Ewald Arenz

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Schriftsteller Ewald Arenz 2017

Ewald Arenz (* 26. November 1965 in Nürnberg) ist ein deutscher Schriftsteller und Lehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist der älteste Sohn der Künstlerfamilie Arenz und Bruder der Schriftstellerin Sigrun Arenz sowie des Schauspielers und Autors Helwig Arenz, die alle drei im ars vivendi Verlag publizieren. Sein Abitur machte er am Heinrich-Schliemann-Gymnasium Fürth und studierte Anglistik, Amerikanistik und Geschichte in Erlangen. Er ist Lehrer am Johannes-Scharrer-Gymnasium in Nürnberg und lebt mit seiner Familie in Fürth. Für seine literarischen Arbeiten wurde er mit zahlreichen Kulturförderpreisen ausgezeichnet. Arenz moderiert die Sendung Das Feiertagsfeuilleton auf Bayern 2 und leitete von 2009 bis 2012 die Semesterwerkstatt Schreiben am Stadttheater Fürth. Von 2007 bis 2010 schrieb er wöchentlich für die Nürnberger Nachrichten die literarische Kolumne „Meine kleine Welt“. Zusammen mit seinen Geschwistern Sigrun und Helwig führt er sie seit 2015 in neuer Form unter dem Titel „Unsere kleine Welt“ fort.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erzählerische Werk folgt klassischer Erzähltradition; sprachlich abstrakte oder experimentelle Elemente sind selten. Während die Romane „Der Teezauberer“, „Die Erfindung des Gustav Lichtenberg“ sowie „Der Duft von Schokolade“ in der Tradition des magischen Realismus stehen, sind „Das Diamantenmädchen“ oder „Ein Lied über der Stadt“ historische Romane. Ein Merkmal, das alle genannten Werke verbindet, ist die Einbettung eines zentralen, menschlichen Konflikts in ein exotisches oder sinnliches Rahmenthema.[1] So ist in „Die Erfindung des Gustav Lichtenberg“ die Unfähigkeit des Helden zur Kommunikation mit der Technikgeschichte des 19. Jahrhunderts verknüpft; in „Der Teezauberer“ wird die Geschichte des Tees mit den widersprüchlichen Sehnsüchten des modernen Menschen nach der einen großen Liebe verbunden. Die Frage nach der Spannung zwischen persönlicher Freiheit und Verantwortung gegenüber den anderen wird in „Ein Lied über der Stadt“ in einen Kontext gebettet, der die Geschichte der weiblichen Fliegerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erzählt. Im Gegensatz dazu zeichnen sich die Gegenwartsromane wie „Ehrlich & Söhne“ oder „Don Fernando erbt Amerika“ durch einen deutlich leichteren Ton aus. Hier überwiegen heitere, manchmal auch Slapstickelemente. In ihnen wie auch in zahlreichen Erzählungen ist der Stil deutlich lässiger; Dialogwitz und unerwartete Wendungen dominieren den Erzählstrang, wobei diesen Elementen die Handlungsentwicklung manchmal sogar untergeordnet wird. Der bisher letzte Roman "Herr Müller, die verrückte Katze und Gott" hingegen setzt sich trotz des humoristisch geschliffenen Stils, der deutlich von britischen Autoren wie Douglas Adams oder Neil Gaiman beeinflusst ist, mit grundsätzlichen religiösen Fragen auseinander. Im dramatischen Werk haben Musicals ein großes Gewicht; neben ihnen gibt es bisher lediglich eine klassische Boulevardkomödie („Die Odaliske“) sowie die Bearbeitung eines Stücks von Lillian HellmanThe Little Foxes“, die auf großen Bühnen aufgeführt wurden. Die Musicals folgen in erzählerischer Hinsicht den Romanen, da sie auch häufig historische Stoffe bearbeiten. „Bahn Frei!“ etwa erzählt die Lebensgeschichte des Eisenbahnpioniers Friedrich List. In der Wirtschaftswunderrevue „Petticoat&Schickedance“ hingegen werden die Biographien der Fürther Industriellen und Politiker Gustav Schickedanz, Ludwig Erhard und Max Grundig miteinander verknüpft. Das bisher letzte Musical „Der Tunnel“ ist eine Dramatisierung des gleichnamigen Bestsellers von Bernhard Kellermann.[2] und wurde 2016 von der Deutschen Musical Akademie in Berlin ausgezeichnet. Bei allen drei Musicals hat Arenz mit dem Jazzpianisten und Komponisten Thilo Wolf zusammengearbeitet.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wanderungen, 13 Gedichte, Illustriert von Margitta Schäfer, Heieroffset, 26 S., 1987

Romane und Erzählungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelveröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nürnberger Tand, in: Bernd Flessner (Hrsg.), Reisen zum Planeten Frankonia, Neustadt an der Aisch 2001, ISBN 3-87707-582-7
  • Der Traum vom richtigen Leben, in Steffen Radlmaier (Hrsg.), Mein Song, ars vivendi, Cadolzburg 2004, ISBN 3-89716-534-1
  • Bücherliebe, in: Dirk Kruse (Hrsg.), Meine wunderbare Buchhandlung, ars vivendi, Cadolzburg 2010, ISBN 978-3-86913-037-8
  • Schlüsselerlebnis, in: Karoline Adler (Hersg.), Alle meine Lieben, dtv, München 2011, ISBN 978-3-423-25317-8
  • Hoch soll er fliegen, in: Silvia Schmid (Hrsg.), Warum man nie runde Geburtstage feiern sollte, dtv, München 2011, ISBN 978-3-423-21333-2
  • Tod im Zoo, in: Tatort Franken No.3, ars vivendi, Cadolzburg 2012, ISBN 978-3-86913-118-4
  • Hohe Zeit, in: Karoline Adler (Hrsg.), Urlaubslesebuch, dtv, München 2012, ISBN 978-3-423-21361-5
  • Wir warten aufs Christkind, in: Marlene Fritsch (Hrsg.), Wie das Christkind in die Windeln kam und andere ungewöhnliche Weihnachtsgeschichten, topos, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8367-0828-9
  • Terrorehe, in: Karoline Adler (Hrsg.), Urlaubslesebuch, dtv, München 2013, ISBN 978-3-423-21439-1
  • Tod beim Opernball, in: Tatort Franken No.4, ars vivendi, Cadolzburg 2013, ISBN 978-3-86913-201-3
  • Tod in Venedig in: Thomas Kastura (Hrsg.), To die, or not to die, ars vivendi, Cadolzburg 2014, ISBN 978-3-86913-416-1
  • Josefs Geschenk in: o.V., Frohe Weihnachten, Benno Verlag, Leipzig 2014, ISBN 978-3-7462-4135-7
  • Glaubenskrieg in: Karoline Adler (Hrsg.), Schneefrei. Die schönsten Wintergeschichten, dtv, München 2015, ISBN 978-3-423-21608-1

Bühnenwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petticoat & Schickedance, Wirtschaftswunderrevue (Uraufführung im Stadttheater Fürth am 12. Januar 2007), Musik: Thilo Wolf, Inszenierung: Steffen Senger
  • Die Odaliske, Komödie (Uraufführung im Stadttheater Fürth am 23. April 2009), Inszenierung: Steffen Senger
  • Bahn Frei! Musical (Uraufführung im Stadttheater Fürth am 15. Oktober 2010), Musik: Thilo Wolf, Inszenierung: Nilufar Münzing
  • Der Tunnel, Musical (Uraufführung im Stadttheater Fürth am 16. Oktober 2015), Musik: Thilo Wolf, Inszenierung: Jean Renshaw

Literatur zu und über Ewald Arenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pöhlein, Georg e.a. (Hrsg.): Da liegt der Himmel näher an der Erde: Literaturlandschaft Franken. 2003, ISBN 978-3-85252-507-5
  • Glaser, Hermann: Franken – Eine deutsche Literaturlandschaft. Epochen – Dichter – Werke. ISBN 978-3-924270-66-7.
  • Ritzer, Uwe: Sehnsucht nach der Boheme. In: Roßmann, Robert; Kratzer, Hans (Hg.): Stadt, Land, Wort. Bayerns Literaten: 22 Porträts. ISBN 978-3-89682-088-4.
  • Stoll, Dieter: Selbstporträt. Literatur in Franken. Cadolzburg, 1999.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ewald Arenz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ritzer, Uwe (2004): Sehnsucht nach der Boheme. In: Roßmann, Robert; Kratzer, Hans (Hg.): Stadt, Land, Wort. Bayerns Literaten: 22 Porträts. SüdOst Verlag, Waldkirchen, S. 77–80.
  2. Stadttheater Fürth, Spielplan 2015/16