Faserzement

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Dach mit älterer Asbestfaserzement-Deckung
Haus mit Faserzement-Fassadenverkleidung in Norwegen
Dach mit Wellplatten

Faserzement ist ein beständiger Verbundwerkstoff aus Zement und zugfesten Fasern, der für Bau- und Konstruktionsprodukte verwendet wird. Er wird größtenteils unter dem Markennamen Eternit hergestellt und vertrieben. Für gewölbte Faserzementplatten (Dachwellplatten[1]) wird umgangssprachlich häufig der Begriff Wellasbest verwendet.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Faserarmierte Zementprodukte wurden Ende des 19. Jahrhunderts durch den Österreicher Ludwig Hatschek entwickelt, der 90 % Zement und 10 % Asbestfasern mit Wasser mischte und das Produkt durch eine Papiermaschine führte. Hatschek patentierte den Produktionsprozess und registrierte das Warenzeichen Eternit. Aufgrund des hohen Asbestanteils wurde der Zement auch Asbestzement genannt.

Faserzement wurde wegen seiner niedrigen Kosten, Feuerbeständigkeit, des geringen Gewichts und anderer Eigenschaften häufig zur Fassadenverkleidung eingesetzt. Von den 1960er Jahren bis in die 1980er Jahre waren Faserzementplatten ein bevorzugtes Baumaterial, um Fachwerkhäusern ein vermeintlich moderneres Äußeres zu geben.

Faserzement und Asbest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem im 20. Jahrhundert Asbest zunehmend als gesundheitsschädlich erkannt worden ist, wurde die Verarbeitung der Fasern Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts in Europa, Japan, Saudi-Arabien, großen Teilen Lateinamerikas, Malaysia, Neuseeland, Australien und Vietnam untersagt, da bei der Herstellung, Bearbeitung und bei der Zersetzung alternder Materialien die lungengängigen Asbestfasern freigesetzt werden können. Im Faserzement wurde Asbest in diesen Ländern durch andere Fasern, z. B. alkalibeständige (AR) Glas-, Kohlenstoff-, wasserunlösliche Polyvinylalkohol- und Homopolyacrylnitrilfasern (Rein-PAN) ersetzt.[4]

Eternit-Prozess in Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2009 bis 2012 wurde in Turin der sogenannte Eternit-Prozess verhandelt. Angeklagt waren zwei Unternehmer, der Schweizer Stephan Schmidheiny und der belgische Baron Jean-Louis de Cartier de Marchienne. Beide wurden im Februar 2012, in Abwesenheit, zu je 16 Jahren Haft verurteilt. Sie wurden für schuldig befunden, für eine Umweltkatastrophe und den Asbesttod von rund 3000 Menschen mitverantwortlich zu sein, weil sie in der Fabrik Eternit S.p.A. in Casale Monferrato im Zeitraum 1966 bis 1986 Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen und Informationen über die Gesundheitsgefahren durch Asbest unterdrückt hatten.[5][6][7] Stephan Schmidheiny ließ daraufhin durch seinen Sprecher Peter Schürmann in einer Medienmitteilung ankündigen, das Urteil anzufechten und an die nächsthöhere Instanz weiterzuziehen.[8] Im November 2014 hob das italienische Kassationsgericht die Schuldsprüche wegen Verjährung auf.[9]

Herstellung und Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zement ist eine Substanz, die mit Wasser chemisch reagiert und sich zu einem harten Material entwickelt (Zementstein). Faserzement enthält eine Faserarmierung, welche die Biege-, Zug- und Bruchfestigkeit des Materials verbessert. Faserzement besteht nach einer Erhärtungszeit von 28 Tagen volumenmäßig aus rund:[10]

  • 40 % Bindemittel
  • 11 % Zusatzstoffe
  • 2 % Armierungsfasern
  • 5 % Prozessfasern
  • 12 % Wasser
  • 30 % Luft (Poren)

Die Dichte beträgt 1600…1850 kg/m3[11].

Die Prozessfasern sind aus Zellstoff und Altpapier. Sie dienen dazu, die pulvrigen Bestandteile während der Herstellung mit Wasser zu einem Brei zu binden (Verdickungsmittel). Wasser kann dann in der Abtropfphase nach der Formgebung abfließen. Im Gegensatz zu den Armierungsfasern haben sie keine Bedeutung für die Festigkeit des Faserzementes.[12]

Faserzement ist langlebig, nicht brennbar, hagelsicher und weist ein verhältnismäßig geringes Gewicht auf. Die Herstellung hat einen geringen Energiebedarf, was ihm eine gute CO₂-Bilanz einbringt.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Werkstoff wird in allen Baubereichen u.a. für Konstruktionsteile für den Innenausbau, Fassadenverkleidungen, Dachdeckungen (z. B. Wellplatten), Wasserrohre, Blumenkästen, Fensterbänke und Gartenmöbel.[13] In den 1960er Jahren wurden ganze Häuser aus Faserzement-Materialien hergestellt.

Im Innenausbau wird das Material z.B. in Nassräumen, für Lüftungsrohre, für Feuerschutzverkleidungen und Trennwände verwendet. Im Außenbereich fertigt man daraus Fassadenbekleidungen, Dachtraufen, Dacheindeckungen (u. a. Kunstschiefer) und Unterdachkonstruktionen

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Liste der wichtigsten Hersteller von Faserzement, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

  • AMROC Baustoffe GmbH (Zementgebundene Holzspanplatten)
  • Cembrit
  • Etex Group (Belgische Holdinggesellschaft von Jean-Louis de Cartier de Marchienne)
    • Eternit AG (Deutscher Eternit-Lizenznehmer, Unternehmen der Etex Group)
  • Swisspearl Group AG (Schweizer Zementkomposit Holding von Bernhard Alpstaeg, Teil der Swisspor Gruppe) mit Niederlassung in Deutschland (FibreCem Deutschland GmbH) und Vertriebstöchtern in Schweden, Norwegen, Dänemark und Italien sowie:
  • James Hardie Bauprodukte GmbH
  • Müller Aluminium GmbH
  • Toschi GmbH & Co KG
  • Landini S.p.A. (Italien)
  • LTM (ТД ЛТМ, Russland, ehemals finnisch)
  • Otto-Wolff-Konzern
  • SVK (Belgien)
  • Fassadendesign-hm2

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan R. Krause: Faserzement. Technologie und Entwurf. Birkhäuser, Basel 2007, ISBN 978-3-7643-7590-4.
  • Hünerberg, Kurt: Handbuch für Asbestzementrohre. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 1968

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Faserzement – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Asbest – UmweltWissen – Bayerisches Landesamt für Umwelt (PDF, 670 KiB)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dachwellplatten. In: www.lfu.bayern.de. Bayerisches Landesam für Umweltschutz, abgerufen am 5. September 2015.
  2. Wellasbest. In: www.bsr.de. Berliner Stadtreinigungsbetriebe, abgerufen am 5. September 2015.
  3. Wellasbest Sanieren und Entsorgung. In: www.darnieder.de. Darnieder GmbH & Co. KG, abgerufen am 5. September 2015.
  4. Walter Loy: Chemiefasern für technische Textilprodukte. 2., grundlegende überarbeitet und erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86641-197-5, S.S. 96, S. 93, S. 70, S. 83.
  5. Asbest-Prozess in Italien – "Nun sind alle krank", Der Spiegel, 10. Dezember 2009
  6. Schmidheiny fürchtet unausgewogenes Verfahren – Nebenkläger bei Prozess um Asbestopfer in Turin zugelassen, NZZ, 1. März 2010
  7. Je 16 Jahre Haft für Schmidheiny und de Cartier, nachrichten.ch, 13. Februar 2012
  8. 16 Jahre Gefängnis: Schmidheiny zieht Urteil weiter. Handelszeitung, 13. Februar 2012, abgerufen am 25. Dezember 2013.
  9. Eternit-Prozess: Freispruch für Stephan Schmidheiny. NZZ, 19. November 2014, abgerufen am 21. November 2014.
  10. Werkstoff Faserzement. Eternit (Schweiz) AG, abgerufen am 25. Dezember 2013.
  11. http://www.eternit.de/downloads/downloads/dl/file/id/268/sdb_faserzement_fassadentafel.pdf Sicherheitsdatenblatt der Fa. Eternit AG, abgerufen am 15. Oktober 2017
  12. Günter Schnegelsberg: Handbuch der Faser – Theorie und Systematik der Faser. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main, 1999, ISBN 3-87150-624-9, S. 592.
  13. Produkte + Lösungen. Eternit (Schweiz) AG, abgerufen am 25. Dezember 2013.