Fanny Eaton

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Head of a Mulatto Woman, ein Porträt von Fanny Eaton, Ölgemälde von Joanna Mary Boyce
Zeichnung Mrs. Fanny Eaton von Walter Fryer Stocks
The Bride, 1865. Ölgemälde von Dante Gabriel Rosetti

Fanny Eaton (* 23. Juni 1835 in Saint Andrew Parish Jamaika; † 4. März 1924 in Hammersmith England) war ein jamaikanisch-britisches Künstlermodell von Simeon Solomon, Dante Gabriel Rossetti, John Everett Millais, Joanna Mary Boyce, Rebecca Solomon und anderen Präraffaeliten.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eaton wurde als Fanny Antwistle oder Entwhistle von Mathilda Foster geboren, einer ehemaligen Sklavin afrikanischer Abstammung, die auf Plantagen in britischem Besitz gearbeitet hatte. Wahrscheinlich hatte Eaton einen weißen europäischen Vater, möglicherweise den britischen Soldaten James Entwistle (oder Antwistle). Es wurden noch keine wesentlichen Informationen über Eatons Vater gefunden. Der atlantische Sklavenhandel war 1807 abgeschafft worden, aber erst 1834 wurde die Sklaverei in den britischen Kolonien vollständig abgeschafft. Trotz neuer Gesetze blieben viele versklavte Personen weitere sechs Jahre als „Lehrlinge“ an ihre früheren Herren gebunden, bis 1838 weitere Gesetze zur Abschaffung der Lehrlingsklausel verabschiedet wurden und alle ehemaligen Sklaven legal britische Staatsbürger wurden. Alle Kinder wurden als freie Bürger in einer britischen Kolonie geboren.

In den 1840er Jahren kommt Eaton mit ihrer Mutter nach England und arbeitet 1851 in London als Hausangestellte. Als sie volljährig wurde, lebte sie mit dem Pferdekutschenfahrer James Eaton in den Londoner Coram Fields und sie hatten zwischen 1858 und 1879 zehn Kinder zusammen. Ihr Urenkel Brian Eaton vermutet, dass sie nicht verheiratet gewesen waren, da noch nie eine Bescheinigung gefunden worden sei. Der Maler Simeon Solomon lebte mit seiner Familie in der Nähe von ihrem Wohnsitz, wo sie als Putzfrau arbeitete, so dass er sie als Modell entdeckt haben kann. Von 1868 bis 1878 war sie regelmäßig bei der Royal Academy of Arts als Künstlermodell beschäftigt. Aufzeichnungen zeigen, dass ihr im Juli 1860 15 Schilling für drei Sitzungen gezahlt wurden. Sie erschien mit ihrem Gesicht auf zahlreichen präraffaelitischen Zeichnungen und Gemälden von ca. 1859 bis 1867. Sie war für unterschiedliche Themen gefragt, und wahrscheinlich waren die Kinder, die neben ihr auf Gemälden erscheinen, ihre eigenen. 1860 wurde ihr Gesicht in der Akademie Ausstellung der Royal Academy in dem Gemälde von dem neunzehn Jahre alten Simeon Solomon „Die Mutter von Moses“ gezeigt. Das Thema des Bildes stammte aus dem Buch Exodus und zeigt eine Szene familiärer Bindung kurz bevor Mose in einen Korb gelegt wird und den Nil hinaufschwimmen soll. Die Tatsache, dass Eaton gerade ihren Sohn James zur Welt gebracht und eine zweijährige Tochter hatte, kann dieses Gemälde als visuelle Darstellung von Eatons eigener Familie ansehen. Ihr Aussehen machten sie auch zu einem Modell in Bildern von Rossetti, John Everett Millais, Joanna Boyce Wells, Rebecca Solomon und anderen. Auch Zeichnungen von Frederick Sandys identifiziert man als Studien von Eaton, ebenso wie eine Ölstudie des australischen Künstlers Robert Hawker Dowling, der um 1860 in London aktiv war.

Die Präraffaeliten repräsentierten sie als verschiedene exotische Charaktere, als Hebräisch, Orientalisch und Indisch, allerdings hat niemand sie als Jamaikanerin gemalt. Während des Zeitraums, in dem sie für die Präraffaeliten Modell stand, gebar sie fünf Kinder. 1868 hörte sie auf Modell zu stehen und bekam 1871, 1872, 1876 und 1879 weitere Kinder. Nachdem 1881 James Eaton verstorben war, musste sie ihre überlebenden Kinder alleine großziehen und versorgen. Sie lebte seit 1971 als Näherin in Kensington und 1891 war sie Haushälterin in Hammersmith. 1901 war sie Hausköchin bei einem Weinhändler auf der Isle of Wight und 1911 lebte sie mit ihrer Tochter Julia, Julias Ehemann und zwei Kindern in Hammersmith. Sie starb 1924 höchstwahrscheinlich im Haus eines ihrer Kinder. Ihre letzte Ruhestätte war der Markgräfliche Friedhof in Hammersmith. 2018 führte die Zeitung The Voice sie anlässlich des 100. Jahrestages des Frauenwahlrechts auf neben Kathleen Wrasama, Olive Morris, Connie Mark, Diane Abbott, Lilian Bader, Margaret Busby und Mary Seacole als schwarze Frauen, die zur Entwicklung von Großbritannien beigetragen. Von Oktober 2019 bis Januar 2020 war Eaton eine von 12 Frauen, die in der Ausstellung der präraffaelitischen Schwestern in der National Portrait Gallery (London) vertreten waren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roberto C. Ferrari: „Fanny Eaton: The 'Other' Pre-Raphaelite Model“, PRS Review, 2014.
  • Gretchen Holbrook Gerzina: Black Victorians/Black Victoriana, 2003.
  • Jan Marsh: Black Victorians: Black People in British Art 1800–1900, Manchester Art Gallery, 2005.
  • Jan Marsh: 'Pictured at Work: Employment in Art (1800–1900)', Historical Studies in Ethnicity, Migration and Diaspora, Vol. 28, 2010.
  • Pamela Gerrish Nunn, 'Artist and Model: Joanna Mary Boyce’s Mulatto Woman', Journal of Pre-Raphaelite Studies 2, 1993.
  • Judy Raymond: „Fanny Eaton: forgotten beauty'“ in Caribbean Beat, Issue 143, January/February 2017.
  • Shola von Reynolds: 'Fanny Eaton: The Black Pre-Raphaelite Muse that Time Forgot', AnOther Magazine, March 2016.
  • Robinson, Jane, Mary Seacole: The Most Famous Black Woman of the Victorian Age, New York: Carroll & GrafPublishers, 2004.
  • Surtees, Virginia: The Paintings and Drawings oj Dante Gabriel Rossetti (1828–1882): A Catalogue Raisonni, vol. 1, Oxford: Clarendon Press, 1971.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]