Fantasie (Kompositionsform)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Eine Fantasie, auch Phantasie oder itl. Fantasia (lat. phantasia = Gedanke, Einbildung[1]) ist ein Musikstück, das keine feste Form wie etwa die Sonate aufweisst. Durch diese ungebundene Form wird der emotionale und expressive Ausdruck des musikalischen Einfalls betont. Dieser Einfall soll trotz seiner schriftlichen Fixierung den Eindruck von Spontanität vermitteln und daher kann man auch von einer notenschriftlich fixierten Improvisation sprechen.[2] Da der Name Fantasia in der Musik schon im 16. Jh. auftritt und durchgängig bis heute gebraucht wird, kann man keine näher übergreifende Definition geben. Seit dem ausgehenden 18. Jh. ist die Fantsia ein Instrumentalstück für ein Tasteninstrument, das sich im Laufe des 19. Jh. weiterentwickelte. Die Grenzen zu änlichen Stücken wie Impromptu, Étude oder einem Variationensatz sind dabei fließend.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff „Fantasia“ taucht im 16. Jh. erstmals als Titel eines Musikwerkes auf und bezieht sich mehr auf den fantasievollen Umgang mit dem musikalischen Material als auf eine musikalische Gattung. In Deutschland war es vor allem Orgelmusik, aber auch Lautenmusik aus Spanien, Frankreich und Italien. In England wurde etwa von 1573 bis 1680 die Form des Fancy (Fantasy) in der Kammermusik gepflegt. Diese Musik entwickelte sich aus dem instrumentalen Vortrag von Motetten, die imitierend und variierend mit oder ohne Gesangstimme fortgesponnen wurde. Die rein instrumentalen Fancy (Virginalkompositionen) finden sich in Sammlungen wie Fitzwilliam Virginal Book, u.a. von William Byrd. Einen ersten Höhepunkt fand die Entwicklung in Italien mit den Fantasien von Girolamo Frescobaldi und den Kompositionen des Niederländers Jan Pieterszoon Sweelinck um 1610. Da die Imitation ein wesentliches Kompositionswerkzeug war, entstanden zahlreiche Echofantasien.

Im Barock waren Choralfantasien besonders beliebt, dessen bekanntester Vertreter im deutschsprachigen Raum Johann Sebastian Bach ist. Diese Choralfantasien traten auch in Form eines Präludiums, also zum Beispiel als Vorspiel vor Bachs Leipziger Chorälen (Fantasia super: Komm, Heiliger Geist, Herre Gott) oder vor verschiedenen Fugen, oder als Toccata auf. Auch seine Inventionen und Sinfonien bezeichnete Bach in früherer Ausgabe als Fantasia (im Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach).

Sein Sohn, Carl Phillipp Emanuel Bach beschreibt in seinem „Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen“ von 1787, dass das Fantasieren und damit auch die Fantasie zum Spiel eines Tasteninstruments dazugehört: „Wir haben oben ausgeführt, daß ein Clavieriste besonders durch Fantasien, welche nicht in auswendiggelernten Passagien oder gestohlnen Gedanken bestehen, sondern aus einer guten musikalischen Seele herkommen müssen, das sprechende, das hurtig überraschende von einem Affecte zum anderen, alleine vorzüglich vor dem übrigen Ton-Künstlern ausüben kann“.[3]Mit diesem ungebundenen Stil und dem Hang zu Affekten stellt er die Empfindsamkeit in den Vordergrund. Seine Fantasie in fis-Moll H.300 Wq.67 mit dem Untertitel „Carl Philipp Emanuel Bachs Empfindungen“ beginnt gebunden, d.h. mit fester Takteinteilung, aber diese fällt zwischenzeitlich weg, so dass über eine längere Passage kein Taktstrich im Notenbild vorhanden ist.

1802 definiert Heinrich Christoph Koch in seinem „Musikalischen Lexikon“ Fantasien als Musikwerk, welches sich durch die Ausdruckskraft des Komponisten auszeichnet: „Fantasie. So nennet man das dürch Töne ausgedrückte und gleichsam hingeworfene Spiel der sich ganz überlassenen Einbildungs- und Erfindungskraft des Tonkünstlers, oder eine solches Tonstück aus dem Stegreife, bey welchem sich der Spieler weder an Form noch Haupttonart, weder an Beybehaltung eines sich gleichen Zeitmaaßes, noch an Festhaltung eines bestimmten Charakters, bindet, sondern seine Ideenfolge bald in genau zusammenhängenden bald in locker aneinander gereiheten melodischen Sätzen, bald auch nur in nach einander folgenden und auf mancherley Art zergliederten Akkorden, darstellet. Man giebt aber auch den Namen Fantasie wirklichen ausgesetzten Tonstücken, in welchen sich der Komponist weder an eine bestimmte Form, noch an eine ganz genau zusammenhängende Ordnung der Gedankenfolge u.v.gl. bindet, und die daher, weil das durch Genie hervorgebrachte Ideal, durch die weitere Bearbeitung zu einem strenger geordneten Ganzen, nicht das Geringste von seiner ersten Lebhaftigkeit verliert, sehr oft weit hervorstechendere und treffendere Züge enthält, als ein nach Formen und anderen nothwndigen Eigenschaften eines vollendeten Ganzen gearbeitetes Tonstück. Es verhält sich dabey wie mit den Zeichnungen in der Malerey, wo ebenfalls durch die Ausführung und vollendete Darstellung des Gemäldes nicht selten manche feinere Züge des in der Zeichnung noch vorhandenen Ideals verloren gehen.“[4]

Ebenso wie Koch unterscheidet Gustav Schilling in seinem „Lehrbuch der allgemeinen Musikwissenschaft“ von 1840 frei fantasiert bzw. improvisiert und die gebundenen, d.h. schriftlich fixierten Fantasien: „Erhält jener augenblickliche Einfall, jenes momentane Hingeben an die Thätigkeit versetzte Einbildungskraft, in feiner Aeßerung einen mehr lyrischen Schwung, so nennen wir das dadurch entstehende Tonwerk auch wohl Fantasie. Doch muß hier eine sogenannte freie von der gebundenen oder geschriebenen Fantasie unterschieden werden.“[5]Über die Besetzung gibt Schilling folgende Angaben: „Gewöhnlich sind solche gebundene (geschriebene) Fatasien, eben so wie die improvisierten freien, nur für ein Instrument bestimmt, mit oder ohne Begleitung, und je nach ihrer intern und äußern Beschaffenheit auch zu Concertstücken geeignet; doch hat man wohl schon versucht, dergleichen Tonstücke für ein ganzes Orchester, in polyphonischer Form, zu componieren, so sehr weit treffender die Sinfonien an ihrer Stelle stehen und auch nicht durch wenige glückliche Versuche verdrängt werden konnten.“[6]

In der Zeit der Klassik finden sich Beispiele von Fantasien bei Mozart, Schubert, Schumann. Beethoven nannte 1801 die sogenannte Mondscheinsonate „Sonata quasi una Fantasia“. Sie ist Julie Guicciardi gewidmet, in die Beethoven verliebt war und von der er träumte sie zu heiraten.[7] Hier bezieht sich die Betitelung Fantasia auch wieder auf die Expressivität der Gefühle und auf eine traumhafte Vorstellung. Diese Vorstellung wird in der Zeit der Romantik geteilt.

Eine andere Art der Fantasie gewinnt vor allem im 19. Jh. an Bedeutung in Form von Paraphrasen, beispielsweise von Liszt oder Thalberg. Sie dienten in Zeiten, in denen Musik noch nicht technisch reproduzierbar war, aber doch häufig in bürgerlichen Familien ein Klavier vorhanden war, dazu Musik hauptsächlich aus Opern einem größeren Publikum jenseits der Opernbühne bekannt zu machen.

An die Tradition, dass bei der Fantasia das poetische Moment die Form bestimmt knüpfe u.a. Frédéric Chopin mit seinem Fantaisie-Impromptu op. 66 von 1834 an.

Anfang des 20. Jh. setzten sich Max Reger und Ferruccio Busoni sich in ihren Fantasien mit Bach künstlerisch auseinander. Abgesehen von der Orgelmusik wird aber der Titel Fantasie im 20. Jh. immer seltener.

Beispiele[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.frag-caesar.de/lateinwoerterbuch/fantasia-uebersetzung.html
  2. Art. Fantasie, in: Der Brockhaus Musik, 2. Auflage Mannheim 2001, S.210.
  3. Carl Phillip Emanuel Bach, Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen, Leipzig 1787, S.92.
  4. Heinrich Christoph Koch, Art. „Fantasie“, in: ders. „Musikalisches Lexikon“, Frankfurt am Main 1802, Sp. 554-555.
  5. Gustav Schilling, Art. „Fantasie“, ders., Lehrbuch der allgemeinen Musikwissenschaft, Karlsruhe 1840, S.550-551.
  6. Ebenda, S.552.
  7. http://www.beethoven-haus-bonn.de/sixcms/detail.php?id=15112&template=werkseite_digitales_archiv_de&_eid=1502&_ug=Werke%20f%C3%BCr%20Klavier%20zu%202%20H%C3%A4nden&_werkid=27&_mid=Werke%20Ludwig%20van%20Beethovens&suchparameter=&_seite=1
  8. https://plus.google.com/110490032635816551757/posts/gmr8vhD7iYo