Faust (Rockoper)

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Faust – Die Rockoper
Musicaldaten
Titel: Faust – Die Rockoper
Originalsprache: Deutsch
Musik: Rudolf Volz
Literarische Vorlage: Johann Wolfgang von Goethe
Uraufführung: 27. September 1997
Ort der Uraufführung: Kornhaus, Ulm
Spieldauer: 2:50 Std. incl. einer 30-min. Pause
Ort und Zeit der Handlung: Himmel, Studierzimmer, Auerbachs Keller, Hexenküche, Gretchens Stube, Marthens Garten, Brocken, Kerker
Rollen/Personen
  • Heinrich Faust
  • Mephistopheles (Mephisto)
  • Gretchen
  • Gretchens Mutter
  • Marthe Schwerdtlein (Nachbarin)
  • Erdgeist
  • Wagner (Famulus)
  • Hexe
  • Goethe (Theaterdirektor, Erzähler)
  • Domina
  • Ensemble (Teufelinnen, Mönche etc.)

Faust I – Die Rockoper ist eine Rockoper von Rudolf Volz nach Faust (Der Tragödie erster Teil) von Johann Wolfgang von Goethe. Libretto, Musik und Inszenierung stammen aus der Feder von Volz. Mitkomponisten und Arrangeure sind Michael Wagner, Uwe Rodi, Matthias Kohl und Uwe Rublack.

Die Uraufführung fand am 27. September 1997 in Ulm statt. Gleichzeitig erschien die erste CD.[1][2][3][4]

Mit knapp 800 Aufführungen ist die Rockoper die weltweit meistgespielte Bühnenfassung von Goethes Faust. Die Oper Margarethe von Gonoud kann zwar auf mehr Aufführungen verweisen, hat jedoch keinen Bezug zu den Texten und nur einen groben Bezug zum Handlungsfaden von Goethes Werk.[5]

Zu diesem Bühnenwerk gibt es eine konsequente Fortsetzung Faust II – Die Rockoper.

Die Rockoper ist nicht zu verwechseln mit der in 2020 entstandenen Produktion „Faust 'n' Roll“, Rocktheater nach Goethe, welche nicht nur Originaltexte von Goethe verwendet.

Stilistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden ausschließlich Originaltexte von Goethe verwendet. Die einzigen Stilmittel sind Repetition und Streichung von Originaltexten. Dementsprechend ist das Libretto eine Bearbeitung von dem Originalwerk von Goethe. Diese Rockoper ist nicht nur ein Konzeptalbum, sondern hat eine theatralische Umsetzung in Form eines Rock-Spektakels, eine Kombination von klassischer deutscher Literatur mit Rockmusik im Stil der 1970er Jahre.[6]

Der Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski äußerte in einem Interview: „Der Faust-Stoff hat seine Ursprünge im Marionetten-Spiel, das war zu jener Zeit die Rockoper. Gefreut hat mich vor allem die Texttreue zur Goethe-Version“.[7]

Prägenden Einfluss hatten die Werke Tommy von The Who und The Wall von Pink Floyd. Die Idee zur Rockoper Faust entstand im Jahr 1995 bei einem Theaterstück zu Steppenwolf von Hermann Hesse, welches viele Parallelfiguren zu Goethes Faust hat.[8][9]

Songtitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Spielhälfte

  1. Tierischer als jedes Tier (Szene: „Prolog im Himmel“, ab Zeile-Nr. 271)
  2. Wette (ab Zeilen-Nr. 293)
  3. Der Magie ergeben (Szene: „Nacht“, ab Zeilen-Nr. 354)
  4. Mondenschein (ab Zeilen-Nr. 398)
  5. Erdgeist (ab Zeilen-Nr. 482)
  6. Das Leben mir verhasst (ab Zeilen-Nr. 703, 1570)
  7. Geistergesang (ab Zeilen-Nr. 1447)
  8. Des Pudels Kern (ab Zeilen-Nr. 1247, seit 2014)
  9. Osterspaziergang (Szene: „Vor dem Tor“, ab Zeilen-Nr. 903, seit 2010)
  10. Das Böse (Szene: „Studierzimmer“, ab Zeilen-Nr. 1327)
  11. Grau ist alle Theorie (ab Zeilen-Nr. 1928, seit 1999)
  12. Du bleibst doch immer (ab Zeilen-Nr. 1542, 1730, 1806)
  13. Der hölzerne Tisch (Szene: „Auerbachs Keller in Leipzig“, ab Zeilen-Nr. 2260, seit 2009)
  14. Hexen-Einmaleins (Szene: „Hexenküche“, ab Zeilen-Nr. 2540)
  15. Wissenschaft (ab Zeilen-Nr. 2567)

Zweite Spielhälfte

  1. König in Thule (Szene: „Abend: Ein kleines reinliches Zimmer“, ab Zeilen-Nr. 2759)
  2. Am Golde hängt doch alles (ab Zeilen-Nr. 2783)
  3. Kein Teufel wär (Szene: „Spaziergang“, ab Zeilen-Nr. 2805)
  4. Ihr Mann ist tot (Szene: „Der Nachbarin Haus“, ab Zeilen-Nr. 2914)
  5. Er liebt mich (Szene: „Garten“, ab Zeilen-Nr. 3179)
  6. Meine Ruh ist hin (Szene: „Gretchens Stube“, ab Zeilen-Nr. 3374)
  7. Heimlich Grauen (Szene: „Marthens Garten“, ab Zeilen-Nr. 3471)
  8. Schmerzenreiche (Szene: „Zwinger“, ab Zeilen-Nr. 3602)
  9. Böser Geist (Szene: „Dom“, ab Zeilen-Nr. 3776)
  10. Zum Brocken (Szene: „Walpurgisnacht“, ab Zeilen-Nr. 3658)
  11. Hexenelement (ab Zeilen-Nr. 4016, 4035)
  12. Walpurgisnacht (ab Zeilen-Nr. 4128)
  13. Phantombild Grete (ab Zeilen-Nr. 4183)
  14. Befrei sie (Szene: „Trüber Tag. Feld“, ab Zeilen-Nr. 4399)
  15. Meine Mutter hab ich umgebracht (Szene: „Kerker“, ab Zeilen-Nr. 4427, 4544)

Diskographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CDs

  • Faust – Die Rockoper (1997)
  • Faust – Die Rockoper (4-er CD-Box Faust I + II, 2006)

DVD

  • Faust – Die Rockoper (Studioverfilmung von Faust I, 2006)

Aufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brockenbahn mit Faust-Wagen

Seit 2006 gibt es Aufführungen im Goethe-Saal auf dem Brocken im Harz. Der Ort ist mit dem Stück durch die Szene Walpurgisnacht literarisch verbunden. Dabei werden die Zuschauer im Dampfzug der Harzer Schmalspurbahnen zum Brocken rauf- und runtergefahren. Bisher gab es knapp 400 Aufführungen. Das Erfolgsprojekt entstand auf Idee und Initiative des Vertriebsleiters der HSB Dietrich E. König.[10][11][12][13]

Seit 2009 gibt es ebenfalls Aufführungen in Auerbachs Keller in Leipzig, dem Handlungsort der gleichnamigen Szene mit dem Trinkgelage der Studenten. Dabei wird die Sage vom Fassritt nach knapp 500 Jahren tatsächlich vorgeführt.[6][14]

Mephisto mit der brennenden Geige dargestellt von Falko Illing

Falko Illing ist schon zu Beginn des Projektes im Jahr 1997 in die Rolle des Mephistos geschlüpft. Er hat bisher bei sämtlichen CD- und DVD-Produktionen mitgewirkt und ist bei sämtlichen Aufführungen auf dem Brocken und in Auerbachs Keller auf der Bühne gestanden. Durch seine Kostümierung und Make-Up, verbunden mit dem brennenden Buch oder der brennenden Geige, hat er dem Projekt nach außen hin das Gesicht gegeben.

Die vielen Schülervorstellungen zeugen von der pädagogischen Qualität des Stücks. Aufgrund der Text- und Intensionstreue wird das Stück oft als motivierende Ergänzung zum Schulunterricht betrachtet.[15][16]

Im Jahr 2002 gab es mehrere Aufführungen mit einem lokalen Ensemble in Arequipa Peru. Die Aufführungen waren in spanischer Sprache mit einer inhaltsgetreuen und musikgerechten Übersetzung aus der Feder von Rocio Oporto und Gabriel Barriga Gómez.[17]

Anlässlich eines Auftritts in Hof im Jahr 2007 wurde die Rockoper in den Fernwehpark Oberkotzau Signs of Fame aufgenommen.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul M. Malone: Faust as Rock Opera. In: Osman Durrani (Hrsg.): Icons of Modern Culture Series. Helm Information Ltd., 2004.[19]
  • Bernd Mahl: Faust. Die Rockoper. Rudolf Volz setzt erstmals beide Teile in Töne – ohne Textveränderungen. Aufführungsbericht. In: Faust-Jahrbuch 2004. Herausgegeben im Auftrag der Internationalen Faust-Gesellschaft in Knittlingen, 2004.[4]
  • Paul M. Malone: They Sold Their Soul for Rock’n’Roll. Faustian Rock Musicals In: Lorna Fitzsimmons (Hrsg.): International Faust Studies. Adaption, Reception, Translation (Continuum Reception Studies), ed. Bloomsbury Academic UK, 2008.
  • Paul M. Malone: The Faust Theme in Rock Opera In: Lorna Fitzsimmons (Hrsg.): Lives of Faust: The Faust Theme in Literature and Music, De Gruyter, 2011.
  • Bernd Mahl: Teuflisch gut: Goethes Faust im Musical. In: Faust-Jahrbuch 2010–2013. Herausgegeben im Auftrag der Internationalen Faust-Gesellschaft in Knittlingen, 2013.[6]
  • Waltraud Maierhofer: Devilishly good: Rudolf Volz’s Rock Opera Faust and Event Culture. In: Lorraine Byrne Bodley (Hrsg.): Music in Goethe’s Faust, Goethe’s Faust in Music. The Bodydell Press, 2017.[16]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg Linsenmann: Goethe, let's rock! (PDF) In: Schwäbische Zeitung. Abgerufen am 27. September 1997.
  2. Roland Mayer: Faust mit dem Handy. (PDF) In: Neu-Ulmer Zeitung. Abgerufen am 29. September 1997.
  3. Gabriela Reuss: Wenn Goethe modern vertont wird. (PDF) In: Südkurier. Abgerufen am 5. November 1998.
  4. a b Bernd Mahl: Faust. Die Rockoper. Aufführungsbericht. (PDF) In: Faust-Jahrbuch 2004. Abgerufen am 1. Juli 2004.
  5. Faust die Rockoper. In: Internetseite www.faust-rockoper.de. Abgerufen am 23. Oktober 2022.
  6. a b c Bernd Mahl: Goethes Faust im Musical. (PDF) In: Faust-Jahrbuch (S. 210) 2010–2013. Abgerufen am 1. Oktober 2013.
  7. Dorothee Philipp: In Badenweiler kommt Goethes Faust als Rockoper auf die Bühne. (PDF) In: Badische Zeitung. Abgerufen am 16. Februar 2018.
  8. Susanne Thon: "Faust - die Rockoper" kommt zurück in den Harz. (PDF) In: Mitteldeutsche Zeitung. Abgerufen am 24. März 2023.
  9. The Wall Tour (1980-1981). In: Wikipedia en. Abgerufen am 5. April 2023.
  10. Burkhard Falkner: Teufel, Faust und Grete als Rockstars gefeiert. (PDF) In: Harzer Volksstimme. Abgerufen am 6. Februar 2006.
  11. Faust die Rockoper auf dem Brocken. In: Internetseite www.faust-brocken.de. Abgerufen am 28. Juni 2021.
  12. red: Erfolgsgeschichte wird in 2018 fortgesetzt. (PDF) In: nnz-online. Abgerufen am 29. Oktober 2017.
  13. Dietrich E. König, Michael Manthey: Faust, die Rockoper auf dem Brocken. (PDF) In: Harzer Schmalspurbahnen (2006). Abgerufen am 20. Oktober 2022.
  14. Faust die Rockoper in Auerbachs Keller. In: Internetseite www.faust-auerbachs-keller.de. Abgerufen am 1. Juli 2021.
  15. meb: Mephisto macht morgens Massen munter. (PDF) In: Südwest Presse. Abgerufen am 13. Dezember 2000.
  16. a b Waltraud Maierhofer: Devilishly good: Rudolf Volz’s Rock Opera Faust and Event Culture. (PDF) In: Music in Goethe’s Faust, Goethe’s Faust in Music. Abgerufen am 1. August 2017 (englisch).
  17. Nilo Cruz Cuentas: Preparan ópera rock "Fausto" en Arequipa. (PDF) In: Arequipa Al Dia. Abgerufen am 2. April 2002 (spanisch).
  18. Faust im Fernweh-Park. In: Internetseite www.fernwehpark.de. Abgerufen am 25. Mai 2007.
  19. Paul M. Malone: Faust as Rock Opera. (PDF) In: Icons of Modern Culture Series. Osman Durrani (Hrsg.), abgerufen am 7. September 2004 (englisch).