Familie in Tieren

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Die Familie in Tieren nach Luitgard Brem-Gräser (1957) ist eine projektive Untersuchungsmethode für Kinder, bei der der Proband seine Familienmitglieder als Tiere zeichnerisch darstellen soll. Die Methode zählt wie der Rorschach-Test zu den projektiven Verfahren. Durch die zeichnerische Anwendung soll es dem Kind leichter fallen, sich rückschlussgebend zu äußern. Kinder können so Konflikte im familiären Zusammenhang darstellen, ohne sich dabei der Sprache zu bedienen. Die Durchführung erfolgt in einer ruhigen Atmosphäre. Die Instruktion lautet, dass das Kind sich seine Familie in Tieren vorstellen und diese Tiere jetzt zeichnen soll.

Die Auswertung erfolgt in „freier“ Interpretation nach tiefenpsychologisch oder systemisch orientierten Kriterien zu bestimmten Gesichtspunkten. Die Autorin selbst gibt hier eine Hilfestellung mit einem Katalog der Tiereigenschaften. Als weiteres Kriterium gilt die Anordnung, Größe und Art der Tiere auf dem Bild:

  • Welche Familienmitglieder werden in der gleichen Ebene gezeichnet?
  • Wer wendet sich wem zu?
  • Wer wendet sich von wem ab?
  • Welche räumlichen Distanzen bestehen zwischen den Familienmitgliedern?
  • Wie groß sind die Tiere dargestellt?
  • Welche Übereinstimmungen bzw. Unterschiede gibt es hinsichtlich der Gattung der gezeichneten Tiere (zum Beispiel Haus- oder Wildtiere, Säugetiere, Insekten etc.)?

Anders als beim Rorschach-Test sind die Zeichnungen nicht zwingend a priori bedeutungslos. Sie werden vom Tester subjektiv bewertet.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Untersuchungen, unter anderem an der Universität Wien, haben ergeben, dass „Familie in Tieren“ keines der gebräuchlichen Gütekriterien (Validität, Reliabilität und Objektivität) erfüllt.[1] Petermann hält die Verwendung von „Familie in Tieren“ daher als Test für nicht verantwortbar und die Verwendung als Explorationshilfe für spekulativ.[2] Auch das Testkuratorium deutscher Psychologenvereinigungen kommt in seiner Rezension von 2014 zu dem Ergebnis, dass "Familie in Tieren" keine der Gütekriterien psychodiagnostischer Verfahren erfüllt und rät davon ab, "aufgrund eines bestimmten Testergebnisses eine bestimmte Entscheidung über das Kind [...] zu treffen."[3]

Ein Mangel des Verfahrens liegt in der offenen Interpretationsmöglichkeit, die eine gute und genaue Anamnese im Vorfeld voraussetzt: Wenn beispielsweise das Kind den Vater als Löwen malt, bleibt vordergründig erst einmal unklar, ob es die Rolle des Vaters positiv (zum Beispiel stark, beschützend) oder negativ (zum Beispiel aggressiv, dominant) empfindet. Außerdem bleibt oft unklar, ob die Zeichnung des Kindes die aktuelle Familiensituation darstellen soll oder die Wunschsituation, so wie sich das Kind die Familie wünscht. Von daher ist es wichtig, mit dem Kind die subjektive Bedeutung der gezeichneten Tiere zu besprechen und die anamnestisch bekannten Daten mit einzubeziehen. Insofern bestätigt dieser Test nur die Tendenzen des Zeichners, die bereits vorher in einer hypothetischen Diagnose erhoben worden und bekannt sind.

Variationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Variationen sind u. a. die Testanordnung Verzauberte Familie von Marta Kos-Robes und Gerd Biermann (Untersuchungen ab 1956) und Zoo-Familien-Spiel der italienischen Kinderpsychotherapeutin Sabina Manes (1993).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luitgard Brem-Gräser: Familie in Tieren – die Familiensituation im Spiegel der Kinderzeichnung. 9. Auflage. Reinhardt-Verlag, München 2006, ISBN 3-497-01887-2.
  • Marta Kos, Gerd Biermann: Die verzauberte Familie, ein tiefenpsychologischer Zeichentest. 5. Auflage. Reinhardt-Verlag, München 2002, ISBN 3-497-01592-X.
  • Sabina Manes: La mamma è una farfalla, papà un delfino. Verlag Arnoldo Mondadori, Milano 1993. (deutsch: Mama ist ein Schmetterling, Papa ein Delphin: Kinderzeichnungen verstehen.) Verlag Piper, München 1998, ISBN 3-492-22558-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. K. D. Kubinger, A. Schrott, P. Maitz: Zur Null-Objektivität, Null-Reliabilität und daher Null-Validität der „Familie in Tieren“.
  2. F. Petermann: Familie in Tieren – Die Familiensituation im Spiegel der Kinderzeichnung. In: Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie. 18, 1–2, 1997, S. 90–92.
  3. F. Baumgärtel, R. Thomas-Langel: TBS-TK Rezension: Familie in Tieren. In: Report Psychologie. 11/12, 2014, S. 453–454.