Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg

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Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 1990 für den Erhalt und Wiederherstellung alter gefährdeter Kirchen in Berlin und Brandenburg einsetzt.

Ziele und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Satzung setzt sich der Förderkreis für alte gefährdete „Kirchen im Land Brandenburg und im Zuständigkeitsbereich der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) sowie ihrer ortsbildprägenden Umgebung sowie von Synagogen und jüdischen Gedenkorten im Sinne der Denkmalschutzgesetze“ ein. Dazu können „gemeinnützige Vereine und Institutionen, die sich für diesen Zweck einsetzen, gefördert sowie kulturelle und Benefiz-Veranstaltungen durchgeführt werden“[1].

Geschichte und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Laubst mit saniertem Altarretabel

Am 4. Mai 1990 trafen sich rund 30 Personen im Klub der Kulturschaffenden, um einen Verein zu gründen, der sich unter dem Motto Gefährdete Kirchen. Retten – Erhalten – Nutzen um die Instandsetzung und Sanierung von Sakralbauten kümmern sollte. Aus dieser Initiative ging der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hervor. Er hat von 2002 bis 2020 annähernd 100 Kirchenbauvereine in ihrer Gründungsphase mit einem Startkapital von jeweils 2500 Euro unterstützt. Seit dem Jahr 2000 ist er Träger des Projektes „Offene Kirchen“ – für Gudrun Janicke von den Potsdamer Neueste Nachrichten ein „bundesweit einmaliges“[2] Projekt.

2006 stellte das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM) in einer Bestandsaufnahme aller Engel in Berlin und Brandenburg fest, dass ein erheblicher Handlungsbedarf bestand. Ab 2009 rief das BLDAM gemeinsam mit der EKBO und dem Förderverein unter dem Motto Menschen helfen Engeln zu einer Spendenaktion auf. In drei Jahren wurden mehr als 80.000 Euro eingeworben, mit denen mehr als 25 Taufengel restauriert und überwiegend an ihren ursprünglichen Platz gebracht werden konnten – so beispielsweise in der Dorfkirche Niebendorf im Landkreis Teltow-Fläming[3] oder der Dorfkirche Wismar im Landkreis Uckermark.

Nach drei erfolgreichen Jahren wurde die Aktion unter dem Motto Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe fortgesetzt. Laut Werner Ziems, Amtsrestaurator des BLDAM, sollte mit der Aktion erreicht werden, dass die verschiedensten „Ausstellungsstücke einen Querschnitt der Problematik aufzeigen“[4]. Andererseits sollte auch bei akuten Schäden eine kurzfristige Hilfestellung möglich sein. So wurde in der Dorfkirche Dedelow beispielsweise das Altarretabel gesichert, ebenso im Jahr 2012 in der Dorfkirche Laubst. Die geförderten Projekte werden dabei jährlich der Öffentlichkeit vorgestellt.[5]

Bis 2020 wurden rund 165.000 Euro für die Restaurierung unterschiedlichster Elemente der Kirchenausstattung eingesetzt, zum Beispiel der Taufständer der Dorfkirche Jühnsdorf.[6]

Musikschulen öffnen Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2007 wurde zusammen mit dem Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg die Veranstaltungsreihe Musikschulen öffnen Kirchen ins Leben gerufen.[7] Sie hat zum Ziel, alte Kirchen im Land Brandenburg zu „beleben“. Dabei treten junge Musiker ohne Honorar in den Kirchengebäuden auf und tragen mit den Spenden dazu bei, „Orgeln zu restaurieren oder andere Sanierungen vorzunehmen“[8]. Jährlich finden etwa 70 Konzerte in Dorf- und Stadtkirchen statt; um das Eröffnungskonzert können sich interessierte Landkreise bewerben. Katja Bobsin, Musikpädagogin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildung beim Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg wies daraufhin, dass die Veranstaltung „selbstbewusst“ zeige, dass der ländliche Raum keineswegs „abgehängt“ sei. Vielmehr übernähmen die Veranstaltungen die Rolle eines kulturellen „Nahversorgers“ in der Region.[9] Daneben beteiligt sich der Förderverein am Projekt Theater in der Kirche.

Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2008 gründete der Förderverein die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen mit einem Stiftungskapital von 640.000 Euro. Das Kapital, rund 12.000 Euro jährlich, soll in die Arbeit des Fördervereins fließen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 erhielt der Förderverein den Denkmalschutzpreis Silberne Halbkugel des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz. Die Würdigung wurde verliehen „für sein herausragendes Engagement, seine Beharrlichkeit und die vielen kreativen Ideen, mit denen er Spendengelder für zahlreiche Bau- und Restaurierungsprojekte akquiriert. Mit Hilfe einer Wanderausstellung über die gefährdete Gattung der Dorfkirchen sensibilisiert auch jenseits regionaler Grenzen und setzt wesentliche Impulse. Als Bindeglied zwischen Kirche, staatlicher Denkmalpflege und organisierter Bürgergesellschaft hat er inzwischen die Rolle eines Dachverbandes inne.“[10]

Im Jahr 2019 wurde der Verein gemeinsam mit dem Verein Checkpoint Bravo mit dem Berlin-Brandenburg-Preis 2019 ausgezeichnet. Der undotierte Preis wird an Projekte verliehen, „bei denen sich Menschen für Bauwerke, Denkmäler und Parkanlagen engagieren“.[11][12] Der Chefredakteur des RBB, Christoph Singelnstein hob in seiner Laudatio hervor, dass der Verein die Gründung von 100 lokalen Vereinen unterstützt habe. Damit werde „Kultur zurück aufs Dorf“ gebracht. Die künftige Arbeit des Vereins will sich neben der Rettung gefährdeter Kirchen auch zunehmend auf deren soziokulturelle Nutzung konzentrieren.[13]

Organe des Vereins, Sitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitz des Vereins in der Großen Hamburger Straße

Die Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand sowie ein Beirat. Während der Vorstand aus mindestens drei Mitgliedern bestehen muss, sind für den Beirat mindestens fünf Mitglieder vorgesehen. Deren Arbeit ist ehrenamtlich.

Der Verein hat sein Satzungsrecht genutzt, um zur Führung der laufenden Geschäfte einen Geschäftsführer zu bestellen. Dies ist im Jahr 2020 Bernd Janowski, seit 2006 Träger der Paul-Gerhard-Medaille der EKBO sowie seit 2011 Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Der Verein hat seinen Sitz in der Großen Hamburger Straße 31 in Berlin-Mitte.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Förderkreis gibt verschiedene Veröffentlichungen heraus:

  • Dreimal jährlich erscheint das Mitteilungsblatt Alte Kirchen
  • Mindestens einmal pro Monat erscheint ein Infobrief. Darin wird in der Regel eine „Dorfkirche des Monats“ sowie ein Buchtipp vorgestellt.
  • Jährlich erscheint die Broschüre Offene Kirchen mit einem Verzeichnis aller geöffneten Kirchen im Wirkungsbereich des Vereins
  • Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. (Hrsg.): Von Berlin nach Wilsnack. Ein kulturhistorischer Wegbegleiter zu den Stationen einer vergessenen Wallfahrt, 1. Auflage, 2005, Druckerei Blankenburg, S. 48

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Silberne Halbkugel
  • 2002: Brandenburgischer Denkmalpflegepreis
  • 2003: Europa-Nostra-Award
  • 2013: Silberne Halbkugel, Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz
  • 2015: Sonderpreis für Zivilcourage und Gemeinsinn, Tourismus-Marketing Brandenburg
  • 2019: Berlin-Brandenburg-Preis

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. (Hrsg.): Offene Kirchen, Ausgabe 2020, S. 86, ISBN 978-3-928918-36-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung des Vereins, abgerufen am 16. August 2020.
  2. Gudrun Janicke: Die Kirche bleibt in Brandenburg im Dorf. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 4., Januar 2011, abgerufen am 16. August 2020.
  3. Himmlischer Geselle: Verschollener Taufengel ziert wieder Niebendorfer Kirche. In: Märkische Oderzeitung, 13. Dezember 2011, abgerufen am 16. August 2020.
  4. Werner Ziems: Vom Dachboden auf den OP-Tisch: Zwölf Jahre Spendenaktion Vergessene Kunstwerke, veröffentlicht in der Broschüre Offene Kirchen, Ausgabe 2020, S. 14 und 15.
  5. Hilfe für vergessene Kunstwerke in der Dorfkirche Barenthin, Pressemeldung der Staatskanzlei des Landes Brandenburg vom 28. November 2018, abgerufen am 16. August 2020.
  6. Unser Taufständer ist restauriert, Webseite der Evangelischen Kirchengemeinden Blankenfelde-Jühnsdorf, abgerufen am 16. August 2020.
  7. Musikschulen öffnen Kirchen, Webseite der Veranstaltungsreihe Musikschulen öffnen Kirchen, abgerufen am 16. August 2020.
  8. Profil, Webseite der Veranstaltungsreihe Musikschulen öffnen Kirchen, abgerufen am 16. August 2020.
  9. Katja Bobsin: Spendenwerbung mit gutem Klang – Musikschulen öffnen Kirche, veröffentlicht in der Broschüre Offene Kirchen, Ausgabe 2020, S. 14 und 15.
  10. Verleihung des Deutschen Preises für Denkmalschutz am 28. Oktober 2013 in Berlin, Webseite der Leipziger Messe, abgerufen am 16. August 2020.
  11. Einsatz für alte Kirchen und früheren Grenzübergang geehrt, Webseite des RBB, abgerufen am 16. August 2020.
  12. Preis: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und Checkpoint Bravo ausgezeichnet. In: Märkische Oderzeitung. 11. September 2019 (moz.de).
  13. Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.: Stärkung der künstlerischen und kulturellen Nutzung der brandenburgischen Dorfkirchen – gefördert im Fonds Neue Länder, Webseite der Kulturstiftung des Bundes, abgerufen am 16. August 2020.