Fürstlich Drehna

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Koordinaten: 51° 45′ 36″ N, 13° 48′ 21″ O

Fürstlich Drehna
Stadt Luckau
Höhe: 77 m ü. NHN
Einwohner: 276 (9. Sep. 2014)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 1999
Postleitzahl: 15926
Vorwahl: 035324
Schloss Fürstlich Drehna, Ostseite
Schloss Fürstlich Drehna um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Pavillon im Schlosspark
Kirche

Fürstlich Drehna ist ein Ortsteil der Stadt Luckau im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort befindet sich südlich von Berlin in der Nähe der Autobahnanschlussstelle Calau an der Bundesautobahn 13 (Berlin - Dresden). Die Stadt Luckau ist 21 Kilometer und die B 96 12 Kilometer entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1521 wurde der Ort Drehna von der Familie von Minckwitz übernommen. Diese ließ den Wassergraben um das Schloss anlegen und die Wehrtürme errichten. 1697 wurde das Gelände durch die Familie von Promnitz erworben. Diese ließ die Schlossanlage weiter ausbauen.

Der 1807 in den Fürstenstand erhobene Graf Moritz von Lynar benannte den Ort und das Schloss in „Fürstlich Drehna“ um.

1877 wurde die Bremer Reedereifamilie Wätjen Schlossherren. Die Familie ließ im Schlosspark ein Familiengrab anlegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss enteignet und zu DDR-Zeiten als Jugendwerkhof genutzt.

Heute gehören Schloss und der etwa 50 ha große Landschaftspark der Brandenburgische Schlösser GmbH.

Im Ort befinden sich unter anderem der historische Gasthof „Zum Hirsch“, mit historischem Bühnensaal in Form eines Schiffrumpfes, und die Schlossbrauerei Fürstlich Drehna, Brauerei seit 1745.[2]

Fürstlich Drehna wurde am 1. Juli 1950 in Drehna umbenannt. Die Rückbenennung in Fürstlich Drehna erfolgte am 1. Januar 1991.[3]

Als eine der merkwürdigsten Baudenkmäler der Mark Brandenburg galt die Wüste Kirche, die sich nordöstlich von Fürstlich Drehna befand. Viele Legenden rankten sich um diese Ruine und es war nicht klar, wie alt der Bau ist, welche Funktion er hatte und warum er aufgelassen wurde. Die stattlichen Reste dieser Kirche fielen 1979 dem Braunkohletagebau zum Opfer und wurden gesprengt. Im Vorfeld zu der Sprengung und unmittelbar im Anschluss daran fanden auf dem Gelände um die Kirche und in Innern archäologische Untersuchungen statt mit dem Ziel das Alter und die Funktion der Kirche zu klären. Neben einer Vielzahl von Befunden und Funden wurden fünf Gräber mit sieben menschlichen Skeletten entdeckt. Drei Gräber, davon zwei Doppelbestattungen, fanden sich in der Nordwestecke des Kircheninnern und weitere zwei Gräber konnten auf dem südlichen Vorplatz nachgewiesen werden. Sie sind die einzigen Begräbnisse in dem gesamten archäologisch untersuchten Areal. Üblicherweise wurden im Mittelalter die Bereiche um eine Kirche als Friedhof genutzt, hier konnte jedoch keiner nachgewiesen werden. Die gefundenen Skelette waren also keinem regulären Friedhof zuzuordnen. Die spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Gesellschaft sieht für eine bestimmte Verstorbene die Bestattung auf gewöhnlichen Friedhöfen nicht vor oder erlaubte sie auch gar nicht. Die Gründe dafür waren vielfältig; die Sonderbestattung war für alle Andersgläubigen die Regel, aber zuweilen auch für Arme, Pilger und Fremde. Bei den Bestatteten handelte es sich um Männer und Frauen mit einem auffallend hohen durchschnittliche Sterbealter von etwa 60 Jahren mit durchschnittlicher Körperhöhe. Weiterhin auffällig war eine hohe Belastung durch verschiedene Erkrankungen, besonders allerdings wohl altersbedingte degenerative Veränderungen der Wirbel und Gelenke. Zwei alte Frauen wiesen schwere, aber verheilte Brüche der Oberschenkelknochen auf, was zu Einschränkungen zu Lebzeiten geführt haben muss, in einem Fall zu erheblichen Folgeerkrankungen. Es dürfte sich bei den vorliegenden Gräbern um Sonder-/Notbestattungen aus einer – im weitesten Sinne – Krisenzeit handeln, als die Kirche bereits nicht mehr genutzt wurde. Archäologisch sind sie in die frühe Neuzeit datiert worden. Es konnte dabei nicht geklärt werden, ob alle Bestattungen gleichzeitig vorgenommen wurden. Mit der ursprünglichen Funktion der Kirche aus dem Mittelalter als Wallfahrtsort, konnten die Bestattungen nicht in Verbindung gebracht werden.[4][5]

Am 31. Dezember 1999 wurde die Gemeinde Fürstlich Drehna zusammen mit fünf weiteren Orten in die Stadt Luckau eingegliedert.[6]

Der Schriftsteller Andreas H. Apelt hat mit zwei Romanen, Schneewalzer (1997) und Schwarzer Herbst (2011), die sich der Zeitgeschichte widmen, Fürstlich Drehna und seinen Bewohnern ein Denkmal gesetzt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserschloß Fürstlich Drehna
Fürstlich Drehna: Landschaftspark mit Pavillon und Schloss

Bedeutendstes Bauwerk ist das Wasserschloss Fürstlich Drehna, das sich in der Nähe einer alten slawischen Burganlage im Naturpark Niederlausitzer Landrücken befindet.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1951 fand ein Motorradrennen im Park von Drehna statt. Ab 1954 gab es die Motocrossrennen „Rund um den Mühlberg“.[7]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Wolff (1936–2014), vielfacher DDR-Meister im Motorradrennsport
  • Torsten Wolff (* 1963), Sohn von Ernst Wolff, erfolgreicher Motorradrennfahrer
  • Toni Wolff (* 1986), Sohn von Torsten Wolff, erfolgreicher Motorradrennfahrer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Eggers: Fürstlich Drehna. Schlösser und Gärten der Mark. Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark, Berlin 1994, ISBN 3-87584-511-0.
  • Autorenkollektiv des Kultur- und Heimatvereins Fürstlich Drehna: Der Schlosspark - FÜRSTLICH DREHNA: Seine Urheber, Förderer, Bewahrer, Wiederbeleber. Regia, Cottbus 2011, ISBN 978-3-86929-061-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fürstlich Drehna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ortsteil Fürstlich Drehna. In: www.luckau.de. Stadt Luckau, abgerufen am 5. Juli 2015.
  2. http://www.schlossbrauerei-fuerstlich-drehna.de/
  3. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. Projekt Drehna, Wüste Kirche. In: anthropologie-jungklaus.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  5. Bettina Jungklaus: Bestattungen in der Kirchenruine: Anthropologische Untersuchung an den Skelettfunden der Wüsten Kirche von Fürstlich Drehna. In: Luckauer Heimatverein (Hrsg.): Luckauer Heimatkalender 2007. 39. Jahrgang, 2006, S. 55–58.
  6. Änderung im Standesamtsbezirk Luckau (Landkreis Dahme-Spreewald) – Bekanntmachung des Ministeriums des Innern Vom 16. Dezember 1999. In: Minister des Innern des Landes Brandenburg (Hrsg.): Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg. 11. Jahrgang, Nr. 1. Brandenburgische Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft Potsdam mbH, Potsdam 11. Januar 2000, S. 2 (PDF; 248 KB [abgerufen am 5. Juli 2015]).
  7. Lutz Hartmann in: Illustrierter Motorsport (Berlin), Heft 12/1979, S. 275.