Fürsterzbistum Salzburg

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Fürsterzbistum Salzburg
Wappen
Wappen des Erzstiftes und Fürsterzbistums Salzburg (modernisiert)
Karte
HRR 1789 Fürstpropstei Berchtesgaden.png
Alternativnamen Erzstift Salzburg
Herrschaftsform Wahlfürstentum/Ständestaat
Herrscher/Regierung Fürsterzbischof
Heutige Region/en AT-5; AT-7; DE-BY
Reichstag 1 Virilstimme auf der geistlichen Bank im Reichsfürstenrat
Reichskreis Bayerischer Reichskreis
Kreistag 1 Virilstimme auf der geistlichen Bank
Hauptstädte/Residenzen Salzburg
Konfession/Religionen römisch-katholisch
Sprache/n deutsch
Aufgegangen in Säkularisation 1803; Herzogtum Salzburg
Siehe auch Erzbistum Salzburg

Das Erzstift Salzburg war ein katholisches Erzstift und bestand als Ständestaat im Bayerischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reiches vom Hochmittelalter (14. Jahrhundert) bis zur Säkularisation 1802/03. Es war das weltliche Herrschaftsgebiet der Fürsterzbischöfe von Salzburg, im Gegensatz zum größeren und älteren Gebiet der Erzdiözese Salzburg, des geistlichen Seelsorgebereichs des Salzburger Erzbischofs (entstanden 739, Erzbistum ab 798). Der Fürsterzbischof führte die Titel Legatus natus und Primas Germaniae. Der Staat wurde 1803 als Kurfürstentum Salzburg säkularisiert und kam nach insgesamt fünf Besitzwechsel und auf 2/3 seiner früheren Größe verkleinert im Jahre 1816 an das Kaiserreich Österreich.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge des Christentums im Salzburger Land liegen im 6. Jahrhundert unter den Agilolfingern. Es beginnt im territorialen Sinne mit der Baiuwarenmission des Franken Rupert, dem heutigen Landespatron, der sich 696 in Salzburg niederlässt. Vor allem im 7. Jahrhundert entstanden mehrere Stifte und Klöster, die die spätere kirchliche Organisation begründeten. Um 700 wurde eine große Kirche zu Ehren des hl. Petrus errichtet, aus der sich später das Domkapitel entwickelte. Der irische Mönch Bonifatius überbrachte 739 die päpstliche Bestätigung für das neu gegründete Bistum und legte die Diözesangrenzen fest. Am 20. April 798 wurde auf Bitten des Frankenkönigs Karl des Großen das Bistum durch Papst Leo III. zum Erzbistum erhoben. Ihm wurden die bairischen Suffraganbistümer Freising, Neuburg, Passau, Regensburg und Säben zugeordnet. Diese Kirchenprovinz umfasste zeitweise das gesamte altbairische Stammesgebiet, also den Großteil des heutigen Österreich und Bayern (außer Franken und Schwaben), das heutige Südtirol sowie weite Teile Ungarns, Tschechiens, Sloweniens und der Slowakei. Arn[o] wurde der erste Erzbischof. Die Schaffung der Kirchenprovinz steht im Zusammenhang mit den Bemühungen um eine bairische Staatskirche. Durch Gründung des Erzbistums Gran im Jahr 1001 wurde das heutige Burgenland zur Grenze der Kirchenprovinz. Auf dem Salzburger Diözesangebiet wurden die Eigenbistümer Gurk (1072), Chiemsee (1215), Seckau (1218) und Lavant (1228) errichtet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dom-, Universitäts-, Pfarr- und Stiftskirche, darüber die Festung
Neue Residenz und Glockenspiel
Fürsterzbistum Salzburg, etwa 1715 (Johann Baptist Homann)

Erst im 13. Jahrhundert entwickelte sich eine erste politische Eigenständigkeit des engeren bischöflichen Territoriums. Hiervon unberührt blieb der geistliche Zuständigkeitsbereich der Erzdiözese Salzburg, die kirchenrechtlich grenzüberschreitend bestehen blieb.

Erzbischof Eberhard II., ein entschiedener Parteigänger der Staufer, gelang es 1200 bis 1246 aus Grafschaften, Gerichten und Vogteien ein geschlossenes erzbischöfliches Herrschaftsgebiet aufzubauen. Ab 1275, mit Erzbischof Friedrich II., begann die letzte Phase der Loslösung des Landes Salzburg vom Mutterland Baiern. 1328, unter Erzbischof Heinrich, erhielt das Hochstift Salzburg eine eigene Landesordnung. Die Salzburger Erzbischöfe wurden zu Fürsten innerhalb des Heiligen Römischen Reiches und führten ab etwa 1350 (Ortolf) den Titel Fürsterzbischof (lateinisch archiepiscopus et princeps). Im Reichstag des Heiligen Römischen Reichs gehörte der Fürstbischof zur Geistlichen Bank des Reichsfürstenrats. Bis zum Ende des Erzstifts durch die Säkularisation 1803 im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses gehörte es dem Bayrischen Reichskreis an.

Ab 1520 breitete sich auch in Salzburg die Reformation stark aus. Vor allem im 17. Jahrhundert wirkten aber die Fürsterzbischöfe Wolf Dietrich von Raitenau und später Markus Sittikus Graf von Hohenems im Sinne der Gegenreformation. Dennoch konnten sich in den Alpentälern Geheimprotestanten halten. Bekannt wurde die antireformatorische Politik des Fürsterzbistums durch das rigide Vorgehen gegen die Protestanten noch im 18. Jahrhundert. 1731 vertrieb Leopold Anton Graf von Firmian etwa 19.500 Salzburger Exulanten aus seinem Land.

In den Jahren zwischen 1675 und 1690 wurden besonders unter dem Salzburger Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg in den Hexenverfolgungen 153 Personen wegen angeblicher Zauberei hingerichtet, in deren Mittelpunkt der Abdeckersohn Jakob Koller, Schinderjackl genannt, bzw. dessen Mutter Barbara Koller stand. Der letzte Hexenprozess auf Salzburger Boden fand 1750 statt. Maria Pauer, eine Dienstmagd in Mühldorf am Inn, wurde am 27. Januar 1750 wegen Hexerei festgenommen und im selben Jahr als die letzte Hexe in Salzburg hingerichtet. In der Stadt Salzburg wurden Hexen wegen der Überfüllung anderer Gefängnisse zeitweise auch im Hexenturm festgehalten. Am 18. Juni 2009 gab der Salzburger Erzbischof Dr. Alois Kothgasser zum Hexenprozess gegen Maria Pauer eine Stellungnahme ab, in der er die Verurteilung als Justizmord und entsetzliches Verbrechen bezeichnete und Gott und die Menschen um Vergebung für diese Gräueltat bat.[1]

Die Säkularisation 1803 entzog den Salzburger Erzbischöfen die politische Macht. Als Herzogtum Salzburg, dem zudem die Kurwürde verliehen war, fiel es zusammen mit den Hochstiften Berchtesgaden, Passau und Eichstätt an den Großherzog Ferdinand III. von Toskana, habsburgische Sekundogenitur. 1805 kam es mit Berchtesgaden auch formal an das Kaisertum Österreich, 1809/1810 an das Königreich Bayern. Im Ergebnis des Wiener Kongresses kehrte der Großteil Salzburgs 1816 zu Österreich zurück, erst als Salzachkreis Teil Österreichs ob der Enns, ab 1850 als wiedererrichtetes Herzogtum und Kronland. Berchtesgaden und der Rupertiwinkel verblieben jedoch bei Bayern. Die geistliche Erzdiözese Salzburg blieb aber bestehen, trotz des gesamten Verlustes der weltlichen Macht legte erst Erzbischof Rohracher 1951 den Titel Fürsterzbischof ab, während er den Titel Primas Germaniae für sich und seine Nachfolger behielt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Leeb u. a.: Geschichte des Christentums in Österreich. Von der Antike bis zur Gegenwart. Ueberreuter, Wien 2003, ISBN 3-8000-3914-1. (Standardwerk mit 60 Seiten Literatur)
  • Franz Ortner: Aus der Geschichte der Erzdiözese Salzburg. In: Jahrbuch der Katholischen Kirche in Österreich 1998. Wien 1998, ISBN 3-9500963-0-2.
  • Ernst Tomek: Kirchengeschichte Österreichs. Tyrolia, Innsbruck - Wien - München 1935–59.
  • Manfred Scheuch: Salzburg – Erzbistum und Reichsfürstentum. In: Österreich. Provinz, Weltreich, Republik. Das Beste, Wien 1994, ISBN 3-87070-588-4, S. 36 f. (Online-Bearbeitung Erzbistum Salzburg, Austria-Forum Lizenzausgabe).
  • Josef Wodka: Kirche in Österreich. Wegweiser durch ihre Geschichte. Herder, Wien 1959.
  • Cölestin Wolfsgruber: Kirchengeschichte Österreich-Ungarns. Kirsch, Wien 1909.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stellungnahme des Salzburger Erzbischofs Dr. Alois Kothgasser zum Prozess um Maria Pauer vom 18. Juni 2009