Fabian Society

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Die Fabian-Gesellschaft ist eine britische sozialistische intellektuelle Bewegung, die durch ihre wegweisende Arbeit im späten 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg bekannt wurde. Vergleichbare Gesellschaften bestehen in Australien und Neuseeland. Das Gedankengut der britischen Fabier verbreitete sich auch auf dem europäischen Festland, so gründeten Repräsentanten der Fabier in Österreich die um die Jahrhundertwende 1900 einflussreiche Sozialpolitische Partei.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name Fabianischer Sozialismus leitet sich von dem römischen General Quintus Fabius Maximus Verrucosus, dem Zögerer, ab, der für seine berechnende, lange Zeiträume einkalkulierende Strategie bekannt war.[1]

Fabianismus / Fabianischer Sozialismus[Bearbeiten]

Der Fabianismus fokussiert sich auf die Weiterentwicklung sozialistischer Ideen durch beständige Einflussnahme auf mächtige intellektuelle Kreise und Gruppen. Die Fabian Society war Ende des 19. Jahrhunderts eine der Wegbereiterinnen der britischen Labour Party und ist auch heute noch aktiv. Sie wurde am 4. Januar 1884 in London ins Leben gerufen, als ein Ableger einer 1883 gegründeten Gruppe, die sich The Fellowship of the New Life nannte, und zu der zum Beispiel die Dichter Edward Carpenter und John Davidson, der Sexualforscher Havelock Ellis und Edward Pease, der spätere Sekretär der Fabian Society gehörten.

Die Fellowship wollte die Gesellschaft verändern, indem Beispiele eines reinen und einfachen Lebens vorgelebt wurden. Als aber einige Mitglieder die Veränderung der Gesellschaft auch politisch aktiv vorantreiben wollten, wurde entschieden, dass eine separate Gruppierung, die Fabian Society, gegründet werden sollte. Allen Mitgliedern war freigestellt, sich der einen oder anderen, oder beiden Gesellschaften anzuschließen. Die Fellowship of the New Life löste sich in den frühen 1890er Jahren auf, während die Fabian Society wuchs und eine beachtliche intellektuelle Komponente im Vereinigten Königreich in der Zeit des Königs Eduard VII. wurde.

Sofort nach ihrer Gründung begann die Fabian Society aufgrund ihres sozialistischen Ansatzes viele Intellektuelle anzuziehen, darunter George Bernard Shaw, H. G. Wells, Sidney und Beatrice Webb, Annie Besant, Graham Wallas, Hubert Bland, Sidney Olivier und Emmeline Pankhurst. Sogar Bertrand Russell trat ihr später bei. Die zumeist sehr elitären, der britischen Oberschicht entstammenden Mitglieder waren zumeist auch in der Eugenik-Bewegung engagiert.[2]

Die Gruppe, die evolutionär statt revolutionär vorgehen wollte, wurde zu Ehren des römischen Generals Fabius Maximus Verrucosus (genannt Cunctator, der Zögerer) benannt, der die Strategie vertrat, eher durch Störmanöver und Zermürbung als durch Frontalangriffe gegen die Karthager unter ihrem berühmten General Hannibal zum Erfolg zu kommen.

Viele Fabier nahmen an der Gründung der Labour Party im Jahr 1900 teil, und die Verfassung der Gruppe, von Shaw geschrieben, hat viele Parallelen zu den Gründungsdokumenten der Labour Party.

In der Zeit zwischen den Weltkriegen war die mittlerweile zweite Generation von Fabiern – darunter die Schriftsteller Richard Henry Tawney, George Douglas Cole und Harold Laski – ein wichtiger Einflussfaktor bei der Sozialdemokratisierung der Labour Party.

Seit den 1920er Jahren war die Gruppe durchgehend einflussreich in den Kreisen der Labour Party, mit Mitgliedern wie Ramsay MacDonald, Clement Attlee, Anthony Crosland, Richard Crossman, Tony Benn, Harold Wilson, und jetzt Tony Blair und Gordon Brown.

1960 wurde die Young Fabian Group gegründet, ein wichtiges Netzwerk und Diskussionsforum für jüngere (unter 31 Jahre) Aktivisten der Labour Party. Sie spielte eine Rolle bei der 1994er Wahl von Tony Blair zum Parteivorsitzenden.

1947 etablierte sich die australische Fabian Society. Sie ist die älteste politische "Gedankenschmiede" in Australien.

In den Jahren 1945–1951 betrug die höchste Mitgliederzahl rund 5.000 Mitglieder.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Margaret Cole: The story of Fabian socialism. Mercury Books, London 1963.
  • Herbert Frei: Fabianismus und Bernstein'scher Revisionismus 1884 - 1900 : eine ideologie-komparatistische Studie über wissenschaftstheoretische, philosophische, ökonomische, staatstheoretische und revolutionstheoretische Aspekte der Marx'schen, fabischen und Bernstein'schen Theorie, Bern [u. a.] : Peter Lang, 1979.
  • Sören Niemann-Findeisen: Weeding the Garden. Die Eugenik-Rezeption der frühen Fabian Society, Münster: Westfäl. Dampfboot, 2004.
  • Peter Wittig: Der englische Weg zum Sozialismus: die Fabier und ihre Bedeutung für die Labour Party und die englische Politik. Duncker und Humblot, Berlin 1982. ISBN 3-428-05244-7
  • Reinhard Markner: Fabianismus (PDF), in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Bd. 4, Argument-Verlag, Hamburg, 1999, Sp. 9–18.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Encyclopaedia Britannica (1973): Fabianischen Sozialismus, Band 20, S 750 f.
  2. Retrospectives, Eugenics and Economics in the Progressive Era (PDF, 110 kB), von Thomas C. Leonard, Journal of Economic Perspectives—Bd. 19, Nr. 4—Herbst 2005— S. 207–224
  3. Brockhaus Enzyklopädie (17. Ausgabe, Band 6)