Warburg (Familie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Familie Warburg)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Familie Warburg ist eine deutsch-jüdische Bankiersfamilie. Die Warburgs zogen im 16. Jh. noch unter dem Familiennamen del Banco von Bologna zunächst nach Warburg und im 17. Jh. dann nach Altona a. d. Elbe. Der früheste bekannte Vorfahre war Simon von Cassel, der um 1566 starb. Die Brüder Moses Marcus Warburg und Gerson Warburg gründeten 1798 das bis heute fortbestehende Bankhaus M.M.Warburg & CO. Eric Warburgs Sohn Max Warburg (nicht zu verwechseln mit Max Moritz Warburg (1867–1946)) war bis 2014 Partner von M.M.Warburg & CO. Siegmund George Warburg (ein Ur-Ur-Enkel von Moses Warburg) gründete 1946 in London die Investmentbank S. G. Warburg & Co. Siegmunds Cousin zweiten Grades, Eric Warburg, gründete 1938 in New York Warburg Pincus.

Familienstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alsterufer- und Mittelweg-Zweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie teilt sich traditionell in zwei Zweige, die Alsterufer-Warburgs und die Mittelweg-Warburgs. Die Alsterufer-Warburgs stammen von Siegmund Warburg (1835–1889) ab und die Mittelweg-Warburgs von seinem Bruder Moritz M. Warburg (1838–1910). Diese Namen bezeichnen den Wohnsitz der Familien. Die beiden Brüder Siegmund und Moritz waren Enkel von Moses Marcus Warburg. Siegmund George Warburg stammt aus dem Alsterufer-Zweig; die fünf Warburg-Brüder Abraham (Aby), Max, Paul, Felix und Fritz Moritz Warburg waren die Söhne von Moritz M. Warburg.

Amerikanische und deutsche Warburgs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Mitglied der Familie in den Vereinigten Staaten war Felix M. Warburg. Er war Bankier und Philanthrop; sein Haus in New York City beherbergt heute das Jüdische Museum. Ein weiterer amerikanischer Warburg war Paul Warburg, Vater des US-Notenbank-Systems.

Der deutsche Zweig der Familie umfasst Max Warburg, einen der Gründer der IG Farben. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden alle jüdischen Mitglieder aus dem Vorstand der IG Farben vertrieben. Fast die gesamte Warburg-Familie war bis 1938 in die Vereinigten Staaten oder nach Großbritannien geflohen. Zwei Cousinen jedoch, Mutter und Tochter Gerta und Betty Warburg, blieben bis 1940 in Altona, wurden von den Nazis verhaftet und starben im Vernichtungslager Sobibor.[1] Eric Warburg, Sohn von Max Warburg, kehrte nach Deutschland zurück und nahm großen Einfluss auf die Wiederherstellung von Deutschlands Ruf nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach ihm ist der Eric-M.-Warburg-Preis der Atlantik-Brücke benannt. Erics Sohn, nach seinem Großvater ebenfalls Max genannt, war bis 2014 Partner von M.M.Warburg & CO in Hamburg; seine Tochter Marie ist die zweite Ehefrau des Journalisten Michael Naumann.

Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moses Marcus Warburg (1763–1830), Bankier
  • Gershon Warburg (1765–1826), sein Bruder
  • Moritz Warburg (1810–1886), Jurist, Politiker, 1848–1850 Mitglied der Verfassungsgebenden Versammlung für Schleswig-Holstein
  • Pius Warburg (1816–1900), deutscher Bankier, Kunstsammler und Mäzen
  • Abraham Warburg (1798–1856), Sara Warburg. Kinder u. a.: Siegmund Warburg, Moritz M. Warburg
    • Moritz M. Warburg (1838–1910), Bankier, verheiratet mit Charlotte Esther Oppenheim (1842–1921); Eltern von Abraham M., Max M., Paul M., Felix M., Olga (* 1873), Fritz M. und Louisa (* 1879) Warburg, der dritten Generation nach Moses Marcus Warburg; Moritz M. Warburg ist der Begründer des Mittelweg-Zweiges der Hamburger Familie
      • Abraham Moritz Warburg (1866–1929), Kunsthistoriker, Privatgelehrter, ältester Bruder von Max, Paul, Felix und Fritz Warburg; die vierte Generation/Großenkel von Moses Marcus Warburg (Mittelweg-Zweig). Aby Warburg heiratete Mary, geb. Hertz, eine Künstlerin und Christin.[2] Er war der erste Warburg, der keine Jüdin heiratete. Das Ehepaar hatte drei Kinder:
        • Marietta Braden (* 11. Januar 1899 in Florenz – † 12. Februar 1973 in Hamburg).
        • Max Adolph Warburg (* 10. Juli 1902 in Hamburg – † 22. Oktober 1974 in Epsom)
        • Frede Charlotte Prag (* 23. November 1904 in Hamburg – † 12. Mai 2004 in Oxford).
      • Max Moritz Warburg (1867–1946), Bankier.
      • Paul Moritz Warburg (1868–1932), Schöpfer der US-Notenbank. Heirat 1895 mit Nina Loeb (1870–1945). Sohn: James Paul Warburg (1897–1969), Berater von Franklin Delano Roosevelt* Emil Warburg (1846–1931), Physiker
      • Felix Moritz Warburg (1871–1937), Bankier bei Kuhn, Loeb & Co, New York und Philanthrop. Heirat 1895 mit Frieda Schiff (1875–1958), Sohn: Gerald Warburg, Cellist.
      • Fritz Moritz Warburg (1879–1962) war verheiratet mit Anna Warburg, der Tochter des Bankiers Siegfried Samuel Warburg und dessen Ehefrau Ellen Josephoson. Fritz und Anna Warburg hatte drei Töchter:
    • Siegmund Warburg (1835–1889), Bruder von Moritz M. Warburg (1838–1910) (Begründer des Alsterufer-Zweiges)
      • Abraham S. Warburg, Sohn von Siegmund Warburg
      • Georg Gabriel Warburg (1871–1923), Sohn von Siegmund Warburg, Vater von Siegmund George Warburg
        • Siegmund George Warburg (1902–1982), Gründer der S. G. Warburg & Co., London, Ur-Ur-Enkel von Moses Marcus Warburg (aus dem Alsterufer-Zweig der Warburgs)
  • Otto Warburg (1883–1970), Biochemiker, Arzt und Physiologe
  • Otto Warburg (1859–1938), Agrarbotaniker, Präsident der Zionistischen Weltorgarnisation

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klessmann, Eckart: M. M. Warburg & Co. 1798–1998: Die Geschichte des Bankhauses 2004.
  • Chernow, Ron: The Warburgs: The Twentieth-century Odyssey of a Remarkable Jewish Family. Random House, New York 1993, ISBN 0-679-41823-7.
  • Jacques Attali: A Man of Influence: The Extraordinary Career of S.G. Warburg. Adler & Adler, Bethesda, MD 1985, ISBN 0-917-56136-8.
  • Farrer, David: The Warburgs: The Story of a Family. Stein and Day, New York 1974, ISBN 0-812-81733-8.
  • Rosenbaum, Eduard: M. M. Warburg & Co., Merchant Bankers of Hamburg; A Survey of the First 140 years, 1798 to 1938 1962.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ron Chernow: The Warburgs. New York 1993.
  2. Die Künstlerin und der Gelehrte. ... an das vielseitige Schaffen der Hamburgerin Mary Warburg zu erinnern. Von Bärbel Hedinger, taz, 13. Oktober 2016, S. 17. Ein Werkverzeichnis der Künstlerin ist in Arbeit.
  3. Die älteste Tochter von Max Warburg war seit 1933 aktives Vorstandsmitglied in der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und in der Kinder- und Jugend-Alijah, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Durch die Verhandlungen einer Delegation von 1938 unter Leitung von Chaim Weizmann und ihrer Beteiligung beim britischen Innenministerium gelang es, dass die britische Regierung und das Unterhaus eine unbegrenzte Anzahl von Kindern nach Großbritannien emigrieren ließ. Über 10.000 Menschen konnten so gerettet werden - siehe Kindertransport. Sie war verheiratet mit Rudolf Heinz Erik Leopold Hahn (* 28. März 1897 in Berlin – † 11. Juli 1964 in Oxford), einem Bruder des Pädagogen Kurt Hahn.