Föhn (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filmdaten
OriginaltitelFöhn
ProduktionslandBR Deutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1950
Länge86 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieRolf Hansen
DrehbuchErna Fentsch
nach einer Filmnovelle von Arnold Fanck
ProduktionFriedrich A. Mainz
Rolf Hansen
Harry R. Sokal
MusikMark Lothar
KameraRichard Angst
SchnittAnna Höllering
Besetzung

Föhn ist ein deutsches Bergfilmdrama aus dem Jahre 1950 mit Hans Albers in der Hauptrolle. Unter der Regie von Rolf Hansen spielen Adrian Hoven und Liselotte Pulver weitere Hauptrollen als ein junges Liebespaar.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einst hatte der Arzt Dr. Johannes Jensen die Warnungen eines Bergführers in den Wind geschlagen und war mit seiner Ehefrau Maria in die Bergwand des Piz Palü gestiegen. Dabei geschah ein fürchterliches Unglück, denn bei einem Wetterumschwung kam Maria ums Leben. Johannes macht sich seitdem große Vorwürfe, und anlässlich des 20. Unglücks-Jahrestages kehrt der alte Mann in das Bergmassiv zurück. Von einem Chalet, dass er bezogen hat, tritt Jensen erneut auf eine Klettertour in den Piz Palü an, als er ein junges Paar kennenlernt: Es sind Peter und Maria, die nun ebenfalls diese Route in Richtung Gipfel einschlagen wollen. Johannes erkennt, dass die jungen Leute dabei sind, denselben Fehler wie einst er zu begehen, und sieht sich aus einem alten Schuldgefühl heraus dem Paar gegenüber in einer Verantwortung, zumal er sich in dem jungen Peter wieder erkennt. Maria wiederum, die noch dazu denselben Vornamen wie seine verunglückte Gattin trägt, erinnert ihn an seine Frau.

Während Maria auf Johannes‘ Warnungen vor dem “weißen Tod” hört und zurückbleibt, schert sich der sich überschätzende Peter nicht darum und macht sich allein auf den Weg in den zerklüfteten Fels. Jensen geht trotz der in den Wind geschlagenen Warnungen mit ihm. Maria folgt den beiden heimlich. Es kommt, wie es kommen muss: Die Wetterunbilden sind heftig, Peter rutscht an einer schwierigen Stelle ab und schlägt auf einem Fels auf. Johannes, der ihm zu Hilfe eilen will, bricht sich bei diesem Rettungsversuch ein Bein. Maria kommt hinzu und alle sitzen nun in der Schneehölle fest. Lawinenabgänge machen es Rettungskräften unmöglich, den drei im Bergmassiv Eingeschlossenen zu Hilfe zu eilen. In den kommenden 40 Stunden setzt die Kälte den gestrandeten Bergkletterern heftig zu. Bald verlassen Peter all seine Kräfte und er droht, gemeinsam mit Maria zu erfrieren. Da opfert sich Johannes auf, hüllt das junge Paar in seine wärmenden Kleider und gibt sich selbst dem Erfrierungstod preis.

Produktionsnotizen und Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Föhn, bei späteren Aufführungen auch mit dem Titel Sturm in der Ostwand bedacht, ist eine Neuverfilmung von Arnold Fancks und G. W. Pabsts legendärem Bergdrama Die weiße Hölle vom Piz Palü (1929). Die Dreharbeiten fanden von Anfang April bis Juli 1950 in München-Geiselgasteig (Innenaufnahmen) und in der Schweiz am Morteratschgletscher sowie in Pontresina (Außenaufnahmen) statt. Chefkameramann Richard Angst und Co-Produzent Harry R. Sokal waren die einzigen Personen, die auch am Stummfilm von 1929 beteiligt gewesen waren.

Die Uraufführung fand am 10. Oktober 1950 in der Essener Lichtburg statt. Die Berliner Erstaufführung war am 15. November 1950. Föhn war zugleich der erste deutsche Nachkriegsfilm, von dem auch eine englischsprachige Fassung hergestellt wurde. Maria Schell-Förderer (“Dr. Holl”) Friedrich A. Mainz startete mit Föhn seine beachtliche Produzentenlaufbahn im bundesdeutschen Kino der Adenauer-Ära.

Die Produktionsleitung lag in den Händen von Walter Traut. Hans Sohnle und Fritz Lück zeichneten für die Filmbauten verantwortlich. Für die zur Drehzeit 20-jährige Liselotte Pulver, die von Produzent Mainz für diese Rolle verpflichtet wurde, nachdem er sie im Zürcher Schauspielhaus gesehen hatte[1], bedeutete dieser Film den Start ihrer großen Karriere im Kino der Bundesrepublik Deutschland.

Föhn erhielt vom Land Nordrhein-Westfalen das Prädikat “künstlerisch hochstehend”.

Föhn und ein weiterer Albers Film, Vom Teufel gejagt, liefen kurz hintereinander (beide Oktober 1950) an. In beiden Dramen verkörperte Albers Ärzte, und in beiden Filmen überlebte er das Ende nicht. Beiden Filmen waren, möglicherweise aufgrund dieser tragischen Enden, keine Erfolge beschieden[2], zumal das Albers-Publikum strahlende Siege ihres Helden aus der Zeit vor 1945 gewohnt war. Albers selbst konnte sich immerhin mit beiden Filmen als Charakterschauspieler im frühen bundesrepublikanischen Kino etablieren.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Rolf Hansen knüpft an die Tradition der Bergfilme der dreissiger Jahre an, mildert aber die funkelnde Bergmystik und den veralteten melodramatischen Handlungshintergrund zugunsten von verfeinerten psychologischen Porträts. Hans Albers gewinnt seinem Stelldichein mit dem „Weissen Tod“ erschütternde Momente ab.“

Hervé Dumont: Die Geschichte des Schweizer Films. Spielfilme 1896–1965. Lausanne 1987. S. 426

„Gute schauspielerische Leistungen und hervorragende Photographie.“

6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 4. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1980, S. 120

Föhn ist vor vielen Jahren schon einmal gedreht worden … In der Albers-Version geht alles weniger wintersportlich zu als damals. Albers ist eben nicht mehr der Draufgänger, sondern ein alternder Mann...“

Curt Riess: Das gibt’s nur einmal. Das Buch des deutschen Films nach 1945. Henri Nannen Verlag, Hamburg 1958, S. 280

„Über 30 [sic!] Jahre nach dem klassischen Bergfilm "Die weiße Hölle vom Piz Palü" von Arnold Fanck und Georg Wilhelm Pabst drehte Regisseur Rolf Hansen ("Teufel in Seide", "Gustav Adolfs Page") nach dem Buch von Erna Fentsch dieses gut besetzte Remake, das allerdings nicht die Qualität des Originals erreicht.“

Föhn auf prisma.de[3]

Im Lexikon des Internationalen Films heißt es: „Ansprechende schauspielerische Leistungen und gut fotografierte Bergszenerien veredeln das durchschnittliche Kinodrama.“[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Curt Riess: Das gibt’s nur einmal. Das Buch des deutschen Films nach 1945. Henri Nannen Verlag, Hamburg 1958, S. 282
  2. Das gibt’s nur einmal, S. 279
  3. Kritik auf prisma.de
  4. Föhn. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 21. Dezember 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]