Evrim Sommer

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Evrim Sommer amtlich Helin Evrim Sommer (* 7. Februar 1971 in Varto, Türkei als Hêlîn Evrim Baba) ist eine deutsche Politikerin (PDS, Die Linke) kurdischer Abstammung. Von 1999 bis 2016 war Sommer Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und wurde 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evrim Sommer

Evrim Sommer wurde als Hêlîn Evrim Baba im türkischen Varto geboren. Ihre Familie ist kurdisch-alevitischer Herkunft. Sie durfte ihren Vornamen Hêlîn aufgrund des Verbotes kurdischer Namen in der Türkei nicht verwenden. Ihr Vater, Kazim Baba, war Gründer der ersten sozialistischen Lehrergewerkschaft „TÖP-DER“ in der Türkei. Als linker und kurdischer Politiker wurde er vom türkischen Militärregime verfolgt, zu 15 Jahren Haft verurteilt und von 1971 bis 1973 im Militärgefängnis in Diyarbakir inhaftiert. Durch eine Generalamnestie für politische Gefangene wurde er freigelassen, stand aber nach dem Militärputsch 1980 auf einer Todesliste des Regimes. Die Familie Baba flüchtete aus der Türkei nach West-Berlin.[1] Evrim Baba wuchs im West-Berliner Bezirk Schöneberg auf. Seit 2006 wohnt sie in Berlin-Lichtenberg. 2009 heiratete sie Robert Sommer und nahm seinen Nachnamen an. Seit 2012 trägt sie ihren kurdischen Vornamen Helin.[1]

Studium und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrer Sprachausbildung legte Sommer 1997 die staatliche Prüfung zur Dolmetscherin und Übersetzerin ab und leitete bis 2000 ein Übersetzungsbüro für alle Sprachen und Fachgebiete. Sie war als Dolmetscherin, Übersetzerin und Gutachterin für Notare und Gerichte sowie für das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge in Berlin und Brandenburg tätig. Von 2005 bis 2007 studierte sie Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, danach Geschichte und Geschlechterstudien/Gender Studies.[1] Sie schloss ihr Studium im November 2016 mit dem Bachelor of Arts ab.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1997 wurde Baba Mitglied der PDS.Von 1999 bis 2006 war sie Vorsitzende des Bezirksverbandes der PDS in Berlin-Neukölln. Von 1999 bis 2016 war Sommer Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses sowie für die Fraktion Die Linke im Abgeordnetenhaus frauenpolitische und entwicklungspolitische Sprecherin. Seit 2006 war sie als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises Lichtenberg 1 im Berliner Abgeordnetenhaus. Sie war zuletzt Mitglied in den Ausschüssen Ausschuss für Arbeit, Integration, Berufliche Bildung, Frauen sowie Wirtschaft, Forschung und Technologie und im Präsidium des Abgeordnetenhauses.[2] Evrim Sommer war von 2007 bis 2012 stellvertretende Vorsitzende des Bezirksverbandes der Linken.Lichtenberg. Von 2012 bis November 2016 war sie Vorsitzende des Bezirksverbandes der Partei Linken Lichtenberg.[2]

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2016 trat Sommer nicht mehr in ihrem Wahlkreis an, sondern kandidierte als Spitzen- und Bürgermeisterkandidatin für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg.[3] Die Linke wurde mit 29,8 % stärkste Partei im Bezirk.[4] Sommer wurde von der BVV-Fraktion der Linken für das Amt der Bezirksbürgermeisterin nominiert. Sie erreichte in zwei Wahlgängen aber nicht die erforderliche Mehrheit.[5] Während der Wahlgänge war durch einen Bericht des RBB suggeriert worden, sie hätte einen akademischen Grad angegeben, der noch nicht erteilt worden war. Verwiesen wurde auf das Handbuch des Abgeordnetenhauses vom Mai 2015, in dem sie sich als Historikerin bezeichnet und im Lebenslauf „Studium der Geschichte und Geschlechterstudien (Gender Studies) an der Humboldt-Universität zu Berlin und Bachelor of Arts (B.A.)“ angegeben hätte, obwohl das Studium zu diesem Zeitpunkt nicht abgeschlossen war. Sie erlangte diesen erst einen Tag vor der Wahl zur Bürgermeisterin. Die Humboldt-Universität teilte wenig später mit, dass die Abkürzung B.A. einen Studiengang sowie den Abschluss Bachelor of Arts bezeichnen würden.[6] Der Begriff Historiker ist darüber hinaus nicht geschützt, wie der Historikerverband bestätigte. [7]

Sommer zog ihre Kandidatur für einen weiteren Wahlgang zurück und gab ihr Amt als Vorsitzende der Linken in Lichtenberg auf. In einer Presseerklärung teilte sie mit, ihre Angaben seien nach ihrer Auffassung zutreffend[8]. Sie erhob den Vorwurf, die eigenen Parteifreunde hätten sie im Stich gelassen.[9] Sie erklärte, sie hätte unterschätzt, dass ein Teil der Partei nicht bereit sei, neue und unkonventionelle Wege im Interesse des Bezirks zu beschreiten. „Das mir von Teilen meiner eigenen Fraktion entgegengebrachte Misstrauen, anonyme Nein-Stimmen aus meiner eigenen Fraktion und das im Übrigen parteischädigende Verhalten von Teilen der Fraktion gegenüber Berliner Medien zeigen mir, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit meiner Fraktion und Teilen meiner Partei nicht mehr möglich ist.“[10]

Sommer wurde wegen etwaigen Titelmissbrauchs angezeigt. Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, da es keinen „hinreichenden Tatverdacht“ gäbe und räumte die Anschuldigung vollständig aus. Ihr zufolge sei Bachelor of Arts nicht nur ein Abschluss, sondern ein Studiengang, den Sommer belegt hatte.[11] Dies räumte auch der Sender RBB mittlerweile ein. [12]

Seit Februar 2017 arbeitet Sommer als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fraktion DIE LINKE. im Thüringer Landtag für die Enquete-Kommission "Auseinandersetzung mit Rassismus, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung in Thüringen".[13]

Die VertreterInnenversammlung der Berliner LINKEN wählte Sommer am 1. April 2017 für Platz 5 der Landesliste der Berliner LINKEN zur Bundestagswahl 2017, sie zog dadurch in den Bundestag ein. [14]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer setzt sich für eine Stärkung der Berliner Bezirke gegenüber dem Senat ein. Sie fordert eine den Aufgaben angemessene finanzielle und personelle Ausstattung der Bezirksämter und die Achtung des Subsidiaritätsprinzips. Die Bezirke sollen eine stärkere politische Stimme haben.[15]

Sommer fordert, dass Führungspositionen in Landesbetrieben paritätisch besetzt werden. Sie war 2010 an der Novellierung des Berliner Landesgleichstellungsgesetzes (LGG) unter der SPD-Linke-Regierung in Berlin beteiligt.[16]

In der Debatte um die von Alice Schwarzer geforderte gesellschaftliche Ächtung der Prostitution bezog sie 2013 eine Gegenposition und verteidigte die Liberalisierung durch das rot-grüne Prostitutionsgesetz von 2002. Den Aufruf kritisierte Sommer als „gewaltigen Rückschritt in die frauenrechtliche Steinzeit, in der Prostituierte recht- und schutzlos waren“,[17] und unterzeichnete den Gegenaufruf Appell für Prostitution.

Sommer ist Unterstützerin von Freiheit statt Angst.[18]

Sommer befürwortet einen unabhängigen kurdischen Staat in Nord-Irak.[19]

Sie kritisiert die autoritäre Politik von Recep Tayyip Erdoğan und bezeichnet ihn als „post-modernen Sultan“, der einen antidemokratischen Staat erschaffe.[20]

Opfer rechtsextremer Gewalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2010 wurde ein Brandanschlag auf das Auto von Evrim Sommer verübt. Die Berliner Polizei vermutete Täter aus der rechtsextremen Szene.[21] Sommer wurde auf Internetportalen Berliner Neonazis 2011 als „Linkskriminelle“ verunglimpft und stellte deshalb Strafanzeige.[22]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evrim Baba/Fraktion der PDS im Abgeordnetenhaus von Berlin (Hrsg.) Geschichte einer Preisverleihung. Louise-Schroeder-Medaille 2002 für Daniela Dahn. Berlin 2003.[23]
  • Das novellierte Prostitutionsgesetz von 2016 im historischen Kontext der Prostitutionskontrolle in Deutschland (Bachelor-Arbeit) Inhalt, Regelwerk der Repression, Auszug aus der Arbeit

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Homepage von Evrim Sommer abgerufen am 14. April 2016
  2. a b Evrim Sommer beim Berliner Abgeordnetenhaus (Memento vom 6. Juli 2014 im Internet Archive) abgerufen am 14. April 2016
  3. Hannes Heine: Linke möchte Macht in Lichtenberg. In: Tagesspiegel. 14. September 2015; abgerufen am 14. April 2016.
  4. Die Landeswahlleiterin für Berlin: Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen 2016, Endgültiges Ergebnis
  5. Evrim Sommer fällt in zwei Wahlgängen durch Der Tagesspiegel, 17. November 2016
  6. Linke-Chefin Evrim Sommer tritt nach Schummelvorwürfen zurück Der Tagesspiegel, 21. November 2016
  7. Eklat in BVV: Evrim Sommer fällt in zwei Wahlgängen durch BZ, 18. November 2016
  8. RBB Online: Evrim Sommer tritt nach missglückter Bürgermeisterwahl zurück, Meldung vom 21. November 2016
  9. Nach Rücktritt von Evrim Sommer: Die Linke kehrt in Lichtenberg die Scherben zusammen, Berliner Zeitung vom 24. November 2016
  10. Pressemitteilung Evrim Sommer 21. November 2016
  11. Tagesspiegel: Berliner Linke kämpft um Bundestagsliste Tagesspiegel, 14. März 2017, abgerufen am 30. März 2017
  12. rbb-exklusiv - Evrim Sommer fällt in zwei Wahlgängen durch, Nachtrag vom März 2017 RBB, März 2017, abgerufen am 23. September 2017
  13. Webseite der DIE LINKE. Fraktion im Thüringer Landtag abgerufen am 30. März 2017
  14. Tagesspiegel: Evrim Sommer setzt sich bei Kampfabstimmung durch Tagesspiegel, 01. April 2017, abgerufen am 2. April 2017
  15. Evrim Sommer: Wir brauchen das politische Bezirksamt. In: Neues Deutschland. 4. April 2016; abgerufen am 14. April 2016.
  16. Rede von Evrim Sommer am 17. Juni 2000 im Plenum des Berliner Abgeordnetenhauses abgerufen am 14. April 2016
  17. Evrim Sommer: Prostitution: Kein deutscher Skandal. In: Neues Deutschland. 6. November 2013; abgerufen am 15. November 2013.
  18. Demonstration Freiheit statt Angst, Unterstützerliste
  19. Evrim Sommer: Freudenfest für 40 Millionen Menschen. In: Neues Deutschland. 30. August 2014; abgerufen am 15. November 2013.
  20. Evrim Sommer: (Anti-demokratische) Schicksalswahl in der Türkei. In: Neues Deutschland. 29. Mai 2015; abgerufen am 15. November 2013.
  21. dpa: Polizei sucht Auto-Brandstifter in rechter Szene. In: Berliner Morgenpost. 26. März 2010; abgerufen am 15. November 2013.
  22. Presseerklärung Evrim Sommer am 15. November 2011. abgerufen am 13. April 2016
  23. Geschichte einer Preisverleihung auf www.linksfraktion-berlin.de