Fantaisie-Impromptu

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Hauptmotiv des Fantaisie-Impromptu

Das Fantaisie-Impromptu in cis-Moll, Op. post. 66 ist ein Werk für Klavier Solo Frédéric Chopins aus dem Jahr 1834. Julian Fontana veröffentlichte es 1855 postum.[1] Es gilt als eines der bedeutendsten postum veröffentlichten Stücke Chopins.[1][2]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fantaisie-Impromptu, Op. 66, gespielt von Martha Goldstein auf einem Erard-Klavier aus dem Jahr 1851

Das Werk folgt dem Formschema A-B-A-Coda, wobei die A-Teile schnell und der B-Teil langsam ist, die Coda verbindet am Schluss die Sechzehntel der rechten Hand des A-Teils mit der Hauptmelodie des B-Teils, die dann in der linken Hand erscheint. Bemerkenswert ist, dass im A-Teil die rechte Hand durchgehend Sechzehntelnoten gegen Achtel-Triolen der linken Hand zu spielen hat (siehe Notenwert).

A-Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er beginnt mit einer über zwei Takte gehaltenen Gis-Oktave der linken Hand im Bass im "sforzando", dann nimmt – leiser werdend – die linke Hand die Achtel-Triolenbewegung auf. In Takt 5 setzt das Anfangsmotiv der rechten Hand in Sechzehnteln ein.

B-Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er steht in Des-Dur, der (enharmonisch verwechselten) Varianttonart von cis-Moll, und beginnt mit einer zweitaktigen Einleitung im "Largo", in der die linke Hand über zwei Oktaven den Des-Dur-Akkord in Achtel-Triolen spielt. Dann wechselt die Tempobezeichnung zu "Moderato cantabile" und die rechte Hand beginnt mit der ruhigen in Vierteln und geraden Achtel gestalteten Melodie gegen die in der linken Hand weiterlaufenden Achtel-Triolen.

A-Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der A-Teil wird unverändert und vollständig wiederholt.

Coda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stück endet in einem mehrdeutigen, fantasieartigen Schluss, in dem die linke Hand die ersten Noten des moderato-Teils wiederholt und die rechte Hand Sechzehntelnoten spielt. Der Schlussakkord ist ein Cis-Dur-Akkord.

Ähnlichkeiten mit der „Mondscheinsonate“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einigen Aspekten ähnelt das Stück Beethovens Mondscheinsonate, die ebenfalls in cis-Moll komponiert ist. Zwei Takte, nachdem die Melodie beginnt, kommt es zu einem abrupten Auf- und Absteigen mit exakt den gleichen Noten wie in der Kadenz des dritten Satzes (Presto agitato) jenes Werks. Der Klimax auf einem Quartsextakkord ist ebenfalls bei beiden Stücken ähnlich.[3] Zudem stehen der Mittelteil des Fantaisie-Impromptu und der zweite Satz der Mondscheinsonate in Des-Dur, der erste und dritte Satz jeweils in cis-Moll.

Aufgrund dieser und anderer Gründe schreibt Ernst Oster:

“Chopin understood Beethoven to a degree that no one who has written on the C minor Sonata or the Fantaisie-Impromptu has ever understood him. … The Fantaisie-Impromptu is perhaps the only instance where one genius discloses to us — if only by means of a composition of his own — what he actually hears in the work of another genius.[4]

„Chopin verstand Beethoven so gut wie niemand, der jemals über die Mondscheinsonate oder das Fantaisie-Impromptu geschrieben hat. … Das Fantaisie-Impromptu ist vielleicht der einzige Fall, in dem ein genialer Komponist uns – wenn auch nur mittels eines eigenen Werkes – offenlegt, was er tatsächlich im Werk eines anderen Genies hört.“

Spätere Verwendung der Komposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Melodie des Mittelteils des Stückes wurde im Lied I’m Always Chasing Rainbows verwendet. Zudem ist es in der Folge „Spiele mit dem Feuer“ der Zeichentrickserie Tom und Jerry und im Film Herbststürme zu hören. Auch im Woody-Woodpecker-Kurzfilm „Musical Moments from Chopin“ kommt das Stück vor. Außerdem ist es in verschiedenen Episoden der Fernsehserie Lost zu hören.

Das Motiv wurde in der Variation 10 der Variations sur un thème de Chopin von Federico Mompou zitiert, welches ansonsten auf der Prélude Nr. 7 in A-Dur basiert.

Die Komposition wird auch in Kate Chopins "Das Erwachen" ("The Awakening") im 21. Kapitel erwähnt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b James Huneker: Chopin: The Man and His Music. Charles Scribner’s Sons, New York 1911, S. 241 f. (online [abgerufen am 10. Oktober 2013]).
  2. G. C. Ashton Jonson: A Handbook to Chopin’s Works. W. Reeves, London 1908, S. 268 f. (online [abgerufen am 10. Oktober 2013]).
  3. Ernst Oster: The Fantaisie–Impromptu: A Tribute to Beethoven. In: David Beach (Hrsg.): Aspects of Schenkerian Analysis (= Music). Band 449. Yale University Press, Yale 1983, ISBN 0-300-02800-8, S. 189–207 (online [abgerufen am 10. Oktober 2013]).
  4. Ernst Oster: The Fantaisie–Impromptu: A Tribute to Beethoven. In: David Beach (Hrsg.): Aspects of Schenkerian Analysis (= Music). Band 449. Yale University Press, Yale 1983, ISBN 0-300-02800-8, S. 207 (online [abgerufen am 10. Oktober 2013]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fantaisie-Impromptu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien