FSME-Impfstoff

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Ein FSME-Impfstoff ist ein Impfstoff gegen das FSME-Virus.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FSME-Impfstoffe bestehen aus Formalin-inaktivierten FSME-Viren,[1] die auf CEF-Zellen kultiviert wurden.[2] In einer Dosis FSME-Immun für Erwachsene sind 2,4 μg Antigen enthalten, bei Encepur 1,5 μg, bei Kindern jeweils die Hälfte.[2] Er wirkt gegen alle drei Subtypen des FSME-Virus (europäischer, sibirischer und fernöstlicher Subtyp).[1] Die in der EU zugelassenen FSME-Impfstoffe werden bei einer Erstimmunisierung dreimal intramuskulär verabreicht.[1] Die erste Auffrischungsimpfung wird in der EU nach drei Jahren empfohlen, weitere nach jeweils 5 Jahren bei Menschen unter 60 Jahren bzw. nach jeweils 3 Jahren bei Menschen über 60 Jahren.[1] Der FSME-Impfstoff befindet sich auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation.[3] Eine passive Immunisierung gegen das FSME-Virus ist aufgrund erschwerter Krankheitsverläufe seit 2003 in der EU nicht mehr zugelassen.[4] In den USA ist kein FSME-Impfstoff zugelassen,[1] jedoch in Kanada.

Immunologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die inaktivierten FSME-Impfstoffe erzeugen neutralisierende Antikörper, die nach drei Impfungen 99 % der Geimpften für drei Jahre vor einer Infektion schützen.[4] Seropositivität ist definiert als ein ELISA-Titer von 126 VIE U/ml oder ein NT-Titer von 1:≥10.[4] Ein Titer von über 125 IU/mL wird als schützend bewertet.[5] Das Zeitintervall vor einer Auffrischungsimpfung wird nicht durch eine serologische Kontrolle der Titer bestimmt, sondern ist mit festen Zeitabständen definiert.[4]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufige Nebenwirkungen umfassen 1–4 Tage nach der Impfung Schmerzen an der Einstichstelle (45 %), Temperaturerhöhung (5–6 %), Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein, Magen-Darm-Beschwerden, Gelenk- und Gliederschmerzen.[4]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handelsnamen für FSME-Impfstoffe sind FSME-Immun (EU, Impfstamm Neudörfl), Encepur (EU, Impfstamm K23), TBE-Moscow (Russland), EnceVir (Russland). Daneben existieren niedriger dosierte Impfstoffe für Kinder wie FSME-Immun Junior und Encepur Children.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. L. Mansfield, N. Johnson, L. P. Phipps, J. R. Stephenson, A. R. Fooks, T. Solomon: Tick-borne encephalitis virus - a review of an emerging zoonosis. In: The Journal of general virology. Band 90, Pt 8August 2009, S. 1781–1794, doi:10.1099/vir.0.011437-0, PMID 19420159.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Centers for Disease Control: Tick-borne encephalitis. Abgerufen am 11. August 2016.
  2. a b Weltgesundheitsorganisation: Vaccines against tick-borne encephalitis: WHO position paper. In: Relevé épidémiologique hebdomadaire / Section d'hygiène du Secrétariat de la Société des Nations = Weekly epidemiological record / Health Section of the Secretariat of the League of Nations. Band 86, Nummer 24, Juni 2011, S. 241–256, PMID 21661276.
  3. WHO Model List of EssentialMedicines. In: World Health Organization. October 2013. Abgerufen am 22. April 2014.
  4. a b c d e Robert Koch-Institut: FSME-Impfung. Abgerufen am 11. August 2016.
  5. I. J. Amanna, M. K. Slifka: Contributions of humoral and cellular immunity to vaccine-induced protection in humans. In: Virology (2011), Band 411, Heft 2, S. 206–215. doi:10.1016/j.virol.2010.12.016. PMID 21216425. PMC 3238379 (freier Volltext).