Faurndau

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Faurndau
Wappen von Faurndau vor der Eingemeindung
Koordinaten: 48° 42′ 30″ N, 9° 37′ 3″ O
Höhe: 302 m ü. NN
Fläche: 6,61 km²
Einwohner: 7417 (31. Okt. 2007)
Bevölkerungsdichte: 1.122 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 73035
Vorwahl: 07161
Karte
Lage von Faurndau in der Stadt Göppingen
Spätromanische Stiftskirche in Faurndau

Faurndau [ˈfaʊ̯ɐndaʊ̯] (302 m ü. NN) ist ein Stadtbezirk im Westen von Göppingen im Bundesland Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Faurndau liegt im Tal der unteren Fils, der hier von rechts und Nordosten der Marbach zuläuft. Die Stadtteilgemarkung erstreckt sich von beidseits des unteren Marbachs über fünf Kilometer weit über das Tal des Flusses und seines linken Zuflusses Pfuhlbach hinweg nach Südwesten auf größtenteils unbesiedelte Flur, während es quer dazu oft nicht einmal anderthalb Kilometer breit ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologisch sind Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit, der späten Bronzezeit sowie aus römischer Zeit belegt.[1]

An der Mündung des von Süden kommenden Brunnenbachs in die Fils entstand nahe einer Furt im 9. Jahrhundert ein kleines Kloster. Im Jahre 875 übertrug König Ludwig der Deutsche seinem Hofdiakon Liutbrand das Kloster Furentouua zusammen mit der Kirche in Brenz an der Brenz. 895 befanden sich beide Güter im Besitz des Reichsklosters St. Gallen, in dem Liutbrand Aufnahme gefunden hatte. Bis zur Stauferzeit gibt es keine schriftlichen Quellen über Faurndau. 1956 durchgeführte Grabungen zeigten, dass der heutigen, um 1220 fertiggestellten spätromanischen Stiftskirche vier Bauperioden vorausgingen.[2]

1228 setzt die schriftliche Überlieferung wieder ein, als durch St. Gallen die Regeln des Faurndauer Chorherrenstiftes, in dem zu diesem Zeitpunkt acht Kanoniker Dienst taten, neu gefasst wurden. Da die Staufer zum Zeitpunkt des Baus der Stiftskirche im Besitz der Vogteirechte über das Kloster St. Gallen waren und dieses auf Grund seiner nachgewiesenen schlechten wirtschaftlichen Lage kaum in der Lage zu einem derartigen Neubau gewesen war, muss an eine unmittelbare Beteiligung durch die Staufer gedacht werden. Eine mittelbare Beteiligung lässt sich anhand der staufischen Ministerialen von Rechberg und von Staufeneck nachweisen, die im Besitz der Vogtei über Faurndau waren.[2]

Im 15./16. Jahrhundert wurden die Grafen bzw. Herzöge von Württemberg Ortsherren von Faurndau. 1536 wurde mit Einführung der Reformation das zuletzt noch von vier Chorherren besetzte Stift geschlossen.[2]

Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage setzte die Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert ein (Papierfabrik, Schuhfabrik Salamander, Kleemann). Am 1. Januar 1975 wurde der Ort gegen die mehrheitliche Entscheidung der Einwohner im Zuge der Gemeindereform nach Göppingen eingemeindet.[3] Eine Klage gegen die Eingemeindung scheiterte. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Ort stark gewachsen (Neubaugebiete Haier, Reute sowie auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik), jedoch ist die Industrie abgewandert.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Faurndau – die erste Nennung im Jahre 875 n. Chr. lautet Furentouua – ist besonders interessant für die Namenforschung, da er sowohl für Ortsnamen als auch phonetisch sehr ungewöhnlich erscheint. Hatte die ältere Forschung eine Ableitung aus dem lateinischen Feronia dea in Erwägung gezogen, so gilt der Name nach neuen Forschungen als ein Ereignisname, der auf die nicht seltenen Überschwemmungen der Fils hinweist. Abgeleitet aus althochdeutsch (ir)furen (zerstören, berauben) und ouwa (Talaue) bedeutet der Name also „Siedlung am zerstörerischen Fluss“.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Faurndau hat einen Bezirksbeirat mit zwölf Mitgliedern und zehn Stellvertretern. Dieser wird vom Gemeinderat Göppingen bestellt. Vorsitzender ist der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till, Stellvertreter die Bezirksamtsleiterin Stephanie Müller.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: Unter goldenem, mit einer liegenden schwarzen Hirschstange belegten Schildhaupt in Grün ein goldener Pfahl.

Um für die notwendigen Dienstsiegel ein Wappen zu haben, nahm die Gemeinde 1935 das heutige, von der Archivdirektion vorgeschlagene, Wappen an. Die Zugehörigkeit zu Württemberg wird mit der Hirschstange bezeugt. Der grüne Schildgrund verweist auf das Namensende „-au“ des Ortes, während der Pfahl lediglich der Aufgliederung des Wappenschildes dient. Eine ursprünglich vorgeschlagene Blume als Verweis auf das Namensende wurde vom Gemeinderat abgelehnt.

Die Flagge ist Gelb-Grün.

Das Wappen wurde am 12. Juli 1937 durch Reichsstatthalter Murr, die Flagge am 4. Mai 1956 durch das Innenministerium Baden-Württemberg, offiziell verliehen.[4]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Faurndau existiert ein Haltepunkt der Filstalbahn. Hier halten stündlich Regionalbahnen in Richtung Geislingen/Ulm und Plochingen/Stuttgart. Zum Fahrplanwechsel der Bahn am 13. Dezember 2008 wurde Faurndau planmäßiger Regionalexpress-Halt.

Von 1912 bis 1994 gab es mit dem Bahnhof Faurndau Nord eine Haltestelle an der Hohenstaufenbahn, die zwischen Göppingen und Schwäbisch Gmünd verkehrte. Der Personenverkehr wurde jedoch 1984 eingestellt. Die Gleise wurden 2005 abgebaut, die Trasse ist aber laut Regionalverkehrsplan der Region Stuttgart für den Schienenverkehr frei zu halten und wird heute als Radweg genutzt.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlich von Faurndau führt die B 10 in Richtung Stuttgart bzw. Ulm vorbei (mit zwei Anschlussstellen). Seit Freigabe der Anschlussstelle der B 10 am Berufsschulzentrum führt die B 297 von Kirchheim(Teck)/Uhingen in Richtung Lorch nicht mehr durch den Ort, sondern umgeht ihn im Osten.

Fahrradwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richtung Schwäbisch Gmünd verläuft auf der Trasse der ehemaligen Hohenstaufenbahn ein gut ausgebauter Radweg, welcher in Faurndau beginnt. Der Alb-Neckar-Radweg erreicht Faurndau als Fernradweg. Er führt von Ulm nach Heilbronn.

Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Faurndau gibt es fünf Kindergärten, eine Grundschule, eine Waldorfschule und eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Dieser grenzte bis in die 1990er Jahre ein Hallenbad an.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt ein Bezirksamt mit Notariat und die Freiwillige Feuerwehr Faurndau. Läden für den täglichen Bedarf sind vorhanden, ebenso Apotheken und Ärzte. Einen Sauerwasserbrunnen soll es in Zukunft wieder geben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Stiftskirche in ihrer heutigen, spätromanischen Form wurde von etwa 1200 bis 1220 auf den Fundamenten von vier Vorgängerbauten als dreischiffige, flachgedeckte Pfeilerbasilika errichtet. Sowohl der Ostgiebel als auch die Kapitelle im Inneren sind mit abwechslungsreichem Skulpturenschmuck ausgestattet. Ältester Teil ist im Osten der rippengewölbte Chor mit einer Hauptapsis und zwei Nebenapsiden, von denen die südliche später dem spätgotischen Sakristei-Anbau weichen musste. Das ursprünglich zweitürmig, dann eintürmig geplante Westwerk wurde zunächst ohne Turm fertiggestellt. Dieser wurde erst 1341 errichtet und erhielt Mitte des 15. Jahrhunderts im oberen Bereich seine heutige Gestalt. Etwa gleichzeitig erfolgte auf der Südseite des Chors der Einbruch eines gotischen Fensters. Der Hauptzugang im Westen ist ein dreifach gestuftes Säulenportal. Durch dieses betritt man den Vorraum mit seinem achtteiligen Gewölbe, dessen Bau Kenntnisse westfranzösischer Architektur des ausgehenden 12. Jahrhunderts voraussetzte. Einzelne Säulen des Vorraums tragen frühgotische Kelchknospenkapitelle, die zu den frühesten dieser Art gehören.[2] Die frühgotischen Wandmalereien im Chorraum stammen aus der Zeit um 1300. In den Gewölbekappen sind die vier Evangelistensymbole zu erkennen. Von Christus in der Mandorla in der Apsiskalotte sind nur noch Reste erhalten. Auf den seitlichen Wandflächen wird aus dem Leben Marias erzählt: im Norden Joachim und Anna sowie die Verkündigung am Ansatz der Apsis, im Süden steht Maria mit dem Spruchband: ECCE ANCILLA DMI (siehe, ich bin die Magd des Herrn), die Heiligen Drei Könige und darunter die Krönung Mariens. Die Kirche ist seit 1977 eine herausragende Sehenswürdigkeit an der Straße der Staufer.[5]
Alter Farrenstall
  • Alter Farrenstall
  • Altes Rathaus
  • Hauptgebäude der ehemaligen Salamander Schuhfabrik (heute T-Systems)
  • Etwa ein Kilometer Luftlinie entfernt befindet sich Schloss Filseck auf markanter Anhöhe an der südlichen Hangkante des Filstales (Gemarkung Uhingen).

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekanntester Sportverein in Faurndau ist der 1922 gegründete FV Vorwärts Faurndau mit den Abteilungen Fußball (Männer und Frauen), Aerobic, Frauen-Gymnastik sowie einer Freizeit-Gruppe. Die Fußballerinnen spielen 2008/09 in der Oberliga Baden-Württemberg.

Der Tennisclub Faurndau wurde 1972 gegründet und hat mehrere Mannschaften in Verbandsrunden gemeldet.

Die FrameBreakers Faurndau unterhalten eine Mountainbikestrecke am Kühberg.

Ältester Verein ist der Turnverein Faurndau 1883, der mit 18 Abteilungen, unter anderem mit Turnen, Leichtathletik, Volleyball, Ringen und Nordic Walking ein vielfältiges Sportprogramm anbietet und mit etwa 900 Mitgliedern als größter Sportverein vor Ort gilt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bedeutendsten Unternehmen sind:

  • Deutsche Telekom AG (T-Systems) – Computerzentrum
  • Antriebssysteme Faurndau GmbH (Elektromotoren)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Amos (1814–1890), 45 Jahre Bürgermeister von Faurndau
  • Arnold Dannenmann (1907–1993), evangelischer Theologe und Gründer des CJD
  • Andreas Uebele (* 1960), Grafikdesigner, Hochschullehrer in Düsseldorf

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Klumbach: Bruchstücke eines römischen Helmes von Faurndau (Kr. Göppingen). In: Fundberichte aus Schwaben N. F. 14, 1957, S. 107–112.
  • Lutz Reichardt, Ortsnamenbuch des Kreises Göppingen. Veröff. Komm. gesch. Landeskunde in Baden-Württemberg B, 112. Stuttgart: Kohlhammer 1989, S. 74ff.
  • Rainer Schreg: Christianisierung im Filstal. In: Anton Hegele (Hrsg.): Geppo. Krieger, Bauer, Siedlungsgründer? Stadtarchiv, Göppingen 2003. S. 60–69. ISBN 3-933844-45-2.
  • Walter Ziegler: Faurndau 875–1975. Weg und Schicksal einer Gemeinde. Gemeindeverwaltung, Faurndau 1975.
  • Reinhard Hootz (Herausgeber): Bildhandbuch der Kunstdenkmäler: Baden-Württemberg. Deutscher Kunstverlag München-Berlin 1977, S.  385, ISBN 3-422-00350-9.
  • Walter Ziegler: Stiftskirche Faurndau, Schnell, Kunstführer Nr. 1105 Verlag Schnell & Steiner München und Zürich 1990.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. Schreg: Faurndau – vor 875. Archaeologik 11. August 2015 basierend auf einem Vortrag zur 1125-Jahr-Feier im Jahre 2000: Vortrag zur Frühgeschichte Faurndaus anläßlich der 1125 Jahr-Feier, 2000
  2. a b c d Walter Ziegler (Hrsg.): Stauferstätten im Stauferland. Stuttgart/Aalen 1977, ISBN 978-3-8062-0160-4, Nr. 6.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 462.
  4. Eberhard Gönner und Heinz Baruda: „Wappenbuch des Landkreises Göppingen“, Herausgegeben vom Landkreis Göppingen und der Archivdirektion Stuttgart, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1966.
  5. Straße der Staufer auf stauferstelen.de. Abgerufen am 10. Juli 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Faurndau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Faurndau von Schloss Filseck aus gesehen