Ewald Arenz

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Schriftsteller Ewald Arenz 2020

Ewald Arenz (* 26. November 1965 in Nürnberg) ist ein deutscher Bestsellerautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist der älteste Sohn der Künstlerfamilie Arenz und Bruder der Schriftstellerin Sigrun Arenz sowie des Schauspielers und Autors Helwig Arenz, die alle drei im ars vivendi Verlag publizierten. Er ist außerdem verwandt mit dem Bildhauer Ewald Rumpf (Onkel) sowie der Schriftstellerin Mara Winter (Cousine).

Sein Abitur machte Arenz am Heinrich-Schliemann-Gymnasium Fürth und studierte zunächst Jura an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nach einigen Semestern wechselte er das Studienfach zu Anglistik, Amerikanistik und Geschichte.

Für seine literarischen Arbeiten wurde er mit zahlreichen Kulturpreisen ausgezeichnet. Arenz moderiert die Sendung Das Feiertagsfeuilleton auf Bayern 2 und leitete von 2009 bis 2012 die Semesterwerkstatt Schreiben am Stadttheater Fürth. Von 2007 bis 2010 schrieb er wöchentlich für die Nürnberger Nachrichten die literarische Kolumne Meine kleine Welt. Zusammen mit seinen Geschwistern Sigrun und Helwig führte er sie von 2015 bis 2017 in neuer Form unter dem Titel Unsere kleine Welt fort. Im Jahre 2018 wechselte er zum DuMont Buchverlag. Für die englischsprachigen Ausgaben wird er seit 2020 vom britischen Verlag Orenda Books vertreten.[1]

Arenz ist Lehrer am Johannes-Scharrer-Gymnasium in Nürnberg und lebt in der Nähe von Fürth

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erzählerische Werk folgt klassischer Erzähltradition; sprachlich abstrakte oder experimentelle Elemente sind selten. Während die Romane „Der Teezauberer“, „Die Erfindung des Gustav Lichtenberg“ sowie „Der Duft von Schokolade“ in der Tradition des magischen Realismus stehen, sind „Das Diamantenmädchen“ oder „Ein Lied über der Stadt“ historische Romane. Ein Merkmal, das alle genannten Werke verbindet, ist die Einbettung eines zentralen, menschlichen Konflikts in ein exotisches oder sinnliches Rahmenthema.[2] So ist in „Die Erfindung des Gustav Lichtenberg“ die Unfähigkeit des Helden zur Kommunikation mit der Technikgeschichte des 19. Jahrhunderts verknüpft; in „Der Teezauberer“ wird die Geschichte des Tees mit den widersprüchlichen Sehnsüchten des modernen Menschen nach der einen großen Liebe verbunden. Die Frage nach der Spannung zwischen persönlicher Freiheit und Verantwortung gegenüber den anderen wird in „Ein Lied über der Stadt“ in einen Kontext gebettet, der die Geschichte der weiblichen Fliegerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erzählt.

Im Gegensatz dazu zeichnen sich die Gegenwartsromane wie „Ehrlich & Söhne“ oder „Don Fernando erbt Amerika“ durch einen deutlich leichteren Ton aus. Hier überwiegen heitere, manchmal auch Slapstickelemente. In ihnen wie auch in zahlreichen Erzählungen ist der Stil deutlich lässiger; Dialogwitz und unerwartete Wendungen dominieren den Erzählstrang, wobei diesen Elementen die Handlungsentwicklung manchmal sogar untergeordnet wird. Der phantastische Roman „Herr Müller, die verrückte Katze und Gott“ hingegen setzt sich trotz des humoristisch geschliffenen Stils, der deutlich von britischen Autoren wie Douglas Adams oder Neil Gaiman beeinflusst ist, mit grundsätzlichen religiösen Fragen auseinander. Der Roman „Alte Sorten“ hebt sich in vielerlei Hinsicht vom vorangehenden Werk ab. Es handelt sich unter anderem um einen klassischen Coming of Age-Roman, der auf sprachlich hohem Niveau die Geschichte einer schwierigen Frauenfreundschaft erzählt. Im Vergleich zu seinen Unterhaltungsromanen kann „Alte Sorten“ aufgrund der sprachlichen Präzision[3] der gehobenen Literatur zugerechnet werden. 2020 erreichte „Alte Sorten“ einen Platz unter den ersten zehn[4] auf der Spiegel-Bestsellerliste und gehört damit zu den meistverkauften Taschenbüchern in Deutschland. „Der große Sommer“ erreichte sofort nach der Erstveröffentlichung im März 2021 einen Platz auf der Spiegel-Bestsellerliste. „Der Duft von Schokolade“, „Alte Sorten“ und „Der große Sommer“ erschienen in Übersetzungen unter anderem in England, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und Tschechien.

Im dramatischen Werk haben Musicals ein großes Gewicht; neben ihnen gibt es bisher lediglich eine klassische Boulevardkomödie („Die Odaliske“) sowie die Bearbeitung eines Stücks von Lillian HellmanThe Little Foxes“, die auf großen Bühnen aufgeführt wurden. Die Musicals folgen in erzählerischer Hinsicht den Romanen, da sie auch häufig historische Stoffe bearbeiten. „Bahn Frei!“ etwa erzählt die Lebensgeschichte des Eisenbahnpioniers Friedrich List. In der Wirtschaftswunderrevue „Petticoat & Schickedance“ hingegen werden die Biographien der Fürther Industriellen und Politiker Gustav Schickedanz, Ludwig Erhard und Max Grundig miteinander verknüpft. Das Musical „Der Tunnel“ ist eine Dramatisierung des gleichnamigen Bestsellers von Bernhard Kellermann.[5] und wurde 2016 von der Deutschen Musical Akademie in Berlin ausgezeichnet. „The Famous Door on Swing Street“ (2020) ist eine musikalische Hommage an die Flüsterkneipen in der legendären Swing Street in New York, wobei auch Rap- und HipHop-Elemente einfließen. Es wurde 2021 in zwei Kategorien für den Deutschen Musical Theater Preis nominiert (Bestes Arrangement, beste Hauptdarstellerin). Karolin Konert wurde für ihre Rolle als Anna ausgezeichnet. Bei allen Musicals hat Arenz mit dem Jazzpianisten und Komponisten Thilo Wolf zusammengearbeitet.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wanderungen. 13 Gedichte, Illustriert von Margitta Schäfer, Heieroffset, 26 S., 1987

Romane und Erzählungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiträge (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nürnberger Tand. In: Bernd Flessner (Hrsg.), Reisen zum Planeten Frankonia. Neustadt an der Aisch 2001, ISBN 3-87707-582-7.
  • Der Traum vom richtigen Leben. In Steffen Radlmaier (Hrsg.), Mein Song. ars vivendi, Cadolzburg 2004, ISBN 3-89716-534-1.
  • Bücherliebe. In: Dirk Kruse (Hrsg.), Meine wunderbare Buchhandlung. ars vivendi, Cadolzburg 2010, ISBN 978-3-86913-037-8.
  • Schlüsselerlebnis. In: Karoline Adler (Hersg.), Alle meine Lieben. dtv, München 2011, ISBN 978-3-423-25317-8.
  • Hoch soll er fliegen. In: Silvia Schmid (Hrsg.), Warum man nie runde Geburtstage feiern sollte. dtv, München 2011, ISBN 978-3-423-21333-2.
  • Tod im Zoo. In: Tatort Franken No.3. ars vivendi, Cadolzburg 2012, ISBN 978-3-86913-118-4.
  • Hohe Zeit. In: Karoline Adler (Hrsg.), Urlaubslesebuch. dtv, München 2012, ISBN 978-3-423-21361-5.
  • Wir warten aufs Christkind. In: Marlene Fritsch (Hrsg.), Wie das Christkind in die Windeln kam und andere ungewöhnliche Weihnachtsgeschichten. topos, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8367-0828-9.
  • Terrorehe. In: Karoline Adler (Hrsg.), Urlaubslesebuch. dtv, München 2013, ISBN 978-3-423-21439-1.
  • Tod beim Opernball. In: Tatort Franken No.4. ars vivendi, Cadolzburg 2013, ISBN 978-3-86913-201-3.
  • Tod in Venedig. In: Thomas Kastura (Hrsg.), To die, or not to die. ars vivendi, Cadolzburg 2014, ISBN 978-3-86913-416-1.
  • Josefs Geschenk. In: o. V., Frohe Weihnachten. Benno Verlag, Leipzig 2014, ISBN 978-3-7462-4135-7.
  • Glaubenskrieg. In: Karoline Adler (Hrsg.), Schneefrei. Die schönsten Wintergeschichten. dtv, München 2015, ISBN 978-3-423-21608-1.

Bühnenwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petticoat & Schickedance. Wirtschaftswunderrevue. Musik: Thilo Wolf, Uraufführung am Stadttheater Fürth, 2007
  • Die Odaliske. Komödie. Uraufführung am Stadttheater Fürth, 2009
  • Bahn Frei! Musical. Musik: Thilo Wolf, Uraufführung am Stadttheater Fürth, 2010
  • Der Tunnel. Musical. Musik: Thilo Wolf, Uraufführung am Stadttheater Fürth, 2015
  • The Famous Door on Swing Street. Musical.Musik: Thilo Wolf, UA am Stadttheater Fürth, 2020

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Pöhlein u. a. (Hrsg.): Da liegt der Himmel näher an der Erde: Literaturlandschaft Franken. Publ. P No 1, Bibliothek der Provinz, Weitra 2003, ISBN 978-3-85252-507-5
  • Hermann Glaser: Franken – Eine deutsche Literaturlandschaft. Epochen – Dichter – Werke. Schrenk-Verlag, Gunzenhausen 2015, ISBN 978-3-924270-66-7.
  • Uwe Ritzer: Sehnsucht nach der Boheme. In: Roßmann, Robert; Kratzer, Hans (Hg.): Stadt, Land, Wort. Bayerns Literaten: 22 Porträts. SüdOst-Verlag, Waldkirchen 2004, ISBN 978-3-89682-088-4.
  • Dieter Stoll: Selbstporträt. Literatur in Franken. Ars vivende, Cadolzburg 1999, ISBN 3-89716-083-8.
  • Lutz Backes: Ewald Arenz. In: ders.: Fränkische Köpfe, von Albrecht Dürer bis Markus Söder. PH. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 2022, ISBN 978-3-87707-256-1, S. 12f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ewald Arenz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sian Bayley: Orenda signs 'magical' debut from German schoolteacher Arenz. In: The Bookseller. 3. Juni 2021, abgerufen am 24. September 2022 (englisch).
  2. Ritzer, Uwe (2004): Sehnsucht nach der Boheme. In: Roßmann, Robert; Kratzer, Hans (Hg.): Stadt, Land, Wort. Bayerns Literaten: 22 Porträts. SüdOst Verlag, Waldkirchen, S. 77–80.
  3. Christian Endres: Von der besten Sorte. In: doppelpunkt.de. 12. Mai 2019, abgerufen am 24. September 2022.
  4. SPIEGEL-Bestsellerliste Taschenbuch August 2020
  5. Stadttheater Fürth, Spielplan 2015/16
  6. Woche unabhängiger Buchhandlungen: Lieblingsbuch Das Lieblingsbuch der Unabhängigen. Abgerufen am 24. September 2022.
  7. buchreport.spezial 01/2022. In: buchreport.de. Abgerufen am 24. September 2022.
  8. Stefan Hauck: Deutschlands Buchhändlerinnen haben gewählt. In: boersenblatt.net vom 21. Oktober 2021, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  9. Bayerischer Rundfunk: Bayerischer Buchpreis 2021: Der Bayern 2-Publikumspreis geht an Juli Zeh und "Über Menschen". 11. November 2021 (br.de [abgerufen am 24. September 2022]).
  10. Deutscher Hörbuchpreis 2022: Longlist. (PDF) In: Deutscher Hörbuchpreis. Abgerufen am 24. September 2022.
  11. Tasting Sunlight. In: Waterstones. Abgerufen am 24. September 2022 (englisch).