Exekutive Funktionen

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Mit dem Terminus exekutive Funktionen werden in der Hirnforschung und Neuropsychologie geistige Funktionen bezeichnet, mit denen Menschen (im weiteren Sinne: höhere Lebewesen) ihr Verhalten unter Berücksichtigung der Bedingungen ihrer Umwelt steuern:

  • das Setzen von Zielen,
  • strategische Handlungsplanung zur Erreichung dieser Ziele,
  • Einkalkulieren von Hindernissen auf dem Weg dahin,
  • Entscheidung für Prioritäten,
  • Impulskontrolle und emotionale Regulation,
  • Aufmerksamkeitssteuerung,
  • zielgerichtetes Initiieren, Koordinieren und Sequenzieren von Handlungen,
  • motorische Umsetzung, Beobachtung der Handlungsergebnisse und Selbstkorrektur.

Es handelt sich also um die höheren mentalen bzw. kognitiven Prozesse, die der Selbstregulation und zielgerichteten Handlungssteuerung des Individuums in seiner Umwelt dienen. Daher können sie zusammenfassend auch als diejenigen psychologischen Fähigkeiten verstanden werden, «die der Ausführung von Handlungen unmittelbar vorangehen oder sie begleiten.»[1] Motivationale Funktionen wie die Willensbildung (Volition) und der Anstoß zum Handeln (Initiative) werden ebenfalls den exekutiven Funktionen zugerechnet.

Die Voraussetzung für eine gute Funktionsfähigkeit dieser kognitiven Leistungen ist auf Gehirnebene ein intaktes Frontalhirn (Frontallappen, insbesondere Präfrontaler Cortex) sowie ein ausbalanciertes Zusammenspiel bestimmter in Regelkreisen angeordneter Nervenbahnen und der zugehörigen Neurotransmitter. Diese neuronalen Regelkreise umfassen neben dem Frontalhirn u. a. Teile der Basalganglien und den Thalamus.

Bei bestimmten hirnorganischen Störungen (z. B. frontotemporaler Demenz, Dysphasie, Schädel-Hirn-Trauma, Dysexekutivem Syndrom bzw. Frontalhirnsyndrom) sind die exekutiven Funktionen beeinträchtigt, aber auch – mehr oder weniger ausgeprägt – bei einer Vielzahl von psychischen Störungen, so z. B. bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADS bzw. ADHS), Autismus, Korsakoff-Syndrom, Schizophrenie oder beim Borderline-Syndrom (s. auch Striatofrontale Dysfunktion).

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Förstl (Hrsg.): Frontalhirn - Funktionen und Erkrankungen. 2. Auflage. Springer, Heidelberg/ Berlin 2005, ISBN 3-540-20485-7.
  • Elkhonon Goldberg: Die Regie im Gehirn - Wo wir Pläne schmieden und Entscheidungen treffen. VAK, Kirchzarten bei Freiburg im Breisgau 2002, ISBN 3-935767-04-8.
  • Ulrich Müller: Die katecholaminerge Modulation präfrontaler kognitiver Funktionen beim Menschen. MPI für Neuropsychologische Forschung, Leipzig 2002, ISBN 3-9807904-5-2.
  • Bernhard Jauch (Hrsg.): PC-basierte Therapie exekutiver Dysfunktionen [EDF]: Praxisüberblick für Österreich aus medizintechnischer Sicht. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, ISBN 3-639-21837-X.
  • Sandra Verena Müller: Störungen der Exekutivfunktionen - Wenn die Handlungsplanung zum Problem wird. Hogrefe, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8017-1761-2.
  • Franz Petermann (Hrsg.): Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie. 7., überarbeitete und erweiterte Auflage. Hogrefe, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8409-2447-7, S. 271–290.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Petermann (Hrsg.): Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie. 7., überarbeitete und erweiterte Auflage. Hogrefe, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8409-2447-7, S. 277.