Experimenta Heilbronn

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Blick von der Neckarmeile auf das Science Center experimenta mit Bestandsbau (links) und Neubau (rechts)
Experimenta in Heilbronn
Das Gebäude vom Hafenmarktturm aus gesehen
Das Gebäude von der Bleichinsel aus gesehen
Erweiterungsbau der Experimenta nach einem Entwurf des Berliner Architekturbüros Sauerbruch Hutton[1]

Die experimenta – Science Center der Region Heilbronn-Franken ist ein Science Center in Heilbronn, Baden-Württemberg. Die Lern- und Erlebniswelt ist im ehemaligen Lagergebäude Hagenbucher und einem im März 2019 eröffneten Neubau[2] auf der Kraneninsel untergebracht und soll Naturwissenschaft und Technik für Menschen aller Altersgruppen begreifbar machen. Die experimenta besteht aus dem Ausstellungsbereich "Entdeckerwelten", den "Erlebniswelten" mit Science Dome, Sternwarte und Experimentaltheater sowie den "Forscherwelten" im Bestandsbau mit acht Laboren, einer Experimentierküche, dem Schülerforschungszentrum Nordwürttemberg und dem Maker Space.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem das Lagerhaus bis 2003 verschiedenen kulturellen Zwecken gedient hatte und bis zu jener Zeit auch Planungen für die Nutzung als Erweiterung der städtischen Museen bestanden, fiel bald darauf der Entschluss zur künftigen Nutzung als Science Center. Aus einem Architektenwettbewerb von 2006 ging das Berliner Architekturbüros studioinges als Sieger hervor.

Als Modell der öffentlich-privaten Partnerschaft wurden die Kosten des Hochbaus überwiegend von der Stadt Heilbronn übernommen, während die kompletten Ausstellungseinbauten und Exponate über Sponsoren finanziert wurden.[4] Insgesamt wurden auf diesem Weg 30,8 Millionen Euro in die Anlage mit rund 7500 Quadratmetern Nutzfläche investiert – rund 3,8 Millionen mehr als zunächst veranschlagt. Die Stadt Heilbronn war mit einem Anteil von 15,6 Millionen Euro vor der Dieter-Schwarz-Stiftung (15,2 Millionen) der größte Geldgeber. Weitere Sponsoren waren unter anderem EnBW, Gasversorgung Süddeutschland, Würth-Gruppe und die Südwestdeutschen Salzwerke. Ein Parkhaus für rund sechs Millionen Euro sowie weitere Verkehrsbauten im Zusammenhang mit der Experimenta finanzierte die Stadt Heilbronn alleine. Im Mai 2008 begannen die Bauarbeiten.[5][6]

Die Experimenta wurde am 14. November 2009 eingeweiht.[7] Träger der Einrichtung ist eine Gesellschaft, deren Mitglieder die Stadt Heilbronn, die Dieter-Schwarz-Stiftung, die IHK Heilbronn-Franken, die Hochschule Heilbronn und die Akademie für Information und Management sind.[8] 2015 wurden rund 168.000 Besucher gezählt.[9]

2013 kündigte die Dieter-Schwarz-Stiftung eine substanzielle Erweiterung der Experimenta an.[10] Ein Neubau mit rund 13.500 Quadratmetern Nutzfläche samt „Science Dome“ und Biosphärengebäude sollte bis 2017 fertiggestellt werden.[11] Im November 2013 präsentierte die Stiftung den Siegerentwurf eines international besetzten Architektenwettbewerbs, bei dem sich das Büro Sauerbruch Hutton durchgesetzt hatte.[12] Nach Beginn der Bauarbeiten auf der Kraneninsel wurden eine Kammerschleuse aus dem Jahr 1734 und ein ganz in Holz gefasster Mühlenkanal aus dem Jahre 1830 freigelegt. Durch die archäologischen Grabungen verzögerten sich die Bauarbeiten. Wegen der Umbauarbeiten war die experimenta ab dem 31. Juli 2017 bis zur Wiedereröffnung mit dem Erweiterungsbau vorübergehend geschlossen.[13] Als Ausweichquartier wurde ab 2018 das Motorschiff Experimenta genutzt.[14]

Die Neueröffnung mit umgebauten Bestandsgebäude und dem Neubau folgte am 31. März 2019. Die experimenta ist nach eigenen Angaben seitdem Deutschlands größtes Science Center.[15][16][1] Vom Eröffnungstag am 31. März bis zum Jahresende 2019 kamen 251.149 Besucher in die experimenta – das sind etwa doppelt so viele, wie Heilbronn Einwohner hat.[17] Das Science Center ist vom 27. bis 30. Mai 2021 Veranstaltungsort des 56. Bundeswettbewerbs Jugend forscht.[18]

Bereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die experimenta ist in drei Bereiche gegliedert: Der Bereich Entdeckerwelten besteht aus den vier Ausstellungsetagen Stoffwechsel, Kopfsachen, Weltblick und Forscherland mit rund 275 Mitmachstationen. Auf jeder Etage befindet sich zusätzlich ein gläsernes Kreativstudio, in dem handwerklich, technisch, kreativ oder kommunikativ gearbeitet werden kann. Beispielsweise können einen Trickfilm produziert, ein Musikstück komponiert oder Körperzellen erforscht werden.[19]

Die Erlebniswelten bestehen aus dem Science Dome, Experimentaltheater und Sternwarte.[20] Über den Science Dome, der eine Mischung aus Planetarium und Theater mit 100 Quadratmeter großer Bühne darstellt, spannt sich eine Kuppel. Die Projektionsfläche der Kuppel ist 700 Quadratmeter groß. Der Zuschauerbereich im Science Dome fasst 150 Sitzplätze und ist um 180 Grad drehbar.[21] Zur Ausstattung gehören unter anderem ein 3D-Audiosystem, eine Laseranlage, ein Wasservorhang auf der Bühne sowie ein Hochleistungsprojektor zur detailgetreuen Herstellung des Sternenhimmels in der Kuppel. Die Sternwarte auf dem Dach des Neubaus beherbergt zwei große Teleskope: ein Spiegelteleskop mit 50 Zentimeter Durchmesser und einer Brennweite von 3500 Millimeter und ein Linsenteleskop mit 25 Zentimeter Durchmesser und 2200 Millimeter Brennweite.[22] Das Experimentaltheater ist für Kinder bis zehn Jahre konzipiert und vermittelt Wissenschaft und Technik in selbst entwickelten Showformaten.

Die Forscherwelten bestehen aus acht Laboren und einer Experimentierküche. Die Laborkurse aus den Bereichen Biologie, Chemie, Physik und Informatik decken viele Themen der baden-württembergischen Bildungspläne für alle Altersgruppen ab. Im Schülerforschungszentrum Nordwürttemberg können junge Forscherinnen und Forscher wissenschaftlich arbeiten.[23] Im Maker Space wird Menschen ab 14 Jahren eine Plattform zum Ausprobieren und eine Werkstatt zum praktischen Arbeiten gegeben.

Die experimenta als Lern- und Forschungsort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Akademie junger Forscher“ war bis zur vorübergehenden Schließung im Sommer 2017 das Schüler-Forschungszentrum der experimenta. Sie bestand aus fünf pädagogisch betreuten Experimental-Laboren: Archimedes-Atelier, Friedrich-von-Alberti-Atelier, Wilhelm-Maybach-Labor, Robert-Mayer-Labor und Marie-Curie-Labor.[24][25]

Seit dem Umbau verfügt die experimenta in ihren Forscherwelten über acht Labore, eine Experimentierküche und den offenen Experimentierbereich Maker Space.[26] Die experimenta ist durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg als außerschulischer Lernort und außerschulisches Forschungszentrum offiziell anerkannt.[27] Es werden rund 60 Kurse, vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe 2, aus den Bereichen, Biologie, Chemie, Informatik, Physik und Technik angeboten.[28]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Science Center mit seinem rund 7500 Quadratmetern Nutzfläche ist größtenteils in einem historischen Ölsaatenspeicher, der unter dem Namen Hagenbucher bekannt ist, untergebracht.[29] Der Umbau und die Erweiterung des auf einer Neckarinsel gelegenen Speichers erfolgte auf Grundlage eines im Jahr 2007 gewonnenen Architektenwettbewerbs durch das Berliner Architekturbüro studioinges.[30] Der markante Klinkerbau wurde durch einen schlanken Neubau ergänzt, der ebenfalls mit der gleichen Klinkerschale versehen wurde. Eine gläserne Fuge zwischen dem Alt- und Neubau wird durch eine beleuchtete, grüne Wand begleitet, die die Haupterschließung aufnimmt.[7] Der Umbau wurde bei der Verleihung des Deutschen Ziegelpreises 2011 mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet.[31][32]

Im Juni 2016 fand die Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau mit seinen 13.500 m² Nutzfläche statt. Das Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton hatte hierfür 2013 den Wettbewerb unter 18 Büros gewonnen. Fünf Geschosse, jedes fünfeckig im Grundriss, sind gegeneinander verdreht und aus dem weit ausgreifenden Sockel lugt die Kuppel des Science Dome hervor. Die Geschossdrehung folgt der Konzeption der spiralartig um den Kern gedrehten Ausstellungs- und Experimentierflächen, die mit einer umlaufenden, außen ablesbaren Treppe verbunden sind und auf eine Dachterrasse münden. Um die Ausstellungsflächen stützenfrei zu halten, ist der tragende Kern mit den Stahlfachwerkträgern der Fassadenebene zu einer steifen Gesamtkonstruktion verbunden. Fertiggestellt wurde der Neubau im März 2019.[33] Der experimenta Neubau erhielt 2019 von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) das DGNB Zertifikat in Platin und die Auszeichnung DGNB Diamant.[34]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Experimenta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bernd Graff: Architektur: Würfelspiele. In: sueddeutsche.de. 27. März 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 2. Mai 2019]).
  2. https://www.baunetz-architekten.de/sauerbruch-hutton/1091321/projekt/6460768
  3. https://www.experimenta.science/die-experimenta
  4. Iris Baars-Werner: Schlichte Eleganz für den Hagenbucher, Heilbronner Stimme, 31. März 2007
  5. Science Center: Neuer Magnet der Stadt dank Sponsoren In: Immobilien Zeitung 7. Januar 2009. Abgerufen am 13. Oktober 2015.
  6. Interaktiv: Science-Center zum Anfassen In: Immobilien Zeitung 11. Dezember 2009. Abgerufen am 13. Oktober 2015.
  7. a b Grünes Experimentieren: Science Center in Heilbronn eröffnet, BauNetz, 17. November 2009
  8. Science Center: Neuer Magnet der Stadt dank Sponsoren In: Immobilien Zeitung 7. Januar 2009. Abgerufen am 13. Oktober 2015.
  9. Experimenta steigert Besucherzahlen - STIMME.de. Abgerufen am 7. August 2017.
  10. Die zukünftige experimenta Heilbronn, Dieter-Schwarz-Stiftung, 15. Mai 2013
  11. Iris Baars-Werner: Renommierte Architekten planen Experimenta, Heilbronner Stimme, 22. Februar 2013
  12. Neue Experimenta: Siegerentwurf von Berliner Architekturbüro, Heilbronner Stimme, 6. November 2013
  13. Super User: Temporäre Seite - experimenta Heilbronn. Abgerufen am 7. August 2017 (deutsch).
  14. Carsten Friese, Laborschiff MS Experimenta kommt nach Heilbronn, in: Heilbronner Stimme, 5. Dezember 2017 (online)
  15. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/x,experimenta-vorab-100.html
  16. Auf den Spuren der industriellen Revolution - STIMME.de. Abgerufen am 7. August 2017.
  17. https://www.rnz.de/politik/suedwest_artikel,-heilbronn-das-experiment-experimenta-geglueckt-_arid,503203.html
  18. https://www.jugend-forscht.de/wettbewerbe/bundeswettbewerb-2021/veranstaltungsort.html
  19. https://www.experimenta.science/die-experimenta/entdeckerwelten
  20. https://www.experimenta.science/presse/69-wissenschaft-und-technik-neu-erleben
  21. https://www.experimenta.science/presse/68-experimenta-zahlen-und-fakten-2019
  22. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.von-maerz-an-in-heilbronn-experimenta-greift-nach-den-sternen.51acaef4-4b11-45fd-92c1-3f19ea29307c.html
  23. https://www.experimenta.science/die-experimenta/forscherwelten
  24. Labore (Memento vom 18. April 2015 im Internet Archive), experimenta.
  25. experimenta Heilbronn – entdecken, erleben, erkennen (Memento vom 30. Oktober 2013 im Internet Archive), Wissenschaft im Dialog
  26. https://www.chemie.com/schule/schule-artikel/article/experimenta-in-heilbronn-bietet-schuelern-labore-an.html
  27. https://www.experimenta.science/de/
  28. https://www.experimenta.science/de/die-experimenta/forscherwelten
  29. Joachim Friedl: Schlichte Eleganz ist nur zu erahnen, Heilbronner Stimme, 4. September 2008.
  30. Dokumentation Architektenwettbewerb (Memento vom 29. August 2010 im Internet Archive), competitionline.de
  31. Architekturpreis für Heilbronner Experimenta, Heilbronner Stimme, 22. Februar 2012
  32. Ausstellung Deutscher Ziegelpreis 11.-21. Dezember 2012, Bauhaus-Universität Weimar
  33. https://www.db-bauzeitung.de/aktuell/neu-in/heilbronn-experimenta-science-center/
  34. https://www.dgnb-system.de/de/projekte/neubau-experimenta-heilbronn

Koordinaten: 49° 8′ 37,4″ N, 9° 12′ 53,7″ O