Fayiz as-Sarradsch

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Fayiz as-Sarradsch (2017)

Fayiz as-Sarradsch (auch Fajes Serradsch und Fayez al-Sarraj, arabisch فايز مصطفى السراج, DMG Fāyiz Muṣṭafā as-Sarraǧ; * 20. Februar 1960 in Tripolis, Königreich Libyen) ist ein libyscher Politiker und ehemaliger Architekt.

Er ist seit dem 15. März 2016 der international anerkannte Ministerpräsident der libyschen Übergangsregierung Government of National Accord (GNA) und das Staatsoberhaupt Libyens („Präsident des Präsidentenrates“). De facto ist er allerdings nur der Machthaber von Tripolitanien und steht in Konkurrenz zum faktischen Machthaber der Kyrenaika, Chalifa Haftar.

Am 15. Juli 2018 erklärte der Sprecher des Parlaments in Tobruk Aqilah Salah, die internationale Anerkennung von Fayez al-Sarraj für illegal. Die Armee werde das westliche Libyen befreien genauso wie zuvor Bengasi und Derna. Die Vereinbarungen, die unter der Schirmherrschaft der UN getroffen wurden, wurden nicht vom Abgeordnetenrat unterschrieben und übergingen auch die gesetzgebenden Behörden in Libyen.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

As-Sarradschs Vater war bereits Minister im Königreich Libyen. Er selbst wurde 2012 als Abgeordneter des Parlaments in Tripolis, des Allgemeinen Nationalkongresses, gewählt. Während der kurzen Amtszeit von Ahmed Miitig wurde er zum libyschen Bauminister ernannt. 2014 wurde er in den Abgeordnetenrat gewählt, der aus der Parlamentswahl 2014 hervorgegangen ist.

Im Oktober 2015 wurde der parteipolitisch unabhängige Fayiz as-Sarradsch unter Vermittlung der UNO zum Ministerpräsidenten einer Einheitsregierung aus den beiden jeweils international anerkannten und nicht anerkannten Parlamenten ernannt, um den zweiten libyschen Bürgerkrieg seit 2014 zu beenden.

As-Sarradsch, der aus dem Westen stammt, aber als einer der wenigen Abgeordneten des Westens dem regulären Parlament in den Osten folgte, galt im Konflikt als neutraler Akteur.

Allerdings konnte die Einigung erst im Dezember des Jahres umgesetzt werden. Als Fayiz as-Sarradschs Stellvertreter wurde Ahmed Miitig ernannt. Im März 2016 wurde seine Regierung von der internationalen Gemeinschaft als rechtmäßige Regierung des libyschen Volkes anerkannt. Sie steht dennoch weiterhin in Konkurrenz zur libyschen Regierung in Tobruk und zu dem dort ansässigen Parlament, welche seine Regierung nicht anerkannt.

As-Sarradsch und Miitig erreichten Ende März aus dem tunesischen Exil kommend Tripolis, woraufhin in den folgenden Wochen weite Teile des Westens, als auch Teile des Ostens die neue Regierung anerkannten.[2]

Als bisher größter Erfolg von as-Sarradsch gilt die Befreiung von Sirte im August 2016 durch seine Militärverbände, wo der Islamische Staat ab 2015 ein Terrorregime errichtet hatte.

2017 fanden verschiedene Treffen zwischen Serradsch und Haftar statt, die allerdings bisher keinen Durchbruch oder einen Friedensschluss, sondern lediglich Absichtserklärungen erreichten.[3] Ende 2017 entspannte sich die Lage zwischen as-Sarradsch und Haftar. Beide strebten Parlamentswahlen für Ende 2018 und die Bildung einer vereinigten libyschen Armee an, welche das Land befrieden und Neuwahlen ermöglichen sollte. Seit Oktober 2017 liefen dazu Gespräche in Kairo.[4]

2019 scheiterten diese Gespräche und es kam zu direkten Kampfhandlungen zwischen den Truppen der zwei Machthaber.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fayez al-Sarraj – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Tobruk parliament speaker says ‚the army‘ will ‚liberate‘ western Libya as it did in Benghazi and Derna“, The Libya Observer, 15. Juli 2018.
  2. „Chief of Libya's new UN-backed government arrives in Tripoli“, The Guardian, 30. März 2016.
  3. „Libyan PM Al-Sarraj and Haftar agree to ceasefire at Paris talks“, France 24, 25. Juli 2017.
  4. „Libyan military officials meet in Cairo, agree on preserving unified, sovereign state“, Ahram Online, 20. März 2018.
  5. Christoph Sydow: Vormarsch von Warlord Haftar: In Tripolis scheitert Europas Libyen-Politik. In: Spiegel Online. 8. April 2019 (spiegel.de [abgerufen am 8. April 2019]).