FDP-Gründungsparteitag 1948

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Koordinaten: 49° 38′ 32,3″ N, 8° 38′ 41,6″ O

Titel Gründungsparteitag
Ort Heppenheim
Bundesland Hessen
Halle Kurmainzer Amtshof
Beginn 11. Dezember 1948
Dauer (in Tagen) 2
Kurmainzer Amtshof, 2006
Programmheft zum FDP-Gründungsparteitag in Heppenheim 1948

Der Gründungsparteitag der FDP fand am 11. und 12. Dezember 1948 in Heppenheim an der Bergstraße statt. Die offizielle Bezeichnung war „Gesamtvertretertag der liberalen, demokratischen Parteien aus den nicht sowjetisch besetzten Teilen Deutschlands und seiner Hauptstadt Berlin“. Der Parteitag fand im ehemaligen Kurmainzer Amtshof (Amtsgasse 5) statt. Eine Gedenktafel aus Bronze erinnert dort an den Parteitag.[1][2] Vorangegangen war der gescheiterte Versuch, mit der Demokratischen Partei Deutschlands eine gesamtdeutsche liberale Partei zu schaffen.

Der Ort der Parteigründung war ein historischer, denn am 10. Oktober 1847 hatten sich bei der Heppenheimer Tagung die gemäßigten Liberalen im Vorfeld der Märzrevolution getroffen. Die „Heppenheimer Versammlung“, die im Hotel „Halber Mond“ stattfand, als ein Treffen führender Liberaler gehört zur unmittelbaren Vorgeschichte der deutschen Revolution der Jahre 1848/49.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Treffen stand unter dem Motto „Einheit in Freiheit“.[3]

Hauptredner des ersten Tages war Hermann Höpker-Aschoff, der unter dem Titel „Werk und Wirken in Bonn“ aus dem Parlamentarischen Rat berichtete. Hauptredner des zweiten Tages war Theodor Heuss, der über „Unsere deutsche Mission“ referierte.[4]

Bundesvorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Heuss, 1953

Als erster Vorsitzender der neu gegründeten Partei wurde Theodor Heuss mit 72 Ja-Stimmen und 15 Enthaltungen gewählt. Als dessen Stellvertreter bestimmten die Delegierten Franz Blücher (81 Stimmen). In den engeren Vorstand wurden gewählt: Thomas Dehler (85), August-Martin Euler (69), Fritz Oellers (62), Hermann Schäfer (76), Carl-Hubert Schwennicke (89) und Eberhard Wildermuth (89). Der Vertraute von Theodor Heuss, Ernst Mayer, fiel hingegen mit nur 31 Stimmen durch, wurde aber später als Generalsekretär benannt.

Daneben wurden zwei Vertreter der Jungdemokraten (Alfred Rauschenbach und Wolfgang Mischnick) und zwei Vertreter der Frauenorganisation (Ella Barowsky und Lotte Friese-Korn) als Mitglieder des Gesamtvorstandes gewählt. Hinzu kamen noch jeweils die Vorsitzenden der Landesverbände und folgende vier Personen: Hermann Höpker-Aschoff, Hermann Dietrich, Wolfgang Glaeser und Hans Reif. August Weber wurde nicht gewählt.

Position Name
Vorsitzender Theodor Heuss
Stellvertretender Vorsitzender Franz Blücher
engerer Vorstand Thomas Dehler, August-Martin Euler, Fritz Oellers, Hermann Schäfer, Carl-Hubert Schwennicke, Eberhard Wildermuth
erweiterter Vorstand Ella Barowsky, Hermann Dietrich, Lotte Friese-Korn, Wolfgang Glaesser, Hermann Höpker-Aschoff, Wolfgang Mischnick, Alfred Rauschenbach, Hans Reif

Beschlüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptentscheidung war der Zusammenschluss aller 13 liberalen Landesverbände der drei westlichen Besatzungszonen zur Freien Demokratischen Partei.[5] Der Name Liberaldemokratische Partei (LDP) konnte sich dabei nicht durchsetzen, die Bezeichnung Freie Demokratische Partei (FDP) wurde von den Delegierten der Landesverbände mit 64 gegen 25 Stimmen gebilligt.

Der Parteitag verabschiedete die „Heppenheimer Beschlüsse“. Darin wurden in sieben Thesen und einer Präambel die Forderungen der FDP zusammengefasst. Hierzu gehörten eine Begrenzung der Besatzungskosten, die Befreiung des deutschen Exportes von bestehenden Einschränkungen und eine Steuerreform, die das Sparen begünstigen sollte. Außerdem wurde ein Lastenausgleich gefordert.[6]

Auf dem Gründungsparteitag gelang es nur mit Mühe, das linksliberale und das nationalliberale Lager zusammenzuhalten. Die gemeinsame programmatische Schnittmenge war beim FDP-Gründungsparteitag der wirtschaftspolitische Grundsatz einer freien marktwirtschaftlichen Ordnung und die Ablehnung jeglicher Sozialisierungsbestrebungen.[7]

Dokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: FDP-Gründungsparteitag 1948 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Heppenheimer Proklamation – Quellen und Volltexte
WiktionaryWiktionary: Bundesparteitag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte der Gründung und Entwicklung der FDP. FDP Heppenheim, abgerufen am 4. August 2017.
  2. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): ehemaliger Kurmainzer Amtshof In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
  3. Jürgen Dittberner: Die FDP: Geschichte, Personen, Organisation, Perspektiven. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17494-5, S. 33 f.
  4. Beide Reden sind abgedruckt in: Bundesvorstand der FDP (Hrsg.): Zeugnisse liberaler Politik: 25 Jahre F.D.P., Bonn 1973, S. 14–31.
  5. Text: Heppenheimer Proklamation vom 12. Dezember 1948 (Memento des Originals vom 3. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.freiheit.org (PDF; 362 kB).
  6. Karl G. Tempel: Die Parteien in der Bundesrepublik Deutschland und die Rolle der Parteien in der DDR, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-663-09748-8, S. 153 online.
  7. Christine Bach: Gründungsparteitag der FDP in Heppenheim auf den Seiten der KAS.