Farbe bekennen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Farbe bekennen ist eine deutsche Redensart und bedeutet so viel wie: sich zu einer Sache bekennen oder seine Meinung offen sagen. Der Ausdruck kommt aus dem Bereich des Kartenspiels und ist seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich.

Nutzung im Kartenspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In verschiedenen Kartenspielen, zum Beispiel Doppelkopf oder Skat, müssen beim Anspielen einer Karte die Mitspieler eine Karte der gleichen Farbe spielen („bedienen“) oder diese mit einem Trumpf stechen. Die Mitspieler müssen also bekennen, ob sie diese Farbe auf der Hand haben oder nicht.[1]

In einer Patience wird die Bezeichnung gewählt, wenn auf einer Grund- oder Hilfskarte die gleiche Kartenfarbe beibehalten wird.[1]

Literarische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farbe bekennen, so lautete der Buchtitel, in dem laut May Ayim erstmals „deutsche Frauen afrikanischer Herkunft“ 1986 „generationsübergreifend ihre Geschichte und Gegenwart in der deutschen Gesellschaft dokumentierten“. Die Redaktionstreffen zu dem Buch und die Reaktionen des Buches führte zur Gründung zahlreicher Selbstorganisationen „Schwarze deutscher“ Frauen und Männer. Farbe bekennen war laut May Ayim „der erste Schritt zur Gründung der Initiative Schwarze Deutsche (ISD) in Berlin und der Gruppe Afro-deutsche Frauen (ADEFRA) in München. Seit 1986 entstanden weitere Schwarze deutsche Gruppen in West- und Ostdeutschland, teilweise waren es regionale Untergruppen der ISD und ADEFRA. Beide Organisationen richten sich inzwischen auch an Schwarze Menschen in Deutschland und beziehen diese mit ein.“ Gegenüber der bis dahin dominierenden Fremddefinition wurden anhand des Buches Selbstdarstellungen formuliert. So heißt es in der Selbstdarstellungsbroschüre der Initiative Schwarze Deutsche (ISD) u. a.: „Unsere Definition beschränkt sich übrigens nicht auf die Hautfarbe, sondern schließt alle von Rassismus betroffenen Minderheiten ein. Mit Begriffen wie Schwarze Deutsche und Afro-Deutsche als Ausdruck unserer multikulturellen Herkunft bestimmen wir uns selbst, statt bestimmt zu werden.“[2] Vergleichbar dazu lautete die Selbstdefinition in Farbe bekennen:

Mit dem Begriff afro-deutsch kann und soll es nicht um Abgrenzung nach Herkunft und Hautfarbe gehen, wissen wir doch allzu gut, was es heißt, unter Ausgrenzung zu leiden. Vielmehr wollen wir afro-deutsch den herkömmlichen Behelfsbezeichnungen wie Mischling, Mulatte oder Farbige entgegensetzen, als einen Versuch, uns selbst zu bestimmen, statt bestimmt zu werden.[3]

ARD-Sendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ARD-Sendung farbe bekennen ist eine Interviewreihe, die als Sondersendung zu wichtigen politischen, aber auch wirtschaftlichen Themen konzipiert ist. Sie wird gelegentlich in das Das Erste-Programm eingeschoben (Beispiel: Nominierung von Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD). Die Moderation erfolgt von der Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios Tina Hassel und ARD-Chefredakteur Rainald Becker.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katharina Oguntoye, May Opitz (May Ayim), Dagmar Schultz (Hrsg.): Farbe Bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. 4. Auflage. Berlin 2016, ISBN 978-3-944666-20-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Farbe bekennen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b „Patience-Wörterbuch.“ In: Vojtech Omasta: Patience. Neue und alte Spiele. Slovart-Verlag, 1985, S. 11.
  2. Zitate nach: May Ayim: Die afro-deutsche Minderheit. In: Susan Arndt (Hrsg.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland. Unrast Verlag, Münster 2001, ISBN 3-89771-407-8.
  3. K. Oguntoye, M. Opitz (Ayim), D. Schultz (Hrsg.): Farbe Bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Berlin 1986, S. 10.