Fahrgastfernsehen

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Fahrgastfernsehen von Digilight am Bahnhof Schwarzach-St. Veit

Das Fahrgastfernsehen ist ein Medium, das Informationen über Bildschirme in öffentlichen Verkehrsmitteln oder deren Stationen zur Verfügung stellt.

Im Jahr 1997 kam erstmals eine von der Firma Bosch entwickelte Technologie zum Einsatz, die eine sichere Fernsehübertragungen in bewegten Fahrzeuge möglich machte.[1] Die Nahverkehrszüge von Saarbrücken nach Frankfurt am Main wurden dabei zuerst mit Fahrgast-TV, gesendet über DAB, ausgestattet. Gezeigt wurde damals das Programm des Nachrichtensenders n-tv.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee hinter diesem neuen Medium ist, dass dem Fahrgast quasi nebenbei Informationen, Nachrichten und Unterhaltung zur Verfügung gestellt werden (Infotainmentsystem). Gerade für die Verkehrsbetriebe ist dies ein modernes flexibles Medium, um mit den Fahrgästen kommunizieren zu können (betriebliche Informationen, Eigenwerbung). Teile der Kosten werden durch die Einblendung von Werbebeiträgen refinanziert. Von Beginn an wurde für die Darstellung der Inhalte auf die damals recht neue TFT-Display-Technologie gesetzt. Diese Displays ermöglichen durch ihre flache Bauform, die hohe Auflösung und eine entsprechende Helligkeit den Einsatz in den Fahrzeugen des öffentlichen Nahverkehrs. Von Anfang an wurde auf tonlose Systeme gesetzt, um die Akzeptanz zu erhöhen und Störungen der Fahrgäste zu vermeiden.

Die redaktionellen und werblichen Inhalte sowie die betrieblichen Fahrgastinformationen werden häufig in dezentralen Redaktionen erstellt. Die Daten werden danach auf einem zentralen Server zusammengeführt. Die Verteilung der Daten in die Fahrzeuge erfolgt meist über DMB (gebündeltes DAB) oder WLAN. Der Rechner im Fahrzeug speichert die Inhalte, wertet aktuelle Zeitinformationen sowie die Position des Fahrzeugs aus und bestimmt so, welche Informationen (Nachrichten, Werbung, Fahrgastinformationen) gezeigt werden. Anschließend werden die Signale an die jeweiligen Bildschirme weitergeleitet.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste flächendeckende Netz wurde im Jahr 1998 in Hamburg durch die Firma Infoscreen in Zusammenarbeit mit der Hamburger Hochbahn AG realisiert. Hierbei wurde auf WLAN als Übertragungstechnologie gesetzt. Das erste flächendeckende Netz mit DMB-Versorgung (gebündeltes DAB) wurde zur Expo 2000 in Hannover von der üstra, der X-CITY MARKETING Hannover GmbH und der public broadcast Rundfunkgesellschaft mbH umgesetzt. Die redaktionellen Inhalte für Hamburg und Hannover erstellt hierbei die public broadcast Rundfunkgesellschaft mbH, die auch die stationären Systeme in den U-Bahn-Stationen von Hannover und Stuttgart mit Inhalten versorgt. Die Vermarktung von Werbezeiten in Hannover erfolgt über die X-CITY MARKETING Hannover GmbH in Hamburg über die Ströer Deutsche Städte Medien GmbH. Im November 2018 ging in den S-Bahnen und U-Bahnen ein System in Betrieb, das über Verkehrsmeldungen des jeweils anderen Unternehmens informiert.[2]

In Deutschland sind zudem die U-Bahnen von Berlin von der Firma Berliner Fenster flächendeckend mit Systemen ausgerüstet. Seit 2013 sind auch die U-Bahn-Fahrzeuge in München damit ausgerüstet. Die Unternehmung heißt dort Münchner Fenster und beinhaltet im Rahmen von zwei Bildschirmen eine Kombination aus Fahrgastinformation und Infotainment.[3]

Die Trend Network AG (TNAG) aus Potsdam hatte Fahrgastfernsehen für über 100 Straßenbahnen und Busse der LVB in Leipzig sowie in Düsseldorf, Bonn, Plauen, Gera und auch im europäischen Ausland betrieben. Zwischenzeitlich musste die Trend Network AG allerdings Insolvenz anmelden. In Leipzig ist das Unternehmen videowerkstatt.net seit August 2010 Nachfolger und neuer Betreiber. Hier werden unter anderem Lokalnachrichten aus dem ebenfalls von videowerkstatt.net betriebenen Lokalfernsehsender Leipzig Fernsehen für das Fahrgastfernsehen aufbereitet.

Die Fernsehen in Dresden GmbH (Dresden Fernsehen) versorgt Dresden. Die Vestische Straßenbahnen GmbH wird in Sachen Fahrgastfernsehen von der Firma Mental-OP betreut und versorgt.

Zudem gibt es etliche kleinere Standorte, die meist auf Systeme in Bussen setzen und lokal vermarktet werden. Ein Beispiel ist hier das Systeme in Osnabrück, wo die Osnabrücker Zeitung für die Inhalte und die Vermarktung verantwortlich ist.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo von Infoscreen
Infoscreen in Graz
Infoscreen in Wien

In Österreich wird das Konzept des Fahrgastfernsehens großteils durch Infoscreen und Digilight realisiert.

Digilight[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2010 verfügen diverse Bahnhöfe der Österreichischen Bundesbahnen über stationäre Anlagen für Fahrgastfernsehen. Versorger ist die Digilight Werbe- und Netzwerk GmbH.

Infoscreen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infoscreen ist ein digitales, tonloses Medium in und um öffentliche Verkehrsmittel und wurde erstmals im Frühjahr 1998 in der Wiener U-Bahn-Station Stephansplatz in Betrieb genommen. Es folgten weitere Stationen sowie ab 2004 auch weitere Bundesländer. Im Winter 2007/2008 gingen die ersten mobilen Fahrgastfernseher in den Wiener Bussen von Dr. Richard in Betrieb. Das Netz wird sukzessive ausgebaut. 2013 erteilte das Österreichische Patentamt Infoscreen den Verkehrsgeltungsnachweis.

Infoscreen wird in der Media-Analyse (Österreich) als eigene Medienkategorie ausgewiesen und erreichte als Werbeträger mit Stand von März 2017 nach eigenen Angaben eine wöchentliche Reichweite von 1,5 Millionen Personen.[4]

Der Inhalt von Infoscreen umfasst internationale, nationale und regionale Nachrichten, Kultur, Sport, Wetter, Unterhaltung und Veranstaltungstipps von nationalen und internationalen Content-Partnern wie Reuters, Kurier (Tageszeitung), Tiroler Tageszeitung, Wiener Zeitung, Verlagsgruppe NEWS, Laola1.at, Life Radio usw. Rund 70 Prozent des Inhaltes sind redaktionelle Beiträge, der Rest Werbung.

Das Infoscreen-Programm umfasst eine Dauer von 14 Minuten und ein Datenvolumen von ca. 1,5 GB und wird via HSDPA an die Abspielanlagen in den U-Bahn-Stationen sowie in die Busse und Straßenbahnen übertragen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sichere Bewegtbildübertragung zum mobilen Teilnehmer. In: deutscher-zukunftspreis.de. Abgerufen am 18. November 2018.
  2. Markus Lorenz: Neues Fahrgastfernsehen für Hamburger U- und S-Bahnen. In: shz.de. 2. November 2018, abgerufen am 16. November 2018.
  3. Fahrgastfernsehen – MVG und Münchner Fenster sind auf Sendung. Abgerufen am 15. November 2018.
  4. Infoscreen hält Flughöhe in der Media-Analyse. (PDF; 304 KB) In: infoscreen.at. März 2017, abgerufen am 17. August 2017.