Fürstenberg (Oder)

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Panorama des früheren Fürstenberg, seit 1961 Ortsteil von Eisenhüttenstadt

Fürstenberg (niedersorbisch Pśibrjog) war bis 1961 eine eigenständige Kleinstadt in der Niederlausitz. Am 13. November 1961 wurde Fürstenberg in die Stadt Stalinstadt eingemeindet. Diese erhielt den Namen Eisenhüttenstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Rathaus in Fürstenberg

Fürstenberg wurde im Zuge der Ostkolonisation um 1250 durch den Wettiner Markgrafen Heinrich den Erlauchten gegründet. Jahrhundertelang befand sich das Landstädtchen im Besitz und unter der Herrschaft des Zisterzienserstifts Neuzelle. Am 18. Dezember 1286 wurde es zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im frühen 15. Jahrhundert wurde die heutige Nikolaikirche errichtet.

Die im 15. Jahrhundert erbaute Nikolaikirche

Die industrielle Entwicklung begann als 1846 Fürstenbeg durch den Bau der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn einen Bahnhof erhielt. Am Bahnhof entstand eine Glashütte für die Glasarbeiter aus Böhmen angeworben worden sind. Dort wurden vor allem Lampenschirme hergestellt.

Im jahr 1880 wurde eine Anilinfabrik an der Buchwaldstraße errichtet, die bis 1915 bestand. Im Jahr 1891 wurde der Oder-Spree-Kanal eröffnet und die Schiffahrt für die Stadtentwicklung bestimmend. Von Fürstenberg aus wurden die von Schlesien antriebslos auf der Oder treibenden, vor allem mit Steinkohle beladenen Zillen von einem Schleppdampf er übernommen und über den Kanal nach Berlin geschleppt. Im Jahr 1919 wurde die Oderbrücke eröffnet.

Um 1939 mit der Errichtung einiger Rüstungsbetriebe, unter anderem einer kriegsbedingt aus Berlin ausgelagerten Waffenfabrik des Rheinmetall-Borsig-Konzerns, und einer Degussa-Chemiefabrik. Die nötigen Arbeitskräfte kamen aus dem Kriegsgefangenenlager Stalag III B. Zwischen 1940 und 1943 wurde am Oder-Spree-Kanal ein neuer Binnenhafen als „Umschlaghafen des Generalbauinspektors“ errichtet, der heutige Hafen Eisenhüttenstadt. Am Hafen wurden großformatige Granitblöcke für die geplante Welthauptstadt Germania eingelagert, die nach dem Krieg für das zentrale sowjetische Ehrenmahl in Berlin und den Aufbau von Stalinstadt verwendet wurden.[1] Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Industrieanlagen im Rahmen von Reparationsleistungen demontiert.[2]

gesprengte Oderbrücke, Rest auf polnischer Seite

Am Nachmittag des 4. Februar 1945 erreichte die sowjetische 33. Armee die Oderbrücke nach Kloppitz südlich des Ortes. Diese sollte im letzten Augenblick gesprengt werden, jedoch versagte die Zündleitung, wahrscheinlich war sie zerschossen. Als der Vorgesetzte des Sprengkommandos ausfiel, war es der Baupionier Justus Jürgensen, der die Brücke unter Einsatz seines Lebens zur Sprengung brachte:

„Der Vorgesetzte stürzt durch das Feuer nach vorn, bis ihn ein Splitter zu Boden reißt. Feldwebel und Unteroffizier klimmen über die Deckung, da läuft Jürgensen schon vor ihnen her, rast noch lebend durch die zerspritzenden Einschläge auf die Brücke bis zu ihrer Mitte vor und wirft die Handgranate aus dem Koppel in die neun Meter tiefe Sprengkammer am Brückenbogen. Vier Sekunden verbleiben Jürgensen. Und er läuft jene vier Sekunden zurück und weiß zugleich, dass es hoffnungslos ist.“

Kriegsberichter Joachim Wulff[3]

Die Oderbrücke wurde am 4. Februar 1945 um ca. 10:30 Uhr gesprengt. Jürgensen wurde posthum mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet und namentlich in der Wochenschau am 5. März 1945 genannt, was aber die anschließende Eroberung der Stadt nicht verhindern konnte.[4] Mit Verlegung der deutsch-polnischen Grenze an die Oder wurde Fürstenberg 1945 zur Grenzstadt. Die Oderbrücke wurde bis heute nicht wiederaufgebaut; die Reste sind auf polnischer Seite heute noch erhalten. Aufgrund der nur geringfügigen Schäden in der historischen Innenstadt, besitzt Fürstenberg den am besten erhaltenen Altstadtkern am westlichen, nach 1945 bei Deutschland verbliebenen Oderufer.

1950 wechselte Fürstenberg vom aufgelösten Landkreis Guben in den neuen Landkreis Frankfurt (Oder). Zwei Jahre später wurde durch die Kreisreformen in der DDR aus Teilen des Landkreises Frankfurt der Kreis Fürstenberg gebildet. Ihre Selbständigkeit verlor die Stadt durch den Zusammenschluss mit Stalinstadt zu Eisenhüttenstadt im Jahre 1961, dabei wurde die Stadt dem neuen Stadtkreis Eisenhüttenstadt zugeschlagen. Der Kreis Fürstenberg wurde daraufhin in Kreis Eisenhüttenstadt-Land umbenannt und existierte bis 1993. Sein Verwaltungssitz blieb bis dahin in Eisenhüttenstadt.

In der Königstraße 61 wurden durch den Künstler Gunter Demnig im Juli 2005 Stolpersteine für Emma und Siegfried Fellert verlegt.[5][6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1944 und ein zweites Mal 1950 wurde das Dorf Schönfließ nach Fürstenberg eingemeindet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Heinrich Riehl, J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Scheu, Berlin 1861, S. 553–556 (Digitalisat) der Bayerischen Staatsbibliothek.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fürstenberg (Oder) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenhüttenstadt vom Wasser. Abgerufen am 30. September 2017.
  2. Arbeitsgruppe Eisenhüttenstadt (Hrsg.): Eisenhüttenstadt. „Erste sozialistische Stadt Deutschlands“. Berlin 1999.
  3. Lausitzer Landeszeitung vom 14. Februar 1945, die den Wehrmachtbericht vom 6. Februar zitiert.
  4. Joachim Schneider, Die Oder während der Kriegshandlungen im Frühjahr 1945, in Mitteilungen des Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e.V., 2001, Heft 2, S. 12
  5. Emma Fellert. Abgerufen am 9. Dezember 2011.
  6. Siegfried Fellert. Abgerufen am 9. Dezember 2011.

Koordinaten: 52° 9′ N, 14° 40′ O