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Félix Vallotton

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Autoportrait, deutsch: Selbstporträt, 1905 Kunsthaus Zürich[1]
Unterschrift Félix Vallotton
Unterschrift Félix Vallotton

Félix Edouard Vallotton (* 28. Dezember 1865 in Lausanne; † 29. Dezember 1925 in Neuilly-sur-Seine bei Paris; heimatberechtigt in Vallorbe) war ein Schweizer, später auch französischer Maler, Grafiker, Holzstecher, Kunstkritiker und Schriftsteller.

Kindheit, Jugend, Ausbildung

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Félix Vallotton war der Sohn des Apothekers und späteren Chocolatiers Armand Adrien und der Emma Vallotton geborene Roseng. Er hatte einen älteren Bruder, Paul (1864–1936), und eine jüngere Schwester, Hélène (1867–1947)[2] und entstammte einer protestantischen Familie, die seit dem 15. Jahrhundert in Vallorbe im Kanton Waadt verzeichnet ist. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in Lausanne, wo er auch das kantonale Gymnasium besuchte. Mit sechzehn Jahren ging er nach Paris und liess sich an der Académie Julian bei Gustave Boulanger und Jules-Joseph Lefebvre zum Maler ausbilden.

Autoportrait, deutsch: Selbstporträt, 1885, Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne[3]

Vallotton suchte Inspiration in der scharfsinnigen Objektivität der grossen Vertreter des historischen Realismus, bei Lucas Cranach dem Älteren, Albrecht Dürer und Hans Holbein, bei Nicolas Poussin und Jean-Auguste-Dominique Ingres. Seine Leitprinzipien waren Redlichkeit und Ehrlichkeit, ein Erbe der protestantischen Ethik, die seine Jugend prägte, aber auch ein Leitfaden für die kommenden Jahre, in denen er sich als scharfer Kritiker der Unterdrückung des einfachen Volkes und der Heuchelei des Bürgertums etablieren sollte. Die Porträtmalerei bot ihm die Möglichkeit, die Ablehnung der Idealisierung durch die ungeschönte Beobachtung seiner Modelle – seien es Familienmitglieder oder sein eigenes Spiegelbild – in die Praxis umzusetzen.

Im Jahr 1885 stellte er zum ersten Mal im Salon des Champs-Élysées aus und begann sein Livre de raison,[2] ein chronologisches Verzeichnis seines Œuvres, das er bis zu seinem Tod weiterführte. Im Jahr 1890 nahm er an der ersten «Exposition nationale suisse des Beaux-Arts» in Bern teil, und 1891 stellte er im Salon des Indépendents aus.[4]

Porträt der Eltern des Künstlers, 1886, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung, Inventarnummer GKS667, Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne[5]
Porträt des Bruders, Paul Vallotton, 1886
Von links: Ker-Xavier Roussel, Édouard Vuillard, Romain Coolus und Félix Vallotton im Jahr 1899
Portrait des parents de l'artiste, 1902, Musée d'art et d'histoire Fribourg MAHF
Portrait de Gabrielle Vallotton, 1905, Musée des Beaux-Arts de Bordeaux

1889 lernte er Hélène Chatenay kennen, die sein Modell wurde.[2] 1890 schrieb er seine erste Kunstkritik für La Gazette de Lausanne, die bis 1897 insgesamt 28 seiner Artikel veröffentlichen sollte.[2]

In den 1890er Jahren wurde Vallotton vor allem durch seine Holzschnitte bekannt, die mit einer neuartigen Flächenaufteilung und ihren harten Schwarz-Weiss-Kontrasten für Aufsehen sorgten und in Zeitschriften wie La Revue blanche, Pan und Die Insel erschienen. Im Jahr 1892 wurde er Mitglied der Künstlergruppe Nabis.[6]

In seiner Malerei orientierte er sich an Gustave Courbet und Édouard Manet, legte jedoch besonderes Gewicht auf kräftige Umrisse und übersteigerte Plastizität der Gestalten.

1899 heiratete er Gabrielle Bernheim (1863–1932), geschiedene Rodrigues-Henriques, Tochter des Pariser Kunsthändlers und Inhabers der Galerie Bernheim-Jeune, Alexandre Bernheim (1836–1915), und Schwester von Joseph Bernheim-Jeune (1870–1941) und Gaston Bernheim de Villers (1870–1953). Ab diesem Jahr widmete er sich hauptsächlich der Malerei. 1900 wurde er französischer Staatsbürger. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg nahm er an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil.

Förderung durch Hedy Hahnloser-Bühler

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Hedy Hahnloser, 1908

1908 lernte er die Sammlerin Hedy Hahnloser-Bühler kennen, die ihn in seinem Pariser Atelier besuchte. Sie förderte den Künstler zeitlebens und kaufte viele seiner Werke. Ebenso machte sie ihn in der Deutschschweiz bekannte und liess sich und ihre Familie von ihm in ihrer Winterthurer Villa Flora porträtieren.[7] Matthias Frehner beschreibt Hahnloser im Historischen Lexikon der Schweiz als die bedeutendste Schweizer Kunstsammlerin ihrer Generation. 1936 verfasste sie den Œuvrekatalog über Vallotton.

1909 erhielt Vallotton in Zürich seine erste Museumsausstellung. In Paris wurde er von der renommierten Galerie Druet unter Vertrag genommen.

Grab von Félix Vallotton und seiner Ehefrau Gabrielle, Cimetière du Montparnasse, Paris

Im Alter von 60 Jahren starb Félix Vallotton im Jahr 1925 an den Folgen einer Krebsoperation in Neuilly-sur-Seine bei Paris. Sein Grab befindet sich auf dem Pariser Cimetière du Montparnasse.[8]

Vallottons Werk ist vielfältig und umfasst über 200 Holzschnitte, zahlreiche Zeichnungen, etwa 1700 Gemälde und einige Skulpturen. Zusätzlich verfasste er drei Romane, darunter La vie meurtrière (1905) und Corbehaut (1920), mehrere Theaterstücke und eine Reihe von Essays.

Die weltweit bedeutendste Sammlung von Vallottons Werken, darunter auch zahlreiche Deposita der Gottfried Keller-Stiftung, wie das Archiv des Künstlers ebenso, befinden sich im Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne, auf der Plateforme 10, dem Kunst- und Kulturzentrum im Herzen der Stadt. Betreut wird das Œuvre von der 1998 gegründeten Fondation Felix Vallotton. Katia Poletti ist seit 2005 Konservatorin der Stiftung.

Titelbilder Le Cri de Paris

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Gemälde (Auswahl)

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Selbstporträts

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Ausstellungen (Auswahl)

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Im Sikart-Lexikon des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft sind rund 350 Einzel- und Gruppenausstellungen des Künstlers erfasst.[10]

Felix Vallotton: Poivrons rouges, deutsch: Rote Paprika, 1915, Kunstmuseum Solothurn
  • Felix Vallotton: Immortels passés présents ou futurs. L joly éditeur, Paris 1892.
  • Felix Vallotton: Intimités. 10 gravures sur bois. Editions de La Revue blanche, Paris 1898.
  • Felix Vallotton: Crimes et châtiments par F. Vallotton. L’Assiette au beurre, Paris 1901.
  • Félix Vallotton: La vie meurtrière. Französische Originalsprache, Infolio, Gollion 2025, ISBN 978-2-88968-116-7.
  • Félix Vallotton: Les soupirs de Cyprien Morus. Französische Originalsprache, Infolio, Gollion 2015, ISBN 978-2-88474-876-6.
    • Die Seufzer des Cyprien Morus. Mit einem Nachwort von Werner Weber, NZZ Libro Zürich 2009, ISBN 978-3-03823-545-3.
  • Félix Vallotton: Corbehaut. Französische Originalsprache, préface de Gustave Roud, Société de la Feuille d’Avis, Lausanne 1970.
    • Corbehaut. Neuauflage, Infolio, Gollion 2025, ISBN 978-2-88474-850-6.
    • Corbehaut. Aus dem Französischen übersetzt von Franz Bäschlin. Nachwort von Rudolf Koella, Manesse, Zürich 1973.
  • Marina Ducrey: Félix Vallotton. La vie, la technique, l’œuvre peint. Edita, Lausanne 1989, ISBN 2-88001-248-1.
  • Marina Ducrey, Mitarbeit Katia Poletti: Félix Vallotton: Catalogue Raisonné de l’oeuvre peint. 3 Bde. Fondation Félix Vallotton, Lausanne 2005, ISBN 978-88-7439-179-0.
  • Hedy Hahnloser-Bühler: Felix Vallotton et ses amis. Vorwort: Hans R. Hahnloser. Editions A. Sedrowski, Paris 1936.
  • Rudolf Koella (Hrsg.): Félix Vallotton. Hirmer, München 1995, ISBN 3-7774-6610-7 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, Hypo-Kulturstiftung München, 26. November 1995 bis 18. Februar 1996).
  • Rudolf Koella: Über Felix Vallotton. Aufsätze aus 40 Jahren Forschungstätigkeit. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2009, ISBN 978-3-03823-548-4.
  • Rudolf Koella: Vallotton, Félix. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Catherine Lepdor, Katia Poletti (Hrsg.): Vallotton Forever. Vorwort: Juri Steiner, Catherine Lepdor, Katia Poletti, Texte von Lionel Baier, Dario Gamboni, Choghakate Kazarian, Daniel Maggetti, Catherine Lepdor und Katia Poletti, Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne, Scheidegger und Spiess, Zürich 2025, französisch, ISBN 978-3-85881-896-6.
  • Julius Meier-Graefe: Félix Vallotton. Biographie des Kuenstlers nebst dem wichtigsten Teil seines bisher publicierten Werkes & einer Anzahl undatierter Originalplatten = Biographie de cet artiste avec la partie la plus importante de son œuvre editee et differentes gravures originales & nouvelles. Stargardt, Berlin; Sagot, Paris 1898.[12]
  • Max Osborn: Die Wiedergeburt des Holzschnitts (S. 363–365, mit Selbstporträt und Schnitt von Vallotton), in: Zeitschrift für Bücherfreunde Heft 9, Dezember 1903, S. 345–365 (Digitalisat im Internet Archive).
  • Maxime Vallotton, Charles Goerg: Félix Vallotton. Catalogue raisonné de l’œuvre gravé et lithographié. Bonvent, Genf 1972.
  • Werner Weber: Eden und Elend: Félix Vallotton, Maler, Dichter, Kritiker. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1998, ISBN 3-85823-714-0.
  • Félix Vallotton, mit kühlem Pinselstrich. (OT: Félix Vallotton, la vie à distance.) Dokumentarfilm, Frankreich, 2013, 52:10 Min., Buch und Regie: Juliette Cazanave, Produktion: arte France, Cinétévé, Musée d’Orsay, Erstsendung: 6. Oktober 2013 bei arte, Inhaltsangabe von arte.

In Martin Suters Roman Der letzte Weynfeldt spielen Vallottons Bild Femme nue devant une salamandre (Nackte Frau vor einem Salamander) und eine Fälschung dieses Gemäldes eine zentrale Rolle.

In der Verfilmung eines Romans von Metin Arditi, Juliette dans son bain (dt.: Juliette im Bade), wird Vallottons Gemälde Le ballon zur Illustration eines zentralen Motivs der Geschichte, «Hinsehen lernen», verwendet.

Commons: Félix Vallotton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. https://collection.kunsthaus.ch/en/collection/item/3205/. In: Kunsthaus Zürich. Abgerufen am 23. November 2025.
  2. a b c d Katia Poletti: Repères biographiques. In: Catherine Lepdor, Katja Poletti (Hrsg.): Vallotton Forever. Scheidegger und Spiess, Zürich 2025, ISBN 978-3-85881-896-6, Annexes, S. 224–227 (französisch).
  3. Félix Vallotton, Autoportrait à l’âge de vingt ans, 1885. In: Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne. Abgerufen am 23. November 2025 (französisch).
  4. Christian Klemm u. a.: Von Anker bis Zünd. Die Kunst im jungen Bundesstaat 1848–1900. Kunsthaus Zürich, Zürich 1998, ISBN 3-906574-00-8 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, Musée Rath, 13. Februar bis 10. Mai 1998).
  5. Porträt der Eltern des Künstlers, 1886, von Félix Vallotton (1865–1925). In: Schweizerische Eidgenossenschaft, Eidgenössisches Departement des Innern EDI, Bundesamt für Kultur BAK, Museen und Sammlungen des Bundes, Sammlung Gottfried Keller-Stiftung, Inventarnummer GKS667, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung im Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne. Abgerufen am 3. April 2025.
  6. Per Amann: Die späten Impressionisten. Berghaus-Verlag, Kirchdorf-Inn 1986, ISBN 3-7635-0106-1.
  7. Félix Vallotton. Porträt von Hedy Hahnloser, 1908. In: Kunst Museum Winterthur. Abgerufen am 5. November 2025.
  8. knerger.de: Das Grab von Félix Vallotton
  9. Le bain au soir d'été, deutsch: Das Bad am Sommerabend, 1892, von Félix Vallotton (1865–1925). In: Schweizerische Eidgenossenschaft, Eidgenössisches Departement des Innern EDI, Bundesamt für Kultur BAK, Museen und Sammlungen des Bundes, Sammlung Gottfried Keller-Stiftung, Inventarnummer GKS1060, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung im Kunsthaus Zürich. Abgerufen am 8. April 2025.
  10. Félix Vallotton, auf recherche.sik-isea.ch
  11. Vallotton Forever. Die Retrospektive. In: Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne. Abgerufen am 28. Oktober 2025.
  12. Funduseintrag bei The Met Fifth Avenue.