Fatih Zingal

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Fatih Zingal (* 27. Mai 1979 in Solingen) ist ein deutscher Rechtsanwalt und Politiker türkischer Herkunft. Er befasst sich insbesondere mit den Themen Außenpolitik[1], Rassismus, Islamfeindlichkeit[2][3][4] und politische Partizipation von Migranten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fatih Zingal wurde 1979 im bergischen Solingen geboren und absolvierte im Jahr 1998 sein Abitur. Danach studierte er von 1998 bis 2004 an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Rechtswissenschaften. Er erhielt ein Stipendium der Eheleute Carl-Ruß-Stiftung. In seiner Jugend prägte ihn vor allem der Mordanschlag von Solingen im Jahr 1993, wo fünf Angehörige der Familie Genç, mit der Zingal gut befreundet ist, dem Anschlag zum Opfer fielen.

Zingal war von 2001 bis 2011 Mitglied der SPD. Während dieser Zeit hatte er verschiedene Funktionen innerhalb der Partei inne. Unter anderem war er stellvertretender Vorsitzender der Jusos in Solingen. Der maßgebende Punkt, der zu seinem Austritt aus der Partei geführt hat, war der Umgang der SPD mit Thilo Sarrazin.[5] Er war kommunalpolitisch in Solingen aktiv, u. a. wurde er Ende 2004 zum stellvertretenden Vorsitzenden des Zuwanderer- und Integrationsrates der Stadt Solingen gewählt[6] und war Mitglied im Bündnis für Toleranz und Zivilcourage.[7] Die Stadt Solingen erhielt den Integrationspreis des Bundesinnenministeriums und der Bertelsmann Stiftung.[8]

Zingal erlangte Bekanntheit durch seine Auftritte in TV-Sendungen im deutschsprachigen Raum (u. a. Anne Will, Maybrit Illner, Hart aber fair, Rundschau (SRF)).[9][10][11][12] Ende 2013 war er bei dem Gründungsprozess der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) Solingen beteiligt und war dort bis zu den türkischen Parlamentswahlen 2015 der stellvertretende Vorsitzende. Unmittelbar nach der Parlamentswahl in der Türkei 2015 ist er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Europazentrale der UETD, die Lobby-Organisation der türkischen Regierungspartei AKP, berufen worden und war der Leiter des Kompetenzzentrums Politik. Im Jahr darauf wurde er zusätzlich Sprecher der Organisation. Seine Ämter in der UETD endeten mit Ablauf der ordentlichen Amtszeit im Mai 2018 nach der Generalversammlung in Bosnien, auf der die UETD in Union Internationaler Demokraten (UID) umbenannt wurde.[13]

Position[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Sendung bei Maybrit Illner über die Armenier Resolution 2016 des Bundestages vertrat er den Standpunkt, dass nicht Politiker oder Parlamente entscheiden können, ob die Ereignisse von 1915 in Anatolien ein Völkermord waren, sondern Geschichtswissenschaftler und Juristen. Der Begriff Völkermord sei ein juristischer Begriff und dieser Begriff setze eine systematische Vernichtungsabsicht voraus und genau diese Frage müsse von einer unparteiischen Historiker-Kommission untersucht werden.[14]

Des Weiteren vertritt Fatih Zingal die Position, dass hinter dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei eine sich seit Jahren gebildete parallele Staatsstruktur stecken würde. Als Beleg hierfür führte er unter anderem die Beschlagnahme des Buchs Die Armee des Imams des investigativen Journalisten Ahmet Şık auf, welches vor der Erscheinung von Mitgliedern der Gülen-Bewegung, die Staatsbedienstete waren, kassiert wurde. Das Buch galt als das gefährlichste Buch des Landes, da es die Parallelstrukturen der Gülen-Bewegung im Staat offenlegte.[15]

Nach dem Urteil im NSU-Prozess erklärte Fatih Zingal der Huffington Post: „Ich glaube, der Eindruck, dass nicht vollständig alles aufgeklärt worden ist, was Hintermänner, V-Leute und institutionellen Rassismus betrifft, ist das, was von diesem Prozess in Erinnerung bleiben wird. Genau das ist das Hauptgefühl, das in der deutsch-türkischen Community herrscht.“[16]

Nach dem Rücktritt Mesut Özils aus der deutschen Nationalmannschaft reagierte Zingal mit Solidarität mit Özil und Kritik gegen den DFB-Chef Reinhard Grindel und vertrat die Auffassung, dass der „latente Rassismus“ in Deutschland durch das Erdogan-Foto und die damit verbundene Debatte zutage getreten sei.[17]

Stellung zur PKK[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oft kritisiert Fatih Zingal die Untätigkeit und Passivität der deutschen Behörden gegenüber der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und deren Nachfolgeorganisationen. Er verurteilt vor allem die jährlich stattfindenden Zilan-Frauenfestivals,[18][19] die den Namen der PKK-Selbstmordattentäterin Zeynep Kınacı tragen.[20]

Vortragstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fatih Zingal hält im deutschsprachigen Raum zahlreiche Vorträge zu Themen der internationalen Politik, deutsch-türkischen Beziehungen, Rassismus, Islamophobie, Flüchtlingsfragen und politischen Partizipation von Migranten.[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aussetzen? - „Wir haben jahrelang frustriert in der Eingangshalle Europas gewartet“. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 12. September 2018]).
  2. Fatih Zingal. Abgerufen am 12. September 2018.
  3. Fatih Zingal. Abgerufen am 12. September 2018.
  4. „Kopftuchbescheinigung“ gefordert: Stadt Pforzheim löst Kopftuch-Streit aus – Nachrichten aus Pforzheim bei PZ-news.de | Pforzheimer Zeitung – Pforzheimer Zeitung. (pz-news.de [abgerufen am 12. September 2018]).
  5. Fatih Zingal Rücktritt SPD. In: Solinger-Tageblatt.de. 2. Mai 2011, abgerufen am 12. September 2018.
  6. Protokoll über die 1. Sitzung des Zuwanderer- und Integrationsrates. (PDF) In: Solingen.de. 21. Dezember 2004, abgerufen am 12. September 2018.
  7. Erfahrungsbericht an das Innenministerium Nordrhein-Westfalen Durchführung der Experimente nach § 126 GO – Zuwanderer- und Integrationsrat der Stadt Solingen. (PDF) In: Solingen.de. 15. August 2007, abgerufen am 12. September 2018.
  8. Solingen, Stadt – Familieninfo – Solingen international – FindCity. Abgerufen am 12. September 2018.
  9. Hans Hütt: TV-Kritik: Anne Will: Nur einer feiert den Sieg der Demokratie. In: FAZ.net. 18. Juli 2016, abgerufen am 1. November 2019.
  10. Frankfurter Rundschau: „Maybrit Illner – Erdogans Zorn“: Türkisch-deutscher Anwalt findet „Nazi-Vergleiche unzulässig“. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 12. September 2018]).
  11. Hier Freiheit leben, dort Erdogan wählen – wie passt das … | Hart aber fair. Abgerufen am 12. September 2018.
  12. SBB, Kurdenvertreibung, Fatih Zingal, Gemeindefusionen. Schweizer Radio und Fernsehen SRF, 14. Dezember 2016, abgerufen am 12. September 2018 (Schweizer Hochdeutsch).
  13. Presseerklaerung der UID zu ihren Vorstandswahlen und ihrer Umbenennung. In: uetd.org. Abgerufen am 12. September 2018.
  14. TerraVeri: Fatih Zingal bei Maybrit Illner. 4. Juni 2016, abgerufen am 12. September 2018.
  15. Mustafa Celik: Shortcut: Fatih Zingal bei Anne Will 17 07 2016 Putschversuch in der Türkei. 19. Juli 2016, abgerufen am 12. September 2018.
  16. NSU-Prozess: Das sagen Türken und Kurden nach dem Urteil. In: HuffPost Deutschland. 11. Juli 2018 (huffingtonpost.de [abgerufen am 12. September 2018]).
  17. Stefan Prinz: Solinger haben Verständnis für Mesut Özil. In: Solinger-Tageblatt.de. 23. Juli 2018, abgerufen am 12. September 2018.
  18. Zweierlei Maß für Auftritte von Politikern aus der Türkei. In: DailySabah. (dailysabah.com [abgerufen am 12. September 2018]).
  19. Fatih Zingal. Abgerufen am 12. September 2018.
  20. Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2014. S. 128 (verfassungsschutz.de [PDF; 4,1 MB; abgerufen am 1. November 2019]).
  21. UETD-Sprecher Fatih Zingal hält Vortrag in Dortmund – mehr Teilnehmer als bei SPD-Spitze Schulz erwartet. In: DailySabah. (dailysabah.com [abgerufen am 12. September 2018]).