Farhud

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Mit Farhud (arabisch الفرهود, DMG al-Farhūd) „gewalttätige Enteignung“ wird ein Pogrom an der jüdischen Bevölkerung von Bagdad im Irak vom 1. bis 2. Juni 1941 bezeichnet.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massengrab von Farhud-Opfer, 1941

Im April 1941 erfolgte von arabischen Nationalisten unter Raschid Ali al-Gailani mit Beteiligung des deutschen Diplomaten Fritz Grobba ein Militärputsch gegen den pro-britischen König Faisal II. Nachdem Bagdad am 31. Mai 1941 vor den Briten kapitulierte, kam es an den beiden Folgetagen zum Pogrom an der jüdischen Bevölkerung.

Am 1. Juni 1941 wagte sich während des Schawuotfestes zum ersten Mal seit Wochen eine Gruppe von Juden nach draußen, um den zurückkehrenden pro-britischen Regenten zu begrüßen. Nach den Monaten der Angst hofften sie wieder auf Sicherheit. Ein arabischer Mob verletzte über 1.000 Menschen, jüdische Frauen wurden von Gruppen vergewaltigt und verstümmelt. Die genaue Zahl der Getöteten ist nicht bekannt, es wird von mindestens 180 ermordeten Juden ausgegangen, manchen Quellen geben aus bis zu 600 an.

Jüdische Geschäfte und Häuser wurden ausgeraubt und angezündet. Eine Synagoge wurde eingenommen und die Tora-Rollen wurden verbrannt. Die Leichen wurden in einem Massengrab verscharrt. Im Bericht eines von der irakischen Regierung ernannten Untersuchungsausschuss wurde der Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini als einer der Urheber des Pogroms benannt.[1]

Die Ausschreitungen dauerten bis zum 2. Juni an. [2]

Etwa 300 bis 400 nicht-jüdische Aufständische wurden in dem Versuch, die Gewalt zu unterdrücken, ebenfalls getötet.[3]

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal in Ramat Gan für die Opfer des Pogroms

Der Pogrom markierte den endgültigen Bruch zwischen Juden und Arabern im Irak und bereitete den Weg für das Ende der 2600 Jahre alten jüdischen Gemeinschaft nur zehn Jahre später. Die Juden erkannten dass sie niemals ein fester Bestandteil eines unabhängigen Iraks werden würden und verließen nach der Gründung des Staates Israel aus Angst vor einem zweiten Farhud ihr Heimatland.

Zum Gedenken wurde am 1. Juni 2015 von den Vereinten Nationen der 1. Juni als Internationaler Farhud-Tag ausgerufen​.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daphne Tsimhoni: Farhud, in: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 2, Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, S. 324–327

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zvi Elpeleg: The Grand Mufti. Haj Amin al-Hussaini, Founder of the Palestinian National Movement. Frank Cass, London 1993, ISBN 0-7146-4100-6. S. 62.
  2. Botschaft in Berlin, abgerufen am 23. November 2017
  3. Martin Gilbert. The atlas of Jewish history, William Morrow and Company, 1993. pg. 114. ISBN 0-688-12264-7.
  4. Botschaft in Berlin, abgerufen am 23. November 2017