F125

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Baden-Württemberg-Klasse
Fregatte Baden-Württemberg

Fregatte Baden-Württemberg

Schiffsdaten
Land DeutschlandDeutschland (Seekriegsflagge) Deutschland
Schiffsart Fregatte

Bauwerften

Bauzeitraum Seit 2011
Gebaute Einheiten 4 in Bau
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
149,5 m (Lüa)
Breite 18,8 m
Tiefgang max. 5,0 m
Verdrängung 7200 t
 
Besatzung 120 Stammpersonal und 70 eingeschifftes Personal
Maschine
Maschine CODLAG-Antrieb
1 Gasturbine LM2500 von General Electric (20 MW)
4 Dieselmotoren (Gensets) 20V 4000 M53B von MTU Friedrichshafen GmbH (12.060 kW)
2 Elektromotoren
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
31.600 kW (42.964 PS)
Höchst-
geschwindigkeit
24 kn (44 km/h)
Propeller 2

Die Fregatte 125 (F125), nach dem ersten Schiff dieses Typs auch Baden-Württemberg-Klasse genannt, ist eine neue Fregatten-Klasse der Deutschen Marine. Die vier Überwasserkampfschiffe werden die ehemals acht Schiffe der Bremen-Klasse ersetzen. Außerdem stellt die F125 mit einem neuen Konzept erweiterte Fähigkeiten zur Verfügung. So wird sie wesentlich länger im Einsatzgebiet bleiben können sowie mit einem größeren Geschütz und den eingeschifften Spezialkräften auch Unterstützung für landseitige Kampf- oder Stabilisierungseinsätze ermöglichen.

Beschaffung[Bearbeiten]

Für die Entwicklung und zum Bau der Fregatten haben sich die Werften ThyssenKrupp Marine Systems und Lürssen zur Arbeitsgemeinschaft Fregatte 125 (ARGE F125) zusammengeschlossen. Am 28. Juli 2005 wurde von ARGE F125 dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) das Bauangebot für vier Fregatten übergeben.[1] Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages genehmigte am 20. Juni 2007 trotz Kritik durch den Bundesrechnungshof den Bau von vier Schiffen im Umfang von 2,6 Milliarden Euro.[2] Am 26. Juni 2007 unterzeichneten das BWB und die ARGE F125 den Bauvertrag für vier Fregatten der Klasse F125. Baubeginn für das Typschiff war am 9. Mai 2011 und am 2. November wurde es auf Kiel gelegt.[3] Lürssen ist mit 20 Prozent beteiligt und zeichnet für den Bau der Bugsektionen verantwortlich, Blohm + Voss für die übrigen Sektionen, die Endmontage und -ausrüstung sowie die Durchführung der Seeversuche.

Am 12. Dezember 2013 wurde die Baden-Württemberg, das erste Schiff der Baureihe, im Hamburger Hafen getauft. Taufpatin war Gerlinde Kretschmann, die Ehefrau Winfried Kretschmanns, des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Die Indienststellung des Schiffes ist für 2017 vorgesehen.[4] Am 16. April 2015 wurde die Nordrhein-Westfalen von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft getauft; die Übergabe dieses Schiffes ist für 2018 geplant.[5] Ursprünglich sollten die Fregatten ab 2014 in Dienst gestellt werden, dieser Termin musste aber mehrfach verschoben werden.

Kritiker führen insbesondere einen stark überhöhten Stückpreis der F125 (650 Mio. Euro) etwa im Vergleich zur dänischen Absalon-Klasse (175 Mio. Euro, jedoch ohne den Großteil der Waffensysteme oder eines integrierten FüWES) an.

Auslegung und Anforderungen[Bearbeiten]

Fregatte F222 Baden-Württemberg in der Werft Blohm & Voss in Hamburg im Juli 2014

Zu den Hauptaufgaben der F125 zählen die Seeraumüberwachung in Stabilisierungsoperationen und die Unterstützung des Einsatzes von Spezialkräften von See her, sowie der Beschuss von Landzielen (taktische Feuerunterstützung). Zum Aufgabenspektrum gehören somit Einsätze in der Bündnisverteidigung und Krisenprävention sowie humanitäre Rettungsmissionen, Terrorismusbekämpfung und die Abwehr asymmetrischer Bedrohungen wie unter anderem Piraten.[6]

Wesentliche Anforderung ist die Intensivnutzbarkeit. Das bedeutet lange Wartungsintervalle, um bis zu zwei Jahre andauernde Operationen mit einer durchschnittlichen Einsatzdauer von 5000 Seebetriebsstunden pro Jahr durchführen zu können, ohne den Heimathafen anzulaufen. Dies entspricht nahezu einer Verdopplung der Einsatzzeit und Vervierfachung der Wartungsintervalle gegenüber den Forderungen an bisherige Fregattenklassen. Außerdem soll ein Intervall von 60 Monaten für die Hauptinstandsetzungen erreicht werden. Die Fregatten sollen überdies unter extremen Klimabedingungen operieren können.[1] Aufgrund erweiterter Anforderungen der Bundeswehr in Bezug auf Festig- und Steifigkeit sowie mehr Raum zur Unterbringung der Bordhubschrauber verschiebt sich der Zulauf gemäß dem Änderungsvertrag von 2009 in die Jahre 2016 bis 2018.

Im Vergleich zu den bisherigen Fregatten der Deutschen Marine soll die Besatzungsstärke drastisch reduziert werden. So werden nur 120 statt bisher 200 bis 250 Besatzungsmitglieder dauerhaft an Bord sein. Da die erhöhte Verweildauer im Einsatzgebiet von einer Besatzung alleine nicht zu tragen ist, wird es faktisch eine zweite Besatzung geben.[7] Es ist geplant, acht Besatzungen durch Ausbildungsabschnitte und Einsatzzeiträume durchrotieren zu lassen, so dass im Rhythmus von vier Monaten die Besatzung im Einsatzgebiet gewechselt wird. Der Crewwechsel erfolgt nahtlos vor Ort. Die angestrebte Verminderung der Besatzungsstärke erfordert eine umfangreichere Automatisierung und eine technische Auslegung der Anlagen, die Betrieb und Wartung mit wenig Personal gewährleistet. Unterbringungskapazitäten für bis zu 50 Personen von Spezial- oder spezialisierten Kräften inklusive Ausrüstung (unter anderem 10m-Einsatzboot mit 40 kn) sind vorgesehen, die bei bisherigen Schiffstypen der Deutschen Marine fehlen.

Technik und Systeme[Bearbeiten]

Die Baden-Württemberg im Bau bei Blohm & Voss in Hamburg

Antrieb[Bearbeiten]

Für den Antrieb ist ein CODLAG-System mit einer Gesamtleistung von 29,4 Megawatt (MW) vorgesehen. Bei Marschgeschwindigkeit erfolgt der Antrieb dieselelektrisch mit zwei Elektromotoren von je 4,7 MW Leistung, für die Höchstgeschwindigkeit kann eine Gasturbine mit 20 MW über das Mittelgetriebe zugeschaltet werden. Zur Stromerzeugung sind vier Dieselgeneratoren mit einer Leistung von je 2,9 MW eingebaut. Als Manövrierhilfe ist im Bug ein Bugstrahlruder mit 1,0 MW Leistung vorgesehen.

Aufbau[Bearbeiten]

Für die Überlebensfähigkeit des Schiffes wurde die F125 nach dem Zwei-Insel-Prinzip konstruiert, das heißt alle einsatzwichtigen Systeme sind auf die beiden Inselaufbauten verteilt bzw. redundant vorhanden.[6] Die Aufbauten tragen auf der Außenseite auch die Flächen des Phased Array Radars.

Ebenso wie bei den anderen Fregatten der deutschen Marine dienen die Bordhubschrauber der U-Boot-Jagd und der Aufklärung und Bekämpfung von Seezielen, die außerhalb der Waffenreichweite der Fregatte liegen.

Für den Transport von Spezialkräften sowie für allgemeine Kontrollaufgaben sind vier Beiboote vorgesehen.

Systeme[Bearbeiten]

Für das Führungs- und Waffeneinsatzsystem wird die Atlas Elektronik verantwortlich sein, die Schiffe mit dem taktischen Datenlink-System ausrüsten sowie die Aufgabe des Gesamtsystem-Entwurfs aller Effektoren und Sensoren und deren Integration übernehmen.[8] Das Hochleistungsradar wird von Airbus Defence and Space geliefert.[9]

Technische Daten[Bearbeiten]

  • und Effektoren:
    • 8 × Schiff-Schiff-Flugkörper RGM-84 Harpoon
    • 2 × RAM (Rolling Airframe Missile) je 21 Zellen in richtbaren Werfern
    • 1 × 127/64 Lightweight Marinegeschütz (Oto Melara), 30 km Reichweite mit normaler Munition, später über 100 km mit reichweitengesteigerter Munition (beispielsweise mit gelenkter Vulcano-Munition)
    • 2 × 27-mm-Marineleichtgeschütz (MLG 27) der Firma Rheinmetall
    • 5 × 12,7-mm-RCHMG (Remote Controlled Heavy Machine Gun, Oto Melara „Hitrole NT“)
    • 2 × 12,7-mm-sMG (körpergesteuert)
    • 4 × Täuschkörperwurfanlage MASS (Multi Ammunition Softkill System)
    • 2 × Suchscheinwerfer
    • 2 × Bordhubschrauber NH90 NFH
    • 4 × 33-ft-(10m)-Einsatzboote mit über 40 kn
  • Besatzung: bis zu 190 Personen, inkl. 50 Plätze Spezialkräfte, inkl. 20 Plätze für fliegendes Personal der Bordhubschrauber (BHS)

Einheiten, Geschwader und Standorte[Bearbeiten]

Die Schiffe werden einem Geschwader der Einsatzflottille 2 unterstellt und im Marinestützpunkt Wilhelmshaven stationiert.

Kennung Name[12] Ruf­zeichen Werft Kiellegung Stapellauf[13] Auslieferung[13] Indienst­stellung
F222 Baden-Württemberg ThyssenKrupp Marine Systems 2. November 2011[3] 31. März 2014[14] voraussichtlich 30. November 2016[14] 2017Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren
F223 Nordrhein-Westfalen Lürssen 24. Oktober 2012[15] 9. April 2015[16] voraussichtlich Sommer 2018[17]Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren
F224 Sachsen-Anhalt ThyssenKrupp Marine Systems 4. Juni 2014[18] voraussichtlich Juni 2015 [veraltet] voraussichtlich 30. September 201800Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren
F225 Rheinland-Pfalz Lürssen 29. Januar 2015[19] voraussichtlich Februar 2016 voraussichtlich 18. August 2019Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rudolf Braun: Klasse 125 – Die neue Fregatte für Stabilisierungsaufgaben. In: Hansa. Nr. 2/2008, Hamburg 2008, ISSN 0017-7504, S. 31–34.
  •  André René Averhoff, Andreas Grudda, Karl-Heinrich Riemke: Neue Fregattenklasse für Stabilisierungsaufgaben. In: Schiff & Hafen. Nr. 9/2009, Seehafen-Verlag, Hamburg 2009, ISSN 0938-1643, S. 44–49.
  •  Tim Becker: Class F125 Frigate – First Interim Result. In: European Security and Defence. Nr. 1/2011, Mittler-Report-Verlag, S. 60-63 (online als PDF).
  •  Hans Karr: Das Bauvorhaben Fregatte Klasse 125. In: Hansa. Nr. 5/2012, Hamburg 2012, ISSN 0017-7504, S. 24–27.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Baden-Württemberg-Klasse – Sammlung von Bildern

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Fregatte Klasse 125. RK Marine Kiel, 27. Dezember 2007, abgerufen am 30. Januar 2015 (PDF; 89 kB).
  2. Andreas Flocken: Subventionspolitik durch die Bundeswehr? Marine bekommt F 125 Fregatten für mehr als zwei Milliarden Euro. Berlin Information-center for Transatlantic Security, 30. Juni 2007, abgerufen am 30. Januar 2015.
  3. a b Fregatte Baden-Württemberg - Kiellegung für einen Meilenstein. Presse- und Informationszentrum Marine, 3. November 2011, abgerufen am 19. Dezember 2011.
  4. Marine-Fregatte in Hamburg getauft. 12. Dezember 2013, abgerufen am 13. Januar 2013.
  5. Zweite Fregatte der Klasse 125 in Hamburg getauft. In: Pressemitteilungen. ThyssenKrupp Marine Systems, 15. April 2014, abgerufen am 17. April 2015.
  6. a b Karr: Das Bauvorhaben Fregatte Klasse 125. In: Hansa. Nr. 5/2012, S. 24–27.
  7. Marion Starke: Neuer Typ am Start. In: Y-Magazin 05/2014. Bundeswehr, 15. Mai 2014, abgerufen am 30. Januar 2015.
  8. Atlas-Elektronik zur F125 (Memento vom 17. Januar 2013 im Webarchiv Archive.is), 8. September 2009.
  9. bdli.de: CASSIDIAN liefert neuartiges Hochleistungsradar für F125-Fregatten, abgerufen am 29. Januar 2011.
  10. Cassidian: Neues Marineradar TRS-4D von Cassidian beweist Leistungsfähigkeit, abgerufen am 17. Februar 2013.
  11. Integriertes Brücken- und Navigationssystem für Fregatte F 125 unter Vertrag. Raytheon Anschütz, 26. August 2008, archiviert vom Original am 7. April 2014, abgerufen am 30. Januar 2015 (PDF).
  12. Neue Fregatte der Marine mit traditionsreichem Namen. Presse- und Informationszentrum Marine, 20. Dezember 2011, abgerufen am 16. Januar 2012 (Pressemitteilung).
  13. a b  Tim Becker: Class F125 Frigate – First Interim Result. In: European Security and Defence. Nr. 1/2011, Mittler Report Verlag, S. 60–63 (online bei docstoc).
  14. a b newsletter-verteidigung.de: NV Ausgabe 01/2014, abgerufen am 25. Juli 2014.
  15. Kiellegung der zweiten Fregatte Klasse 125 in Lemwerder. MarineForum, 20. Dezember 2012, abgerufen am 17. Februar 2013.
  16. Presse- und Informationszentrum Marine: Zweites Schiff der neuen Fregattenklasse 125 getauft. In: Marine – über uns. Bundeswehr, 16. April 2015, abgerufen am 17. April 2015.
  17. Helmut Michelis: Hannelore Kraft tauft die neue Fregatte „Nordrhein-Westfalen“. Artikel vom 16. April 2015 im Portal rp-online.de, abgerufen am 16. Mai 2015
  18. Marcel Schaffhausen: Neue Fregatte „Sachsen-Anhalt“ auf Kiel gelegt. In: www.marine.de. Bundeswehr, 5. Juni 2014, abgerufen am 30. Januar 2015.
  19. Presse- und Informationszentrum Marine: Letzte Kiellegung der Fregattenklasse F 125. Bundeswehr, 29. Januar 2015, abgerufen am 29. Januar 2015.