Führung (Tanz)

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Als Führung wird die Aufgabe eines Tanzpartners beim Paartanz bezeichnet, initiativ Tanzfiguren einzuleiten, welche dann gemeinsam getanzt werden, sowie die eigene Paarposition innerhalb des zur Verfügung stehenden Tanzraums und mit anderen Tanzpaaren, auch in einer Tanzformation, zu koordinieren sowie die Tanzgeschwindigkeit festzulegen. In der Regel führt der Mann und die Dame folgt. Daher wird, insbesondere bei Standard- und bei lateinamerikanischen Tänzen, diese Aufgabenverteilung beim Tanzen auch als Führen und Folgen oder Partnering bezeichnet.

Führen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsächlich wird mit drei Komponenten geführt. Das vorrangigste Führungsinstrument sind die Hände. In Tanzhaltung berühren sich die Hände der Partner und können so Impulse übertragen, beispielsweise für eine Drehung. Dazu kommen unterstützend die Arme und der Körper selbst (die Paare befinden sich auf „Tuchfühlung“).[1] Probleme beim Führen entstehen unter anderem durch die Präzision im Einsetzen und im Gebrauch der Führungskomponenten durch den Führenden und der Verständigung als Paar bezüglich einer gemeinsamen Körperspräche. Für Zuschauer sollte nicht sichtbar sein, welche Person des Paares die Führung übernommen hat, die Harmonie der Tänzer sollte vorherrschen. Dementsprechend lässt sich die Technik des Führens weniger durch Lernen am Modell (also etwa durch Beobachtung eines erfahrenen Tanzpaares), sondern eher durch Erklärungen und Lernen durch Einsicht aneignen.

Gute Führung zeichnet sich durch vorausschauende Planung der nächsten Figuren und durch ein präzises Timing der notwendigen Richtungsänderungen aus. Das bedeutet beispielsweise, dass bei Tänzen, in denen der Tanzpartner zeitlich zwischen einem festen Stand auf beiden Beinen und einem labilen Gleichgewicht bzw. einer Instabilität mit dem Körperschwerpunkt über dem Standbein wechselt, von einer guten Führungsperson genau im Zeitpunkt des labilen Gleichgewichts ein Impuls ausgeht, welcher den zu führenden Tanzpartner veranlasst, die Richtung dieses Impulses einzuschlagen. Wird der Zeitpunkt des labilen Gleichgewichts verpasst, so ist eine Richtungsänderung für die nächste Tanzfigur nur sehr schwer möglich und die Harmonie wirkt durch den dann notwendigen Krafteinsatz gestört. Der Impuls für die Richtungsänderung kommt bei einigen Tänzen, zum Beispiel beim Salsa, mitten im Takt, so dass hier der Zeitpunkt für den Impuls nicht deutlich durch die Musik markiert wird. Daher sollte ein guter Tänzer das Führen so lernen, dass er auch mit Damen tanzen kann, mit denen er zuvor noch nicht geübt hat.[2]

Sich führen lassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gängige Variante ist, dass der Herr führt und die Dame sich führen lässt, was bei Tanzpaaren nicht immer reibungsfrei und sofort klappt.[3] Vom Tanzpartner, welcher geführt wird, muss zu bestimmten Zeitpunkten eine Instabilität eingenommen werden, damit die Führung durch einen leichten Impuls gelingen kann, damit eine Tanzfigur entstehen kann. Konflikte in der Partnerschaft, insbesondere um die sogenannte Vormachtstellung, können sichtbar werden, weswegen ein Tanzkurs durchaus auch paartherapeutische Ansatzpunkte bietet.[4] Vom Ursprung des Paartanzes aus betrachtet, scheint die Führungsrolle des Mannes jedoch weniger dazu zu dienen, Herrschaftsverhältnisse zu etablieren, sondern eher Raum und Dynamiken zu überwachen und zu regulieren.[5]

Führen beim Tango Argentino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den traditionellen Tänzen wie Walzer, Foxtrott oder Rumba liegt dem Tango Argentino weniger eine vorgegebene Choreografie zugrunde, weshalb er auch als getanzten Dialog angesehen wird. Die Führung durch die Arme wird nahezu durch einen kurzen Kontakt mit dem Brustbein ersetzt. Insgesamt geht es hier um Kommunikation der Partner untereinander und um Qualitäten wie Demut und Einfühlungsvermögen. Auch die traditionell zugeordnete Geschlechterrolle kann wie beispielsweise im Queer Tango aufgelöst werden. Aus diesem Grund eignet sich diese Tanzart auch für ein Managertraining zum Ausbau ihrer Führungskompetenz.[6][7]

Führen bei Contact Improvisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der experimentellen Tanzform der Contact Improvisation steht ein dynamisches, improvisiertes Bewegungsspiel, das insbesondere durch Gewichtsverlagung und dem Wechsel von An- und Entspannung, harten und weichen Bewegungen erreicht wird, im Vordergrund. Damit der angestrebte Bewegungsdialog entstehen kann, ist es erforderlich, sensibel die Impulse seines Tanzpartners spürbar wahrzunehmen. Während im Tango Argentino die Geschlechteraufteilung des führenden Mannes und der folgenden Dame sowie die Partnerwahl durchgängig beibehalten wird, hebt die Contact Improvisation diese Geschlechterteilung bei der Führung auf. Die Führung und sogar die Tanzpartner können während eines Tanzes wechseln.[8][9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Trautz: Führen und Folgen. In: Deutscher Professional Tanzsportverband e.V. (DPV). Abgerufen am 24. Januar 2017.
  2. Hannah Scheiwe: Die Kunst vom Führen und Folgen. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  3. jutta ochs: Führen und führen lassen. In: Frankfurter Rundschau. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  4. Alan Posener: Die Führungskrise auf dem Tanzparkett. In: welt.de. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  5. Astrid Kusser: Körper in Schieflage: Tanzen im Strudel des Black Atlantic um 1900. Transcript Verlag, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8394-2060-7, S. 72 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Katharina Starlay: Warum Manager Tango tanzen sollten. In: manager magazin. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  7. Was können Führungskräfte vom Tango lernen? In: Badische Zeitung. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  8. Thomas Kaltenbrunner: Contact-Improvisation: bewegen, sich begegnen und miteinander tanzen ; mit einer Einführung in New Dance. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2009, ISBN 978-3-89899-515-3, S. 121 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Fritz Böhle, Margit Weihrich: Die Körperlichkeit sozialen Handelns: Soziale Ordnung jenseits von Normen und Institutionen. Transcript Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8394-1309-8, S. 177 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]