Fürsteneck

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Fürsteneck
Fürsteneck
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Fürsteneck hervorgehoben

Koordinaten: 48° 43′ N, 13° 28′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Verwaltungs­gemeinschaft: Perlesreut
Höhe: 395 m ü. NHN
Fläche: 10,42 km2
Einwohner: 842 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 81 Einwohner je km2
Postleitzahl: 94142
Vorwahlen: 08555, 08505
Kfz-Kennzeichen: FRG, GRA, WOS
Gemeindeschlüssel: 09 2 72 119
Gemeindegliederung: 13 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Atzldorf 5
94142 Fürsteneck
Website: www.fuersteneck.de
Erster Bürgermeister: Alexander Pieringer[2] (CSU)
Lage der Gemeinde Fürsteneck im Landkreis Freyung-Grafenau
Landkreis RegenLandkreis DeggendorfLandkreis PassauSchöfwegWaldhäuserwaldSchönbrunner WaldSchlichtenberger WaldSankt OswaldPleckensteiner WaldPhilippsreuter WaldMauther ForstSpiegelauGraineter WaldAnnathaler WaldZentingWaldkirchenThurmansbangSpiegelauSchönberg (Niederbayern)NeuschönauSankt Oswald-RiedlhütteSaldenburgRöhrnbachRingelaiPhilippsreutPerlesreutNeureichenauMauthJandelsbrunnInnernzellHohenau (Niederbayern)HinterschmidingGrainetGrafenau (Niederbayern)FürsteneckFreyungEppenschlagSchöfwegLeopoldsreuter WaldFrauenberger und Duschlberger WaldHaidmühleÖsterreichTschechienKarte
Über dieses Bild

Fürsteneck ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau und der gleichnamige Hauptort. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Atzldorf. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Perlesreut.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Region Donau-Wald im südlichen Bayerischen Wald zwischen den Tälern der Ilz und der Wolfsteiner Ohe. Fürsteneck bildet die südlichste Gemeinde im Landkreis und grenzt direkt an den Landkreis Passau. Fürsteneck ist von eingeschnittenen Tälern umgeben. Nach Passau beträgt die Entfernung 22 km, nach Waldkirchen 15 km, nach Freyung 18 km, nach Grafenau 20 km und zur Bundesautobahn 3 (Anschlussstelle Aicha vorm Wald) 23 km.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Burg zur Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1190 wurde von dem Passauer Fürstbischof Wolfger von Erla in Fürsteneck eine Burg als Grenzbefestigung gegen die bayerischen Herzöge errichtet. Fürsteneck als Sitz eines Pfleggerichtes des Hochstiftes Passau wurde 1703 Schauplatz eines Hexenprozesses. Fürsteneck wurde 1803 mit dem größten Teil des Passauer Gebietes zugunsten des Kurfürstentums Salzburg von Ferdinand III. von Toskana säkularisiert und fiel 1805 an Bayern. Mit der Bildung der Gemeinden im Jahre 1818 auf Grund des zweiten bayerischen Gemeindeedikts vom 17. Mai 1818 wurde die Gemeinde Fürsteneck gebildet. Sie umfasste neben Fürsteneck die Orte Anzerreut, Aschberg, Atzldorf, Dorf, Dürnberg, Hochwegen, Loizersdorf, Ohbruck, Plattenhof, Schnürring, Schrottenbaummühle, Simpoln und Wiesmühle.

Kirchlich wurde Fürsteneck 1937 Expositur und 1960 selbständige Pfarrei, die seit 1978 dem Pfarrverband Perlesreut angehört.

Die Verwaltungsgemeinschaft Perlesreut wurde zum 1. Mai 1978 aus den Gemeinden Fürsteneck, Perlesreut und Ringelai gebildet. Zum 1. Januar 1994 wurde die Gemeinde Ringelai aus der Verwaltungsgemeinschaft entlassen.[4]

Verhinderung einer Behindertenwohnstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesweite Aufmerksamkeit unter dem Titel „Jagdszenen in Niederbayern“ erlangte der Weiler Aumühle in der Gemeinde Fürsteneck (heute ein Gemeindeteil von Hutthurm) als die lokale Bevölkerung am 17. Oktober 1969 den Bezug eines Heimes für schwer erziehbare und geistig behinderte Kinder verhinderte.[5] Der Praktische Arzt Fritz Loew hatte das Anwesen vom Bischöflichen Ordinariat Passau erworben, um dort sein drittes Kinderheim zu errichten.[6] Als am 17. Oktober die ersten sieben zukünftigen behinderten Buben mit ihren Betreuern ankamen, wurden sie von einer hundertköpfigen Protestmannschaft („Die Depperln woll’n mir hier net“) unter der Führung des Pfarrers Georg Stetter empfangen. Angesichts der Drohkulisse machten die Schützlinge von Loew wieder kehrt.[5]

In der darauffolgenden Nacht fand eine Nachtwache mit etwa 40 Fürsteneckern statt. Trotz der anwesenden Feuerwehrmänner ging die ehemalige Pension in Flammen auf.[5][7] Nach eigenen Aussagen waren Gegner vor allem wegen möglicher geschäftlicher Einbußen im Tourismus und nicht aufgrund von Animositäten gegenüber Behinderten zu ihrem Tun motiviert.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 828 auf 866 um 38 Einwohner bzw. um 4,6 %.

  • 1961: 694 Einwohner
  • 1970: 771 Einwohner
  • 1987: 813 Einwohner
  • 1991: 954 Einwohner
  • 1995: 983 Einwohner
  • 2000: 992 Einwohner
  • 2005: 999 Einwohner
  • 2010: 942 Einwohner
  • 2015: 882 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wie folgt zusammen:

  • CSU: 4 Sitze (47,8 % der Stimmen)
  • FWG: 4 Sitze (52,2 % der Stimmen)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenamtlicher Erster Bürgermeister ist Alexander Pieringer (CSU).[2] Er ist seit 1. Mai 2020 Nachfolger von Heinz Binder (CSU), der 2014 ohne Gegenkandidat mit 86,9 % der gültigen Stimmen gewählt wurde.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Fürsteneck
Blasonierung: „In Silber unter erhöhtem, verkürztem grünen Wellengöpel auf grünem Dreiberg ein roter Zinnenturm.“[9]

Dieses Wappen wird seit 1979 geführt.[9]

Wappenbegründung: Der Wellengöpel, ein heraldisches Flusssymbol, und der Dreiberg versinnbildlichen die Lage der Gemeinde an den Flüssen Ilz, Wolfsteiner und Schönberger Ohe in den Vorbergen des Bayerischen Waldes. Der Zinnenturm verweist auf die das Ortsbild prägende, frühestens um 1200 erbaute Burganlage, die seit dem ausgehenden 13. und im 14. Jahrhundert Sitz der Burggrafen von Fürsteneck war. In der Tingierung wurden die Farben des Hochstifts Passau, Silber und Rot, aufgenommen; sie unterstreichen die enge historische Verbindung dorthin.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Fürstenecker Barockfestspiele“

Schloss Fürsteneck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenhof
Portal

Das Schloss Fürsteneck wurde um 1190 von dem Passauer Fürstbischof Wolfger von Erla als Grenzbefestigung gegen die bayerischen Herzöge errichtet. 1570 fand unter Fürstbischof Urban von Trennbach eine Renovierung statt. 1745 entstand unter Kardinal Joseph Dominikus von Lamberg die Schlosskapelle. 1803 fiel das Schloss an den bayerischen Staat und 1814 wurde es an einen ehemaligen Mönch verkauft. Heute beherbergt das Schloss einen Landgasthof mit Restaurant und Übernachtungsmöglichkeiten.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe keine und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 16 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 320. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen Betrieb, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 26 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 454 ha, davon waren 335 ha Dauergrünfläche.

Der Bahnhof Fürsteneck

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürsteneck hat seit 1890 mit der gleichnamigen, aber auf dem Gemeindegebiet Hutthurms liegenden Haltestelle der Bahnstrecke Passau–Freyung Anschluss an das Eisenbahnnetz. Diese Bahnstrecke wurde jedoch seit 2002 nicht mehr befahren.

Im Jahr 2009 begann die Reaktivierung der Strecke durch die Ilztalbahn, unterstützt durch den Förderverein Ilztalbahn e. V.

Seit dem 12. September 2010 ist die Teilstrecke Waldkirchen – Freyung wieder in Betrieb.

Am 16. Juli 2011 wurde der Bahnverkehr im Rahmen des Freizeitverkehrsprojektes Donau-Moldau wieder an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen im Sommerhalbjahr und zu Sonderfahrten ganzjährig aufgenommen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit gibt es einen Kindergarten und eine Grundschule in der Gemeinde Fürsteneck. Der Kindergarten St. Christophorus ist ein eingruppiger, caritativer Kindergarten in dem die Kinder von einer Erzieherin, die zugleich die Leitung des Kindergartens hat, und zwei Kinderpflegerinnen betreut werden. Erbaut und eröffnet wurde der Kindergarten im Jahr 1993. Der Kindergarten St. Christophorus verfolgt die Reggio-Pädagogik und ist einer der ersten Kindergärten in der Region, der entsprechend dieser Pädagogik zertifiziert wurde. Die Grundschule steht leer.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DJK Fürsteneck ist der örtliche Sportverein mit den Sparten Fußball, Eisstockschießen, Gymnastik, Laufen und Tanz. Die Fußballabteilung spielt in der Kreisliga Bayerwald. Die Sparte Laufen tritt als Laufwölfe Fürsteneck auf und ist in vielen verschiedenen Wettkämpfen im bayerischen und österreichischen Raum vertreten. Die Sparte Tanz ist lediglich für Kinder und Jugendliche ausgerichtet. Gymnastik beinhaltet verschiedene Kurse und wird für jedes Alter angeboten.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Fruth (1910–1994), Maler, Graphiker und Schriftsteller

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fürsteneck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Bürgermeister/Oberbürgermeister in kreisangehörigen Gemeinden (Stand: 01.05.2020). (xlsx) Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen am 12. Juni 2020.
  3. Gemeinde Fürsteneck in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek
  4. Viertes Gesetz zur Änderung der Gliederung von Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften vom 9. November 1993 (GVBl S. 830)
  5. a b c Motorradklub statt Heim – Trügerische Idylle in Niederbayern. In: sueddeutsche.de. 2. Juni 2013, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  6. Ein Jahr noch dem Brand in Aumühle: Dorf ohne Deppen. In: zeit.de. 30. Oktober 1970, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  7. Ernst Klee: Vorurteile: Aus Angst unerwünscht. In: zeit.de. 5. Oktober 1984, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  8. Kai Hermann: WAS NÜTZT UNS EIN SOZIALES GEWISSEN? In: Der Spiegel. Nr. 44, 1969 (online).
  9. a b c Eintrag zum Wappen von Fürsteneck in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte