Führerbunker

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Aufteilung des Führerbunkers (Computermodell)

Als Führerbunker bezeichnet man zwei der unterirdischen Luftschutzräume in Berlin, die Adolf Hitler in den letzten Wochen des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland als Führerhauptquartier dienten. Hitler beging im Führerbunker Suizid.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor und während des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage des Führerbunkers (rot) auf dem Gelände der Neuen Reichskanzlei
Garten der zerstörten Neuen Reichskanzlei, 1947
Gesprengter Führerbunker, 1947
Das Gelände des ehemaligen Führerbunkers im Jahr 2009: Im Bereich der jetzigen Schranke wurde am 30. April 1945 Hitlers Leiche verbrannt; unter dem dahinter liegenden heutigen Parkplatz befanden sich seine Privaträume.

Von August 1935 bis Januar 1936 wurde im Garten der Reichskanzlei ein Festsaal errichtet, der mit einem Luftschutzkeller versehen war. Dieser sollte Adolf Hitler als privaten Bunker dienen.[1] Am 18. Januar 1943 befahl Hitler den Bau eines weiteren, an den Luftschutzkeller angeschlossenen Bunkers, der eine wesentlich stärkere Bauweise aufwies. Der Luftschutzkeller wurde zum Vorbunker des neuen Hauptbunkers, mit dessen Bau im April 1944 begonnen wurde.[2]

Am 16. Januar 1945 kehrte Hitler nach Berlin zurück und bezog seine Wohnräume in der Reichskanzlei.[3] Diese wurden beim schwersten Luftangriff auf Berlin während des Zweiten Weltkriegs am 3. Februar 1945 zerstört. Hitler zog daraufhin in den Führerbunker, den er bis dahin nur zum Schlafen und während der Luftangriffe genutzt hatte.[4] Im Laufe der nächsten Wochen verlegte Hitler auch all seine Aktivitäten in den Bunker, weshalb auch sein engerer Stab, seine Adjutanten, das Führerbegleitkommando und Martin Bormann sich im Wesentlichen dort aufhielten.[5] Seit dem 7. März 1945 wohnte auch Eva Braun dauerhaft im Bunker und bezog neben Hitlers Zimmer einen Raum mit einem Ankleidezimmer.[6] Am 22. April folgten Joseph und Magda Goebbels mit ihren sechs Kindern. Während Goebbels im Hauptbunker ein Zimmer bewohnte, lebten Magda Goebbels und ihre sechs Kinder im Vorbunker.[7]

Am 29. April 1945 verfasste Hitler im Bunker sein politisches und persönliches Testament. Im Anschluss heirateten dort Hitler und Eva Braun.[8] Am 30. April 1945 nahmen sie sich in Hitlers Wohn- und Arbeitsraum im Bunker das Leben. Ihre Leichen wurden mit Benzin übergossen und vor dem Notausgang des Bunkers im Garten der Neuen Reichskanzlei verbrannt.[9] Tags darauf, am 1. Mai, nahmen sich auch Joseph und Magda Goebbels am Notausgang des Bunkers das Leben. Zuvor waren ihre Kinder in deren Schlafraum im Vorbunker vermutlich durch die Hand Magda Goebbels mit Zyankali getötet worden.[10] Hans Krebs, letzter Chef des Generalstabs des Heeres, und der letzte Wehrmachts-Chefadjutant Wilhelm Burgdorf erschossen sich im Kartenraum des Bunkers. Auch Franz Schädle, Chef des Führerbegleitkommandos brachte sich im Bunker um.[11] In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai verließen die restlichen Insassen den Bunker. Am 2. Mai erklärte General Helmuth Weidling die Kapitulation Berlins, woraufhin die Rote Armee den nun verlassenen Bunker entdeckte und einnahm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte die Rote Armee, den Bunker zu sprengen. Dabei wurden die oberirdischen Aufbauten (Entlüftungstürme und Notausgang) und die Innenwände des Bunkers stark beschädigt[12]. Im Juni 1959 veranlasste die DDR-Regierung einen weiteren Sprengversuch, der erfolglos blieb. Woraufhin die oberirdischen Ruinen durch einen Erdhügel verdeckt wurden.[13] Im Zuge der Neuerrichtung von Großplattenwohnblocks an der Westseite der damaligen Otto-Grotewohl-Straße (heute: Wilhelmstraße) in den Jahren 1988/1989 wurden die Stahlbetondecke des Hauptbunkers mitsamt etwa der Hälfte seiner Außenwände bei der Tiefenentrümmerung des Geländes entfernt und die noch bestehenden Hohlräume verfüllt. Der Vorbunker wurde komplett beseitigt. Wegen der hohen Rückbaukosten blieben Bodenplatte und teile der Außenwände in der Erde.[14]

Der Ort, wo sich heute die Reste des Bunkers im Boden befinden, ist mit einer Informationstafel an der Ecke Gertrud-Kolmar-Straße/In den Ministergärten gekennzeichnet, die vom Verein Berliner Unterwelten kurz vor der Fußballweltmeisterschaft am 8. Juni 2006 aufgestellt wurde, um der Mythenbildung vorzubeugen. An die Reichskanzlei und den Bunker erinnert an der Ecke Wilhelmstraße/Voßstraße eine Tafel der Stiftung Topographie des Terrors. Im Bereich des Bunkers befindet sich heute ein Parkplatz.[15]

Bauweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbunker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorbunker hat eine Sohltiefe von 6,40 Meter, eine Raumhöhe von 3,05 Meter und Innenmaße von 15,50 Meter × 18,50 Meter. Die Bodenplatte hatte eine Stärke von 2,50 Meter, die Deckenplatte war zunächst 1,60 Meter stark und wurde 1944 im Zuge des Baus des Hauptbunkers auf 2,60 Meter verstärkt, wozu man den Fußboden des Festsaals öffnete. Der Bunker war weitestgehend autark. Er besaß Schleusenräume mit gasdichten Stahltüren, ein Diesel-Generator-Aggregat von 40 kW sowie Luftfilter. Des Weiteren hatte er Sanitäreinrichtungen und eine Küche.[16]

Hauptbunker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptbunker lag tiefer als der Vorbunker und wurde von diesem aus betreten, sowie durch den Notausgang, der in den Garten der Neuen Reichskanzlei führte. Seine Sohltiefe lag bei 8,50 Meter. Die Raumhöhe betrug laut unterschiedlicher Angaben zwischen 2,85 und 3,05 Meter, die Innenmaße waren 15,50 Meter × 18,50 Meter. Die Bodenplatte hatte eine Stärke von 2,5 Meter, die Deckenplatte war laut unterschiedlicher Angaben um die 4,00 Meter stark. Sie war durch Stahlträger an der Deckenunterkante zusätzlich verstärkt. Der Hauptbunker war weitestgehend autark. Er besaß Schleusenräume mit gasdichten Stahltüren, ein Diesel-Generator-Aggregat sowie eine Be- und Entlüftungsanlage mit drei Luftfiltern.[17]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Suizid Hitlers, Eva Brauns sowie Joseph und Magda Goebbels zeichnen die Spielfilme Hitler – Die letzten zehn Tage (1973), Der Bunker (1981) und Der Untergang (2004) nach.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Führerbunker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sven Felix Kellerhoff: Mythos Führerbunker. Hitlers letzter Unterschlupf. 3. Aufl. Berlin Story Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-929829-43-3, S. 46–49.
  2. Anton Joachimsthaler: Hitlers Ende. Legenden und Dokumente. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0285-5, S. 72.
  3. Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. 2. Aufl. Stuttgarter Verlagsanstalt, Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05132-1, S. 994.
  4. Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. 2. Aufl. Stuttgarter Verlagsanstalt, Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05132-1, S. 1002–1003.
  5. Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. 2. Aufl. Stuttgarter Verlagsanstalt, Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05132-1, S. 1004.
  6. Sven Felix Kellerhoff: Mythos Führerbunker. Hitlers letzter Unterschlupf. 3. Aufl. Berlin Story Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-929829-43-3, S. 47.
  7. Ralf Georg Reuth: Goebbels. Eine Biographie. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-05557-4, S. 648.
  8. Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. 2. Aufl. Stuttgarter Verlagsanstalt, Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05132-1, S. 1055–1060.
  9. Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. 2. Aufl. Stuttgarter Verlagsanstalt, Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05132-1, S. 1063–1065.
  10. Ralf Georg Reuth: Goebbels. Eine Biographie. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-05557-4, S. 663–664.
  11. Sven Felix Kellerhoff: Mythos Führerbunker. Hitlers letzter Unterschlupf. 3. Aufl. Berlin Story Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-929829-43-3, S. 95.
  12. Sven Felix Kellerhoff: Mythos Führerbunker. Hitlers letzter Unterschlupf. 3. Aufl. Berlin Story Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-929829-43-3, S. 106.
  13. Sven Felix Kellerhoff: Mythos Führerbunker. Hitlers letzter Unterschlupf. 3. Aufl. Berlin Story Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-929829-43-3, S. 107.
  14. Sven Felix Kellerhoff: Mythos Führerbunker. Hitlers letzter Unterschlupf. 3. Aufl. Berlin Story Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-929829-43-3, S. 120–125.
  15. Sven Felix Kellerhoff: Mythos Führerbunker. Hitlers letzter Unterschlupf. 3. Aufl. Berlin Story Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-929829-43-3, S. 39.
  16. Florian Müller-Klug: #23 Der „Führerbunker“ – Daten & Fakten. In: Clio Berlin Blog. 7. Februar 2016, abgerufen am 7. Februar 2016 (deutsch).
  17. Florian Müller-Klug: #23 Der „Führerbunker“ – Daten & Fakten. In: Clio Berlin Blog. 7. Februar 2016, abgerufen am 7. Februar 2016 (deutsch).

Koordinaten: 52° 30′ 45″ N, 13° 22′ 52″ O