Fahrradergometer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassischer Fahrradergometer
moderne Ergometer
Fahrradergometer in der Unterdruckkammer im Bundesleistungszentrum Kienbaum
Einfaches Fahrradergometer in Liegeausführung, hier genutzt von Astronaut Joseph Acaba an Bord des Space-Shuttles Discovery

Ein Fahrradergometer (auch Heimtrainer, Trimm-Dich-Rad oder englisch Indoor-Cycle, Spinning, Speedbike und ähnlich) ist ein Fitnessgerät, das in seiner Bauart einem Fahrrad ähnlich gestaltet ist und üblicherweise Sattel, Pedale und Handgriffe aufweist. Fahrradergometer können einerseits zum Fitnesstraining, insbesondere zum Aufbau von Kondition, sowie andererseits zur Ergometrie verwendet werden. Die Ergometrie erfolgt dabei durch Sensoren, die Daten wie die Pedaldrehzahl oder den Puls messen und daraus entsprechende Trainingswerte (z. B. durchschnittliche und maximale Herzfrequenz, verbrauchte Energie in kcal oder durchschnittliche Geschwindigkeit des Schwungrads) errechnen. Auch abgeleitete virtuelle Werte können errechnet werden, so beispielsweise eine Fahrstrecke, die mit einem konventionellen Fahrrad mit der aufgewendeten Energie zurückgelegt worden wäre.

Aufbau und Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einfache Ausstattung und leichte Bedienbarkeit machen den Fahrradergometer zu einem beliebten Fitnessgerät für ein leichtes Ausdauertraining zu Hause.[1] Er bietet die Möglichkeit, sich im Alltag gesundheitlich und sportlich fit zu halten und wetterunabhängig von zu Hause aus zu trainieren. Anders als z. B. beim Crosstrainer, der den gesamten Oberkörper trainiert, beansprucht die Bewegung auf dem Fahrradergometer hauptsächlich die Beine.

Der Aufbau eines Fahrradergometers ähnelt dem Aufbau eines konventionellen Fahrrads. Es weist üblicherweise Sattel, Pedale und Handgriffe, die den Fahrradlenker ersetzen, auf. Ein Fahrradergometer verfügt allerdings anders als Fahrräder nicht über Laufräder, stattdessen wird über die Pedale eine Schwungscheibe angetrieben. Diese kann unmittelbar an der Pedalwelle befestigt sein, sodass sie sich zentral unterhalb des Geräts befindet, oder in Längsachse versetzt sein und über einen Treibriemen angetrieben werden. Die Schwungscheibe ist mit einer Bremse (oft eingesetzt werden Magnetbremsen, Wirbelstrombremsen oder Backenbremsen, bei höherklassigen Geräten auch elektromotorische Bremsen) ausgestattet, die allerdings nicht über einen Bremshebel bedient wird. Stattdessen wird vor Trainingsbeginn eine konstante Bremswirkung eingestellt, wodurch ein Trainingswiderstand erzeugt wird. Dieser lässt sich manuell oder über eine elektrische Steuerung anpassen und beeinflusst damit maßgeblich die Intensität des Trainings. In Verbindung mit einem in einer vorn am Fahrradergometer angebrachten Steuerungskonsole (Trainingscomputer) können so beispielsweise Steigungsfahrten simuliert werden.

Einige Komponenten wie Sattel und Lenker sind in der Regel verstellbar und können so an die Größe des Anwenders angepasst werden. Eine korrekte Sitzposition ist wichtig, um rückenschonend zu trainieren.[2] Die Konsole mit dem Trainingscomputer zeigt die wichtigsten Trainingsdaten (Strecke, verbrauchte Kalorien, Herzfrequenz) an und bietet gegebenenfalls Einstellmöglichkeiten. Die Pulsmessung erfolgt über Handpulssensoren am Lenker; alternativ kann auch ein Brustgurt verwendet werden.

Vergleichbar zu konventionellen Fahrrädern gibt es auch für Fahrradergometer besondere Varianten. In Anlehnung an Liegefahrräder sind beispielsweise Fahrradergometer erhältlich, bei denen in Liege- anstatt Sitzposition trainiert wird. Auch mobile oder zusammenklappbare Versionen mit geringerem Platz- oder Flächenbedarf sind erhältlich.

Eine weitere Sonderform stellt das Spinning Bike (auch Indoor Cycling Bike) dar, welches zum Indoorcycling verwendet wird. Spinning Bikes haben im Vergleich zu konventionellen Fahrradergometern eine deutlich größere Schwungscheibe mit einem Durchmesser von 65 Zentimetern und einer Masse von etwa 20 Kilogramm. Sie weist daher ein deutlich größeres Trägheitsmoment auf, wodurch ein realistischeres Fahrgefühl vermittelt werden soll. Außerdem ist der Kraftaufwand bei Beschleunigungen wesentlich höher, was sich auch auf den spezifischen Bewegungsablauf besser einstellt und die Bewegung ökonomisiert. Als Widerstand wirkt meistens eine einfache mechanische Bremse auf das Schwungrad.

Gesetzliche Vorgaben für Fahrradergometer und Heimtrainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im sprachlichen Gebrauch wird die Bezeichnung „Heimtrainer“ oft als Oberbegriff für „Fahrradergometer“ verwendet. Nach Europäischer Norm sind beide Gerätetypen jedoch klar voneinander zu trennen. Demnach müssen Ergometer und Heimtrainer unterschiedliche Normen erfüllen, die einerseits die Sicherheitsanforderungen festlegen und andererseits die Geräteklassen voneinander trennen.

Die Europäische Norm EN 957-1 klassifiziert Fitnessgeräte unter dem Aspekt der Unfallverhütung und Umweltverträglichkeit. Die Norm wird in sechs Gruppen für die unterschiedlichen Gerätearten unterteilt. Ergometer sind der Gerätegruppe EN 957-1/5, Unterklasse A zugeordnet. Für diese Geräteklasse schreibt die Norm eine Anzeige der erbrachten Leistung in Watt, eine einstellbare Wattleistung von mindestens 250 Watt und einen Freilauf vor. Die tatsächliche Leistung darf von der angezeigten Leistung bis 50 Watt um maximal fünf Prozent, bei einer höheren Wattleistung um maximal zehn Prozent abweichen.[3] Die Leistungsmessung in Watt hat den Vorteil, dass die Trainingsbelastung genau gesteuert und individuelle Belastungsgrenzen präzise eingehalten werden können. Aus diesem Grund finden Ergometer im therapeutischen und medizinischen Bereich sowie im professionellen Sport Einsatz.

Vom Ergometer abzugrenzen sind solche Fahrradtrainer, die über keine Leistungsmessung in Watt verfügen. Diese Heimtrainer werden innerhalb der Gerätegruppe EN 957-1/5 den Unterklassen B (hochwertige Heimtrainer mit Freilauf, verstellbarer Bremskraft und einer Schwungmasse von mind. 5 kg) und C (einfache Heimtrainer) zugeordnet. Heimtrainer sind ausschließlich für die private Nutzung zugelassen.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrradergometer, entwickelt um 1900 von Zuntz und Voigt

Die Sportmediziner Zuntz und Voigt entwickelten bereits im Jahr 1900 ein Fahrradergometer.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. Raschka: Ausdauersport zu Hause – mit dem richtigen Ergometer – Heimtrainer: rudern, steppen, radeln oder swingen. In: Naturarzt. 9. Auflage. Nr. 129, 2011, S. 26–33.
  2. Peter Dietrich: Ein Bewegungsprogramm (BISFR) zur Therapie von Rückenschmerzen Eine prospektive, kontrollierte Studie zur Effektivität des „Bewegung im schmerzfreien Raum“- Programms bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Medizin einer Hohen Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Bochum 2001, S. 29.
  3. Stationäre Trainingsgeräte – Teil 1: Allgemeine sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung EN 957-1:2005. November 2005.
  4. Stationäre Trainingsgeräte – Teil 1: Allgemeine sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung EN 957-1:2005. November 2005.
  5. Wildor Hollmann, Theodor Hettinger: Sportmedizin. 4. Auflage. Schattauer, Stuttgart 2000, ISBN 3-7945-1672-9.