Fahrradabstellanlage

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Fahrradabstellanlage

Eine Fahrradabstellanlage (auch Fahrradabstellplatz, Fahrradparkplatz oder umgangssprachlich Fahrradstand genannt) ist eine bauliche Einrichtung zum Abstellen von Fahrrädern. Üblicherweise wird darunter eine gesamte Anlage verstanden bestehend aus einer Anordnung mehrerer Fahrradhalterungen (auch Fahrradparker, Fahrradparksystem oder umgangssprachlich Fahrradständer genannt) und ggf. zugehöriger Überdachung, Umzäunung und Einrichtungen zur Zutrittskontrolle. Teilweise werden unter einer Fahrradabstellanlage aber auch nur die Fahrradhalter verstanden.

Fahrradabstellanlagen finden sich überall dort, wo regelmäßiger Bedarf zum Abstellen von Fahrrädern gegeben ist. Beispiele sind Mehrfamilienhäuser, Arbeitsstätten, Bahnhöfe, Schulen, Universitäten, Veranstaltungs- und Sportstätten, Einkaufsstätten und Kindergärten, aber vor allem auch der öffentliche Straßenraum und Fußgängerzonen.

Einige Gemeinden haben Fahrradstellplatzverordnungen erlassen, die Vorgaben für die Kapazität und Ausführung von Abstellanlagen bei Bauprojekten machen. Während dies bei Kraftfahrzeugen selbstverständlich ist, werden derartige Vorgaben für den Fahrradverkehr nach Bedarf der Gemeinden eingeführt. Sichere Fahrradabstellanlagen tragen maßgeblich zur Förderung des Fahrradverkehrs und zur Verringerung von Fahrraddiebstählen bei. Sie stellen ein wichtiges Element in der Stadtentwicklung dar.

Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es lassen sich einige grundlegende Anforderungen an Fahrradabstellanlagen zusammentragen, um eine sichere und bequeme Nutzung zu erlauben. Die Praxis zeigt, dass sich davon nicht immer alle Punkte umsetzen lassen. Neben baulichen Gegebenheiten und zur Verfügung stehendem Platz sind die Investionskosten ein wichtiger Faktor. Andererseits werden häufig auch nutzwertrelevante Punkte zugunsten eines vermeintlich formschönenen Designs oder der Nutzung veralteter wenig praxistauglicher Konstruktionskonzepte ignoriert.

Anforderungen an Fahrradhalterungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Ein- und Ausparken, An- und Aufschließen, Be- und Entladen der Fahrräder muss ohne besonderen Zeit- und Kraftaufwand, ohne Beschädigung des eigenen und der bereits abgestellten Fahrräder möglich sein. Dazu müssen bestimmte Mindest-Seitenabstände zwischen den Fahrrädern eingehalten werden.
  • Ein Fahrradhalter muss dem Fahrrad in der Parkposition eine gute Standsicherheit verleihen. Dazu muss die Halterung das Fahrrad gut abstützen (möglichst am Rahmen) und möglichst auch ohne angelegtes Schloss sicher schützen gegen
    • seitliche Kräfte z. B. durch Winddruck, versehentliches Anstoßen, Beladen des Fahrrades
    • selbständiges Herausrollen aus der Endparkposition
    • ungewolltes Umschlagen des Lenkers, insbesondere bei Lastwechseln beim Be- und Entladen
  • Zum Diebstahlschutz müssen Fahrradrahmen (möglichst auch ein Laufrad) und Fahrradhalterung an gut zugänglicher Stelle mit handelsüblichen Fahrradschlössern sicher zusammengeschlossen werden können. Durch ausreichenden seitlichen Abstand zwischen den Fahrrädern und einer Höhe von mindestens 40 cm über dem Bode kann ein bequemer und ergonomischer Zugang zum Schloss erreicht werden. Ein Zusammenschließen des Fahrrades in sich (Laufrad mit Rahmen) oder nur des Vorderrades mit der Fahrradhalterung ist nicht ausreichend. Praktisch alle Versicherungen fordern das Anschließen des Rahmens an eine feste Struktur.
  • Ein Fahrradhalter sollte die drei vorgenannten Eigenschaften für möglichst alle Fahrradtypen gewährleisten unabhängig von Fahrradgröße, Rahmengeometrie, Reifenbreite und Anbauteilen (Körbe, Schlösser, Trinkflaschen, Kindersitz, Packtaschen).

Anforderungen an gute Fahrradabstellanlagen hat der ADFC in seiner Technischen Richtlinie TR 6102-0911 „Empfehlenswerte Fahrrad-Abstellanlagen“[1] beschrieben. Auf Basis dieser Richtlinie erfolgt die ADFC-Zertifizierung von Fahrradhalterungen. Voraussichtlich im Frühjahr 2016 wird die weitgehend aus der TR 6102-0911 hervorgegangene DIN 79008 „Stationäre Fahrradparksysteme“ veröffentlicht.

Anforderungen an eine Gesamtanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eine Fahrradabstellanlage kann abhängig von Jahreszeit und Witterung sehr unterschiedlich ausgelastet sein. Auch bei Spitzenauslastung sollten immer ausreichend Stellplätze vorhanden sein.
  • Die Fahrradabstellanlage und ihre Zugänge sollten einer guten sozialen Kontrolle unterliegen, so dass Fahrraddiebe ständig mit Störungen zu rechnen haben. Im Zweifelsfall ist die Installation einer Videoüberwachung sinnvoll.
  • Die Fahrradabstellanlage sollte dem eigentlichen Zielort des Nutzers möglichst nahe gelegen sein, den er nach dem Abstellen seines Fahrrades aufsuchen will (z. B. Arbeitsplatz). Die Zufahrt muss ungehindert (ebenerdig oder über Rampen/Aufzug) möglich sein.
  • Wenn in einer Fahrradabstellanlage Fahrräder überwiegend mit langer Einstelldauer geparkt werden, ist eine wirksame Überdachung gegen Regen und UV-Verwitterung empfehlenswert.

Bauformen von Fahrradhaltern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Fahrradhalterungen gibt es eine Vielzahl verschiedener Bauformen mit sehr unterschiedlicher Tauglichkeit. Zunächst ist zu unterscheiden zwischen Einzel- und Reihenparkern:

  • Einzelparker dienen der Einstellung eines einzelnen oder (bei beidseitiger Einstellung) von maximal zwei Fahrrädern. Jeder Einzelparker muss separat mit dem Untergrund verbunden werden, z. B. durch Einbetonieren oder Aufdübeln. Der Anwender kann damit den Montageabstand zwischen den Haltern frei wählen.
  • Unter einem Reihenparker wird eine Gruppierung mehrerer Fahrradhalter auf einer gemeinsamen Unterkonstruktion verstanden. Damit ist der Seitenabstand zwischen den Fahrrädern modellabhängig fest vorgegeben. Der Montageaufwand ist gegenüber einem Einzelparker geringer, da nur die Unterkonstruktion mit dem Untergrund verbunden werden muss oder auch ohne Verankerung mit dem Untergrund auskommt.

Einfache Vorderradhalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pultförmiger Bügelparker

In der Gruppe einfacher Vorderradhalter gibt es zahlreiche Modelle, die aber allesamt den Fahrrädern nur schlechte Standsicherheit und völlig ungenügenden Diebstahlschutz bieten.

  • Die schlechte Standsicherheit ist dadurch begründet, dass diese Halter das Vorderrad entweder nur in der Hochachse oder in der Längsachse einigermaßen fixieren, in der anderen dagegen kaum. Damit ist schon bei geringen seitlichen Kräften die Gefahr groß, dass das Vorderrad deformiert wird und einen schwer reparablen Seitenschlag erhält. Aus diesem Grund werden diese Modelle in Radfahrerkreisen meistens nur abwertend als „Felgenkiller“ bezeichnet.
  • Auch der Diebstahlschutz dieser Modelle ist ungenügend, da Fahrradrahmen und Fahrradhalter nicht zusammengeschlossen werden können. Bei geringer Belegungsdichte der Abstellanlage können Vorderrad und Halterung zusammengeschlossen werden; das scheuen die Nutzer aber in der Regel, da es sehr unbequem ist und später möglicherweise Probleme beim Ausparken gibt, wenn dann bei dichterer Belegung das Schloss kaum noch zugänglich ist. Fahrraddiebe haben in solchen Abstellanlagen daher immer wieder die Gelegenheit, nur „in sich“ zusammengeschlossene Räder einfach wegzutragen oder nur das Vorderrad ausspannen zu müssen, um das restliche Fahrrad zu entwenden.
Ein Spiralparker bietet weder Standsicherheit noch Diebstahlschutz

Die einfachste Bauform eines Vorderradhalters ist ein so genannter Felgenklemmer, der das Vorderrad zwischen zwei trichterförmig angeordneten Drahtbügeln einklemmt. Meistens finden schmale Reifen in Felgenklemmern gar keinen Halt, sehr breite Reifen passen oftmals nicht in die Öffnung. Auch bei mittleren Reifenbreiten ist die Klemmwirkung im Allgemeinen sehr unzuverlässig - schon durch geringfügiges Anstoßen beim Ausparken benachbarter Fahrräder kann sich das Rad aus der Klemmung lösen, rückwärts aus der Halterung herausrollen und umstürzen.

Sehr weit verbreitet sind so genannte Bügelparker, die aus zwei parallelen Rundstählen oder Rundprofilen bestehen, die bogen-, dreieck-, trapez-, giebel-, pult- oder M-förmig gebogen sind. Bügelparker werden üblicherweise als Reihenanlagen angeboten und umfassen das Vorderrad an seinem Fußpunkt.

Darüber hinaus gibt es in der Gruppe einfacher Vorderradhalter weitere Modelle mit höherem Designwert, aber ebenso geringem Nutzwert. Dazu zählen beispielsweise Betonsteine mit einem eingelassenen länglichen Schlitz, in den das Vorderrad einige Zentimeter tief eintaucht und je nach Reifenbreite mehr oder minder schlecht gehalten wird. Weiterhin gibt es Baumstämme mit eingesägten Schlitzen oder Metallspiralen (Spiralparker), in deren Zwischenräume das Vorderrad eingeparkt werden soll.

Fahrradgerechte Vorderradhalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn ein Fahrradhalter das Vorderrad in der Hochachse und in der Längsachse gleichermaßen gut fixiert und außerdem gegen selbsttätiges Herausrollen aus der Parkposition sichert, handelt es sich um einen fahrradgerechten Vorderradhalter. Weitere sinnvolle Merkmale sind beispielsweise zusätzliche vorspringende Bügel oder Ösen, um den Fahrradrahmen und idealerweise außerdem ein Laufrad an gut zugänglicher Stelle mit dem Halter zusammenschließen zu können.

Anlehnbügel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine heute weit verbreitete Einzelparker-Bauform ist der Anlehnbügel (ähnlich einem kurzen Geländer), an den sich die Fahrräder an mehreren Punkten (Rahmen, Gabeln und Gepäckträger) anlehnen können und auch daran angeschlossen werden können. Die geometrischen Formen reichen von einer einfachen kopfstehenden U-Form über Viertelkreis- und Trichterform bis hin zu künstlerischen Varianten mit einem stilisierten Fahrrad. Je nach Montageabstand sind die Anlehnbügel für einseitige oder beidseitige Nutzung vorgesehen.

Die einfache kopfstehende U-Form wird auch Wiener Bügel genannt. Wenn eine zusätzliche Querstange in etwa halber Höhe vorhanden ist, handelt es sich dabei um einen Kreuzberger Bügel, der in diesem Berliner Stadtteil in den 1980ern eingeführt wurde.[2]

Je nach geometrischer Form bieten Anlehnbügel den Fahrrädern eine mittlere bis gute Standsicherheit. Allerdings verhindern sie nicht ein Wegrollen des Fahrrades – insbesondere bei abschüssigem Untergrund und noch nicht angelegtem Fahrradschloss. Außerdem besteht beim Parken an Anlehnbügeln die Gefahr, dass bei Lastwechseln (Be-/Entladen, Verladen von Kindern in Kindersitze) unvermittelt der Lenker umschlägt und das Fahrrad in eine Drehbewegung versetzt, wenn es nicht vom Nutzer abgefangen wird. Diese Effekte sind besonders ausgeprägt bei der so genannten Kölner Haarnadel, die aus zwei eng benachbarten und oben U-förmig verbundenen Rundpfosten besteht. Diese Bauform verdient damit eher die Bezeichnung Anlehnpfosten, insbesondere Damenrahmen finden daran nur schwer eine sichere Parkposition.

Rhein-Ruhr-Bügel neben einem freigeräumten Gehweg

Weitgehend verhindert werden diese nachteiligen Effekte dagegen beim Rhein-Ruhr-Bügel, der das Vorderrad in einer speziell ausgeformten Vorderradbucht aufnimmt; durch ein leichtes Gefälle des Untergrundes in Richtung der Vorderradbucht kann deren Funktion noch verstärkt werden. Ebenso in dieser Hinsicht vorteilhaft sind in Österreich unter dem Namen PADERA FBS bekannte und von Nutzern positiv bewertete [3]Anlehnbügel, die als Reihenanlage miteinander verbunden sind und an der Querstange Felgenklemmer zur Fixierung der Vorderräder aufweisen.

Bei Anlehnbügeln lohnt auch ein kritischer Blick auf die Art der dabei verwendeten Metallprofile. Eckige Vierkant- oder T-Profile verursachen an den Anlehnpunkten am Fahrrad höhere punktförmige Belastungen als Rundprofile, die den Druck besser verteilen und damit schonender für Lack und Federgabeln sind. Noch lackfreundlicher ist die Ausführung, wenn statt rau verzinkter Oberflächen polierter Edelstahl zum Einsatz kam oder gar Kunststoffpolsterungen an den typischen Anlehnpunkten angebracht sind.

Schräghochparker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schräghochparker

In der Vergangenheit waren insbesondere an Bahnhöfen oder Arbeitsstätten so genannte Schräghochparker sehr verbreitet, Gestelle, in denen kufenförmig gebogene Rinnenprofile in einer Steigung von ca. 55° montiert sind. Das Vorderrad wird oben in das Rinnenprofil eingestellt, das Hinterrad unten in der Kufenmulde. Schräghochparker sind sehr raumsparend, allerdings erfordert das Ein- und Ausparken einigen Kraftaufwand; damit sind sie für schwerere Fahrräder und E-Bikes nicht geeignet, ebenso nicht für Fahrräder mit breiteren Reifen. Auch im Hinblick auf Diebstahlschutz ist diese Bauform nachteilig, da das Fahrrad nicht in zumutbarer Weise mit dem Halter zusammengeschlossen werden kann. Schräghochparker werden weiterhin am Markt angeboten, leider nur mit deutlich zu geringen Seitenabständen.

Pedalparker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Pedalparkern wird das Fahrrad an einem Tretkurbelarm fixiert, dabei rastet eine Pedalachse zwischen Tretkurbel und Pedal in einen länglichen Schlitz eines stabilen Stahlbleches ein. Damit wird eine gute Standsicherheit erzielt. Zusätzliche Ösen oder Bügel können Möglichkeiten zum Anschließen des Fahrrades und damit einen guten Diebstahlschutz bieten.

Lenkerhalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Lenkerhaltern wird das Fahrrad üblicherweise auf eine starre Lenkerhalterung gehoben, so dass das Vorderrad dann in der Luft hängt. Einige Anbauteile am Lenker wie z. B. Kartenhalter oder Lenkertaschen können bei der Nutzung von Lenkerhaltern hinderlich sein. Ansonsten kann auch mit Lenkerhaltern eine gute Standsicherheit erzielt werden und mit Hilfe zusätzlicher Anschließösen oder Bügel ein guter Diebstahlschutz erreicht werden.

Hänge- oder Vertikalparker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hängeparker

Hängeparker sind Wand- oder Deckenhaken, in die die Vorderradfelge eingehängt wird, so dass das Fahrrad dann in hängender Position geparkt wird. Hängeparker sind eine sehr platzsparende Lösung, wobei aber das Ein- und Ausparken einige Übung und insbesondere Kraftanstrengung verlangt. Sie sind daher für das Parken schwererer Räder nachteilig und kommen eher im privaten Bereich zum Einparken länger nicht benutzter Fahrräder zum Einsatz.

Es werden aber auch Hängeparker mit einer mechanischen Hebehilfe am Markt angeboten. Dabei wird das Fahrrad durch einen Hebel mit Hilfe einer Gasdruckfeder ohne nennenswerte Kraftanstrengung in die Parkposition gehoben bzw. abgesenkt. Hängeparker mit mechanischer Hebehilfe sollten nicht ohne Einweisung bzw. Begleitung durch eingewiesenes Personal genutzt werden, da ein Hochdrücken eines unbelasteten Hebels Unfallgefahren birgt. Diese Modelle eignen sich daher z. B. für Fahrradabstellräume von Hotels, wo Einweisung bzw. Begleitung sichergestellt werden können.

Karussellparker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karussellparker

Karussellparker sind eine kreisförmige Anordnung von meistens zwölf Hängeparkern mit mechanischer Hebehilfe an einem drehbaren Metallgestell, wobei auch hier Gasdruckfedern die Fahrräder ohne nennenswerte Kraftanstrengung in die Parkposition heben bzw. absenken. Das gesamte Karussell ist wie ein Kleiderständer drehbar, so dass nur von einer Seite zusätzlicher Manövrierraum zum Ein- und Ausparken der Fahrräder erforderlich ist. Auch für Karussellparker gilt die Einschränkung, dass sie zur Vermeidung von Unfällen nicht ohne Einweisung bzw. Begleitung durch eingewiesenes Personal genutzt werden sollten.

Doppelstockparker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Fahrradparkhäuser sind heute mit Doppelstockparkern ausgerüstet. Die untere Abstellebene ist dabei üblicherweise mit hochwertigen Fahrradhaltern mit platzsparender Hoch-/Tiefstellung der Vorderräder bestückt. In der oberen Abstellebene sind die Fahrradhalter auf Schienen montiert, die ähnlich einem Schubladenauszug ein Stück herausziehbar und dann vorne auf die Manövrierfläche herunterklappbar sind. In dieser schrägen Position der Schiene wird das Fahrrad eingestellt bzw. entnommen. Durch eine integrierte Gasdruckfeder ist das Anheben und Absenken der Schiene trotz des Gewichts des Fahrrades ohne nennenswerte Kraftanstrengung möglich.

Fahrradboxen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit geraumer Zeit werden vollständig geschlossene Fahrradboxen angeboten, die wie ein Gepäckschließfach abschließbar sind und Platz für ein, manchmal auch zwei oder mehrere Fahrräder bieten. Andere übliche Bezeichnungen sind Fahrradsafe und Fahrradgarage.

Fahrradboxen werden heute vermehrt an Bahnstationen und ÖPNV-Haltestellen angeboten, wo Pendler ihr Fahrrad als Zubringer benutzen und sicher abstellen wollen. Sie werden aber auch in Bereichen eingesetzt, in denen Fahrradtouristen eine abschließbare Abstellmöglichkeit für ihre Räder mitsamt Gepäck angeboten werden soll. Teilweise haben die Boxen keine eigene Verriegelung, sondern werden durch das selbst mitgeführte Fahrradschloss versperrt.

Mobile Fahrradabstellanlagen (Werbeständer)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mobiler Werbeparker

Geschäfte und kleinere Dienstleistungsbetriebe bieten ihrer Kundschaft oftmals in unmittelbarer Nähe ihres Ladenlokals eine kleine mobile Fahrradabstellanlage an. Es sind Metallgestelle (vielfach mit Werbefläche, daher auch als Werbeständer bezeichnet) mit üblicherweise vier bis sechs Fahrradhaltern. Leider sind diese Werbeständer in den meisten Fällen mit einfachen Vorderradhaltern (Felgenklemmer, Felgenkiller mit den beschriebenen Nachteilen) bestückt, es gibt aber auch aufwändigere Modelle. Eine Platzierung auf Gehwegen und anderen öffentlichen Flächen wird je nach Kommune in der Regel problemlos genehmigt oder ist sogar genehmigungsfrei, die Anlagen müssen aber außerhalb der Geschäftszeiten weggeräumt werden.

Mobile Fahrradabstellanlagen für Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großveranstaltungen wie Festivals, Schützenfeste und Messen finden oft an Orten statt, wo während der übrigen Zeit des Jahres keine oder nur sehr wenige Fahrradstellplätze benötigt werden. Zur Abdeckung eines solchen kurzzeitig hohen Stellplatzbedarfes gibt es verschiedene Lösungen:

  • Vielfach werden den Veranstaltungsbesuchern einfache Absperrgitter (Mannesmann- bzw. Luxemburg-Gitter) als improvisierte Fahrradhalterungen angeboten. Dabei sollen die Vorderräder in die senkrechten Schlitze der Absperrgitter eingeparkt werden. Bei dieser Lösung bekommen die Fahrräder keinen ausreichenden Seitenhalt durch die Absperrgitter und müssen zusätzlich durch ihre angebauten eigenen Fahrradständer stabilisiert werden. Diese können auf weichem Untergrund leicht einsinken und damit ein dominoartiges Umstürzen zahlreicher Räder mit entsprechenden Sachschäden verursachen. Auch unter Diebstahlaspekten ist diese Lösung nachteilig, da die Absperrgitter abhängig von der Belegungsdichte kein Anschließen oder nur ein Anschließen der Vorderräder erlauben.
  • Es werden für die Ausstattung solcher Veranstaltungen aber auch hochwertige mobile Fahrradhalterungen angeboten. Ein bekanntes Modell beta klappbar besteht aus drei Anlehnbügeln, die drehbar in einem beweglichen Bodenrahmen gelagert sind. Durch Parallelverschiebung des Bodenrahmens lässt sich die Anlage flach zusammenlegen und gut transportieren und lagern.
  • Eine empfehlenswerte Lösung ist auch die FahrradGarderobe nach dem Prinzip einer Jackengarderobe. Es ist üblicherweise eine bewachte Anlage mit einem Aufhängesystem aus weiterentwickelten Triathlon-Ständern, bei dem die Räder an der Sattelspitze auf ein Leichtmetallrohr fixiert werden, zweiter Berührungspunkt ist das Vorderrad am Boden.

Kinderfahrrad-Halterungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinderfahrradparker

Am Markt werden auch einige Fahrradhalterungen speziell für Kinderfahrräder angeboten, die durch mehrfarbige Lackierung ansprechender auf Kinder wirken und z. B. an Kindergärten verwendet werden sollen. Leider sind es in den meisten Fällen nur verkleinerte „Felgenkiller“ mit den bekannten Nachteilen, auch Anlehnbügel für Kinderfahrraddimensionen sind am Markt zu finden.

Förderung des Fahrradparkens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlechte Fahrradabstellbedingungen verursachen bekanntermaßen einen hohen volkswirtschaftlichen und ökologischen Schaden durch

  • Fahrraddiebstähle
  • ungewollte und mutwillige Beschädigungen von Fahrrädern
  • beschleunigte Alterung der Fahrräder durch fehlenden Schutz vor Witterungseinflüssen
  • unterbliebene Fahrrad-Mobilität bei unzureichenden Randbedingungen

Trotzdem entsprechen die Fahrradabstellbedingungen mit wenigen Ausnahmen vielerorts sowohl in öffentlicher wie auch in privater Zuständigkeit nur selten den Empfehlungen. Die Gründe dafür sind nicht immer mangelnde Finanzmittel, sondern oft auch Informationsdefizite bei Planern und Betreibern von Fahrradabstellanlagen. Aber auch viele Nutzer haben sich mit dem weitgehend schlechten Standard abgefunden und setzen sich daher wenig für Verbesserungen in ihrem Umfeld ein. Zur Abhilfe gibt es eine Vielzahl von Förderprogrammen und Initiativen.

Staatliche Förderprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten und Förderprogrammen auf Bundes-, Landes- oder Regionsebene. Ein Beispiel dafür ist das bis Ende September 2017 laufende BMUB-Förderprogramm für Investive Klimaschutzmaßnahmen[4], in dessen Rahmen u. a. der Bau guter Fahrradabstellanlagen an Kindertagesstätten, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen gefördert wird. Einen guten Überblick über alle zurzeit nutzbaren Fördermöglichkeiten bietet die im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans betriebene Förderfibel Radverkehr[5]

In Österreich gibt es vergleichbare Programme, beispielsweise ist die Förderungsoffensive Sanierung Fahrradparken[6] des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich bis zum 31. Dezember 2016 verlängert worden.

Sonstige Initiativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das umfangreichste Angebot an Informationen zum Fahrradparken ist beim ADFC zu finden, aber auch viele Landes- und Kommunalbehörden und die AGFS bieten eigenes Informationsmaterial zum Thema an. Die Veröffentlichungen der FGSV haben normativen Charakter und sind nur kostenpflichtig zu beziehen.

Viele lokale ADFC-Gruppierungen versuchen auch, durch Untersuchungen und öffentliche Darstellung der aktuellen Situation vor Ort Bewegung in das Thema zu bringen[7][8]. Auch private Initiativen wie Radregion38[9] gehen den Weg solcher Untersuchungen und Benchmarks.

Sehr konkrete Instrumente sind auch die Möglichkeiten für Arbeitgeber und Betriebe, sich imageförderlich als Fahrradfreundlicher Betrieb zertifizieren zu lassen. Dabei werden schwerpunktmäßig die Möglichkeiten des Betriebes zum Abstellen von Fahrrädern unter die Lupe genommen, aber auch andere Aspekte betrieblicher Fahrradfreundlichkeit. Solche Siegel werden angeboten als ADFC-Siegel[10] und als FAHRRAD-fit-Betrieb[11] vom B.A.U.M. e.V.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Normen und Standards[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fahrradabstellanlagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Technischen Richtlinie TR 6102-0911 „Empfehlenswerte Fahrrad-Abstellanlagen" PDF
  2. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung & Kommunikation (Hrsg.) 2008: Fahrradparken in Berlin - Leitfaden für die Planung (PDF; 8,1 MB)
  3. Radland Steiermark: Abstellanlagen im Alltagstest
  4. www.klimaschutz.de PDF
  5. http://www.nationaler-radverkehrsplan.de/foerderfibel/
  6. http://www.umweltfoerderung.at/kpc/de/home/umweltfrderung/fr_betriebe/verkehr_und_mobilitt/fahrradparken/
  7. ADFC Gießen PDF
  8. ADFC Kempten PDF
  9. http://www.radregion38.de
  10. ADFC: http://www.adfc.de/radzurarbeit/tipps-fuer-betriebe/seite-1-das-ziel-der-fahrradfreundliche-betrieb
  11. http://www.fahrrad-fit.de/