Evrim Sommer

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Evrim Sommer amtlich Helin Evrim Sommer (* 7. Februar 1971 in Varto, Türkei als Hêlîn Evrim Baba) ist eine deutsche, Historikerin, Kolumnistin und Politikerin (PDS, Die Linke) mit kurdischen Wurzeln.

Seit 1999 ist Sommer Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses sowie für die Fraktion Die Linke im Abgeordnetenhaus frauenpolitische und entwicklungspolitische Sprecherin. Sie ist die Spitzenkandidatin der Linken Lichtenberg für die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Lichtenberg und für das Amt der Bezirksbürgermeisterin.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evrim Sommer wurde als Hêlîn Evrim Baba in Varto/ Türkei geboren. Ihre Familie ist kurdisch-alevitischer Herkunft. Sie durfte ihren Vorname Hêlîn aufgrund des Verbotes kurdischer Namen in der Türkei nicht verwenden. Ihr Vater, Kazim Baba, war Gründer der ersten sozialistischen Lehrergewerkschaft "TÖP-DER" in der Türkei. Als engagierter linker und kurdischer Politiker wurde er vom türkischen Militärregime verfolgt, zu 15 Jahren Haft verurteilt und von 1971-1973 im Militärgefängnis in Diyarbakir inhaftiert. Durch eine Generalamnestie für politische Gefangene wurde er freigelassen, stand aber nach einem erneuten Militärputsch 1980 auf einer Todesliste des Regimes. Die Familie Baba flüchtete aus der Türkei erst in die DDR und dann nach West-Berlin.[2] Evrim Baba wuchs im West-Berliner Bezirk Berlin-Schöneberg auf. Seit 2006 wohnt sie in Berlin-Lichtenberg. 2009 heiratete sie den Historiker Dr. Robert Sommer und nahm seinen Nachnamen an. Seit 2012 trägt sie ihren kurdischen Vornamen Helin.[3]

Studium und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrer Sprachausbildung legte Sommer 1997 die staatliche Prüfung zur Dolmetscherin und Übersetzerin ab und leitete bis 2000 ein eigenes Übersetzungsbüro für alle Sprachen und Fachgebiete. Sie war dabei als Dolmetscherin, Übersetzerin und Gutachterin für Notare und Gerichte sowie für das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge (heute Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) in Berlin und Brandenburg tätig. Von 2005 bis 2007 studierte sie Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (unter anderem bei Herfried Münkler), danach Geschichte und Geschlechterstudien/Gender Studies (unter anderem bei Jörg Baberowski).[4]

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1997 wurde Evrim Baba Mitglied der PDS.Von 1999 bis 2006 war sie Vorsitzende des Bezirksverbandes der PDS in Berlin-Neukölln. Seit 1999 ist Sommer Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses sowie für die Fraktion Die Linke im Abgeordnetenhaus frauenpolitische und entwicklungspolitische Sprecherin. Seit 2006 ist sie als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises Lichtenberg 1 im Berliner Abgeordnetenhaus. Sie ist derzeit Mitglied in den Ausschüssen Ausschuss für Arbeit, Integration, Berufliche Bildung, Frauen sowie Wirtschaft, Forschung und Technologie und im Präsidium des Abgeordnetenhauses.[5] Evrim Sommer war von 2007 bis 2012 stellvertretende Vorsitzende des Bezirksverbandes der LINKEN.Lichtenberg. Seit 2012 ist sie Vorsitzende des Bezirksverbandes der Partei Linken Lichtenberg]. Evrim Sommer Spitzenkandidatin der LINKEN.Lichtenberg für die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung von Lichtenberg 2016 und damit verbunden Kandidatin für das Amt der Bezirksbürgermeisterin.[6]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer setzt sich für eine Stärkung der Berliner Bezirke gegenüber dem Senat ein. Sie fordert eine den Aufgaben angemessene finanzielle und personelle Ausstattung der Bezirksämter und die Achtung des Subsidiaritätsprinzips. Das heißt, dass das Land Berlin nur dann die Aufgaben übernimmt, wenn ein Berliner Bezirk hierzu nicht in der Lage ist. Die Bezirke sollen eine stärkere politische Stimme haben.[7]

AfD und Rechtspopulismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evrim Sommer vertritt die Position, dass die AfD ein Phänomen ist, das mit den Wahlerfolgen der Rechtspopulisten in anderen europäischen Staaten zusammen hängt. Diese verstehen sich als  »Anti-Establishment«-Parteien und bekommen ihre Stimmen von den Menschen die von den etablierten Parteien enttäuscht sind. Der Erfolg der Rechtspopulisten ist eine Folge des Verwischens der Grenze zwischen Links und Rechts. Die etablierten Parteien rücken immer weiter in die Mitte, so dass es eine ausdifferenzierte Bandbreite politischer-demokratischer Identitäten nicht mehr gibt. Als Reaktion muss die Linke klare Alternativen zur aktuellen Politik aufzeigen und auf die sozialen Fragen linken Antworten geben.[8]

Geschlechtergerechtigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer vertritt die Position, dass die Wurzeln der Geschlechterungleichheit im kapitalistischen Herrschaftssystem liegen. Deutschland gehört in Sachen Gleichstellung im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern. Frauen verdienen bei gleicher Qualifikation und trotz besserer Ausbildung 22 Prozent weniger als Männer. [9] Sommer fordert dass Führungspositionen in Landesbetrieben in Vorbildfunktion für die Privatwirtschaft paritätisch besetzt werden. Sie war 2010 federführend an der Novellierung des Berliner Landesgleichstellungsgesetzes (LGG) unter der SPD-LINKE-Regierung in Berlin beteiligt. Durch dieses Gesetz sollte die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen und die öffentliche Auftragsvergabe bekämpft und die Rechte der Frauenvertreterinnen gestärkt werden.[10] In der zehnjährigen Regierungszeit von SPD und LINKE war es unter anderem durch das LGG gelungen, den Frauenanteil in den Aufsichtsräten der landeseigenen Unternehmen auf ca. 50 Prozent zu erhöhen. Die wichtigsten landeseigenen Unternehmen BVG und BSR wurden von Frauen geführt.[11]

Prostitution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Debatte um die von Alice Schwarzer geforderte gesellschaftliche Ächtung der Prostitution bezog sie 2013 Gegenposition und verteidigte die Liberalisierung durch das rot-grüne Prostitutionsgesetz von 2002. Den Aufruf kritisierte Sommer als „gewaltigen Rückschritt in die frauenrechtliche Steinzeit, in der Prostituierte recht- und schutzlos waren“,[12] und unterzeichnete den Gegenaufruf Appell FÜR Prostitution.

Kurdischer Staat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer befürwortet einen unabhängigen kurdischen Staat in Nord-Irak. Ihrer Meinung nach würde ein solcher Staat Stabilität im Nahen und Mittleren Osten bringen. Kurdistan könnte zu einem demokratischen und multireligiösen Modellstaat in der Region werden, denn die Kurden sind durch religiöse Vielfalt geprägt. So gibt es kurdische Sunniten, Juden, Christen, Aleviten und Jesiden. Ein solcher Staat wäre der Gegenentwurf zum radikalen Islam, den die IS-Miliz den Menschen mit Waffengewalt aufzwingen will.[13]

Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer kritisiert die autoritäre Politik von Recep Tayyip Erdoğan, der seit 2002 die Türkei regiert. Sie bezeichnet ihn als „post-modernen Sultan“, der einen antidemokratischen Staat erschafft.[14]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommer ist Unterstützerin der überwachungskritischen Datenschutzdemonstration Freiheit statt Angst.[15]

Opfer rechter Gewalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2010 wurde ein Brandanschlag auf das Auto von Evrim Sommer verübt. Die Berliner Polizei vermutete Täter aus der rechten Szene.[16] Sommer wurde auf Internetportalen Berliner Neonazis 2011 als "Linkskriminelle" verunglimpft und stellte dagegen Strafanzeige.[17]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evrim Baba/Fraktion der PDS im Abgeordnetenhaus von Berlin (Hrsg.) Geschichte einer Preisverleihung. Louise-Schroeder-Medaille 2002 für Daniela Dahn'. Berlin 2003.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hannes Heine: Linke möchte Macht in Lichtenberg. In: Tagesspiegel. 14. September 2015, abgerufen am 14. April 2016.
  2. Homepage von Evrim Sommer abgerufen am 14. April 2016
  3. Homepage von Evrim Sommer abgerufen am 14. April 2016
  4. Homepage von Evrim Sommer abgerufen am 14. April 2016
  5. Homepage des Berliner Abgeordnetenhauses abgerufen am 14. April 2016
  6. Homepage des Berliner Abgeordnetenhauses abgerufen am 14. April 2016
  7. Evrim Sommer: Wir brauchen das politische Bezirksamt. In: Neues Deutschland. 4. April 2016, abgerufen am 14. April 2016.
  8. Evrim Sommer: Der Aufstieg der AfD. In: Neues Deutschland. 15. März 2016, abgerufen am 14. April 2016.
  9. Evrim Sommer: Im Krebsgang für mehr Frauenrechte. In: Neues Deutschland. 8. März 2015, abgerufen am 14. April 2016.
  10. Rede von Evrim Sommer am 17. Juni 2000 im Plenum des Berliner Abgeordnetenhauses abgerufen am 14. April 2016
  11. Wortbeitrag Evrim Sommer im Ausschuss für „Arbeit, Integration, Berufliche Bildung und Frauen“ des Berliner Abgeordnetenhauses am 18. Oktober 2012. abgerufen am 13. April 2016
  12. Evrim Sommer: Prostitution: Kein deutscher Skandal. In: Neues Deutschland. 6. November 2013, abgerufen am 15. November 2013.
  13. Evrim Sommer: Freudenfest für 40 Millionen Menschen. In: Neues Deutschland. 30. August 2014, abgerufen am 15. November 2013.
  14. Evrim Sommer: (Anti-demokratische) Schicksalswahl in der Türkei. In: Neues Deutschland. 29. Mai 2015, abgerufen am 15. November 2013.
  15. Demonstration Freiheit statt Angst, Unterstützerliste
  16. dpa: Polizei sucht Auto-Brandstifter in rechter Szene. In: Berliner Morgenpost. 26. März 2010, abgerufen am 15. November 2013.
  17. http://evrimsommer.de/download/doc/Nr019-straf-15112011.pdf Presseerklärung Evrim Sommer am 15. November 2011.] abgerufen am 13. April 2016
  18. Geschichte einer Preisverleihung auf www.linksfraktion-berlin.de