Fasil Ghebbi
| Fasil Ghebbi in der Region Gondar | |
|---|---|
| UNESCO-Welterbe | |
| Palast des Fasilides | |
| Vertragsstaat(en): | |
| Typ: | Kultur |
| Kriterien: | (ii)(iii) |
| Referenz-Nr.: | 19 |
| UNESCO-Region: | Afrika |
| Geschichte der Einschreibung | |
| Einschreibung: | 1979 (Sitzung 3) |
Fasil Ghebbi (amharisch ፋሲል ግቢ ‚Fasil-Bezirk‘) ist eine Festungsstadt in Gonder in der Region Amhara in Äthiopien. 1979 wurde die Festungsstadt zusammen mit sieben weiteren Komponenten unter den Kriterien (ii) und (iii) in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.[1]
Über zwei Jahrhunderte, von 1636 bis 1855, war die Stadt Residenz und Hauptstadt der äthiopischen Kaiser, begründet unter Fasilides. Seine Nachfolger bauten Stadt und Palast weiter aus.[2][3]
Die Festungsstadt liegt im Zentrum der rund 2133 m hoch gelegenen Stadt Gonder[4] und ist von einer 900 m langen Festungsmauer mit zwölf Toren und drei Brücken umgeben, innerhalb derer sich auf etwa 70.000 m² Paläste, Kirchen, Klöster und weitere öffentliche sowie private Gebäude befinden.[1][4]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kaiser Fasilides machte Gonder 1636 zur dauerhaften Hauptstadt; zuvor waren die äthiopischen Herrscher mit ihrem Hoflager umhergezogen.[2] Die Festungsstadt wurde unter seinen Nachfolgern im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert ausgebaut.[1]
1704 wurde der Iyasu-Palast durch ein Erdbeben teilweise beschädigt.[4] Ab 1769, mit Beginn der Zemene Mesafint, verloren die in Gonder residierenden Kaiser ihre politische Macht und wurden zu Repräsentationsfiguren, während Regionalfürsten um die Vorherrschaft kämpften.[5] Die Stadt blieb jedoch Sitz des Kaiserhofs und nominell Hauptstadt.
Gonder verlor 1855 unter Kaiser Tewodros II. seine Funktion als Hauptstadt Äthiopiens[3] und wurde im Januar 1888 bei einem Angriff mahdistischer Truppen zerstört.[6] Von 1936 bis 1941 gehörte Gonder zu Italienisch-Ostafrika. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Festungsstadt im Verlauf des Ostafrikafeldzugs durch britische Bombardements getroffen, wobei das Erdgeschoss des Iyasu-Palasts einstürzte.[4] Am 27. November 1941 kapitulierten in der Schlacht von Gondar die letzten italienischen Truppen Ostafrikas. Mit dem Fall Gondars endete die italienische Kolonialherrschaft in Ostafrika.[7]
Architektur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bauwerke der Festungsstadt wurden in Bruchsteinmauerwerk mit Kalkmörtel errichtet.[4] Ihre Architektur zeigt nubische, indische und arabische Einflüsse. Später kamen durch jesuitische Missionare vermittelte Elemente des Barock hinzu.[1][4] Der zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Gonder entstandene gondarinische Stil prägte die äthiopische Baukunst für mehr als zwei Jahrhunderte. Die UNESCO beschreibt die Hauptburg mit ihren hohen Türmen und Zinnenmauern als „ein Stück mittelalterlichen Europas, versetzt nach Äthiopien“.[1]
Welterbe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1979 nahm das Welterbekomitee der UNESCO die Stätte auf seiner dritten Sitzung unter den Kriterien (ii) und (iii) in die Liste des Weltkulturerbes auf. Die UNESCO begründete die Einschreibung damit, dass die Anlagen ein außergewöhnliches Zeugnis der äthiopischen Zivilisation im Hochland nördlich des Tanasees vom 16. bis zum 18. Jahrhundert seien (Kriterium iii) und dass der gondarinische Stil die Entwicklung der äthiopischen Architektur über mehr als 200 Jahre maßgeblich beeinflusst habe (Kriterium ii).[1]
Bestandteile der Welterbestätte
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Die Welterbestätte ist eine serielle Stätte aus acht Komponenten.[1] Der Komplex historischer Bauten der Festungsstadt Fasil Ghebbi innerhalb der Festungsmauer besteht aus:
- dem zuerst errichteten Palast des Fasilides,
- der Kanzlei und der Bibliothek seines Sohnes Yohannes I. (Herrscher von 1667 bis 1682),
- dem Palast des Iyasu I. (Negus von 1682 bis 1706), Sohn des Yohannes,
- dem Palast Davids III., der von 1716 bis 1721 regierte,
- dem Bankettsaal des Asma Sagad, eines Halbbruders Davids III., dem er von 1721 bis 1730 nachfolgte,
- dem Schloss der Mentewab, der Gattin Asma Sagads,
- sowie drei Kirchen: Asasame Qeddus Mikael, Elfign Giyorgis und Gemjabet Mariyam.
Die übrigen sieben Komponenten liegen in und um Gonder: das Kloster und die Kirche Debre Berhan Selassie, das Bad des Fasilides, Kiddush Yohannes, das Kloster und die Kirche von Qusquam, ein Thermalgebiet, Sosinios (auch Maryam Ghemb) sowie das Kloster und die Kirche von Gorgora mit dem Palast von Guzara, dessen Ursprung bereits Kaiser Sarsa Dengel zugeschrieben wird, während der heutige Bau aus der Zeit von Sissinios und Fasilides stammt.[1][8] Das Bad des Fasilides hat bis heute eine religiöse Funktion: Alljährlich am 19. Januar (in Schaltjahren am 20.) wird das Becken zum Fest Timkat, der äthiopisch-orthodoxen Feier der Taufe Christi, mit Wasser gefüllt. Nach der Weihe des Wassers baden darin die Gläubigen.[9] Das Fest wurde 2019 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.[10]
- Palast von Iyasu I.
- Bibliothek von Yohannes I.
- Schloss der Kaiserin Mentewab
- Bankettsaal des Asma Sagad
Erhaltung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen 1930 und 1936 wurden an den Baudenkmälern Restaurierungseingriffe mit Zement und Stahlbeton vorgenommen, die die ursprüngliche Bausubstanz beeinträchtigten. Bei Restaurierungsarbeiten der UNESCO in den 1970er Jahren wurden diese Materialien wieder durch die ursprünglichen Kalkmörtelmischungen ersetzt. Seit 1990 laufen weitere umfangreiche Konservierungsprogramme.[1] Eine 2020 veröffentlichte bautechnische Untersuchung des Fasilides-Palasts stellte schwere strukturelle Schäden fest, die auf Klima- und Witterungseinflüsse, Wurzelbewuchs in den Mauern und menschliche Einwirkung zurückgeführt werden. Besonders gefährdete Bauteile waren zum Zeitpunkt der Untersuchung durch Ausfugungen und Stützgerüste gesichert.[4]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- LaVerle B. Berry: Architecture and Kingship: The Significance of Gondar-Style Architecture. In: Northeast African Studies. Band 2, Nr. 3, 1995, ISSN 0740-9133, S. 7–19, JSTOR:41931110.
- LaVerle B. Berry: Gondär-style architecture. In: Siegbert Uhlig (Hrsg.): Encyclopaedia Aethiopica. Band 2: D–Ha. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05238-4, S. 843–845 (englisch, archive.org).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
- Fasil Ghebbi – Gondar – 3D-Dokumentation des Zamani-Projektes mit Modellen und 360-Grad-Panoramen der Bauwerke (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
- 1 2 Fasil Ghebbi – Gondar. In: Zamani Project. Abgerufen am 14. August 2026 (englisch).
- 1 2 Gonder. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 14. August 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 5 6 7 Eskinder Desta Shumuye, Gashaw Assefa Bezabih: Durability Issue for the Emperor Fasiladas Royal Palace in Gondar (Ethiopia). In: Kary Thanapalan (Hrsg.): Engineering Failure Analysis. IntechOpen, 2020, ISBN 978-1-78985-945-4, doi:10.5772/intechopen.88248 (intechopen.com [abgerufen am 14. August 2026]).
- ↑ Mulatu Wubneh: Governance and Administrative Structure of Gondar City. In: Planning for Cities in Crisis. Springer International Publishing, Cham 2022, ISBN 978-3-031-18415-4, S. 155–189, doi:10.1007/978-3-031-18416-1_6 (springer.com [abgerufen am 16. August 2026]).
- ↑ Iris Seri-Hersch: 'Transborder' Exchanges of People, Things and Representations: Revisiting the Conflict between Mahdist Sudan and Christian Ethiopia, 1885–1889. In: International Journal of African Historical Studies. Band 43, Nr. 1, 2010, S. 11–12 (hal.science [abgerufen am 15. August 2026]).
- ↑ How Italy Was Defeated In East Africa In 1941 During WW2. In: Imperial War Museum. Abgerufen am 14. August 2026 (englisch).
- ↑ Guzara castle and Dabsan's “house of the patriarch”. In: The Indigenous & The Foreign. The Jesuit Presence in 17th Century Ethiopia. Abgerufen am 15. August 2026 (englisch, Ausstellungskatalog).
- ↑ Bad des Fasilidas. In: Äthiopien Reisen & Informationsportal. Abgerufen am 16. August 2026.
- ↑ UNESCO Message on Ethiopian Timkat. UNESCO, 18. Februar 2022, abgerufen am 16. August 2026 (englisch).
Koordinaten: 12° 36′ 29″ N, 37° 28′ 11″ O