Fakir

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Fakir (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ein fast nackter Mann sitzt in halb liegender Position auf einem mit Nägeln gespickten Brett. Das Brett ist gerade so groß, dass der Mann auch im Liegen darauf Platz fände. Die Nägel sind etwa eine Hand breit lang, etwas dünner als ein kleiner Finger, am Ende angespitzt und vermutlich aus Holz. Die Anordnung ist regelmäßig in einem Abstand, der etwa so breit ist wie der große Zeh des Mannes. Vereinzelt fehlt ein Nagel oder steht leicht schief. Bei den ca. zehn obersten Nagelreihen spreizen sich die Nägel auf halber Höhe auf und haben dadurch jeweils drei Spitzen. Am Kopfende des Brettes scheint sich ein Holzblock von der Höhe der Nägel zu befinden. Auf dem Block liegt eine zusammengerollte Decke, an welche der Mann mit dem Rücken bis zu den Schulterblättern im 45-Grad-Winkel angelehnt ist. Nur sein Gesäß, ein ausgestrecktes Bein und der Fuß des zweiten, angewinkelten Beines berühren die Nägel. Er hat die Arme vor der Brust verschränkt, die Augen geschlossen, den Kopf senkrecht vorgeneigt und sieht sehr entspannt aus. Sein langer Vollbart reicht über die Brust bis unter die angewinkelten Arme. An Kleidung trägt der Mann nur ein lockeres Tuch im Lendenbereich, das kaum die Scham bedeckt. Etwas ist um seinen Kopf gewickelt, eventuell ein Tuch, eine Kordel oder Haarstränge, die seine langen Haupthaare zusammenhalten. Ein dünnes Band hängt über seinem rechten Arm. Das Bild ist ein altes Foto in Sepia, eine Außenaufnahme, in Kopfhöhe des liegenden Mannes von der Seite aus fotografiert. Der Hintergrund ist eintönig leer und unscharf. Zu erkennen ist Sandboden und in zehn Metern Entfernung eine hohe Mauer mit einem Baumstamm davor.
Dieser indische Yogi entspricht der allgemeinen Vorstellung von einem Fakir.
Foto: Ein Fakir in Benares, Herbert Ponting, 1907

Als Fakir (von arabisch فقير, DMG faqīr ‚arm‘; die Betonung kann sowohl auf der ersten als auch auf der zweiten Silbe liegen) wird heute ein Anhänger des islamischen Sufismus, also ein Derwisch bezeichnet. Er wird auch für heimat- und besitzlos umherwandernde indische Asketen verwendet und für Sadhus, die ihre teilweise bizarren Künste vor Publikum demonstrieren.

Ursprünglich kommt der Begriff Faqīr aus dem Arabischen und hat dort die Bedeutung von „arm, bedürftig“. In dieser Bedeutung kommt der Begriff auch zwölf Mal im Koran vor. Ein weiteres arabisches Wort für „arm“ ist Miskīn. Der Rechtsgelehrte Dschābir ibn Zaid meinte, dass der Unterschied zwischen beiden Begriffen darin besteht, dass der Faqīr nicht bettelt, während der Miskīn das sehr wohl tut.[1]

Einerseits sind viele Fakire Mitglieder religiöser, besonders islamischer Orden, die durch lange Übung besondere psychische und physische Zustände wie z. B. eine Katalepsie hervorbringen können. Andererseits nutzen viele Gaukler den Aberglauben und die Sensationslust der Bevölkerung, um sich als Fakir mit angeblichen „Wundern“ und „Zaubertricks“ den Lebensunterhalt zu verdienen.

In Europa bekannt wurden Fakire durch das Fakirbrett respektive Fakirbett, eine Liegestatt aus großen Zimmermannsnägeln. Das große Erstaunen der Bevölkerung, wenn sich der Fakir ohne Verletzung von diesem „Bett“ erhob, ist allerdings auf ein einfaches physikalisches Prinzip zurückzuführen, wonach sich die Gesamtgewichtskraft relativ gleichmäßig auf sehr viele Nägel verteilt und eine Wunde daher nahezu ausgeschlossen ist, falls genügend Nägel vorhanden sind und das Gewicht des Fakirs niedrig genug ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Fakir – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Fakire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Yaḥyā M. Bakkūš: Fiqh al-imām Ǧābir Ibn-Zaid. Dār al-Ġarb al-Islāmī, Beirut, 1986. S. 251.