Fair Wear Foundation

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Fair Wear Foundation
Rechtsform Non-Profit-Organisation
Gründung 1999
Sitz Amsterdam, Niederlande
Leitung Erica van Doorn, Geschäftsführer
Ieke van den Burg, Vorsitzender
Branche Bekleidungsprodukte, Zertifizierung von Firmen, Erarbeitung von Standards
Website fairwear.org/

Die Fair Wear Foundation (kurz FWF, englisch: „Organisation für faire Kleidung“) ist eine Vereinigung verschiedener Akteure, die die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kleidungs- und Textilindustrie zum Ziel hat. Die Stiftung überprüft, ob die beigetretenen Firmen die Richtlinien der FWF in ihrer Produktion umsetzen. Die 1999 gegründete Organisation hatte 2010 mehr als 50 Unternehmen als Mitglieder, die aus ganz Europa stammen. Die Organisation ist in produzierenden Ländern wie Bangladesch, China, Indien und der Türkei aktiv.[1]

Geschäftsführung und Realisierung der Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Um die Unabhängigkeit als Zertifizierungsorganisation zu bewahren, hat die FWF eine dreigeteilte Organisationsstruktur.[2] Das Direktorium besteht aus einem Gremium, das neben dem unabhängigen Vorsitzenden aus Repräsentanten der folgenden vier Kategorien gebildet wird: 1) Wirtschaftsverband der Kleidungsproduzenten, 2) Wirtschaftsverband der Kleidungshändler, 3) Gewerkschaften und 4) Nichtregierungsorganisationen. Jeder der Repräsentanten hat gleiches Stimmrecht.[3]

Das Gremium wird von einem Expertenkomitee verschiedener Interessenvertreter und von Interessengruppen in jedem Land, in dem die FWF aktiv ist, mit Informationen versorgt. Sie hat auch in europäischen Ländern Interessengruppen, die Satzungen für die Organisation erarbeiten und vorschlagen (z. B. in der Schweiz, in Deutschland und Belgien).[4]

Ellen Dekkers, Generalsekretär des Niederländischen Gewerkschaftsbundes, über die Organisation: “ Each aspect of the FWF systems supports the others. For example, FWF’s ongoing multi-stakeholder collaboration in both producer and consumer countries has really improved FWF’s verification processes.”

Übersetzung:Jeder Aspekt der FWF unterstützt den anderen. Beispielsweise hat die anhaltende Zusammenarbeit der Interessengruppen in Produzenten- und Verbraucherländern die Zertifizierungsprozesse des FWF maßgeblich verbessert.[5]

Kodex für Arbeitspraktiken und Arbeitnehmerrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kodex der Organisation für Arbeitspraktiken und die Rechte von Arbeitnehmern enthält acht Punkte, die auf den Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beruhen.[6] Die Satzungen der FWF sind für die strengen Bestimmungen zur Vereinigungsfreiheit, Arbeitszeitbegrenzung und zur Zahlung eines existenzsichernden Lohns bekannt.[7]

  • Begrenzung der Arbeitszeit
  • Freie Wahl des Arbeitsplatzes
  • Keine ausbeutende Kinderarbeit
  • Keine Diskriminierung bei der Beschäftigung
  • Rechtsverbindlicher Arbeitsvertrag
  • Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen
  • Versammlungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen
  • Zahlung eines existenzsichernden Lohnes

Verantwortung für die gesamte Lieferkette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fair Wear Foundation nimmt auch Verantwortung für die Lieferkette auf sich. So ist jedes Mitglied der Lieferkette nach Ansicht der Organisation (mit-)verantwortlich für die Bedingungen, unter denen das Produkt hergestellt worden ist. Eine Marke, die in Europa Kleidung verkauft, ist nach Auffassung der Organisation auch für die Arbeitsbedingungen bei der Produktion (auch z. B. für die Plantagen) und für den Umweltaspekt des Produkts teilverantwortlich. In den letzten Jahren ist die Verantwortung gegenüber der Lieferkette verstärkt berücksichtigt worden, und zwar sowohl von einzelnen Unternehmen als auch von der Modewelt im Gesamten.[8]

Geschäftsfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekleidungs- und Textilindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation beschränkt ihren Geschäftsbereich auf die Produktionsphasen, in denen Näharbeit den größten Teil der Fertigung ausmacht. So erhofft sie sich, den größtmöglichen Einfluss für die im Produktionsprozess eingebundenen Beschäftigten bewirken zu können. Es handelt sich um die arbeitsintensivste Phase des Produktionsprozesses und die Phase, in der es viele Probleme bei den Arbeitsbedingungen gibt. Effektive Gegenmaßnahmen können hier das Leben von mehreren Millionen Arbeitern beeinflussen.

Geografische Ausdehnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zertifiziert werden Betriebe in Bangladesch, Bulgarien, China, Indien, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Polen, Portugal, Rumänien, Thailand, Tunesien, Türkei und Vietnam (Stand: 2012).[9]

Zertifizierungsinhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontrolle vor Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation überprüft die Einhaltung ihrer Bedingungen vor Ort. Dazu stellt sie bevorzugt Gruppen von Mitgliedern verschiedener Organisationen mit unterschiedlichen Spezialisierungen zusammen. Diese Gruppen bestehen aus Mitgliedern der „local partner networks“ (englisch: örtliche Partnernetze), die die FWF in verschiedenen Ländern gegründet hat.[3]

Für produzierende Betriebe ist es ein Prozess, der zu Verbesserungen am Arbeitsplatz führt (also keine reine Prüfung darstellt). Für Handelsunternehmen und Geschäfte dienen die Besuche als eine Garantie, dass sich die Hersteller laufend bemühen, ihre Verpflichtungen gegenüber der FWF einzuhalten.[5]

Beschwerdemanagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation hat einen Beschwerdemechanismus für Arbeiter und Außenstehende, der Probleme in der Versorgungskette eines FWF-Mitglieds aufdecken soll.[7] Das Verfahren dient als Sicherheitsnetz. Die Organisation beschäftigt dazu Abwicklungspersonen in den Ländern, in denen sie aktiv ist. Dies ermöglicht es Arbeitern, die bei FWF-Mitgliedern beschäftigt sind, auf sichere und gerechte Art Verletzungen der festgelegten Standards anzuprangern, so dass diese behoben werden.[10]

Überprüfung der Organisationsstruktur der Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn ein Unternehmen der Organisation beitritt, verpflichtet sie sich auch dazu, den Kodex der Organisation für die Rechte von Arbeitnehmern in seiner Versorgungskette umzusetzen. Das bedeutet nicht nur, das mit den Fabriken direkt zusammengearbeitet werden muss, um die Bedingungen dort zu verbessern, sondern auch, dass interne Systeme aufgebaut werden müssen, die dort zu anständigen Arbeitsbedingungen führen. Die Organisation besucht jährlich ihre Mitglieder, um diese Systeme und ihre Effizienz zu überprüfen.[10]

Transparenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die volle Verantwortung der Versorgungskette wahrzunehmen, ist in drei Hauptkategorien Transparenz notwendig: am Arbeitsplatz, im Unternehmen und in der Organisation.[5]
Die Fair Wear Foundation macht Gesamtdaten in Verifikationsaudits öffentlich zugänglich. Die Organisation betreibt Leistungskontrollen der jeweiligen Marken, die die Organisationsstrukturen eines jeden Mitglieds und die Leistungsfähigkeit zum Erreichen der Anforderungen der Organisation bewerten. Die Berichte sind im Internet abrufbar. Die Organisation informiert örtliche Interessengruppen über Entwicklungen der Organisation, sofern sie diese betreffen. Außerdem legt sie Strategiepapiere und andere Forschungsarbeiten offen und veröffentlicht einen jährlichen Bericht.[11] Die Organisation veröffentlicht Berichte über Beschwerden von Außenstehenden.[12]

Zusammenarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation arbeitet mit einer Reihe von Interessengruppen und anderen Organisationen zusammen, um ein nachhaltiges System mit guten Arbeitsbedingungen zu entwickeln. So spielt die Organisation eine aktive Rolle in der Einberufung der Jo-In-Plattform, die die Vorsitzenden der führenden internationalen Ethikinitiativen versammelt (z. B. die Kampagne für Saubere Kleidung, die Ethical Trading Initiative, die Fair Labor Association, die Social Accountability International (englisch: soziale Verantwortung international) und das Worker Rights Consortium). Dies hat zum Ziel, die Arbeitnehmerrechte weltweit anzunähern und für die bessere Umsetzung z. B. von einer existenzsichernden Entlohnung und einer Arbeitszeitbegrenzung zusammenzuarbeiten. [13]

Die Fair Wear Foundation hat unter anderem auch mit folgenden Organisationen Arbeitsgemeinschaften gebildet: Fairtrade International (FLO)[14], UN Women (UN Frauen)[15] und die European Outdoor Group. Solche gemeinsamen Projekte sollen zu einer Annäherung führen und/oder größere und nachhaltigere Ergebnisse bei der Umsetzung von Arbeitnehmerrechten liefern.

Beziehungen zur Industrie / Dialog über Soziales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"FWF realises good labour conditions by: stimulating sound industrial relations worldwide and, wherever possible, harmonising policies and methods.” (vom Unternehmensleitbild der FWF)

(englisch: Die FWF schafft gute Arbeitsbedingungen, indem sie weltweit stabile Beziehungen zur Industrie anregt, und, wo immer möglich, Strategien und Methoden aufeinander abstimmt.)

Das letztliche Ziel der Organisation ist es, seine eigene Arbeit anständig abzuleisten. Damit die Verbesserung der Arbeitsbedingungen nachhaltig ist, werden strenge Gesetze und ihre Umsetzung, eine gut funktionierende Gewerbeaufsichtsbehörde, eine starke Vertretung der Arbeitnehmer (arbeitsplatzbezogene Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften) und eine konstruktive örtliche, nationale und internationale Zusammenarbeit für notwendig gehalten.[16]

Die Wage Ladder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation hat im November 2011 die öffentlich zugängliche FWF Wage Ladder (Einkommensleiter) eingeführt, ein neu entwickeltes Online-Tool, das Marken, Fabriken und sozialen Organisationen dabei hilft, Fortschritte in der existenzsichernden Entlohnung für Mitarbeiter in der Bekleidungs- und sonstigen Industrie zu machen. Basierend auf einem Konzept, das von Rutledge Tufts als Teil des Jo-In Projects entwickelt worden ist, ermöglicht es die Einkommensleiter, Löhne, die von den einzelnen Firmen gezahlt werden, mit einer Auswahl an relevanten Richtwerten zu vergleichen, die von NGOs, sozialen Organisationen, Wirtschaftsverbänden und Behörden erstellt worden sind. Die Einkommensleiter stellt visuell dar, wie hoch die in den verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens gezahlten Löhne im Vergleich zu diesen Richtwerten sind. Dies liefert eine Verhandlungsbasis für einen firmeninternen Tarifvertrag. Die Organisation hat das Tool öffentlich zugänglich gemacht, um eine bessere Entlohnung in der Textilindustrie und darüber hinaus zu unterstützen.[17]

Beigetretene Firmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Beitritt berechtigt sind am europäischen Markt agierende Unternehmen – einschließlich Produzenten, Vertreiber, Großhändler und Einzelhändler. Kleidungs- und Textilhersteller können ebenfalls der Organisation beitreten, sofern sie in einem Land produzieren, in dem die Organisation vertreten ist. Die Organisation hat ungefähr 75 Firmen als Mitglieder, die mehr als 100 Marken anbieten (Stand: 2012).[18] Die Arbeit der Organisation beeinflusst mehr als 500.000 Arbeiter in den Versorgungsketten von Mitgliedern.

Während der Modewoche im Januar 2012 in Amsterdam verlegte die Organisation 6 Kilometer an roten Bändern zwischen 80 Läden in Amsterdam als Teil der Red Ribbon Campaign (englisch: Rote-Bänder-Kampagne). Diese sollte die Aufmerksamkeit der Konsumenten auf Firmen richten, die durch ihre Mitgliedschaft in der Organisation daran arbeiten, die Arbeitsbedingungen ihrer Produktion oder Lieferkette zu verbessern.[19]

Einnahmequellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 2000 und 2008 war die Finanzierung der Organisation ziemlich gleichmäßig (17 bis 22 %) auf folgende Quellen aufgeteilt: Mitgliedsbeiträge von Firmen, Gewerkschaften, NGOs, Regierungen und Wirtschaftsverbänden.[5] Finanzielle Unterstützung kam aus bestimmten Sozialfonds, die als Ergebnis von branchenspezifischen Tarifverhandlungen entstanden sind (in den Bereichen Bekleidungs- und Einzelhandelssektor.) Die Organisation hat außerdem einige Unterstützung von der Europäischen Union und Geldgebern wie der UN Women erhalten.[3][20]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation wurde im Jahr 1999 nach fast 5 Jahren Verhandlung zwischen verschiedenen Interessengruppen gegründet. In den Niederlanden ist zur damaligen Zeit die Kleidungsproduktion in Niedriglohnländer verlagert worden, wie es auch in anderen Ländern üblich war. Nach einigen Jahren mit Kampagnen gegen schlechte Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern haben der FNV (Niederländischer Gewerkschaftsbund) und die Clean Clothes Campaign die Arbeitgeberverbände kontaktiert und eine gemeinsame Initiative für verbesserte Arbeitsbedingungen im Kleidungssektor angestrebt.

Die Gründer erstellten den Kodex für Arbeitspraktiken und Arbeitnehmerrechte (Code of Labour Practices) in der Kleidungsindustrie. Dabei hat man sich internationale Standards zur Grundlage genommen, die sich in den Abkommen der Internationalen Arbeitsorganisation ausdrücken. Die Modellnormen der Clean Clothes Campaign und der ICFTU waren dabei richtungsweisend. (Die ICFTU ist die internationale Dachorganisation der Gewerkschaften, der die FNV angehört.)

Im Zeitraum von 1999 bis 2002 hat die Organisation Pilotprojekte in der Umsetzung des Kodex für Arbeitspraktiken mit vier niederländischen Firmen ausgeführt. Diese Erfahrungen waren die Basis für die Festhaltung einer Standardprozedur.

Der nächste Schritt war der Aufbau von Mitgliedschaften. Es wurde im März 2003 öffentlich bekannt gegeben, dass eine erste Gruppe von 11 Mitgliedern existiert. Die Firmen waren zum einen Modeproduzenten und zum anderen Hersteller von industrieller Arbeitskleidung. 2012 waren es ca. 88 Mitglieder.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fair Wear Foundation: FWF About. 2010. Abgerufen am 17. Januar 2013.
  2. See for example MVO Platform - the Dutch network for civil society organisations and trade unions that are working together to promote Corporate Social Responsibility
  3. a b c Clean Clothes Campaign (2007)
  4. Fair Wear Foundation (2010)
  5. a b c d Fair Wear Foundation. Fair Wear Formula. Amsterdam, Netherlands, 2010.
  6. Fair Wear Foundation: FWF Charter. 2010. Archiviert vom Original am 16. August 2011. Abgerufen am 17. Januar 2013.
  7. a b Maquila Solidarity Network
  8. See for example EcoFashion World, one of the many platforms for Fashion companies concerned with CSR
  9. Fair Wear Foundation
  10. a b Fair Wear Foundation (2010)
  11. Fair Wear Foundation
  12. Fair Wear Foundation
  13. Joint Initiative for Corporate Accountability and Worker Rights
  14. Fair Wear Foundation 2011 (PDF; 365 kB)
  15. UN Trust Fund Announces Successful Grantees... to prevent violence against women
  16. Fair Wear Foundation (2010)
  17. Just-Style.com, 2011
  18. a b Fair Wear Foundation (2012)
  19. Fair Wear Foundation
  20. UN Women

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]