auf Broders Forderung, die Einwanderungspolitik auf wirtschaftliche Interessen zuzuschneiden, bezeichnete Hecht-Galinski ihn auf einer Veranstaltung ihrerseits als „Immigrant, den hier keiner in Deutschland eigentlich haben wollte“, und zudem als „Polarisierer, der alle Kritiker nur mit Beleidigungen und persönlichen Diffamierungen überzieht“.[15]

Es folgte ein Rechtsstreit mit Broder, der zu einer Debatte über das Verhältnis von Antisemitismus und Israelkritik in deutsch- und englischsprachigen Medien führte.[16][17][18][19][20]

Hecht-Galinski erwirkte zunächst eine einstweilige Verfügung, die es Broder bis auf weiteres verbot, in seiner Kritik den Begriff „antisemitisch“ zu verwenden. Die erste gerichtliche Instanz entschied, es handele sich um ein Werturteil, bei dem die Grenze zur Schmähkritik überschritten sei, so dass die Klägerin Unterlassung verlangen könne.[21]

Dagegen legte Broder jedoch erfolgreich Rechtsmittel ein. Das Oberlandesgericht Köln hob die einstweilige Verfügung mit der Begründung auf, die Kritik Broders sei zwar überzogen und ausfällig, werde jedoch letztlich vom Grundrecht auf Meinungsäußerung gedeckt, da sie als Beitrag zu einer die Öffentlichkeit wesentlich berührenden Frage verstanden werden könne. Im Hauptsacheverfahren vor dem Landgericht Köln wurde Hecht-Galinskis Unterlassungsklage im September 2008 zurückgewiesen.[22][23]

2008 hatte Hecht-Galinski Broder als „Pornoverfasser“ bezeichnet. Auch seine Unterlassungsklage wurde am 17. August 2009 zurückgewiesen.[24]

Das Deutschlandradio wertete den Konflikt zwischen Broder und Hecht-Galinski als „leidenschaftlich ausgetragene Posse“.[15]

Kontroverse um Felicia Langer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2009 schlug Hecht-Galinski die deutsch-israelische Rechtsanwältin Felicia Langer für das Bundesverdienstkreuz vor. Langer ist in Deutschland als scharfe Kritikerin der Politik Israels gegenüber den Palästinensern bekannt geworden. Im Juli 2009 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, was einen heftigen Streit auslöste.[25]

Bereits 2006 hatte Hecht-Galinski für Langer Partei ergriffen und deren Ausladung vom Else-Lasker-Schüler-Forum scharf kritisiert.[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 zeichnete die NRhZ-Online ihre langjährige Gastkommentatorin Hecht-Galinski mit dem „Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“ aus. Die Laudatio hielt Ken Jebsen. Das Preisgeld in Höhe von 196 Euro, symbolisch für den in diesem Jahr 196. Geburtstag des Namensgebers Karl Marx, überreichte Hecht-Galinski Walter Herrmann, dem Initiator der Kölner Klagemauer.[26]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das elfte Gebot: Israel darf alles. Klartexte über Antisemitismus und Israelkritik, TZ-Verlag, Edition-tz.de, Roßdorf, 2012, ISBN 978-3940456-51-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verein als Gegengewicht zum Zentralrat gegründet. FAZ, 8. November 2007
  2. Interview mit Hecht-Galinski; Internetportal Muslim-Markt, 25. März 2012
  3. Wenn der Davidstern in die Unterhose rutscht. NRHZ, Online Flyer Nr. 363, 18. Juli 2012
  4. Legitime Ziele. NRHZ, Online-Flyer Nr. 473 vom 27. August 2014
  5. „Bischöfe kritisieren Israel wegen Lebensbedingungen der Palästinenser“. ngo-online
  6. a b „Ghetto ist heute ein gebräuchlicher Begriff“. Interview im Deutschlandradio, 9. März 2007
  7. Monika Schwarz-Friesel, Evyatar Friesel, Jehuda Reinharz: Aktueller Antisemitismus – ein Phänomen der Mitte. Walter de Gruyter, 2010, S. 139
  8. Wenn der Davidstern in die Unterhose rutscht. NRHZ, 21. Juni 2014
  9. „Verbale Diffamierungen“: taz, 13. Mai 2000
  10. Salomon Korn begrüßt Friedmans Rücktritt (Memento vom 9. Mai 2005 im Internet Archive). Netzeitung, 9. Juli 2003
  11. „Sprachrohr der israelischen Regierung“. Interview im Deutschlandradio, 1. September 2009
  12. „Kritik gilt als Antisemitismus“. taz, 2. September 2006
  13. zit. nach: Claudio Casula: „Hallo, hysterische Tochter!“ Blog: Spirit of Entebbe, wordpress.com, 29. Juni 2008
  14. Brief an Monika Piel und deren Antwort
  15. a b c Streit unter Brüdern – Wie sich unter deutschen Juden ein Zwist entwickelt hat. Bericht des Deutschlandradio, 12. November 2006
  16. John Rosentahl: What is a Jew in Germany Permitted to Say Against a Jew in Germany?. Worldpoliticsreview, 28. August 2008
  17. Tom Segev: Macht der Selbstkritik. In: Der Spiegel. Nr. 37, 2008, S. 164–165 (online 8. September 2008).
  18. Jens Jessen: Israelkritik. Zum Streit zwischen Henryk Broder und Eva Hecht-Galinski. In: Die Zeit. Nr. 37, 4. September 2008
  19. Patrick Bahners: Rechtsstreit. Was darf eine Jüdin in Deutschland gegen Israel sagen?. FAZ
  20. Joachim Güntner: Polemiken bitte begründen. Ein Antisemitismusvorwurf vor Gericht. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. September 2008
  21. Das erstinstanzliche Urteil im Wortlaut. Justizportal des Landes Nordrhein-Westfalen
  22. Pascal Beucker: Sieg für Broder im Antisemitismusstreit. In: taz vom 7. Januar 2009, S. 7
  23. Daniela Breitbart: Ohne Sachbezug - Das Urteil: Broder gegen Hecht-Galinski Jüdische Allgemeine vom 11. September 2008
  24. Landgericht Berlin, Urteil vom 25. November 2008 (PDF; 453 kB) Der Link zeigt ausschließlich das Urteil des Landgerichts Berlin
  25. Schwäbisches Tagblatt, 22. Juli 2009: Auszeichnung Felicia Langers löst Wirbel aus
  26. Ein antizionistisches Familientreffen. haGalil, 24. September 2014