Ever Given

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Ever Given
Die Ever Given im Hafen von Rotterdam, 29 Juli 2021
Schiffsdaten
Flagge Panama Panama
Schiffstyp Containerschiff
Klasse Evergreen 20.000-TEU-Typ
Rufzeichen H3RC
Heimathafen Panama
Eigner Shoei Kisen Kaisha[1][2]
Reederei Evergreen Marine
Bauwerft Imabari Shipbuilding, Marugame, Japan
Baunummer S-1833
Kiellegung 25. Dezember 2015[3]
Stapellauf 9. Mai 2018[3]
Maschinenanlage
Maschine 1 × Mitsui-Dieselmotor
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
59.300 kW (80.626 PS)
Höchst-
geschwindigkeit
21,10 kn (39 km/h)
Propeller 1 × Festpropeller
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
399,94 m (Lüa)
386,95 m (Lpp)
Breite 58,8 m
Seitenhöhe 32,9 m
Tiefgang max. 15,7 m
Vermessung 219.079 BRZ / 99.155 NRZ
 
Besatzung 25 Personen[4]
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 198.886 tdw
Container 20.124 TEU
Sonstiges
Klassifizierungen American Bureau of Shipping
Registrier-
nummern
IMO-Nr. 9811000

Die Ever Given ist ein Containerschiff vom Evergreen-20.000-TEU-Typ. Die Containerschiffe dieses Typs zählen zu den größten der Welt. Eigentümer ist die japanische Leasingfirma Shoei Kisen Kaisha, ein Tochterunternehmen der größten japanischen Werft Imabari Shipbuilding.[5] Das in Panama registrierte Schiff wird von der taiwanischen Reederei Evergreen Marine betrieben und von Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) bereedert, einer Tochtergesellschaft der Schulte Group in Hamburg.[6][7]

Weltweite Bekanntheit erlangte das Schiff, als es am 23. März 2021 im Suezkanal bei starkem Wind an einer Uferböschung des Kanals auf Grund lief, sich schräg stellte und dadurch die Schifffahrtsrinne des Kanals sechs Tage lang blockierte. Hunderte Schiffe stauten sich in beiden Fahrtrichtungen.

Havarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2019, Blankenese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Februar 2019 streifte die Ever Given nahe dem Hamburger Hafen die am Schiffsanleger Blankenese festgemachte 25 Meter lange Fähre Finkenwerder der HADAG und beschädigte sie schwer.[8] Zwei Minuten nach der Kollision wurde wegen starker Winde ein Fahrverbot auf der Elbe verhängt.[9] (Koordinate:)

Das Schiff blockiert den Suezkanal, März 2021
Position der Havarie auf OpenSeaMap

2021, Suezkanal [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unfallhergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. März 2021 war die Ever Given auf dem Weg von Yangshan nach Rotterdam im Suezkanal zwischen der Kanaleinfahrt bei Sues und den Bitterseen an fünfter Stelle in einem Konvoi aus 20 Schiffen in Richtung Norden unterwegs. Nach Angaben von Bernhard Schulte Shipmanagement befanden sich zwei Lotsen an Bord.

Um 07:40 Uhr Ortszeit drehte sich die Ever Given stark zur Seite und strandete mit dem Bug auf dem östlichen Kanalufer; das Heck schwenkte in das westliche Kanalufer.[10] (Koordinate:) Da dies in einem Kanalabschnitt mit nur einer Fahrrinne geschah, wurde der Verkehr in beide Richtungen blockiert.

Freilegung und Weiterfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kanalbehörde versuchte umgehend, das Schiff mithilfe von Schleppern wieder freizulegen. Diese Versuche blieben zunächst erfolglos. Ab dem 25. März 2021 arbeitete zudem der Schneid­kopf­saug­bagger Mashhour der Suez Canal Authority (SCA) daran, das Containerschiff wieder frei zu bekommen.[11] Mit der Bergung wurden auch die Unternehmen Nippon Salvage Co. aus Japan und Smit Internationale aus den Niederlanden beauftragt.[12]

Erst sechs Tage nach dem Unglück, am 29. März 2021 gegen 15 Uhr Ortszeit, konnte die Ever Given bei Springhochwasser mit Hilfe von Baggern und Schleppern wieder freigelegt und fahrtauglich gemacht werden.[13][14][15][16] Das Schiff wurde mit Schlepperhilfe zur Inspektion in den Großen Bittersee gebracht.[17]

Nachdem der Kanal auf eventuelle Schäden überprüft worden war, wurde die Schifffahrt ab 19 Uhr Ortszeit wieder aufgenommen.[18]

Position der Ever Given zur Inspektion im Großen Bittersee auf OpenSeaMap

Die Ever Given wurde im Großen Bittersee auf Schäden und technische Defekte untersucht. Die Untersuchungen waren am 14. April 2021 beendet.[19]

Das Schiff wurde jedoch zur Durchsetzung von Schadensersatzforderungen (siehe Abschnitt Kompensationszahlungen) von der Kanalbehörde im Großen Bittersee festgehalten und konnte erst am 7. Juli seine Fahrt fortsetzen.[20][21] Es erreichte am 29. Juli mit etwa vier Monaten Verspätung Rotterdam.[22]

Unfallursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursache des Unfalls und die Verantwortung dafür sind nicht abschließend geklärt. Die Kanalbehörde und der Schiffsbetreiber bzw. sein Versicherer trugen diesbezüglich unterschiedliche Ansichten vor. Die Kanalbehörde wirft dem Schiffsbetreiber Navigationsfehler, eine nicht angepasste Ruderanlage und eine deutlich zu hohe Geschwindigkeit von 25 km/h statt 8 bis 9 km/h vor.[23] Evergreen Marine nannte unerwartet starke Winde als Grund des Auflaufens.[1] Daher hätte die Kanalbehörde wegen Schlechtwetters die Einfahrt für das Schiff nicht freigeben dürfen. Sie habe zudem die Fahrgeschwindigkeit vorgegeben und keine Schlepper bereitgestellt.[24][23]

Der Nautiker und Lotsendozent Gerald Immens vom Maritimen Zentrum der FH Flensburg, Präsident des Bundesverbandes der See- und Hafenlotsen und Sachverständiger bei Schiffsunfällen, stellte nach einer Auswertung von Fahrtdaten fest, Wind alleine sei nicht der Grund gewesen, sondern eine Reihe von Fahrfehlern, die sich aus fehlendem Verständnis zur Fahrphysik herleiten.[25]

Folgen für die Schifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die sechstägige Blockade wurde die Kanaldurchfahrt für andere Schiffe unmöglich. Vor beiden Kanaleinfahrten stauten sich die Schiffe; zum Tag der Freilegung betrug ihre Anzahl 370.[13] Einige Schiffe steuerten den Kanal gar nicht mehr an, sondern wählten den wesentlich weiteren Weg um Afrika herum.

Am 3. April teilte die Kanalbehörde mit, der Rückstau zahlreicher Schiffe sei aufgelöst. Die letzten 61 von insgesamt 422 im Stau wartenden Schiffen hätten den Suezkanal passiert.[26]

Die Blockade führte Schätzungen zufolge zu einem täglichen Transportausfall von Ladungsgütern im Wert von über neun Milliarden US-Dollar.[27][28]

Kompensationszahlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kanalbehörde kündigte nach der Beendigung der Sperrung des Kanals eine Schadenersatzforderung für die Kosten der Befreiung des Schiffs und die Einnahmeausfälle an.[29][30] Zur Sicherung der sich schließlich auf rund 900 Millionen US-Dollar belaufenden Forderung wurde das Schiff beschlagnahmt und einschließlich Ladung und Besatzung im Großen Bittersee festgehalten.[31][32] Später wurde diese Forderung auf 550 Mio. US-Dollar reduziert.[23] Die vertragliche Verantwortung für Schäden aus Unfällen im Suezkanal liegt nach Medienangaben beim Kapitän des betreffenden Schiffs.[33][34]

Ende April 2021 meldete die Reederei mit der Havarie grosse eine Schadensumverteilung an und beauftragte eine Londoner Großkanzlei mit der Beitreibung der Sicherheitsleistung bei ihren Kunden.[35][36] Sie ging zudem gegen die Beschlagnahmung des Schiffes vor einem ägyptischen Gericht in Berufung.[37] Ein Gericht in Ismailia wies die Berufungsklage des Schiffsbetreibers gegen die Beschlagnahme am 23. Mai wegen Unzuständigkeit zurück und verwies an das Handelsgericht in derselben Stadt.[38]

Am 20. Juni gab die Behörde SCA bekannt, dass der japanische Schiffseigner ein Entschädigungsangebot über 150 Mio. US-Dollar gemacht hat.[39] Am 23. Juni verkündete der Versicherer UK P&I, dass man eine grundsätzliche Einigung über die Schadensersatzzahlung erreicht habe.[40] Die Höhe der vereinbarten Entschädigung wurde nicht genannt.[41] Die entsprechenden Verträge wurden am 7. Juli unterzeichnet und das Schiff konnte seine Fahrt fortsetzen.[20][21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ever Given – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Cindy Wang, Kyunghee Par: Suez Canal Snarled With Giant Ship Stuck in Top Trade Artery. In: Bloomberg News. 23. März 2021, abgerufen am 27. März 2021 (englisch).
  2. Jon Gambrell: Massive cargo ship turns sideways, blocks Egypt’s Suez Canal. In: The Seattle Times, 23. März 2021. 
  3. a b EVER GIVEN. American Bureau of Shipping, abgerufen am 24. März 2021 (englisch).
  4. Christoph Hein: Die „Ever Given“ ist in Deutschland gut bekannt. In: faz.net. 26. März 2021, abgerufen am 26. März 2021.
  5. Eiki Hayashi: The quiet king of Japanese shipbuilding expands its empire. In: asia.nikkei.com. 11. Februar 2018, abgerufen am 28. März 2021 (englisch).
  6. Suezkanal: Ägypten widerspricht Prognosen von wochenlangem Stillstand. In: faz.net. 26. März 2021, abgerufen am 27. März 2021.
  7. Emergency Response: MV EVER GIVEN aground in the Suez Canal. Bernhard Schulte Shipmanagement, abgerufen am 26. März 2021 (englisch).
  8. Gentle touch of a giant – mega container ship brushed ferry. In: FleetMon.com. 9. Februar 2019, abgerufen am 24. März 2021 (englisch).
  9. Nina Gessner: Frachter rammt Fähre in Hamburg-Blankenese: Hat der starke Wind den Elbe-Crash verursacht? In: mopo.de. 10. Februar 2019, abgerufen am 24. März 2021.
  10. Martin Farrer, Michael Safi: Suez canal blocked by huge container ship after ‘gust of wind’. In: The Guardian. 24. März 2021, abgerufen am 24. März 2021 (englisch).
  11. Two dredgers put to work to free container ship Ever Given. In: swzmaritime.nl. 26. März 2021, abgerufen am 28. März 2021 (englisch).
  12. How to Dislodge a 200,000-Ton Ship From a Canal Wall. In: bloomberg.com. 24. März 2021, abgerufen am 25. März 2021 (englisch).
  13. a b Containerschiff »Ever Given« im Suezkanal freigelegt. In: spiegel.de. 29. März 2021, abgerufen am 29. März 2021.
  14. »Ever Given« fährt wieder – Blockade im Suezkanal aufgehoben. In: spiegel.de. 29. März 2021, abgerufen am 29. März 2021.
  15. MV EVER GIVEN successfully re-floated. Bernhard Schulte Shipmanagement, 29. März 2021, abgerufen am 29. März 2021 (englisch, Pressemitteilung): „Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) als technischer Manager des Containerschiffs EVER GIVEN (IMO: 9811000) kann bestätigen, dass das Schiff am 29. März 2021 um ca. 15:00 Ortszeit sicher wieder flott gemacht wurde. BSM bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten, einschließlich der Suezkanalbehörde, SMIT Salvage und der Besatzung an Bord, die unermüdlich daran gearbeitet haben, das Schiff zu befreien und die Schiffbarkeit im Suezkanal wiederherzustellen.“
  16. Charlene Gubash, Yasmine Salam, Richie Duchon: Suez Canal reopened after giant cargo ship successfully refloated (en-US). In: NBC News, NBC Universal, 29. März 2021. 
  17. Canal service provider says container ship in Suez set free. In: AP NEWS. 29. März 2021. Abgerufen am 29. März 2021.
  18. Traffic in Suez Canal resumes after stranded ship refloated – Business and Economy News. In: Al Jazeera. 29. März 2021. Abgerufen am 29. März 2021: „The ship came out intact and it has no problems. We’ve just searched the bottom and soil of the Suez Canal and thankfully it is sound and has no issues, and ships will pass through it today“
  19. Mike Schuler: Ever Given Updates from the Ship Manager – Ship Arrest ‘Extremely Disappointing’. gCaptain, 14. April 2021, abgerufen am 18. April 2021.
  20. a b Blockade im Suezkanal: Ägypten will Containerschiff Ever Given freigeben. In: Zeit Online. 4. Juli 2021, abgerufen am 5. Juli 2021.
  21. a b Nach Suezkanal-Blockade: Die "Ever Given" fährt wieder. In: tagesschau.de. 7. Juli 2021, abgerufen am 9. Juli 2021.
  22. Nach Suez-Blockade Containerschiff „Ever Given“ in Rotterdam angekommen. 29. Juli 2021, abgerufen am 31. Juli 2021.
  23. a b c Søren Pico: Insurer responds to allegations against Ever Given and master. In: Shipping Watch. 4. Juni 2021, abgerufen am 4. Juni 2021 (englisch).
  24. Jonathan Saul: Ever Given’s insurer said Suez operators drove it before it beached. In: Business Insider. 3. Juni 2021, abgerufen am 4. Juni 2021 (amerikanisches Englisch).
  25. Olaf Kanter, Claus Hecking: So lief die Havarie der »Ever Given« ab - Interview mit dem Nautiker und Kanallotsen Gerald Immens. In: Der Spiegel. 2. Oktober 2021 (spiegel.de [abgerufen am 2. Oktober 2021]).
  26. Stau am Suezkanal aufgelöst
  27. Ship still stuck in Suez Canal for 2 entire days now as backlog grows to 150 other ships. In: cbc.ca. 25. März 2021, abgerufen am 26. März 2021 (englisch).
  28. Vivian Yee: Live Updates: Scramble Against Time to Free Ship Stuck in Suez Canal. In: nytimes.com. 27. März 2021, abgerufen am 27. März 2021 (englisch).
  29. «Ever Given» darf Suezkanal nicht verlassen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. April 2021, abgerufen am 2. April 2021.
  30. Egypt May Seek $1 Billion in Damages for Suez Canal Crisis. In: Bloomberg.com. 1. April 2021, abgerufen am 3. April 2021 (englisch).
  31. »Ever Given«-Havarie im Suezkanal: Ägypten fordert 900 Millionen Dollar Schadenersatz. Der Spiegel, 14. April 2021, abgerufen am 14. April 2021.
  32. Claus Hecking: »Ever Given«: Was wurde aus dem im Suezkanal gestrandeten Schiff? In: Der Spiegel. Abgerufen am 25. April 2021.
  33. Tyler Dawson: Why we shouldn’t blame the pilot of the container ship stuck in Suez Canal. In: nationalpost.com. 25. März 2021, abgerufen am 27. März 2021 (englisch).
  34. Niels Kaiser: »Ever Given« – Supergau mit Folgen. In: Hansa, Heft 5/2021, S. 40–45
  35. Christoph Schlautmann, Florian Kolf: Nach „Ever Given“-Havarie: Auch Reederei-Kunden sollen sich an Unfallkosten beteiligen. In: Handelsblatt. 30. April 2021, abgerufen am 1. Mai 2021.
  36. Annelie Kaufmann: "Havarie grosse" – Wie geht es weiter im Streit um die Ever Given? In: Legal Tribune Online. 12. Mai 2021, abgerufen am 12. Mai 2021.
  37. Claus Hecking: Nach Suezkanal-Blockade: »Ever Given«-Eigner legen Kosten auf Frachtkunden um. In: Der Spiegel. Abgerufen am 1. Mai 2021.
  38. „Ever Given“ kann immer noch nicht weiterfahren. In: Berliner Zeitung. 23. Mai 2021, abgerufen am 24. Mai 2021.
  39. Neues Entschädigungsangebot wegen Sueskanal-Blockade orf.at, 20. Juni 2021, abgerufen am 20. Juni 2021.
  40. “Ever Given” Media Statement: Agreement in principle reached. In: UK P&I Club. 23. Juni 2021, abgerufen am 28. Juni 2021 (britisches Englisch).
  41. »Ever Given«-Eigentümer einigen sich mit Suezkanal-Behörde. Der Spiegel, 4. Juli 2021, abgerufen am 4. Juli 2021.