Fahne von Kriwoi Rog

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Bergarbeiter und Jungpioniere vor der Fahne von Kriwoj Rog. 3. November 1952.

Die Fahne von Kriwoi Rog ist eine rote Fahne, die 1929 von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion aus der Ukrainischen Bergbauregion Kriwoi Rog als Geschenk an die Kommunistische Partei Deutschlands im Mansfelder Land nach Deutschland kam.

Die Fahne, die der kommunistische Landtagsabgeordnete Karl Schulz aus Berlin-Neukölln in Gerbstedt feierlich an die örtliche KPD übergeben haben soll, wurde als Symbol der Arbeiterbewegung von den Kommunisten bei ihren Demonstrationen und Aufmärschen im Mansfelder Land in der Zeit der Weimarer Republik stets mitgeführt. Laut offizieller DDR-Geschichtsschreibung wurde sie durch Otto Brosowski, Sekretär einer Betriebs-Zelle der KPD, in Empfang genommen und in der Zeit des Nationalsozialismus durch diesen versteckt. Aussagen älterer Einwohner Gerbstedts zufolge, die nach der Wende und der Deutschen Wiedervereinigung gemacht wurden, wurde Brosowski eher als Mitläufer der KPD angesehen. Die Fahne wurde demnach zunächst von einer anderen Familie in Gerbstedt vor den Nationalsozialisten versteckt, dann aber ins Haus des als unverdächtig geltenden Brosowski gebracht, wodurch dieser ein hohes Risiko einging. Hier soll sie, zwischen zwei Tischtüchern eingenäht, auf dem Wohnzimmertisch gelegen haben. Nach der Rückkehr Otto Brosowskis aus einjähriger Haft im KZ Lichtenburg 1934 versteckte dieser die Fahne in einer Mauer seines Kaninchenstalls.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Mansfelder Land von den amerikanischen Truppen besetzt, die das Gebiet nach der Konferenz von Jalta an die Rote Armee übergab. Beim Einmarsch der Sowjetsoldaten in Gerbstedt wurden diese von der Familie Brosowski mit der Fahne von Kriwoi Rog empfangen. Nach Aussage von Rudolf Brosowski, dem Enkel Otto Brosowskis, hatte sein Großvater die Fahne aus dem Fenster gehängt und der sowjetische Kommandant kontaktierte daraufhin die Familie.

Zu DDR-Zeiten wurde die Fahne oder eigens dafür angefertigte Duplikate als Symbol des Widerstands der Kommunisten gegen den Faschismus und des Bündnisses mit der Sowjetunion häufig zu offiziellen Veranstaltungen gezeigt. Ab 1964 wurde die Fahne im Museum für Deutsche Geschichte in Berlin ausgestellt und nach der Wende im Magazin des Museums gelagert. 2007 wurde die restaurierte Fahne in einer Sonderausstellung des Museums gezeigt.

Die Übergabe der Fahne an die Rote Armee wurde 1953 in einem Gemälde von Karl Kothe thematisiert. 1960 erschien der Roman „Die Fahne von Kriwoj Rog“ von Otto Gotsche. Im gleichen Jahr behandelte Heiner Müller das Thema in einem Kammerspiel. Der gleichnamige Film von Kurt Maetzig wurde 1967 erstmals aufgeführt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • VEB Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck (Hrsg.): Die Fahne von Kriwoi Rog: Symbol unserer Freundschaft; Tradition und Gegenwart; [Mansfeld - Kriwoi Rog 1929 - 1989]. Mansfeld 1989

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]