Faustina Bordoni

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Faustina Bordoni, von Rosalba Carriera
Faustina Bordoni als Attilia in der Oper Attilio Regolo ihres Ehemannes Johann Adolph Hasse (UA 12. Januar 1750, Hoftheater Dresden)
Faustina Bordoni als Berenice in der Oper Antigono ihres Ehemannes Johann Adolph Hasse (UA 20. Januar 1744, Hoftheater Dresden)
Faustina Bordoni, von Bartolomeo Nazari

Faustina Bordoni (* 30. März[1] 1697 in Venedig; † 4. November 1781 in Venedig) war eine italienische Mezzosopranistin. 1730 heiratete sie den schon designierten sächsischen Kapellmeister Johann Adolph Hasse und firmierte seitdem in den Dresdner Libretti als Faustina Hasse sowie in italienischen Produktionen nach 1730 als Faustina Bordoni-Hasse.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bordoni stammte aus einer vornehmen Familie Venedigs. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie u.a. von Alessandro Marcello, Benedetto Marcello und Michelangelo Gasparini.

Im Herbst 1716 fand im Teatro San Giovanni Crisostomo in Venedig die Premiere der Oper Ariodante von Carlo Francesco Pollarolo statt. In dieser Oper hatte Bordoni ihr sensationelles Debüt. Bis 1725 trat sie dort und an anderen Theatern Venedigs auf. 1718 und noch einmal 1719 stand sie schon zusammen mit ihrer späteren Konkurrentin Francesca Cuzzoni auf der Bühne.

Ab 1726 wirkte Bordoni an verschiedenen Theatern in London. Georg Friedrich Händel schrieb für sie mehrere Stücke und arbeitete – nach eigenen Aussagen – gerne mit ihr zusammen. Erstmals am 5. Mai 1726 trat sie zusammen mit ihrer Konkurrentin Francesca Cuzzoni am King's Theatre in London auf.[2] Dort kam es am 6. Juni 1727 bei der letzten Saisonvorstellung der Oper Astianatte von Giovanni Battista Bononcini zum Eklat, als die beiden Primadonnen während ihres Auftritts auf der Bühne zu streiten begannen. Die Folge waren für Bordoni Engagements in halb Europa. Die nächsten Jahre sang sie in Parma, Florenz, Turin, Mailand, Rom und Venedig. Durch diese Tourneen wurde sie eine der bestbezahlten Sängerinnen Europas.

1730 heiratete Bordoni den deutschen Komponisten Johann Adolf Hasse. Mit ihm zusammen wurde sie im darauf folgenden Jahr an die sächsische Hofoper in Dresden engagiert. Bis 1747 war sie als Primadonna der Hofoper unumstritten. Da ihre Stimme zu diesem Zeitpunkt erste Spuren des fortschreitenden Alters zeigte, suchte der Hof nach einer Nachfolgerin, die in der Sopranistin Regina Mingotti gefunden wurde. Obwohl diese vorerst nur als zweite Sängerin engagiert wurde, kam es in kürzester Zeit zu erbitterten Streitigkeiten zwischen den beiden, über die Briefe Metastasios und Pisendels Auskunft geben. Erst 1750 wurde der Zwist beigelegt, da Mingotti ein Jahr lang nach Neapel engagiert wurde. 1751 nahm Bordoni ihren Abschied von der Bühne, Mingotti wurde ihre Nachfolgerin als Dresdner Primadonna.

Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde die Dresdner Hofoper geschlossen. Durch einen bei der Beschießung Dresdens ausgebrochenen Brand verloren Bordoni und ihr Ehemann Hasse einen großen Teil ihrer Habe. Sie gingen 1760 nach Wien, wo sie mit ihrem Sohn und zwei Töchtern einige Jahre (mindestens bis 1772) lebten, bevor sie nach Venedig übersiedelten.[3] Im Alter von 84 Jahren starb Faustina Bordoni am 4. November 1781 in Venedig.

Stimme, Gesang und schauspielerische Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Joachim Quantz charakterisierte in seinem Lebenslauf von ihm selbst entworfen, der Aufnahme in Friedrich Wilhelm Marpurgs Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik fand, Faustina Bordonis Stimme, Gesang und schauspielerische Fähigkeiten wie folgt:

„Die Faustina hatte eine zwar nicht allzu helle, doch aber durchdringende Mezzosopranstimme, deren Umfang sich damals vom ungestrichenen b nicht viel über das zweygestrichene g erstreckte, nach der Zeit aber sich noch mit ein paar Tönen in der Tiefe vermehret hat. Ihre Art zu singen war ausdrückend und brillant (un cantar granito). Sie hatte eine geläufige Zunge, Wirte geschwind hintereinander und doch deutlich auszusprechen, eine sehr geschickte Kehle, und einen schönen und sehr fertigen Trillo, welchen sie, mit der größten Leichtigkeit, wie und wo sie wollte, anbringen konnte. Die Passagien mochten laufend oder springend gesetzt seyn oder aus vielen geschwinden Noten auf einem Tone nacheinander bestehen, so wußte sie solche in der möglichsten Geschwindigkeit so geschickt heraus zu stossen, als sie immer auf einem Instrumente vorgetragen werden können. Sie ist unstreitig die erste, welche die gedachten, aus vielen Noten auf einem Tone bestehenden Passagien im Singen, und zwar mit bestem Erfolge, angebracht hat. Das Adagio sang sie mit vielem Affect und Ausdrucke; nur mußte keine allzu traurige Leidenschaft, die nur durch schleiffende Noten oder ein beständiges Tragen der Stimme ausgedrücket werden kann, darinne herrschen. Sie hatte ein gutes Gedächtnis in den willkührlichen Veränderungen und eine scharfe Beurtheilungskraft, um den Worten, welche sie mit der größten Deutlichkeit vortrug, ihren gehörigen Nachdruck zu verleihen. In der Action[4] war sie besonders stark; und weil sie der Vorstellungskunst, oder, mit Herrn Mattheson zu reden, der Hypokritik, in einem hohen Grade mächtig war, und nach Gefallen, was für Minen sie nur wollte annehmen konnte, kleideten sie so wohl die ernsthaften als verliebten und zärtlichen Rollen gleich gut: Mit einem Worte, sie ist zum Singen und zur Action gebohren.“[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Faustina Bordoni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.theaterforschung.de/rezension.php4?ID=887&PHPSESSID=
  2. Baselt, Bernd, Händel-Handbuch: Band 1, Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, S. 21, ISBN 978-3-7618-0610-4
  3. Constantin von Wurzbach: Hasse, Faustina. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 8. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1862, S. 41 f. (Digitalisat).
  4. gemeint sind die schauspielerischen Fähigkeiten / die schauspielerische Darstellung auf der Bühne
  5. Zitiert nach Friedrich Wilhelm Marpurg: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik. Band 1. Schütze, Berlin, S. 240–241