Fast Fashion

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Fast Fashion bezeichnet ein Geschäftsmodell des Textilhandels, bei dem die Kollektion laufend geändert und die Zeit von den neuesten Designs der Modeschöpfer zur Massenware in den Filialen stark verkürzt wird. Die stetige Veränderung des Sortiments und eine verkürzte Haltbarkeitsdauer der verwendeten Materialien soll die Kunden dazu bewegen, die Verkaufsflächen immer wieder aufzusuchen. Durch Auswerten von Abverkaufsdaten und schneller Reaktion auf diese (Quick Response) kann der Umsatz weiter erhöht werden. Dies stellt Warenwirtschaftssysteme vor Herausforderungen, die von größeren Unternehmen wie Inditex oder H&M jedoch bereits gemeistert werden.[1] Zu den bekanntesten Anbietern von „Fast Fashion“ werden oft Textil-Discounter wie beispielsweise H&M, Primark und KiK gezählt.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnehmerinnen der Fridays For Future Demonstration in Berlin 2019 halten ein Plakat mit der Aufschrift: "For Fair Fashion Fuck Fast Fashion".

Der Begriff „Fast Fashion“ soll neben den verkürzten Lieferzeiten auch auf die mangelnde Qualität und der damit verbundenen kurzen Haltbarkeitsdauer der zumeist billig hergestellten Kleidungsstücke hinweisen.

Laut Greenpeace verursacht die Fast Fashion Bewegung einen hohen Ressourcenverbrauch, schwierige Arbeitsbedingungen sowie erhöhte Umweltverschmutzung aufgrund der Produktion in Niedriglohnländern.[2]

Neben einer Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer hat auch die Verwendung von Polyester als günstige synthetische Chemiefaser einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, um die Herstellungskosten von Kleidungsstücken drastisch zu senken.[3] Für das Jahr 2018 wurde ein Faseranteil für die deutsche Textilindustrie von 71 % Chemiefaser sowie 29 % Naturfaser prognostiziert.[4]

Eine Überproduktion von Textilien, die Auswirkungen auf die Umwelt sowie sozialverträgliche Aspekte mit Blick auf die textile Wertschöpfungskette sind demnach als Kritik an Fast Fashion zu äußern.

Zusammengefasst können diese Aspekte in die folgenden Bereiche unterteilt werden:[5]

Ökologische Faktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Studien warnen vor den Folgen von „Fast Fashion“. Einer Untersuchung der britischen Ellen-MacArthur-Stiftung ist die gesamte Textilindustrie für einen Großteil des CO2-Ausstoßes verantwortlich.[6] Laut Greenpeace verursache die Herstellung von Kleidung derzeit mehr Emissionen wie beispielsweise CO2 als die Seeschifffahrt und die weltweite Luftfahrt zusammen.

Darüber hinaus kann laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ein weltweiter Anteil von Mikroplastik in den Meeren in Höhe von 35 % auf Fast Fashion zurückgeführt werden. Grund hierfür ist die Verwendung von Polyester als günstige Faser bei der Produktion von Textilien. Beim Waschen löst sich das Mikroplastik und gelangt durch häusliches und industrielles Abwasser in die Gewässer.[7]

Viskosefaser, der "Lieblingsstoff der Fast-Fashion-Hersteller",[8] wird aus Holz gewonnen – durch den Einsatz von giftigem Schwefelkohlenstoff. Der Arbeitsmediziner Paul Blanc von der University of California San Francisco stuft die Vermarktung von Viskose als umweltfreundliche Alternative dementsprechend als Greenwashing ein.[9]

Aber auch der konventionelle Anbau von Naturfaser sorgt für eine erhebliche Umweltbelastung. Der Anbau von konventioneller Baumwolle etwa erfordert einen signifikanten Einsatz von Insektiziden sowie Pestiziden.[10]

Sozialkritische Faktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Einsturz des Rana Plaza im Jahr 2013 wurden die Missstände in der textilen Wertschöpfungskette großer Fast Fashion Unternehmen aufgedeckt. Trotz zahlreicher Verpflichtungen von Staat und Wirtschaft finden sich auch heute noch in Niedriglohnländern erhebliche Unterschiede zwischen sogenannten existenzsichernden Löhnen und tatsächlich bezahlten Löhnen.[11] Zudem ist der Arbeitsalltag von Arbeitern in Asien geprägt von Unterdrückung und ungleicher Behandlung. Die Nichtregierungsorganisation "Kampagne für Saubere Kleidung" kritisiert, dass die Corona-Pandemie als Vorwand genommen werde, um Gewerkschaftsmitarbeiter aus den Firmen zu verbannen.[12] Ebenfalls im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie riefen die Arbeitsbedingungen in Textilfabriken in Leicester mediale Aufmerksamkeit[13] hervor – die dort Beschäftigten hatten laut eines Berichts von "Labour behind the Label" unter anderem Kleidung für die Marke Boohoo genäht, wobei sie weit unter Mindestlohn bezahlt wurden und sich aufgrund fehlender Hygienemaßnahmen massenhaft mit SARS-CoV-2 infizierten.[14]

Ökonomische Faktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem Bericht aus 2012 kaufe jeder deutsche Bundesbürger im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr mit einer deutlich kürzeren Verwendungsdauer.[15] FairWertung, ein Dachverband für gemeinnützige Altkleidersammler in Deutschland, betrachtet Fast Fashion als zunehmendes Problem.[16] Aufgrund der grünstigen Preise und dem schnellen Wechsel der Kollektionen nehme die Tragedauer von Textilien ab: Wurde ein Kleidungsstück im Jahr 2000 noch etwa 200 Mal getragen, waren es in 2015 nur noch 163 Mal. Entsprechend werden Textilien schneller wieder aussortiert. Aufgrund der schlechten Verarbeitung eignen sich jedoch immer mehr Kleidungsstücke nicht dafür, in Secondhandläden weiterverkauft zu werden. Laut FairWertung müssen 10 Prozent der Altkleider aus den Sammlungen kostenpflichtig entsorgt werden, weitere 40 Prozent werden zu Putzlappen für die Industrie, Malervlies und Dämmstoffe weiterverarbeitet. Bedingt durch die COVID-19-Pandemie nahm die Menge an gespendeten Altkleidern derartig zu[17] dass der Dachverband im Januar 2021 dazu aufrief, möglichst keine Textilien mehr abzugeben.[18] "Die Mengen sind am Markt so groß, und die Qualität so schlecht, dass der Preis im Keller ist, und wir Sammler, auch gemeinnützige Sammler, an der Wirtschaftslichkeitsschwelle stehen", wurde Thomas Ahlmann, dem Geschäftsführer von Fairwertung, in den Medien zitiert. Das weltweite Überangebot habe den Preis für alte Bekleidung um 75 Prozent sinken lassen.[19]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The True Cost, Dokumentarfilm von 2015 – USA. Regie: Andrew Morgan. Produzent: Michael Ross
  • Fast Fashion – Die dunkle Welt der Billigmode, Dokumentarfilm von 2020 – Frankreich. Regie: Edouard Perrin, Gilles Bovon. Produzent: Premiere Ligne

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dana Thomas: Fashionopolis: The Price of Fast Fashion and the Future of Clothes. Apollo, London 2019, ISBN 978-1-78954-606-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerrit Heinemann, Kathrin Haug, Mathias Gehrckens und dgroup (Hrsg.): Digitalisierung des Handels mit ePace: Innovative E-Commerce-Geschäftsmodelle und digitale Zeitvorteile. Springer Gabler, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-01299-1, doi:10.1007/978-3-658-01300-4.
  2. Fast Fashion vs. Grüne Mode Greenpeace.de
  3. Konsumkollaps Fast Fashion. Abgerufen am 18. September 2020.
  4. Jahresprognose weltweite Faserproduktion 2018. Abgerufen am 18. September 2020 (deutsch).
  5. Julian: Der ultimative Fast Fashion Check: 57 Fakten über die Folgen der Textilindustrie. In: Fairlier. 7. September 2020, abgerufen am 18. September 2020 (deutsch).
  6. Nachhaltigkeit: Was blenden wir aus?Schlimmer als Kreuzfahrten: Mode-Wahnsinn zerstört Umwelt – wie wir das ändern focus.de
  7. Mikroplastik aus Textilien. Abgerufen am 18. September 2020.
  8. Edouard Perrin: Fast Fashion - Die dunkle Welt der Billigmode. In: https://www.arte.tv/de/videos/089135-000-A/fast-fashion-die-dunkle-welt-der-billigmode/. Arte, abgerufen am 11. April 2021.
  9. CBC (Hrsg.): Why rayon is killing industry workers: author Paul Blanc | CBC Radio. (cbc.ca [abgerufen am 11. April 2021]).
  10. Systemadmin_Umwelt: Textilindustrie. 29. Januar 2013, abgerufen am 18. September 2020.
  11. Dhaka_Living_Wage_Benchmark_Report. Abgerufen am 18. September 2020.
  12. Live-blog: How the Coronavirus affects garment workers in supply chains. Abgerufen am 18. September 2020 (englisch).
  13. Bettina Schulz: Hotspot im Sweatshop. Die Zeit, 8. Juli 2020, abgerufen am 11. April 2021.
  14. Report: Boohoo & COVID-19: The people behind the profit. In: Labour Behind the Label. 30. Juni 2020, abgerufen am 11. April 2021 (britisches Englisch).
  15. Christliche Initiative Romero e.V: Faltblatt: #Modesünde Fast Fashion. In: Christliche Initiative Romero e.V. (CIR). Abgerufen am 18. September 2020 (deutsch).
  16. Fast-Fashion wird immer mehr zum Problem! In: Altkleiderspenden.de. Dachverband FairWertung, 3. Februar 2020, abgerufen am 25. April 2021 (deutsch).
  17. Nora Stoewer: Die Altkleider-Flut. In: www.ndr.de. NDR, 12. April 2021, abgerufen am 25. April 2021.
  18. Pressemeldung: Appell an Kleiderspender in der Corona-Krise. FairWertung, 20. Januar 2021, abgerufen am 25. April 2021.
  19. Corona-Krise befeuert Altkleiderflut. In: MDR.DE. MDR, 13. Januar 2021, abgerufen am 25. April 2021.