Falschmeldung

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Eine Falschmeldung, auch umgangssprachlich „Zeitungsente“ genannt, ist eine unzutreffende Nachrichtenmeldung. Sie entsteht durch die fehlerhafte oder nachlässige Recherche eines Journalisten oder wird von Journalisten, amtlichen Stellen, Politikern, Unternehmen, Privatpersonen und anderen Informanten absichtlich lanciert. Abzugrenzen sind davon für den Rezipienten in der Regel klar erkennbaren Aprilscherze sowie weitere Nachrichtensatiren. Der Duden definiert Falschmeldung als „Meldung, Nachricht, die nicht dem wirklichen Sachverhalt entspricht, ihm widerspricht.“[1]

Pressekodex und Presserecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Im deutschen journalistischen Ehrenkodex ist die Verpflichtung zur Wahrheit und die besondere Sorgfalt zur Vermeidung falscher oder irreführender Meldungen allgemein anerkannt. Dazu gehört auch die Pflicht, Falschmeldungen zu korrigieren, beispielsweise durch Veröffentlichung einer Berichtigung oder Gegendarstellung in der nächsten Ausgabe der Publikation.

Medienrechtlich besteht zwar oft eine journalistische Sorgfaltspflicht; ein strafbewehrtes allgemeines Verbot von Falschmeldungen besteht dagegen in der Regel genauso wenig wie ein Gesetz gegen die Äußerung von Unwahrheiten außerhalb der Presse. Straftaten, die gegen das Gebot der Wahrhaftigkeit verstoßen (beispielsweise Verleumdung oder Betrug), sind auch in den Massenmedien verboten.

Sobald eine Falschmeldung als solche erkannt wurde, geben Nachrichtenagenturen eine Eilmeldung mit aufklärendem oder korrigierendem Inhalt heraus.

Gegen Falschmeldungen gibt es einen zivilrechtlichen Anspruch auf eine Berichtigung gegen die Publikation, die die unzutreffende Meldung verbreitet hat. Den Anspruch hat derjenige (Person, Unternehmen, Partei, Verein, Organ etc.), der von der nachweislich falschen Meldung betroffen ist und dadurch fortdauernd in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt wird. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Behauptungen hat jedermann ein Recht auf Gegendarstellung. Die Gegendarstellung erscheint zwar ebenfalls im betreffenden Presseorgan, muss aber vom Betroffenen selbst verfasst werden und hat daher in der öffentlichen Wahrnehmung auch nur den Charakter einer Stellungnahme. Zeitungen ergänzen sie beispielsweise manchmal durch den Hinweis, dass sie an ihrer eigenen Darstellung der Fakten festhalten, was bei einer Berichtigung nicht möglich wäre. Die Gegendarstellung muss allerdings an derselben Stelle in der Publikation wie die Falschmeldung und in entsprechender Größe platziert werden (Falschmeldung war auf der Titelseite, somit muss die Gegendarstellung auch auf die Titelseite).

Insbesondere im angelsächsischen Raum werden auch weitaus geringere Vergehen und auch Flüchtigkeitsfehler korrigiert. So soll bei der New York Times die Korrekturspalte zu den meist gelesenen Texten der Zeitung gehören. Ebenso führte der Schweizer Ringier-Verlag eine so genannte „Fairness“-Rubrik ein, in der nach umstrittener Recherche eine Gegenposition dargestellt wird. Kritiker wie der Medienwissenschaftler Michael Haller bemängeln dagegen den deutschen Presserat als intransparent und „zahnlosen Tiger“.[2]

„Fake news“ in Sozialen Netzwerken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als „Fake news“ werden Falschmeldungen bezeichnet, die sich überwiegend im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken verbreiten und die mitunter auch von Journalisten aufgegriffen werden. Als Gründe werden unter anderem schlechte Recherche, Irrtümer und/oder fehlerhafte Darstellung von Zusammenhängen angeführt. Derartige Falschmeldungen können aber auch eine Spielart von Satire sein, wie beispielsweise von Postillion oder The Onion. Insbesondere sind sie ein Aktionsmuster der Kommunikations- und Medienguerilla, in der Journalisten durch gezielte Fakes (wie falsche Webseiten, Pressemitteilungen oder Pressesprecher) zu falscher Berichterstattung verleitet werden sollen. Als bekanntes Beispiel gilt hierfür der sogenannte Dow-Chemical-Hack von The Yes Men 2004.[3]

Andre Wolf, Sprecher von Mimikama sieht Fake news vor allem durch Webseiten verbreitet, „die wie normale Nachrichtenseiten daherkommen, aber ihre Geschichten aus kommerziellem Antrieb frei erfinden.“ Bei klassischen Fake news wie dem Pizzagate gehe es den Betreibern darum, Werbeeinnahmen über Facebook und Google Adsense zu generieren. Ein politischer Hintergrund entstehe „nur dadurch, dass die erfundene Nachricht reale Ängste oder eine tatsächlich vorhandene Wut aufgreift.“ In Deutschland weiter verbreitet seien dagegen ideologisch geprägte Meldungen, sogenannte Hybrid-Fakes, die „eine Kernwahrheit enthalten, die aber manipulativ oder nicht korrekt sind.“ Häufig werden dabei Bilder und Zitate in einen anderen Kontext gebracht und durch Weglassung ein Szenario aufgebaut, welches nicht stimmig ist.[4]

Es gibt Bestrebungen in sozialen Netzwerken Fake news zu verhindern oder zu kennzeichnen.[5] Der Begriff steht eng in Nachbarschaft zu Begriffen wie Hoax oder Scam.[6] Durch den offenen Zugang ist auch Wikipedia in der Vergangenheit häufig durch sogenannten „Vandalismus“ oder Hoaxes Opfer von Falschdarstellungen geworden, die zum Teil in weiteren Medien Resonanz fanden.[7]

Kontroversen in Bezug zum US-Wahlkampf 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 hielten einige Kommentatoren es für problematisch, dass zahlreiche frei erfundene Falschmeldungen (so genannte Fake news) auf Facebook unter den Nutzern verbreitet wurden.[8] Nach einer Studie des Pew Research Centers nutzen 44 % der erwachsenen amerikanischen Bevölkerung Facebook als Nachrichtenquelle.[9] Die Nutzerkonten von angeblichen Nachrichtenredaktionen teilten ihren Lesern auf Facebook etwa mit, dass beispielsweise Papst Franziskus[8] oder die Amischen Gemeinden der USA den Kandidaten und späteren Präsidenten Donald Trump unterstützen würden.[10] Über die demokratische Kandidatin Clinton wurden dagegen zahlreiche Falschmeldungen verbreitet, die sie mit Satanismus, Pädophilie (Pizzagate), Morden und anderen Themen in Verbindung bringen sollten.[11]

Möglich war das, weil das Unternehmen Facebook zwar den Nachrichtenfluss zwischen seinen Nutzern überwacht, aber die Inhalte keiner redaktionellen Kontrolle unterzieht. Verschärfend kam hinzu, dass spektakuläre Falschmeldungen mehr Leser anziehen, was von Facebook automatisch registriert wurde und den Stellenwert der Falschmeldung bei den Nachrichtenvorschlägen für andere Nutzer künstlich erhöhte.[12]

Durch die Ausschüttungen von Werbeeinnahmen an die Urheber populärer Falschmeldungen durch die Netzwerke scheint der überwiegende Teil des Phänomens auf solche Meldungen zurückzuführen zu sein, die von Personen ohne politisches Interesse, allein mit der Absicht Gewinn zu erzielen, verfasst wurden.[13] [14][11] Ähnliche Probleme zeigten sich beim Internetkonzern Google, bei dem Falschmeldungen mit Wahlkampfbezug als empfohlene Nachrichteninhalte angezeigt wurden.[15]

So erfand etwa ein US-Amerikaner in der Endphase des Wahlkampfes im September 2016 eine Meldung, nach der zehntausende zugunsten der Kandidatin Clinton vorausgefüllte Wahlzettel, nebst Wahlurnen, in einem Lagerhaus in Ohio gefunden wurden. Er platzierte die Meldung auf einer eigenen Internetpräsenz, die er zu dem Zweck angemietet und im Stil einer Nachrichtenseite gestaltet hatte und versah die Meldung mit einem Archivfoto, das er über eine Suchmaschine im Internet gefunden hatte. Er erreichte so, dass seine Meldung von rund sechs Millionen Nutzerkonten in Sozialen Netzwerken geteilt wurde, was in kurzer Zeit etwa 5.000 US-Dollar an Werbeeinnahmen generierte.[16]

Die Stadt Veles in Mazedonien erlangte 2016 internationale Bekanntheit, weil Bürger dieser Stadt das Betreiben von Webseiten mit Fake news beim US-Wahlkampf zu einen Geschäft gemacht hatten.[17][18]

Kontroversen in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland sorgte insbesondere der Fall Lisa für diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und Russland, sowie ein gefälschtes Zitat von Renate Künast unter falscher Quellenangabe für juristische Auseinandersetzungen.[19] Beide Fälle stehen stellvertretend[20] im Kontext zur Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015.

Nach den Enthüllungen zur möglichen Rolle von Falschmeldungen im US-Wahlkampf forderten verschiedene Politiker Konsequenzen, sowohl für die Verfasser von Falschmeldungen als auch für die Sozialen Netzwerke, die für ihre Verbreitung sorgten. Deutschlands Justizminister Maas wies darauf hin, dass bei übler Nachrede und Verleumdung einer Person des öffentlichen Lebens bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe drohen. Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlamentes drohte mit einer entsprechenden europäischen Gesetzgebung, sollten die Konzerne die Verbreitung von Falschmeldungen nicht von sich aus stoppen.[21]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hollstein, Hans: Zeitungsenten. Kleine Geschichte der Falschmeldung. Heitere und ernste Spielarten vom Aprilscherz bis zur Desinformation. Stuttgart, 1991. ISBN 3927763020

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Falschmeldung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Falschmeldung in duden.de, abgerufen am 28. Dezember 2016
  2. Wie viel ist eine Rüge wert?, Tagesspiegel vom 13. März 2004
  3. Markus Reuter: Fake-News, Bots und Sockenpuppen – eine Begriffsklärung; netzpolitik.org vom 29. November 2016
  4. Interview mit einem Faktenchecker - Sind Fake News eher rechts als links?, n-tv vom 11. Januar 2016, abgerufen am gleichen Tag
  5. Facebook will Fake-News kennzeichnen, Zeit Online vom 15. Januar 2017, abgerufen am 21. Januar 2017
  6. Facebook In Constant Battle Against Hoaxes, Scams And Fake News, International Business Times vom 30. Januar 2015, abgerufen am 21. Januar 2017
  7. Wikipedia-Gründer will mit Überprüfungssystem Falschmeldungen verhindern, heise online vom 25. Januar 2009, abgerufen am 21. Januar 2017
  8. a b Nick Wingfield, Mike Isaac und Katie Benner: Google and Facebook Take Aim at Fake News Sites, New York Times vom 14. November 2016
  9. Nearly half of U.S. adults get news on Facebook, Pew says, Joseph Lichterman, Niemanlab, 26. Mai 2016
  10. Caitlin Dewey: Facebook fake-news writer: ‘I think Donald Trump is in the White House because of me’, Washington Post vom 17. November 2016
  11. a b Mike McIntire: "How a Putin Fan Overseas Pushed Pro-Trump Propaganda to Americans" New York Times vom 17. Dezember 2016
  12. How can Facebook fix its fake news problem? BBC vom 14. November 2016
  13. Westfalenpost: Fake-News aus Mazedonien – Veles ist die Heimat der Lügen
  14. Emma Jane Kirby: "The city getting rich from fake news" BBC vom 5. Dezember 2016
  15. Nick Wingfield, Mike Isaac und Katie Benner: "Google and Facebook Take Aim at Fake News Sites" New York Times vom 14. November 2016
  16. Scott Shane: From Headline to Photograph, a Fake News Masterpiece. New York Times vom 18. Januar 2017
  17. Stadt der Lügner. zeit-online vom 16. Dezember 2016, abgerufen am 28. Dezember 2016
  18. How Facebook powers money machines for obscure political 'news' sites. The Guardian vom 24. August 2016, abgerufen am 28. Dezember 2016
  19. Was sind Fake News?, tagesschau.de, abgerufen am 12. Dezember 2016
  20. Falschmeldungen im Internet: Diese Karte entlarvt Gerüchte über Flüchtlinge, Süddeutsche.de vom 9. Februar 2016
  21. FAZ.net 18. Dezember 2016: Maas fordert härteres Vorgehen gegen „Fake News“